20 Years – Happy Birthday, liebe Playstation

SONY DSC

Im Dezember 2014 wird die Sony PlayStation zwanzig Jahre alt. Um genau zu sein, am dritten Dezember 1994 erblickte sie in Japan das Licht der Welt. Die Amis mussten, so wie es damals üblich war, fast ein Jahr länger auf die US-Modelle der Konsole warten, die die Videospielwelt nachhaltig verändern sollte.  Und wir Europäer mussten sogar noch ein bisschen länger auf dem trockenen sitzen. Seit Ende September 1995 stand das Teil auch in deutschen Elektromärkten, und ich könnte jetzt viel über die technischen und historischen Hintergründe der PSX (warum eigentlich das “X”?) schreiben, darüber dass es fast zu einer Nintendo PlayStation gekommen wäre, dass selbst eine Sega PlayStation eine zeit lang eine Option war, aber all das kann man auch ganz gut bei Wikipedia nachlesen und diverse Videospieljournalisten, Vlogger und Blogger haben das schon weitaus ausführlicher und auch besser getan. Daher eher so ein paar persönliche Erinnerungen und Gedanken, garniert mit vielen Glückwünschen an die großartige, graue Kiste:

1994 war ein Jahr, in dem ich mich intensiv mit Videospielen auseinandergesetzt habe. Als Nintendofanboy hatte ich die NES und SNES-Bibliotheken (Der Ausleihmöglichkeit von Videospielen in Videotheken sei dank) rauf und runter gezockt und auch so manchen Atari- und Sega-Klassiker bereits hinter mir. Die Videogames (beste deutsche Videospielzeitschrift ever) kam jeden Monat zuverlässig mit der Post zu mir nach Hause und auch andere Zeitschriften wie die Man!ac, Power Play etc. standen regelmäßig auf meinem Speiseplan. Es war an der Zeit – die 16-Bit Konsolen waren langsam in die Jahre gekommen -, sich Gedanken darüber zu machen, wie die Next Gen aussehen würde und welche Konsole davon ich von meinem mühsam gesparten Taschengeld kaufen wollte. Tatsächlich hat mich die Playstation bei ihren ersten Ankündigungsschnipseln ziemlich kalt gelassen. Oh, großartig, noch eine CD-Rom-Konsole von einem Elektrohersteller, der vorher nicht viel mit Videospielhardware am Hut hatte. Jepp, Philips CDI und Panasonics 3DO waren nicht ganz spurlos an mir vorüber gegangen. Gerade in letzteres hatte ich große Hoffnungen gesetzt, um dann durch den absurd hohen Preis und die mangelhafte Spielauswahl mehr und mehr abgeschreckt zu werden. Auch das Sega CD und der Amiga CD32 ließen die Kombi “Next Generation + CD-Basiert” nicht gerade in gutem Licht erstrahlen, was sollte da bei der Playstation anders sein?

Oh, wie ich mich in meinem Pessimismus geirrt hatte! Von Beginn an machte die Playstation klar, dass sie kein weiteres Abspielgerät für billige FMV-Games im Stile Dragon’s Lair ist, dass sie nicht in die Falle der Mega CDs und 3DOs laufen will. Und das Spiel, das mit dieser Erkenntnis verbunden war, lautete auf den Namen Ridge Racer. Als die ersten Bilder der Umsetzung des Arcade-Racers für den Heimgebrauch von Japan hereinschneiten, war ich hin und weg. Sonys Kiste war die erste Konsole – sofern man keine tausende von Dollars für ein Neo Geo ausgeben wollte -, die perfekte 1:1-Umsetzungen von Arcademonstern im Wohnzimmer ermöglichte. Ridge Racer sah aus wie direkt aus der Spielhalle. Keine Kompromisse, kein kastrierter Port, sondern unmittelbare Arcade-Awesomeness. Da fühlte es sich auch nicht komisch an, dass das Spiel nur eine Rennstrecke zu bieten hatte und dass bis auf den Münzeinwurf alles an der Heimumsetzung nach Spielhalle schrie… Nope, das war einfach “The next big thing”. Zum ersten Mal in der Geschichte der Videospiele war es möglich die Großartigkeit der Spielhalle für einen lächerlich geringen Preis ins Wohnzimmer zu bringen.

Wie ziemlich schnell klar wurde, leitete Sony damit dann auch das Ende des goldenen Arcadezeitalters ein. Wenn schon so eine gewaltige Technik plötzlich auch zu Hause möglich war, warum bei den Automatenports stehen bleiben und nicht gleich ganz neue Spielerlebnisse, in Kombination von Arcade-Technik und Konsolen-Epik, für das hungrige Gamervolk kreieren? Als die Playstation 1995/1996 den europäischen Boden betrat hatte sie nicht nur fantastische, kurzweilige Action-Arcade-Titel wie Ridge Racer, Tekken und Time Crisis in Gepäck sondern begann auch bald – in zwiesamer Eintracht mit dem damaligen Hauptkonkurrenten Sega Saturn -, große, epische Konsolenabenteuer zu entwerfen, die aussahen wie aus der Spielhalle, sich zugleich aber spielten wie klassische Wohmnzimmertitel, die mehr als nur ein paar Stunden begeistern konnten. Das Spiel, das für mich wohl am meisten mit dieser sexy Kombination verknüpft sein sollte, war Capcoms Resident Evil, das im Sommer 1996 die europäischen Videospielbühnen betrat. Hölle, was für ein großartiger Horrortrip. Auf einen Schlag waren frühere “Grusel”-Spiele wie Alone in the Dark Schnee von gestern. Die Kombination von Adventure, Shooter-Action und (nach heutigen Maßstäben ziemlich trashigen) Videosequenzen war tatsächlich ein Spielerlebnis einer neuen Generation, inklusive unfassbarer Immersion, Klaustrophobie, Desorientierung und Jump Scares.

Im Laufe ihres Lebenszyklus feierten noch einige andere solcher Meisterwerke auf der Playstation ihren Einstand. Um nur ein paar zu nennen, die mich komplett begeistert und lange Zeit vor dem Fernseher haben sitzen lassen: Final Fantasy VII, der durch und durch gelungene Transfer des klassischen Square-RPG-Prinzips in die dritte Dimension, Crash Bandicoot, nach wie vor eines der besten 2 1/2D Jump N Runs und wenn auch nicht so episch wie der damalige Konkurrent Mario64 so doch der beste Beweis dafür, dass nicht nur Nintendo dazu in der Lage ist, smoothe, abwechslungsreiche Plattformer zu produzieren. Dann natürlich Destruction Derby, Die Mutter aller “Ich mache lieber alles kaputt, anstatt zu gewinnen”-Rennspiele. Metal Gear Solid, die Geburt einer Legende und die Revolution des Schleich- und Versteckspiels mit gezogener Waffe. Tony Hawk’s Skateboarding, das eine perfekte Balance zwischen Casual-Tricksereien und anspruchsvoller Skateboard-Simulation bot. Grand Theft Auto, das den Open World Amoklauf kultivierte… Und das waren gerade mal die fantastischen Bestseller: Mit ungewöhnlichen Spielerlebnissen wie Oddworld, Pandemonium, Clock Tower, Echo Night und Suikoden ware die PSX (warum eigentlich das X?) auch im Semi-Indie-Bereich ziemlich gut aufgestellt.

Die Playstation war aber nicht nur – neben dem Saturn – die erste Konsole der neuen Generation, die tatsächlich gute Spiele zu bieten hatte, sie war zudem auch die erste Konsole der Videospielgeschichte überhaupt, die so etwas wie Style ins Wohnzimmer brachte. Ich erinnere mich noch gut daran, dass plötzlich jeder eine Playstation haben wollte, haben musste… und das lag gar nicht nur so sehr an der gigantischen Spielauswahl, sondern auch am 90’s Coolness-Faktor. Die Playstation war die erste Konsole, die sich auch Erwachsene jenseits von Nerdhaushalten ins Wohnzimmer stellten, nicht einfach nur ein Spielzeug, sondern auch ein elektronisches Gadget für den mondänen 90er Jahre Hipster (lange Zeit bevor es den Hipster im eigentlichen Sinne gab). Wenn man an die Öffnung der Videospielkultur hin zur Massenkultur, hin zum Casualmarkt denkt, kommen einem als erstes Handygames und die Wii in den Sinn… tatsächlich lagen die Anfänge aber in der PSX-Ära, die mit ihren Fifa-, Tekken- und Ridge-Racer- Only-Spielern eine erste Welle der Kasualisierung der Videospielkultur einleitete. Plötzlich zockten auch die jungen Erwachsenen, die vorher nur an ihren Autos rumgeschraubt, die ihren Lebensstil zuvor durch Techno, Fitnessstudio und US-Actionfilme kultiviert hatten. Die Playstation war DIE Konsole der coolen Leute, der Trendsetter und Trendfollower, und damit auch ein wesentlicher Bestandteil der Öffnung der Videospielszene, weg vom infantilen Kellernerd-Klischee, hin zur allgemeinen Unterhaltung; ganz zu schweigen von den familiengerechten Casualgames, die später auf der PSone, und dann noch stärker auf der Playstation 2 das Licht der Welt erblickten: SingStar, EyeToy etc… ohne Sony hätte die Videospielkultur niemals einen derartigen Boost Richtung Mainstream erlebt, mit allen Licht- und Schattenseiten, die dieser Boost mit sich bringt.

Anyway, die Videospielkultur und die Videospielszene haben Sonys Kiste eine Menge zu verdanken. In ihr wurde das Konzept einer universellen Konsole, über das Spielen hinaus, geboren und geprägt. Ohne Playstation keine PS2, keine PS3, keine PS4… aber auch – sehr wahrscheinlich – ohne die Playstation keine XBox, kein Dreamcast und auch keine Wii. So bleibt die erste wirklich erfolgreiche “3D-Konsole” ein Stück Videospielgeschichte und selbst bei den heute mitunter antiquiert wirkenden großen Polygonen, den teilweise unfassbar hässlich scheinenden Texturen lösen PS1-Spiele in mir immer noch enorme Glücksgefühle auf. Mit ihrer gewaltigen Bibliothek zwischen großartigen Arcadeumsetzungen, epischen 3D-Abenteuern, coolen 90’s Image-Games und familienfreundlichen Casual-Partyknallern ist die Playstation ein Musterbeispiel an videospielkultureller Vielfalt, über jede Grenzen hinaus, vom Wohnzimmer zum Kinderzimmer über die Studenten-WG bis zum Club, ein Stück in Plastik gegossene Zeitgeschichte, die ihre Zeit – so sehr sie auch in ihr verhaftet war – lange überdauern wird. Danke Sony, danke Playstation für all die exzellenten Spielerlebnisse. Happy Birthday und wir sprechen uns in zwanzig Jahren beim großen PS8-Event wieder.

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