Hörenswertes: Scott Walker & Sunno))), Marianne Faithfull, Damien Rice, Pink Floyd, TV on The Radio

fluchtpunkthafen

Au revoir, auf Wiedersehen
goodbye, tschüss und baba
es ist soweit, adiós, au revoir
(Ja Panik- Au Revoir)

Scott Walker & Sunno)))) –  Soused

(4AD / Beggars / Indigo, 17.10.2014)

lalalaIch komme nicht drumherum, erst einmal zu lachen. Scott Walker eröffnet mit seinem pathetischen Gesang ein merkwürdiges Album, das mich irgendwie an die umstrittene Kollaboration von Metallica und Lou Reed erinnert. Ich möchte das ganze hier wirklich abfeiern und als großartiges Projekt von genialen Querdenkern loben, aber es passt einfach nicht. Es ist teilweise komplette Satire, was hier geboten wird und man fragt sich warum Lulu seinerzeit so zerrissen wurde, während Soused von den Kritikern als geniales Meisterwerk gehypt wird. Ich habe nur bei dem neuen Swans-Album noch weniger empfunden, als bei dieser total missglückten Kollabo, die absolut nicht nach einer Neuauflage schreit. Swans-Jünger können hier allerdings gleich weiter leiden und sich auch dieses Album als Survival-Trip in ihre Vita aufnehmen.

Marianne Faithfull – Give my love to London

(Indigo, 26.09.2014)

photoIrgendwie hätte Marianne Faithfull auf dem Sunno)))-Album besser funktioniert. Ihre Stimme ist nicht schön, aber charismatisch und hat mehr Schmerz als das operettenhafte Pathos von Scott Walker. Immerhin darf man trotzdem bei beiden nur respektvoll das Haupt senken, denn dass diese beiden ehemaligen Pop-Ikonen der 60er Jahre später ernsthafte und komplexe Künstler sein könnten, hätte sich wohl damals kein Bravo-Leser träumen lassen.

True Lies ist ein wunderbar schiefer Pop-Song, bei dessen Hören man Hildegard Knef ihren Ruf als beste Nicht-Sängerin posthum wieder nehmen möchte. Aus der Stimme von Marianne Faithfull hört man die Wunden und Erfahrungen, die ein turbulentes Leben nahe am Tod hinterlässt, das Ganze aber verpackt in ein schön folkiges Umfeld. Deep Water…

Damien Rice – My Favourite Fared Fantasy

(Warner, 31.10.2014)

damienriceWas passt eigentlich besser zu nebelgrau und Schmuddelwetter als Damien Rice? Die letzten 8 Winter haben wir leider auf ein aktuelles Album des Virtuosen verzichten müssen und nun endlich ist der traurige Barde aus meinen frühen 20ern zurück. Wer die Vorgänger O und 9 hat, sollte sich auf keine großen Änderungen einstellen, geboten werden wieder wie immer diese traurigen Folk-Balladen, die einen melancholisch und seufzend aus dem Fenster blicken lassen. Damien Rice gibt wieder den gebrochenen Mann, der über die Schattenseiten von Beziehungen und Liebesschmerz singt. Das hat ihm damals einen kleinen Hype verschafft, der sogar in Soundtracks für Hollywood und als Hintergrundbeschallung in US-Serien endete.

Während sich manch einer bei Castings bis zu Selbstverleumdung entblößt, um gerade mal einen kurzen Moment etwas Ahnung von Ruhm zu bekommen, hat Rice sich seit dem letzten Album von 2006 zurück gezogen, auch um seine schwierige Beziehung zur seiner Ex-Freundin Lisa Hannigan zu verarbeiten, unter anderem in dem wirklich wunderschönen The Greatest Bastard. Es darf bezweifelt werden, dass diese Form des Selbstmitleid wirklich zurück zu der ehemaligen Lebensgefährtin führt; jedem, der mal unglücklich verliebt war (und wer war das bitte nicht?), müssen hier ab und zu ehrliche Tränen kommen. Ein schön-schmerzhaftes Album für die dunkle Jahreszeit und zumindest wir gequälten First World-Problem Menschen schließen Damien Rice natürlich wieder in unser Herz.

Pink Floyd – The Endless River

(Warner, 07.11.2014)

PFFull

Herzlich willkommen zur Beerdigung! Wir nehmen Abschied von einer der größten Bands aller Zeiten. Wohl kaum ein ernstzunehmender Künstler, der nicht mindestens ein Album der Progger im Regal hat oder durch sie beeinflusst wurde. Sicherlich, auch für diese einstigen Pioniere und Sound-Abenteuerer war die Reise irgendwann zu ende und es folgten mittelprächtige Alben und ein Ausruhen auf dem eigenem Ruhm. Ich selber habe Pink Floyd leider zu Division Bell Zeiten kennen gelernt, als aus den ehemals bekifften Virtuosen bereits glatzköpfige Yuppies geworden waren, deren Name sogar ein Volkswagen trug, und die damit zu einer Linie zwischen Hausfrauen-Betörer Bon Jovi  und Bryan Adams gehörten. Es war gut als es dann endlich 1994 vorbei war, auch wenn High Hopes ein schönes Finale bedeutete. Roger Waters, der im Streit aus der Band schon früher schied, bezeichnete das Album gallig sogar als “Bockmist”.

Genau aus diesem Bockmist entstammt das neue Album The Endless River, dessen Skizzen aus dem Aufnahme-Sessions entnommen und neu aufpoliert wurden. Klingt wie 1994 und ruft nach all den Jahren erstmal einmal ein wohliges Gefühl der Nostalgie hervor, wenn Gilmore seine Gitarre wieder aufjaulen lässt. Wie auf “The Division Bell” sind es wieder Zitate aus der einstmals großen Zeit aus den Jahrhundert-Alben wie “Wish You Were Here” in ihrer epischer Entrücktheit, es gibt sogar auch einen “High Hopes”-Clone namens “Surfacing”. Das hier alles auf allerhöchsten Produktions-Level stattfindet war eh klar. Nur ist es leider auch diese klinische Perfektion, die ich an den späten Pink immer ekliger fand und die mir diese Gruppe lange Zeit verleidet hat, bis ich eben in das atemberaubende Frühwerk der Band eingestiegen bin und große Abenteuerlust und sehr viel Seele darin erkannte. The Endless River bewegt sich hingegen inzestuös und kreisförmig in eigenem Sonnensystem, abgekoppelt und entrückt. Ein Fest für Audiophile, aber für das Ende einer langen Reise doch enttäuschend lustlos und alterstarrsinnig (Waters, anyone?).

Tv On The Radio – Seeds

(Harvest, 18.11.2014)

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Tja, die alten Herren! Hättet ihr doch mal Tv On The Radio gehört. So geht Prog: Spaß und tolle Songs. Okay, über die letzten Jahre ist der Prog-Aspekt ein bisschen nach hinten gerückt, was aber rein gar nichts macht, wenn man Pop ebenso beherrscht wie seine Fähigkeiten an den Instrumenten. Die Gruppe aus Brooklyn hätte auch ein düsteres Konzeptalbum über den Tod von Bandmitglied Gerald Smith schreiben und sich wie Thom Yorke einen komplett introvertierten Sound gestalten können, der wenig Zugang zulässt. Die Band scheint sich aber dem flirrenden Leben zuzuwenden und überrascht mit zugänglichen Melodien und einem Sound, der mehr an Bloc Party erinnert als die komplexen Welten vom Debüt “Return To Cookie Mountain”. Die Innovation muss diesmal eine Pause einlegen, als Tausch bekommt man das homogenste Album von TONTR und eine verdammt feine Pop-Scheibe mit viel Seele #Pink Floyd.

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Vinyl-Rezi

Sun Kill Moon – Benji (Black Vinyl Edition)

Ich bin ja immer noch der Meinung, hier eines der Alben des Jahres in der Hand zu halten, und das Mark Korzelek die in meinen Augen sehr öden War On Drugs disst, macht ihn zumindest für mich nicht unsympathischer.

Benji ist als Vinyl leider nur in einer limitierten Auflage zu bekommen und es empfiehlt sich immer mal wieder auf die üblichen Verdächtigen wie HHV oder Vinyl-Digital.de einen Blick zu riskieren. Dort gibt es das feine Album in mehreren Variationen, wie gelb, blau, clear und black.

Ich habe mich jedenfalls noch nicht satt gehört an dieser LP, die Bon Iver- und M. Ward-Fans zusagen dürfte und tragische, komische und herzerwärmende Geschichten aus dem amerikanischen Hinterland erzählt.

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