Ein paar Gedanken zu #Gamergate

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Ich habe mich nun echt lange schwer getan mit der Überlegung, ob ich überhaupt etwas zu #Gamergate publizieren soll, nachdem ich mich seit einigen Wochen durch die Untiefen dieses Diskurses quäle. Zwischenzeitlich dachte ich an einen Vlog-Beitrag (Weil Youtube in dem Fall tatsächlich ein nicht zu unterschätzendes Meinungstool zu sein scheint), dachte an eine längere Reportage, einen schnippigen Kurzkommentar und lande mit diesem Text wahrscheinlich irgendwo dazwischen. Die Gründe für mich, ein paar Gedanken zu dem Thema zu veröffentlichen, liegen dabei gar nicht einmal so sehr darin, dass es gerade ein großartiges Reizthema, eine (zumindest scheinbar) sehr kontroverse und ambivalente Debatte ist, sondern schlicht und ergreifend in der Tatsache, dass mir sowohl soziale Fragen als auch die Videospielkultur sehr am Herzen liegen, dass ich mich durch und durch als (kultureller) Nerd und Gamer verstehe und zugleich wohl das bin, was in der Debatte gerne mal spöttisch als “Social Justice Warrior” bezeichnet wird. Sorry, ich merke gerade, dass ich dabei bin, Epona von hinten aufzuzäumen. Nicht wenige, die das hier lesen, werden irritiert mit den Schultern zucken: “‘Gamergate?’ Nie gehört!”. So richtig ist der Diskurs inklusive Hashtag nämlich noch nicht in der deutschsprachigen Öffentlichkeit angekommen (manche würden sagen “leider”, andere würden sagen “zum Glück”) und daher ist es wahrscheinlich – obwohl die Schlammschlacht mittlerweile seit über 3 Monaten im englischsprachigen Netz tobt – sinnvoll an dieser Stelle bei 0 anzufangen.

Ein Überblick über #Gamergate: Was ist das überhaupt, und was genau ist da passiert?

Im Grunde genommen lässt sich #Gamergate nicht erklären, ohne die zwei – komplett divergierenden – Narrative zu nennen, mit denen der Hashtag und die dazugehörige Bewegung von Anfang an verknüpft sind.

Narrativ, Nr.1: Eine Schar engagierter Gamer deckt im Internet Korruption in der Videospiellandschaft auf und setzt sich gegen diese zur Wehr. Dabei wird sie von der Gegenseite, bestehend aus hysterischen Gutmenschen, des Sexismus und der Misogynie beschuldigt, während die Gutmenschen wiederum von der Gaming-Presse gedeckt werden, die so ihre internen Probleme verschleiern kann.

Narrativ, Nr. 2: Aufgestachelt von Gerüchten formiert sich im Internet ein aggressiver Mob, der mit sexistischen Beleidigungen und Morddrohungen versucht, eine Indie-Entwicklerin und eine Videospieljournalistin aus der Videospielszene zu mobben. Gedeckt wird dieser Mob von naiven Gamern, die immer wieder betonen, eigentlich ginge es doch nur um eine Diskussion über Ethik im Gaming-Journalismus.

Ich werde gleich auf die beiden Narrative zurückkommen, aber zuerst will ich versuchen, einmal kurz die Ereignisse rund um #Gamergate zusammenzufassen. Es geht mir dabei weniger um eine Auflistung aller Ereignisse (was einfach mal den Rahmen dieses Textes sprengen würde), sondern viel mehr einen Überblick darüber, was es an wesentlichen Geschehnissen gab und vor allem eine Zusammenfassung für all diejenigen, die von #Gamergate bisher nur am Rande erfahren haben, was in der deutschen Videospielszene gar nicht so wenige sein dürften. Außerdem soll dieser Überblick kein Report für die 10%-Nerd/4chan/Twitter-Masterrace werden, sondern auch für die verständlich, die sich in den involvierten Communitys nicht so oft rumtreiben. Gerade Leute, die sich in den letzten Monaten mit dem Diskurs auseinandergesetzt haben, wird daher fürs Erste nicht viel Neues auftauchen und die en detail Erklärungen zu einzelnen Akteuren könnten sie sogar ermüden. Falls ihr euch davon angesprochen fühlt (you know who you are) können also gleich weiter runter zu meiner Einschätzung des gesamten Diskurses scrollen.

Vorgeschichte

Seinen Anfang nahm #Gamergate – wie so viele Netzdiskurse – auf dem berühmt berüchtigten Board 4chan. Genau, jenes 4Chan, das die dpa recherchefaul als “Hacker namens 4chan” bezeichnet hat. Jenes 4chan, das für viele der letzte Platz eines utopischen, anarchistischen Darkwebs bedeutet. Das 4Chan, das erst vor kurzem durch die geleakten Prominacktfotos traurige Berühmtheit erlangte. Es gab mal eine Zeit, da galt dieses Board (auf dem jeder anonym fast(!) alles veröffentlichen darf) als Avantgarde des Internets, als ein Hort glücklicher Nerds, die noch all das tun konnten, was dem Mainstream (SIC!) zu wider war. Ein Board, auf dem jeder der wollte, alles abladen durfte, was er konnte: Bilder, Links, Meme, Gaga, Dada… alles zwischen großer Netzkultur, progressiver Kunst und alberner Banalität, inklusive Beleidigungen, Shitstorms und skurrilen Insider-Jokes, die niemand außer drei Eingeweihte versteht. 4Chan war tatsächlich mal Netzkulturspeerspitze: Zahlreiche Memes wurden hier geboren, Internet-Tropes aus der Taufe gehoben und oft fand man dort das zuerst, was einen Monat später bei reddit rumgereicht wurde, dann in diversen Blogs landete, um wiederum einen Monat später durch die große Presselandschaft zu wandern… und drei Jahre später auf dummen Clickbait-Sites wie 9gag oder heftig wiederverwurstet zu werden. Ohne da zu tief reinzuspringen, will ich doch kurz konstatieren, dass sich dies in den letzten Jahren ein wenig geändert hat: 4chan hat sich zum Wallace & Gromit des Internet entwickelt. Zu einer Runde alter Herren, die darüber lästern, dass früher alles besser war und sich gegenseitig bedeutungslose, Memes an den Kopf werden. 4Chan hat sich als Ganzes innerhalb kürzester Zeit vom coolen Crowdsurfer zum langweiligen, betrunkenen Spießer mit elitärer Arroganz entwickelt… auch wenn sich nach wie vor hin und wieder grandiose Entdeckungen auf dem Board machen lassen. Aber genug dazu.

Ende August tauchte auf 4chan ein Link auf zu einem Text von Eron Gjoni, in dem dieser mit seiner Ex-Freundin Zoe Quinn abrechnete: Inhalt des Textes war, dass Zoe Quinn ihn während ihrer Beziehung mit mehreren Männern betrogen und sich in vielerlei anderer Hinsicht ihm gegenüber unfair, verlogen und manipulativ verhalten hätte. Im Grunde genommen ist der Text eine einzige Abrechnung eines frustrierten, verlassenen Mannes, der das Bedürfnis hat, die schmutzige Wäsche aus der Beziehung mit der Öffentlichkeit zu teilen.

I dated Zoe Quinn. I thought she was the most amazing, kind hearted person in the world. Turns out she was bullshitting pretty much everything I fell in love with her for, and is actually an unbelievable jerk. She lied to and manipulated me for months — effortlessly — because it was not believable that someone could be that selfish of a person, that convincing of a liar, and that good of a manipulator, while completely ignoring the very principles she so adamantly espoused. So I dumped her. Here’s some stuff she did / does in no particular order or tense

Nun ist die in dem Text angegriffene Zoe Quinn keinesfalls eine Unbekannte in der Gaming-Szene: Sie ist Entwicklerin des von der Presse hochgelobten – von einigen Gamern massiv kritisierten – Kunst/Experimentalspiels Depression Quest, eine Art Textadventure mit relativ geringer Interaktivität aber einem atmosphärisch extrem dichten Storytelling rund um Depression. Ein kleines Kunstwerk, das neben Spielen wie Braid oder The Path bewies, dass Videospiele weitaus mehr sein können als bloße Unterhaltung und Berieselung. Allerdings hat sich Zoe Quinn mit diesem Spiel nicht nur Freunde gemacht. Schon seit Langem gibt es in der Videospielszene – teilweise berechtigt, zum Großteil unberechtigt – eine mitunter fast schon paranoid Angst davor, dass der vormals exklusive Club, anspruchsvoller Gamer, die anspruchsvolle Games zocken, erodieren könnte, zum einen durch Casualgames auf iPadWiiAndroid-Devices zum andern durch solche Antispiel/Kunstprojekte wie eben Depression Quest. Die Angst besteht darin, dass all das, was die Videospielkultur “awesome” macht, verschwinden und durch etwas Neueres, Schlechteres, was nichts mit Gaming zu tun hat, ersetzt werden könnte. Dadurch war Quinn bereits vor dem Rant ihres Exfreundes eine gewisse Hassfigur in der “Core-Szene”: Die Vorwürfe gegen sie bestanden vor allem darin, dass sie für ein so simples Spiel viel zu viel Aufmerksamkeit erhalten würde, dass sie wegen vermehrter öffentlicher Auftritte eine Attention Whore wäre und dass sie jede Gelegenheit nutzen würde, ihr Spiel übertrieben oft und übertrieben viel zu promoten, gipfelnd in extreme Anfeindungen, die sie bereits Ende 2013, Anfang 2014 zu ertragen hatte.

Nein, Zoe Quinn war schon vor diesem Vorfall in bestimmten Kreisen der Gamerszene alles andere als beliebt. Was allerdings in Folge von Gjonis Text auf 4chan (daran anschließend auf reddit, youtube und Twitter) abging, schlägt alles zuvor Dagewesene. Ein Schwall an Kritik, akribisches Wühlen in ihrer Privatsphäre, die Suche nach weiterer schmutziger Wäsche (so wurde immer wieder der Clinch Quinns mit einer anderen Spielentwicklerinnentruppe thematisiert) und das alles flankiert von zahllosen Beleidigungen, Anfeindungen und – man kann es nicht anders sagen – beängstigender Hate Speech. Die Quinn-Kritiker konzentrierten sich dabei vor allem auf die Aussage Gjonis, dass einer von Quinns Liebhabern Nathan Grayson war, Autor für Kotaku eine der größten Gaming-Websites im englischsprachigen Raum. Für viele 4chan-User war dies der Beweis, dass die positive Berichterstattung über Depression Quest ein abgekatertes Spiel war, mehr noch, dass Zoe Quinn mit Spielejournalisten anbandelte, um gute Reviews abzustauben. Völlig ignoriert wurde dabei die Tatsache, dass Grayson nicht ein einziges Mal während seiner Beziehung zu Quinn über Depression Quest geschrieben und selbst davor nicht besonders viel über Quinn berichtet hatte.

Weiter angeheizt wurde diese aggressive Anti-Quinn-Stimmung durch die Tatsache, dass das Youtube-Video eines Quinn-Kritikers, das die Anschuldigungen gegen Quinn über die Boards hinaus kolportierte, wegen eines DMCA-Requests von YouTube entfernt wurde und dass diverse Diskussionsforen die schlimmsten, feindlichsten Posts gegen Quinn entfernten. Plötzlich ging es nicht mehr nur um die Person Zoe Quinn sondern um eine scheinbare mediale Verschwörung, die mit den Mitteln der Zensur und Meinungsunterdrückung die Kritik an Zoe Quinn verhindern wollen würde. Der Hashtag #Quinnspiracy war geboren und vereinte unter sich scharfe Kritiker Quinns, selbsternannte Verteidiger der Meinungsfreiheit aber auch übelst sexistische und misogyne Statements (insbesondere das Bild einer Zoe Quinn, die als Femme Fatale der Videospielwelt gute Bewertungen für Sex kaufen würde, ein klassisch sexistisches Trope), Trolle und aggressive Quinn-Hater, die schließlich sogar so weit gingen, ihre Adresse und Telefonnummer zu veröffentlichen (Doxxing), inklusive einiger Aufrufe, die Frau doch durch Terror in den Selbstmord zu treiben und einem direkten Vergewaltigungs- und Mordaufruf.

Der #Gamergate-Hashtag

Einen neuen Höhepunkt erreicht schließlich die Geschichte durch ihre Subsumierung unter dem Hashtag #Gamergate. Drei wesentliche Ereignisse stehen damit in Verbindung:

1.) Die Journalistin Anita Sarkeesian veröffentlichte ein weiteres Video ihrer Reihe Tropes vs. Women in Videogames, in dem sie sexistische Tropes in Videospielen untersucht. Wie zuvor Zoe Quinn wurde sie von Teilen der Gaming-Szene erheblich angefeindet: Der Vorwurf, sie würde den durch Quinn entfachten “Kulturkampf” nutzen, für ihre Attacken gegen die Videospielkultur Aufmerksamkeit zu gewinnen, wie schon beim Anti-Quinn-Rage wurden diese Vorwürfe flankiert von sexistischen Beleidigungen, Beschimpfungen, Drohungen und schließlich wiederum, wie bereits bei Quinn, der Veröffentlichung ihrer privaten Daten, inklusive übelsten Vergewaltigungs- und Morddrohungen. Diese gingen so weit, dass Sarkeesian die Polizei einschalten und ihre Wohnung aus Sicherheitsgründen verlassen musste.

2.) Es folgte eine Reaktion von Köpfen der Videospielkultur, sprich: Videospieljournalisten, Videospielentwicklern aber auch von Gamern, die durch ihr Wirken in der Szene eine gewisse Berühmtheit erlangt haben. O-Ton: Sexismus, Hate-Speech, Misogynie und Doxxing haben in unserer Szene nichts zu suchen. Daraus entstand ein Offener Brief and die Gaming Community, den zahllose wichtige Persönlichkeiten der Videospielkultur unterschrieben. Auch der professionelle Videospieljournalismus deckte sowohl Zoe Quinn als auch Anita Sarkeesian den Rücken. Anfang September wurden ein Dutzend Artikel in verschiedenen Videospielmagazinen veröffentlicht, die sich mit der Rolle des Gamers auseinandersetzten und teilweise die Frage stellten, ob der Begriff des Spielers nicht komplett überholt sei, ob man “Gamer” nicht vielleicht sogar als “tot” bezeichnen könnte. Die #Gamergate-Supporter sahen in diesen Artikeln – die durchaus provokante, allerdings keinesfalls spielkulturfeindliche Thesen (ganz im Gegenteil) aufstellten -, eine gesteuerte Kampagne, um die Kritik an Quinn zum Schweigen zu bringen.

3.) Auftritt des Hashtags #Gamergate: In dieser Zeit sendete der konservative Schauspieler Adam Baldwin den ersten Tweet mit dem Hashtag #Gamergate in die Welt, der sehr schnell Popularität unter den Quinn- und Sarkeesian-Kritikern und Hatern erlangte. Fortan schien dieser Hashtag DIE Waffe zu sein, um all das zu bündeln, was zuvor verstreut auf 4Chan, Reddit, YouTube und Twitter abgegangen war: Kritk an Quinn, Kritik an Sarkeesian, Kritik an der korrupten Videospielpresse, Drohungen, Beleidigungen, Doxxing. Quinn und Sarkeesian blieben nicht die einzigen Opfer dieses Mobs. So wurden unter anderem die Entwicklerin Brianna Wu und Schauspielerin Felicia Day gedoxxt und bedroht, nachdem sie sich auf die Seite Quinns und Sarkeesians gestellt hatten. Der Hashtag generierte eine riesige Aufmerksamkeit und fortan schien tatsächlich ein Kulturkampf zwischen zwei Seiten zu toben…

…das ist dann auch der Punkt, an dem es schnell ein wenig unübersichtlich wird. Zu viele Personen, zu viele Institutionen, zu viele Vorwürfe sind mittlerweile in die Geschichte involviert: Neben dem Hashtag #Gamergate etablierte sich der Hashtag #Notyourshield, mit dem weibliche oder auch homosexuelle oder Transgender Spieler klar machen wollten, dass sie hinter #Gamergate stehen und nicht von so genannten Social Justice Warriors wie Anita Sarkeesian vertreten fühlen. Die eine Seite warf der anderen vor Sockenpuppen installiert zu haben, dass die #Notyourshield-Leute gefakte Accounts wären, dass der gesamte Gamergate-Topic eine von 4Channern initiierte Hasskampagne wäre. Die Gamergater wiederum warfen den Anti-Gamergatern vor, den Sexismus- und Misogynie-Vorwurf nur zu benutzen, um von dem eigentlichen Problem – Korruption in der Spielepresse – abzulenken. Zahllose YT-Videos, Blog-Artikel und Magazinbeiträge beschäftigten sich mit der Debatte, mal auf der einen, mal auf der anderen Seite.


Also…?

Aber damit genug zu den eigentlichen Geschehnissen. Details und Topoi des Diskurses finden sich im Internet zu Hauf (auf reddit gibt es sowohl Pro als auch Contra Subreddits), und im Grunde genommen folgt dabei so ziemlich jede Quelle eine der beiden Narrativen. Also… kommen wir wieder auf diese zurück:

Narrativ, Nr.1: Eine Schar engagierter Gamer deckt im Internet Korruption in der Videospiellandschaft auf und setzt sich gegen diese zur Wehr. Dabei wird sie von der Gegenseite, bestehend aus hysterischen Gutmenschen, des Sexismus und der Misogynie beschuldigt, während die Gutmenschen wiederum von der Gaming-Presse gedeckt werden, die so ihre internen Probleme verschleiern kann.

Narrativ, Nr. 2: Aufgestachelt von Gerüchten formiert sich im Internet ein aggressiver Mob, der mit sexistischen Beleidigungen und Morddrohungen versucht, eine Indie-Entwicklerin und eine Videospieljournalistin aus der Videospielszene zu mobben. Gedeckt wird dieser Mob von naiven Gamern, die immer wieder betonen, eigentlich ginge es doch nur um eine Diskussion über Ethik im Gaming-Journalismus.

…Und es wäre jetzt so bequem zu sagen “Wie immer liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte.” ….

….

…BLÖDSINN! FUCK THIS SHIT! Die Wahrheit liegt verdammt nochmal nicht in der Mitte! Da können sich die Gamergater noch so sehr auf den Kopf stellen! Narrativ 2 stimmt:

GAMERGATE WAR VON ANFANG AN TOXISCH, VERSEUCHT VON SEXISTISCHEN, MISOGYNEN UND ELITÄREN INTENTIONEN. UND SELBST DIE, DIE SICH DEM MOB AUS ANDEREN GRÜNDEN ANGESCHLOSSEN HABEN, STEHEN AUF DER FALSCHEN SEITE, MITUNTER OHNE ES ZU MERKEN!

Okay, sorry, dass war jetzt vielleicht etwas schnell und klang erst einmal etwas harsch. Also: Durchatmen, einen Schritt zurück gehen und erklären, wie ich zu dieser eindeutigen Positionierung gelange. Ja, ich kaufe es vielen Gamergatern ab, dass es ihnen tatsächlich um Ethik im Videospieljournalismus geht, dass sie Angst davor haben, dass ihr Hobby von außen kaputt gemacht wird. Ich glaube viele Gamer auf der #Gamergate-Seite sind keine schlechten Menschen und fühlen sich von der Gegenseite missverstanden… Aber ich glaube auch, dass diese Gamergater mit nachvollziehbaren Absichten nicht bemerken, wie sie sich mit den komplett Falschen einlassen, um ihren Intentionen öffentlichen Raum zu geben.

Daher, einmal Punkt für Punkt (und für mich die beste Möglichkeit #Gamergate zu verstehen und seine Probleme zu erklären): Welche Intentionen stecken hinter Gamergate?

Es gibt mehrere, verschiedene, teilweise sich Überschneidende, teilweise weit voneinander entfernt liegende. #Gamergate ist keine homogene Masse, sondern eine Bündelung verschiedener Motive und Intentionen. Mit zwei davon werde ich mich nur kurz auseinandersetzen (weil es nicht der Mühe wert ist), die anderen, die ich persönlich auch als Gamer nachvollziehen kann, werde ich ein bisschen weiter auseinandernehmen. Aber, die Stoßrichtung ist klar:

Die Intentionen hinter #Gamergate (…und warum sie diese Bewegung in keinster Weise legitimieren)

1.) Da – sorry liebe #Gamergate-Supporter –  führt kein Weg dran vorbei -, die erste Wurzel in #Gamergate liegt nunmal in einem leider Gottes in der Gamingszene weit verbreiteten Sexismus. Dazu sei gesagt: Nicht alle Gamer sind Sexisten (Ich bin selbst Gamer und hasse Sexismus) und die #Gamergater sind auch nicht alle Sexisten. Aber es gibt sie in dieser Bewegung zu Hauf. Wer in der Diskussion auf klassische sexistische Werkzeuge wie Slut Shaming (“Wie kann Zoe Quinn nur Sex mit mehreren Männern haben?”), Diskussion des Aussehens von Frauen (“Ey, wie ist diese Anita Sarkeesian komisch geschminkt? Und warum trägt sie so riesige Ohrringe? Sie ist doch Feministin!!”) zurückgreift, wer Ansichten vertritt, dass Frauen in der Videospielwelt nichts verloren haben, wer behauptet, es wäre natürlich, dass die Frau der passive Part und der Mann der aktive Part ist, wer Vergewaltigungsaufrufe als legitime Diskursstrategie sieht und mit Klischees wie “Damsel” und “Femme Fatale” um sich wirft, der argumentiert sexistisch, der kolportiert sexistische und misogyne Stereotype. Da könnt ihr euch noch so sehr auf den Kopf stellen. Diese waren von Anfang an Bestandteil von #Gamergate, teilweise unbewusst, teilweise ganz bewusst und offen ausgetragen. Und jedem, der glaubt, diese Form des Sexismus relativieren, rechtfertigen oder sogar unterstützen zu müssen, dem kann ich nur ein gepflegtes “Fuck you!” entgegenwerfen. Mit Sexisten zu diskutieren, macht genau so wenig Sinn wie mit Ableisten oder Rassisten zu diskutieren. Gar keinen. Und deswegen schnell weiter zu Intention Nr. 2

2.) Mit dem Sexismus strukturell eng verwandt, oft auch mit fließenden Übergängen, an dieser Stelle aber dennoch separat verhandelt: Der Antifeminismus: Ich sage bewusst verwandt, da “Antifeminismus” tatsächlich aus Sexismus geboren werden kann und auch oft geboren wird… aber nicht ausschließlich. Antifeministen schließen sich #Gamergate vor allem an, da sie in den Sexismusworwürfen  gegen die Gamergater (siehe Intention 1) ein Werkzeug zur Unterdrückung missliebiger Meinung sehen, ein Werkzeug, das logischerweise vom Feminismus erzeugt wurde, der diese Strategie auch in anderen Diskursen einsetzen und somit eine Gefahr für den Liberalismus darstellen würde. Die Abneigung des Feminismus resultiert sehr oft leider auch aus einer schlichten Unkenntnis über den feministischen Diskurs. Viele Antifeministen kennen den Feminismus nur aus zweiter Hand, sprich aus den kommentaren irgendwelcher konservativer, machoistischer oder maskulinistischer Publikationen. Sie gehen dabei komplett einem Zerrbild des Feminismus auf den Leim: Feministinnen seien männerhassende Bestien, die glauben jeder Mann sei ein potentieller Vergewaltiger, die am liebsten alle Männer kastrieren wollten, die Politik und Wirtschaft und Kultur dominieren wollten (oder sogar bereits dominierten) und dafür sorgten, dass wir armen Männer unterdrückt werden, inklusive Neusprech und Denkverbote. THATS BULLSHIT! Feminismus ist nichts anderes als eine (sehr heterogene) Bewegung gegen Sexismus, die Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern abbauen will und dafür sorgen will, das ssexistische Klischees im öffentlichen Diskurs abgebaut werden… Scheiße, natürlich bin ich Feminist. So wie ich Antirassist bin. So wie ich gegen Ableismus bin und gegen Klassismus. Jeder vernünftige Mensch sollte das sein. Um zu wissen, ob ihr auch Feministen seid, reicht es sich zwei simple Fragen stellen:

Bin ich der Meinung, jeder Mensch sollte von Geburt an die gleichen Rechte haben, unabhängig von Herkunft und körperlicher Merkmale?

Glaube ich, dass Frauen Menschen sind?

Kannst du beide Fragen mit ja beantworten? Glückwunsch, du bist Feminist.

Echt Leute, lasst euch von der konservativen Presse keinen Bären aufbinden. Beschäftigt euch mit Gedanken des Feminismus aus erster Hand: Hört euch z.B. diesen Podcast an, lest das neue Buch von Anne Wizorek (Weil ein Aufschrei nicht reicht: Für einen Feminismus von heute (Partnerlink)), lest die Mädchenmannschaft, setzt euch auch gerne kritisch mit verschiedenen Formen des Feminismus auseinander (ein elementarer Bestandteil des feministischen Diskurses), aber bitte lasst euch nicht von konservativen Publizisten erklären, dass Feminismus das Letzte wäre. Ich lasse mir doch auch Antirassismus nicht von der Tea Party erklären oder die Gaming-Szene von Videospielverächtern wie Manfred Spitzer. Und ja, es gibt auch “radikalen Feminismus” und es gibt auch Momente des “radikalen Feminismus”, mit denen man sich kritisch auseinandersetzen kann und sollte (würde mich btw. auch eher dem radikalen Flügel des Feminismus zuordnen, aber selbst dieser fordert noch lange nicht, alle Männer zu kastrieren oder ähnliche). Aber: Sexistische Tropes in Vidospielen zu analysieren ist kein radikaler Feminismus (Anita Sarkeesian gehört, so weit ich das einschätzen kann, sogar eher zur gemäßigten, kulturkritischen Richtung des Feminismus), und erst recht ist es kein radikaler Feminismus, Slut Shaming und Vergewaltigungsaufrufe als sexistisch zu bezeichnen. Mein Gott, um dies zu tun, sollte der gesunde Menschenverstand doch genügen. Und nein, nur weil jemand Feminist ist, heißt das nicht, dass ihm andere Ungerechtigkeiten egal sind. Der Feminismusbegriff muss nicht durch den Humanismusbegriff ersetzt werden. Anders rum wird ein Schuh draus: Man kann den Humanismus nicht denken, ohne den Feminismus zu denken, ohne den Antirassismus zu denken… aber das führt jetzt alles viel zu weit. Bevor ich den Artikel jetzt mit Gedanken darüber sprenge, was Feminismus ist und was Feminismus nicht ist, einfach noch einmal die Bitte: Beschäftigt euch damit, aus erster, nicht aus zweiter Hand. Ihr werdet feststellen: Feminismus ist keine Ideologie, kein Männerhass und kein homogener Dogmatismus, sondern in seinem Kern die Bemühung, Ungerechtigkeiten zwischen den Geschlechtern, aka Sexismus, abzubauen (und davon profitieren verdammt nochmal auch wir Männer!).

3.) Die Angst davor, dass Hobby Videospiele von außerhalb schlecht geredet oder gar kaputt gemacht wird. Diese Angst ist einer der Gründe dafür, dass Anita Sarkeesian in die ganze Geschichte reingezogen wurde: Der Plot davon ist ungefähr so: Merkwürdige Casual-Games wie Depression Quest, die nichts mit Hardcore-Games vom Schlage eines GTA zu tun haben, machen uns die Videospielszene kaputt. Nicht nur, dass die Spiele von der Presse übertrieben gehypt werden, nebenbei werden von dieser (Auftritt: Sarkeesian) alle großartigen Hardcore-Games schlechtgeredet. DIE wollen uns unser Spielzeug wegnehmen. Alles was Spiele so awesome macht verbieten (Sex, Gewalt, erwachsene Inhalte) und gleichzeitig den Markt mit Nichtspielen für Nichtspieler überschwemmen. Sorry, Leute, aber dieses Argument ist einfach nur paranoide Verschwörungstheorie. Niemand will euch eure Spiele wegnehmen. Sarkeesian hat nie für ein Verbot von sexistischen Inhalten plädiert, keiner in dieser Debatte involvierten hat vor, Spiele die politisch nicht korrekt sind, zu verbieten. Und dass es ein Depression Quest gibt, klaut nicht den Platz für zahllose große Mainstreamspiele wie Call of Duty. Schaut euch den Videospielmarkt doch einfach mal an: Fifa, GTA, Call of Duty etc… das ist nach wie vor der Mainstream und der wird auf Jahre noch Mainstream bleiben. Nur weil es daneben jetzt plötzlich was anderes gibt… heißt noch lange nicht, dass diese testosteronschwangeren Actionorgien aussterben.

Ich kann diese Angst ja durchaus partiell nachvollziehen. Videospieler sind es (leider Gottes) gewohnt, sich gegen Angriffe auf ihr Medium von außen  verteidigen zu müssen: Die unsägliche Killerspieldebatte, dumme RTL-Exklusiv Beiträge, die alle Gamer als ungefickte Kellerkinder darstellen, merkwürdige Berichte von Frontal21, die hinter jedem MMORPG die Gefahr einer lebenszerstörenden Sucht sehen, die Anti-Digitalität eines Manfred Spitzer… Aber schaut euch doch mal an, wer die Protagonisten hier sind, gegen die ihr schießt… die kommen NICHT von außerhalb. Sarkeesian ist Spielerin und Spielejournalistin. Quinn ist Spielerin und Spieleentwicklerin. Die ganzen Autoren, die über den Tod des “Gamers” schreiben, das sind Gamer! Das sind welche von euch, von uns… das ist eine interne Debatte von Menschen, die das Medium schätzen, sich mit dem Medium auseinandersetzen, entsprechend ist der Ton auch ganz anders. Nicht videospielfeindlich, sondern die Videospielkultur umarmend, ja sogar adelnd: “Schau her liebes Medium, auch du bist jetzt Teil der Hochkultur. Auch du darfst kritisch untersucht, reflektiert und analysiert werden. Auch du darfst jetzt Kunst sein.” Das tut der Videospielszene verdammt gut… weniger gut tun ihr aber ein aufgebrachter Mob, der jeden beleidigt, der eine andere Sicht auf das Medium hat als er selbst und der sich in konservativem Dogmatismus gegen jede kulturelle Öffnung des Mediums stellt.

Es ist genau wie mit dem “Erwachsen werden” des Mediums Film: Nach dem Zweiten Weltkrieg schrieb Siegfried Kracauer ein großartiges Buch, in dem er faschistische Topoi in deutschen Filmen vor 1933 untersuchte. Von Caligari zu Hitler: Eine psychologische Geschichte des deutschen Films (Partnerlink) gehört heute zum essentiellen literarischen Inventar eines jeden Cineasten. Kein Kinofreund glaubt wegen dieses Buches, dass alle Liebhaber des deutschen UFA-Films Faschisten wären. Kein Freund von Filmen wie Dr. Caligari oder dem Golem fühlt sich deswegen angegriffen. Ebenso glaubt keiner, dass Slavoj Žižek alle Cineasten oder Hitchcock-Fans zu Perversen erklären würde. Niemand hat Angst, dass Žižek “Die Vögel” oder “Twin Peaks” verbieten will, egal wie oft er betont, welch perversen, psychotischen Subtexte in diesen lauern würden. Es gehört zu einem kulturell angesehenen Medium dazu, dass es Teil kritischer kulturwissenschaftlicher und kulturjournalistischer Analysen ist.

Genau so wenig haben Filmfreund Angst, dass hochgelobte Arthaus-Produktionen die Filmszene kaputt machen. Schräge Kunstfilme wie A Turin Horse und Antifilme wie Andy Warhols Sleep werden von der Presse abgefeiert? Und wenn schon. Die Charts werden trotzdem von Michael Bays Actionknallern dominiert. Nochmal: Eine kritische, induktive (!) Analyse von sexistischen Tropes in Spielen macht dieses Medium nicht kaputt. Im Gegenteil: Es wird dadurch geadelt. Ein Depression Quest – egal wie abgefeiert von der Presse – verhindert nicht, dass weitere Assassins Creeds und Call of Dutys veröffentlicht werden und sich wie geschnittenes Brot verkaufen. Die Angst ist unbegründet. Jedes Medium hat bis jetzt die “Infiltrierung” durch Kritik und künstlerischen Anspruch überstanden, ist dadurch sogar gewachsen. Dem Medium “Videospiel” wird es nicht anders ergehen. Also Schluss mit dieser obskuren Verschwörungstheorie.

4.) Und damit zum letzten Punkt… zur letzten Intention hinter #Gamergate: Ja, ich glaube es gibt auch die Leute, die diesen Hashtag tatsächlich benutzen, weil sie über Ethik im Videospieljournalismus diskutieren und diese verbessern wollen. Und ja, diese Leute haben teilweise auch recht. Es gibt eine Menge Defizite im Videospieljournalismus. ABER: Diese Defizite bestehen nicht darin, dass ein kostenloses (!) Indie-Spiel abgefeiert wird, und diese Probleme bestehen auch nicht darin, dass es freundschaftliche (oder tiefergehende) Beziehungen zwischen Videospieljournalisten und enthusiastischen (btw. nicht besonders gut verdienenden) Indie-Entwicklern gibt. Und erst recht bestehen diese Defizite nicht darin, dass der Videospieljournalismus sich in den letzten Jahren “feuilletonisiert” hat und z.B. klassische kulturkritische Momente entwickelt. Das sind positive Entwicklungen. Das sind sogar Entwicklungen, die die Defizite des Videospieljournalismus – die es gibt, seitdem es den Videospieljournalismus gibt – aufheben. Die waren Probleme der Gaming-Presse liegen ganz woanders: Wenn sich Journalisten mit den großen Studios gemein machen, sich vor den Karren der Hype-Maschinerie des kommenden Tripple A Games spannen lassen, wenn Videospieljournalisten sich mit diversen Zuwendungen von großen Entwicklerstudios und Publishern “kaufen” lassen. Wenn eine Zahl von 0 bis 100 hinter dem Fazit wichtiger ist als der gesamte Rezensionstext davor. Das sind die wahren Probleme des Videospieljournalismus. Nicht eine Zoe Quinn und auch nicht eine Anita Sarkeesian.

Und ja Leute: Redet über diese Probleme, beschäftigt euch damit. Seid kritisch gegenüber der Videospielpresse. Aber bitte lasst euch dafür doch nicht vor den Karren von konservativen Holzköpfen spannen! Und diskutiert diese Probleme bitte nicht unter dem durch und durch verseuchten #Gamergate-Claim. Dieser ist toxisch von Anfang an, verknüpft mit dem Wühlen in der schmutzigen Privatwäsche der Angegriffenen, verknüpft mit sexistischen und misogynen Beleidigungen, verknüpft mit einem wütenden Mob, der hofft, Menschen in den Selbstmord zu treiben oder gar zu Mord und Vergewaltigung aufruft. Und da kommt dieser Hashtag auch nicht mehr heraus. Dafür sind die ersten beiden von mir genannten, düsteren Intentionen einfach zu omnipräsent. Versucht es gar nicht erst, die “Bewegung” davon reinzuwaschen, das ist genau so hoffnungslos, wie zu versuchen, das Hakenkreuz von der Verseuchung durch die nationalsozialistische Ideologie reinzuwaschen. Dieser Drops ist gelutscht.

Nochmal: Stellt euch nicht auf die Seite der Leute, die #Gamergate initiiert und zu dem gemacht haben, womit es heute assoziiert wird. Macht euch frei davon und seht vor allem, dass gerade die von den #Gamergatern Angegriffenen in Wahrheit auf der Seite derer stehen, die die Ethik im Videospieljournalismus verbessern, einen wahren unabhängigen, kritischen Journalismus anstreben. So z.B. Anita Sarkeesian: Gerade sie steht für unabhängigen Journalismus. Hölle, sie kritisiert in ihren Videos so ziemlich jedes Big Budget Game der letzten Jahre. Gerade das ist doch Unabhängigkeit. Sich nicht von EA, Konami, Sony, Ubisoft, Nintendo und Konsorten einlullen lassen, sondern sich kritisch mit deren Inhalten auseinandersetzen. Und Zoe Quinn produziert Spiele die fernab jeglicher Hypemaschinerie funktionieren. kein Big Budget, keine großen Sponsorengelder, keine Grafikblender und übertriebene Erwartungen. Und Magazine wie Gamasutra, die über den Tod des Gamers schrieben, taten dies in einer alles andere als an den Mainstream anbiedernden Art. Eher im Gegenteil: Mit solchen Texten suchten sie die Konfrontation, die kritische Reflexion von festgefahrenen Strukturen. Das braucht Mut, und das sorgt für die so oft geforderte neue, bessere (!) Ethik im Videospieljournalismus: Weg von der formalisierten Hypereview für ein GTA mit anschließender Prozentwertung, hin zu kritischem Journalismus über das bloße Spiel hinaus. Genau von so etwas soll es mehr geben und genau gegen so etwas wütet der Gamergate-Mob größtenteils.

Also… Lasst euch nicht von dieser toxischen Bewegung vor einen Karren spannen!

Wenn ihr glaubt, dass…

  • …Videospiele eine kreative, intelligente und vor allem kritische Debattenkultur brauchen

  • …Videospiele mehr sind als bloßes Kiddie-Spielzeug

  • ….Videospiele als Medium genau so ernst genommen gehören wie Bücher, Musik und Filme

  • …Videospiele besseres verdienen als formalisierten, unkritischen, der großen Industrie auf den Leim gehenden und alles abseits ignorierenden 08/15-Journalismus

…dann müsst ihr euch für die stark machen, gegen die von Gamergate-Seite gewettert wird.

Und wenn ihr zudem glaubt..,

  • dass Misogynie und Sexismus in der Videospielwelt nichts verloren haben

  • dass Anfeindungen, Beleidigungen und Drohungen nicht cool sind

…dann solltet ihr euch sogar klar gegen #Gamergate positionieren.

Und das mache ich auch hiermit:

FUCK YOU #GAMERGATE!

Niemand braucht dich. Niemand will dich. Verschwinde wieder dahin wo du hergekrochen bist und lass uns richtige Gamer, denen das Medium am Herzen liegt, in Ruhe.

Bildnachweis, Collage (v.l.n.r.): Assassin’s Creed III by Ubisoft, Photograph of Zoe Quinn in a car, taken in 2014 (@Quinnspiracy) CC BY-SA 4.0, Anita Sarkeesian Media Evolutions The Conference 2013 by Susanne Nilsson CC BY-SA 2.0, Baldwin at the 2013 Florida SuperCon CC BY-SA 2.0, Vivian James as she was submitted to TFYC, via wikimedia.

8 Kommentare zu “Ein paar Gedanken zu #Gamergate

  1. Hallo Herr Bayer,

    Ich stimme Ihnen bis zum Absatz

    “Und es wäre jetzt so bequem zu sagen “Wie immer liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte.” ….”

    komplett zu. Die Gamergate-Bewegung, und deren prominente Gegenseite ist tatsächlich ein Kulturkampf der sich zwischen konservativen und liberalen Ideen befindet, während die liberale Seite tätsächlich die Gamergate-Bewegung ist. Hierzu empfehle ich die Artikel von Cathy Young, der diesen Sachverhalt klärt:

    http://www.realclearpolitics.com/articles/2014/10/09/the_gender_games_sex_lies_and_videogames_124244.html
    http://www.realclearpolitics.com/articles/2014/10/21/the_gender_games_part_2_videogames_meet_feminism_124375.html

    Dann:

    “Bin ich der Meinung, jeder Mensch sollte von Geburt an die gleichen Rechte haben, unabhängig von Herkunft und körperlicher Merkmale?

    Glaube ich, dass Frauen Menschen sind?

    Kannst du beide Fragen mit ja beantworten? Glückwunsch, du bist Feminist.”

    Ich beantworte auch beide Antworten mit Ja, und das macht mich nicht zu einem Feministen, es handelt sich hier und eine generalisierende Unterstellung. Feminismus befasst sich mit FRAUEN-Rechten. Das oben sind lediglich Menschenrechte, die allen zustehen. Argument fällt flach.

    Ich würde zudem lieber nicht mit Feministen assoziiert werden, das wirkt auf mich in der derzeitigen Verfassung des Feminismus eher wie Rufmord.

    Zu dem Punkten über Sarkeesian:

    “Sarkeesian hat nie für ein Verbot von sexistischen Inhalten plädiert,”
    ” Gerade sie steht für unabhängigen Journalismus.”
    “(Anita Sarkeesian gehört, so weit ich das einschätzen kann, sogar eher zur gemäßigten, kulturkritischen Richtung des Feminismus)”

    Ihre “Argumente” wurden dutzendfach widerlegt. Akademische Betrachtung ihres corpus:

    https://t.co/h3ri1q28uJ

    In diesem akademischem Artikel wird gezeigt, wie sie und Herr McIntosh absichtlich akademisch und intellektuell unehrlich handeln, um eine bestimmte Wirkung zu erzielen, deren Plagiarismus dargestellt, et ceterea. Der Artikel oben ist etwas schwer zu lesen, da akademisch. Eine leichtere Lektüre, sowie eine Sozialkritische Analyse ihrer Handlungen finden Sie hier:

    http://gamesided.com/2014/09/08/sarkeesian-truth-part-1-straw-feminist-trojan-horse-censorship/

    Kurz: Sarkeesian projiziert Sex-negativen radikalen Feminismus auf Videospiele, nach der Schule von Dworkin (wird im Text mich Nachweisen belegt). Das ärgert Spieler zurecht, zumal Sarkeesian eine “Transformation” der Videospielszene anstrebt indem “gefährliche, unverantwortliche Bildliche Mittel (Tropes)” nicht verwendet werden dürfen, da sie die Gesellschaft beeinflussen (sexistisch machen).

    Hierzu möchte ich folgendes sagen:

    “Tropes” sind Erzählmittel. Das bedeutet, dass das eigentliche *Erzählmittel* sexistisch sei. Das bedeutet, ich darf als Künstler nicht darstellen, dass eine Frau vergewaltigt, missbraucht, geschlagen wird, weil die Darstellung alleine (den Kontext darf man ruhig weglassen, lt Sarkeesian), schon gefährlich und unverantwortlich ist(auch lt Sarkeesian).

    In diesem Sinne sind so ziemlich alle Werke in denen Frauen in irgendeiner Weise als schwach oder abhängig dargestellt werden, selbst wenn der Kontext eine sinnvolle Geschichte ergibt, selbst wenn sie hinterher eine Entwicklung durchgehen, selbst wenn es ein zentrales aufarbeitendes Element der Geschichte ist, sexistisch und unverantwortlich. Hallo?

    Was mich wirklich schockiert ist dass diese Argumentationsstruktur *überhaupt irgendwo* anklang findet. Ich würde ja drüber lachen, wenn es nicht so traurig wäre.

    Tl;dr über Sarkeesian:
    “omg, da wird eine Frau vergewaltigt!” “Aber das Medium (Film, Buch, Spiel) verarbeitet es geschmackvoll, sinnvoll, und stellt die Gefühle sowie den Prozess dieser Problematik dar.” “Tl;dr, Vergewaltigung! Sexismus! Verbietet es!”

  2. “ein Kulturkampf der sich zwischen konservativen und liberalen Ideen befindet, während die liberale Seite tätsächlich die Gamergate-Bewegung ist.”

    Dem widerspreche ich vehement. Die #Gamergate-Bewegung ist durch und durch konservativ/libertär mit einer engen Schnittmenge zu klassischen konservativen, reaktionären US-Bewegungen wie der Tea-Party: Das betrifft sowohl die Akteure (Adam Baldwin, um nur ein prominentes Beispiel zu nennen), als auch die Topoi (Antifeminismus, Status-Quo-Wahrung etc.) als auch die Sprache (“Social Justice Warriors”, “Femnazis” etc. sind traditionell rechts gefärbte Begriffe, wie man sie hierzulande bei der AFD und Konsorten findet).

    “Ich beantworte auch beide Antworten mit Ja, und das macht mich nicht zu einem Feministen”

    Doch tut es. ;)
    Zitat Wikipedia: “Feminismus (abgeleitet von französisch féminisme) ist sowohl eine akademische als auch eine politische Bewegung, die für Gleichberechtigung, Menschenwürde, die Selbstbestimmung von Frauen sowie das Ende aller Formen von Sexismus eintritt.”
    http://de.wikipedia.org/wiki/Feminismus

    Andere Lexika werden dir nichts anderes erzählen… Feministinnen übrigens auch nicht.

    “Das oben sind lediglich Menschenrechte, die allen zustehen.”

    Habe ich schon im Text geschrieben: Der Humanismus kann nicht ohne den Feminismus gedacht werden, genau so wenig wie er ohne den Antirassismus gedacht werden kann.

    “In diesem akademischem Artikel wird gezeigt, wie sie und Herr McIntosh absichtlich akademisch und intellektuell unehrlich handeln…”

    Ich kenne diesen Text, wie viele andere Sarkeesian-kritische Artikel. Bisher sind mir noch keine brauchbaren “Gegenargumente” zu ihren Videos untergekommen. Aber ein komplettes Debunking würde an der Stelle echt den Rahmen sprengen. Meistens bleibt am Ende sowieso nicht mehr als die Erkenntnis, dass dieser Text wie so viele andere Sarkeesian-Kritiken weder ihre Methode noch ihre Aussage verstanden und der Autor offensichtlich jeglich kulturwissenschaftliche/kulturjournalistische Entwicklung der letzten 30 Jahre verpennt hat.

    Aber ja, den Punkt gebe ich gerne: Man kann Einzelaspekte an Sarkeesians Analyse kritisieren. Gerade exemplifizierende, analytische und poststrukturalistische Methoden wie ihre sind bereits vom Ansatz her sehr offen für Detailkritik (man könnte es auch Nitpicking nennen), ändert aber nichts daran, dass sie ihre Grundaussage (“Es gibt sexistische Tropes in Videospielen. Das sind sie!”) an zahllosen Beispielen fundiert belegt. Und das diese Grundaussage dadurch einfach mal ihre Gültigkeit hat. Und selbst wenn alles, was sie sagt, falsch oder schlecht recherchiert wäre, würde selbst dies nicht den wütenden Mob gegen sie rechtfertigen, der sich allein schon durch sein Verhalten selbst delegitimiert.

    “Kurz: Sarkeesian projiziert Sex-negativen radikalen Feminismus…”

    Sarkeesian äußert sich überhaupt nicht zu den klassischen Topoi des sex-negative/sex-positive Feminism Diskurses. Ergo lässt sie sich überhaupt nicht in eines der beiden Lager einordnen. Versteht sie sich als sex-postive Feministin, als sex-negative Feministin? Ehrlich gesagt, keine Ahnung, da die Themen dieser (btw. historischen) Debatte in ihren Videos keine Rolle spielen. Und radikal ist sie mit Sicherheit nicht. Sie betreibt traditionelle Kulturanalyse. Wer glaubt Anita Sarkeesian sei radikale Feministin hat keine Ahnung, wie radikaler Feminismus aussieht. Wer behauptet Sarkeesian sei radikale Feministin, kann auch gleich behaupten Joseph Campbell sei radikaler, religiöser Fundamentalist (Heh, er untersucht in seinen Büchern religiöse Topoi)

    ““Tropes” sind Erzählmittel. Das bedeutet, dass das eigentliche *Erzählmittel* sexistisch sei. Das bedeutet, ich darf als Künstler nicht darstellen, dass eine Frau vergewaltigt, missbraucht, geschlagen wird, weil die Darstellung alleine (den Kontext darf man ruhig weglassen, lt Sarkeesian), schon gefährlich und unverantwortlich ist(auch lt Sarkeesian).”

    Nein, das hat Sarkeesian nie behauptet. Natürlich dürfen Vergewaltigung und Gewalt gegen Frauen als Topoi einer Erzählung eingesetzt werden, natürlich ist das nicht per se unverantwortlich. Und “dürfen” ist in Sarkeesians Videos ohnehin NIE das Thema. Ne schnippige Gegenfrage wäre: Darf Sarkeesian deiner Meinung nicht über sexistische Tropes in Videospielen reden? Willst du ihr das etwa verbieten? So ungefähr funktioniert die Logik der Sarkeesian-Hater: “Oh, sie kritisiert etwas. Sie will es verbieten!”

  3. “Gamergate ist liberal”. Ich möchte Sie bitten, sich den Artikel von Cathy Young durchzulesen, und mir dann eine reflektierte Meinung darüber zu geben, da er ausdrückt, was ich hier nicht niederschreiben kann. Zudem, dass Sie widersprechen war mir schon klar; ich hätte gerne Ihre Meinung zu dem Artikel.

    Zitat Wikipedia: “Feminismus (abgeleitet von französisch féminisme) ist sowohl eine akademische als auch eine politische Bewegung, die für Gleichberechtigung, Menschenwürde, die Selbstbestimmung von Frauen sowie das Ende aller Formen von Sexismus eintritt.”

    Da stehts doch. Für *Frauen*. Wie ich sagte. Falls Sie den Feminismus, und den Antirassismus als Subkategorie des Humanismus sehen wollen, gut. Nennen wir es Teil davon. Insofern ist Feminismus aber auch mit Antirassismus austauschbar, oder Maskulinismus, oder Anti-Ableismus, oder Anti-Homophobie. Das führt zu nichts, außer zu einer Umdeutung des Begriffs “Humanismus” zu “Feminismus”, und das ist völlig nutzlos und inakzeptabel. Es impliziert, dass die Rechte von Frauen über den Rechten anderer Menschengruppen stehen, was den Begriff Humanismus pervertiert.

    Deswegen bin ich *auch* Maskulinist, Pro-Homo-Rechte, Feminist etc, epp, ein Humanist eben. Kein nicht-nur-Feminist der für die Rechte der Frauen eintritt. Darum gehts. Für alle. Feminismus ist per Definition für Frauen. Feministen setzen sich für Frauenrechte ein, fertig.

    ” Aber ein komplettes Debunking würde an der Stelle echt den Rahmen sprengen.” Der Text ist ein komplettes Debunking. Ich weiß nicht was Ihnen da fehlt, er nimmt alles auseinander was Sarkeesian intellektuell vorbringt. Dass unbelegte Argumente “geschluckt” werden sollen, dass vieles sich auf zirkuläre Argumentation beruft (“Ist so weil ich es sage dass es so ist”), keinerlei Nachweise für Ihre Behauptungen, Ideen- und Werkklau.

    Ihre Thesen sind akademisch nicht haltbar, und der Anspruch der “Akademik” den sie an Ihre Videos stellt, damit hinfällig. Es verkommt damit zum Werbeaufkleber. Ich weiß nicht, was Sie denn anderes überzeugen könnte, wenn nicht das. Mit Vernunft hat Ihre Überzeugung meiner Meinung nach damit nichts mehr zu tun.

    “Man kann Einzelaspekte an Sarkeesians Analyse kritisieren.” Es handelt sich im Übrigen um keine Analyse von Sarkeesian, sondern um eine sex-negative radikalfeministische Interpretation. Eine Analyse ist eine sachliche und unvoreingenommene Auseinandersetzung mit dem Thema. Sachliche Auseinandersetzung würde eine wertungsfreie Beurteilung des Gesamtwerkes (des Spiels) in Betracht ziehen, um eine einzelne Szene in Bezug zu setzen. Das geschieht de facto nicht.

    Sie bedient sich einzelner inszenierter Szenen und miss-interpretiert sie absichtlich, um sie in einen anderen Rahmen zu stellen, als sie das Spiel vorgesehen hat. Finden Sie es nicht auch pervers, dass diese Frau behauptet, das Spiel Hitman Absolution sei in Teilen dazu gedacht Frauen wegen Ihrer Sexualität zu bestrafen, was Spieler (absichtlich) auch noch *aufgeilen soll*?

    Zitat: “t’s a rush streaming from a carefully concocted mix of sexual arousal connected to the act of controlling and punishing representations of female sexuality.” (Quelle: http://www.feministfrequency.com/2014/06/women-as-background-decoration-tropes-vs-women/ )

    Dieses Verhalten ist typisch für Ihre Interpretationen der Materie. Das Spiel Hitman bestraft keine Frauen für ihre Sexualität. Das ist Quatsch. Hitman Absolution hat im Übrigen sogar starke Frauenbilder vorzuweisen. Und das ist eins von vielen Beispielen.

    Der Artikel oben, hätten Sie seine Argumente ernst genommen hätten Ihre Aussage “fundiert belegt” nicht ermöglicht. WO in auch nur EINEM ihrer Videos gibt sie Quellen an? Wo Studien? Wo sagt sie, dass das was sie sagt nicht an den Haaren herbeigezogen ist, das wir zu schlucken haben, weil es stimmt, was sie sagt, WEIL sie es sagt? Nirgendwo! Von wegen fundiert. Sarkeesian behauptet.

    “Ehrlich gesagt, keine Ahnung.” Dann hätten Sie besser mal den Artikel von Gamesided durchgelesen, der beschäftigt sich mit ihrer Master-Thesis und der Einordnung ihrer Gesinnung und ideologischen und politischen Ausrichtung. Und das hat sehr wohl eine Auswirkung auf Ihre Videos. Wie könnte denn z.B. eine Neonazi neutral über den Nah-Ost-Konflikt reden?

    Außerdem finden sich aktuell Belege für Ihre Ausrichtung. Eine ihrer letzten Tweets behauptet, Sexismus gegen Männer existiere nicht, was typisch für die Schule von Dworkin ist, die auch gerne mal mit Männerhasserischen Aussagen auf sich aufmerksam gemacht hat. Siehe den Artikel.

    Und sie bezeichnet Bayonetta als “Fuck toy”, weil diese Spielfigur mit Sexualität spielt.

    “Nein, das hat Sarkeesian nie behauptet.”

    “”McIntosh and Sarkessian state that, “remember that it is both possible (and even necessary) to simultaneously enjoy media while also being critical of it’s more problematic or pernicious aspects.””

    Perninicous (adj) = “schädlich, zerstörerisch” Hier sagt sie aus,dass diese Erzählmittel zerstörerisch sind.

    “Und “dürfen” ist in Sarkeesians Videos ohnehin NIE das Thema.”

    Zitat Sarkeesian “Of course, if you look at any of these games in isolation, you will be able to find incidental narrative circumstances that can be use to explain away the inclusion of violence against woman as a plot device. But just because a particular event might “makes sense” within the internal logic of a fictional narrative – that doesn’t, in and of itself justify its use. Games don’t exist in a vacuum and therefore can’t be divorces from the larger cultural context of the real world.” (Quelle: http://www.feministfrequency.com/2013/05/damsel-in-distress-part-2-tropes-vs-women/ )

    Bedeutet: Mir ist egal, ob die Erzählmittel innerhalb der Geschichte Sinn ergeben, das rechtfertigt nicht deren Verwendung.

    Kann man das als “Verbietet es, es ist zu sexistisch!” übersetzen?

    ““Es gibt sexistische Tropes in Videospielen. Das sind sie!””

    Tropes können nicht eigenständig diskriminierend in irgendeiner Form oder Art sein. Die Verwendung macht es aus.

    Beispiel: Macht die Behauptung Sinn, dass Messer gewaltbereit sind? Nein. Die Verwendung der Messer zu Gewalt von Gewaltbereiten Menschen macht Waffen gefährlich. An und für sich sind sie nur ein Werkzeug. Zum kochen, z.B.

    Bildliche Erzählmittel sind in gleicher Weise ein Werkzeug. Es kommt auf die Intention und die Verwendung des Authors an, den Kontext, und das Drumherum, und nicht zuletzt auch auf die Augen des Betrachters, was “Sexismus” sein soll.

    Da Sarkeesian jedoch den Kontext (siehe oben) weglässt, und behauptet, das Mittel, das Werkzeug selbst sei sexistisch, bleibt die Frage, inwiefern sie eigentlich das Wort “Bildliches Mittel” verstanden hat. Das ergibt keinen Sinn, ist lächerlich und eigentlich nicht einer Debatte wert.

    “Natürlich dürfen Vergewaltigung und Gewalt gegen Frauen als Topoi einer Erzählung eingesetzt werden,” Nein, das würde die Frau als Opfer darstellen. Das wäre sexistisch und diskriminierend. Höhö.

    “Willst du ihr das etwa verbieten?” Sie kann tun und lassen was sie will, und den ganzen lieben langen Tag daherreden was sie mag.

    Wie wäre es mal mit einer Auseinandersetzung mit legitimer Kritik, wie meiner? Gab es das mal? Hat sie sich je Kritikern gestellt? Das will ich.

    Viele Argumente werden jedoch durch Gefühle ausgetauscht, und das finde ich gefährlich. Das ist meiner Vermutung nach auch der Grund für ihren großen Anklang. Intellektuelle Substanz hat sie nicht zu bieten, nur leere Behauptungen.

  4. “Da stehts doch. Für *Frauen*….”

    …sowie das Ende aller Formen von Sexismus. Herrgott! Der letzte Satzteil hat schon seinen Grund in meinem Zitat.

    “Insofern ist Feminismus aber auch mit Antirassismus austauschbar”

    Nein, ist er nicht. Er ist elementarer Bestandteil des Humanismus. Du bist kein Humanist, wenn du nicht gleichzeitig auch Feminist bist. Einfachste Aussagenlogik. Du bist erst tatsächlich Humanist, wenn du Antirassist, Feminist etc. bist. Teilmengen und so…

    “Es impliziert, dass die Rechte von Frauen über den Rechten anderer Menschengruppen stehen, was den Begriff Humanismus pervertiert.”

    Nein tut es nicht. Woher kommt dieses Zerrbild des Feminismus? Ich glaube kaum, dass du das aus erster Hand hast. Wie gesagt, nochmal die Bitte: LIES FEMINISTISCHE QUELLEN! Keine antifeministischen Blogs. Keine konservativen Backlasher. Lass dir nicht von Sexisten und Antifeministen sagen, was Feminismus sei. Sonst wirst du ihn nie verstehen.

    —-

    “Ihre Thesen sind akademisch nicht haltbar, und der Anspruch der “Akademik” den sie an Ihre Videos stellt, damit hinfällig. ”

    Natürlich sind sie das. Was Sarkeesian macht, ist klassische Kulturkritik. Wie eben Zizek (der freudianische Topoi in Hollywoodfilmen exemplarisch benennt), wie eben Kracauer (der faschistische Topoi in UFA-Filmen benennt), wie eben Campbell (der Mytheme in klassichen Sagen benennt). Sarkeesian bedient sich dabei Werkzeugen der kulturwissenschaftlichen Methodik, der Diskursanalyse, des (Post)-Strukturalismus, um wiederkehrende Topoi in einem Medium exemplarisch zu erörtern. Das sind Methoden und Inhalte, denen man in jedem kultur- und medienwissenschaftlichen Studium permanent über den Weg läuft. Das ist kein Hexenwerk sondern schlicht und ergreifend die Darstellung wiederkehrender Symbolsysteme und Topoi. Alle “Widerlegungen” dieser Herangehensweise, die ich bis jetzt gelesen habe, ließen darauf schließen, dass der Widerlegende, diese Methodik einfach nicht verstanden hat, entweder weil er keinen Zugang zur Kulturkritik hatte oder glaubte, z.B. psychologische Methodik 1:1 auf diese Disziplin übertragen zu müssen… sorry, aber das kann nur schief gehen.

    Btw.: Ich habe keine große Lust hier elend lang über Sarkeesian zu schreiben. Selbst wenn all deine Kritik ihr gegenüber gerechtfertigt wäre, würde das noch lange nicht den Gamergate-Shitstorm rechtfertigen. Sarkeesian könnte die dogmatischste, radikalste Feministin sein (ist sie nicht, sie analysiert nur und macht nicht gerade durch viele und laute Postulate von sich reden), und trotzdem wären die Gamergate-Harrassments, die Hate-Speech und der Sexismus, mit dem sie angegangen wurde, Bullshit. Es könnte kein Fünkchen Wahrheit an ihren Behauptungen sein, und trotzdem wäre dieser aufgebrachte Internetmob gegen sie, Zoe Quinn und Brianna Wu zum Kotzen.

  5. “Er ist elementarer Bestandteil des Humanismus.”

    Ja, und vor ~60 Jahren hättest du mir wohl, als in Gegenbewegung zum Nationalsozialismus gesagt, Anti-Rassismus sei elementarer Bestandteil. Nein, du magst Feminismus einfach mehr, was in keinster Weise rechtfertigt, diesen über Humanismus zu stellen, oder ihn damit gleichzusetzen. Feminismus ist eine Subkategorie des Humanismus. Wir sind in erster Linie Menschen, und “Sexismus” betrifft alle, nicht nur Frauen. Wie du sagtest. Und ist es nicht irgendwie sexistisch, das Wort “Feminismus” zu verwenden für beide Geschlechter? Da fehlt das männliche.

    Ich habe im Übrigen feministische Quellen gelesen, diese Unterstellung, ich hätte keine Ahnung darfst du getrost für dich behalten. Ich halte schlichtweg nicht viel davon.

    ” Ich habe keine große Lust hier elend lang über Sarkeesian zu schreiben.”

    Das ist auch eine Art zu sagen, dass du meine Argumente nicht beantworten willst oder kannst.

    “Das ist kein Hexenwerk sondern schlicht und ergreifend die Darstellung wiederkehrender Symbolsysteme und Topoi.”

    Die Topoi existieren. Keine Frage. Sagte ich ja. Aber wie ich bereits sagte, sind Topoi, und die darstellenden Mittel lediglich ein Instrument des Authors, der eine Geschichte so oder so erzählen kann. So kann man, wie bereits erwähnt, das Klischee, oder das Topos der “Frau als Opfer” dazu verwenden, die Frau zu diskriminieren oder zu bestärken in einer Erzählung. Das Topos der “Frau als Opfer” ist neutral. Sarkeesian bewertet es jedoch als sexistisch, und behauptet, die Frau wäre nur Objekt. Natürlich ist sie ein Objekt! Sie ist ein funktioneller Teil der Geschichte, genauso wie andere Teile Objekte sind! Gute Güte. This does not compute.

    Im Übrigen haben wir gerade ein Diskussionsproblem da der Term “Topos” (den du meinst, Gedankenbild) nicht direkt mit dem Term “bildliches Mittel” (den ich meine, (aus Mangel an besseren Termen) meint funktionelle Zusammenhänge innerhalb der Geschichte) zusammenfällt, was im Übrigen nicht zuletzt auch Sarkeesian geschuldet ist, da sie (wie für jeden Akademiker üblich /sarcasm) keine Artikulation darüber führt, wie ihre Begriffe zu verstehen sind. (siehe Artikel von jw. Cain)

    Amüsant an dem Beispiel, das ich über ihr Video über Hitman gemacht habe ist insbesondere, dass sie die Videoszene in der sie die Stripper umherschleift, selbst erzeugt haben muss.

    “Natürlich sind sie das.”.

    Nein, sind sie nicht. Ich habe oben genug Löcher in Ihrer Argumentation aufgezeigt. Naja, vielleicht hast du zuviele ihrer Videos gesehen, und geglaubt, sie beeinflussen dich nicht, weil “The more you think you can’t be affected, the more likely you are to be affected” (Zitat Sarkeesian, selbsterklärend und richtig, da es Sarkeesian sagt, Nachweise fehlen natürlich)

    Ein Akademiker der so wie sie arbeitet würde zurücktreten müssen und seine Ämter verlieren. Vielleicht magst du das nochmal von einer akademischen feministischen Kritikerin hören? Die auch aufzeigt wo Anita Sex-negativen radikalen Feminismus verbreitet? Paula Wright, bitteschön.

    http://porlawright.wordpress.com/tag/anita-sarkeesian/

    Das Spiel können wir ewig so weitermachen. Ich zeige dir reputable Quellen, Aber du hast deine Meinung darüber und wirst sie nicht ändern, egal wie oft und wie ich es dir sage. Wie ich bereits sagte, mit Vernunft hat das, was du da machst, demnach leider nichts zu tun.

    Ich wiederhole an diesem Punkt, dass es mir nur um das label “akademisch” geht. Klassische Kulturkritik hin oder her, sie darf es nur nicht nennen, was es nicht ist. Kritiker kann sich schließlich jeder nennen, aber akademische Kritik muss fundiert sein auf reputable Quellen. Die gibts bei ihr nicht, aber das erkennst du nicht an, also was soll ich machen? Listen and Believe?

    “würde das noch lange nicht den Gamergate-Shitstorm rechtfertigen.”

    Problematisch an dieser Aussage ist, dass der Shitstorm gerechtfertigt wird, um ihre Argumente zu bekräftigen, wie du es jetzt tust. Am Ende der Diskussion steht dann immer das nicht zu schlagende Argument “Aber..aber die arme Frau! Die sagte es gibt Ressentiments gegen Frauen.. und jetzt erlebt sie sie!”. Das war klar, dass sie das als sex-negative radikale Feministin erlebt, und verführen kann, das gehört zu deren Weltbild. Und auch zum Menschsein. Männer und Frauenhass ist leider Bestandteil der Gesellschaft und wird es auch bleiben.

    Aber das ist garnicht Thema. Ihre Selbstdarstellung hat mit der Faktenlage nichts zu tun. Ich greife sie persönlich nicht an, habe es nie, und habe es auch nicht vor. In der ganzen Diskussion fehlt einfach Sachlichkeit, und dieses emotionale Schutzschild das von ihr aufgebaut ist, das, wie du es zeigst, gegen Fakten eingesetzt wird, ist höchst problematisch. Diese Frau wäre anhand ihrer intellektuellen Leistungen keine Erwähnung wert, würde sie nicht so gut auf Emotionen spielen.

    Am Ende der Diskussion stehen immer Emotionen. Im größten Respekt dir Gegenüber sage ich dir, dass du ein Recht darauf hast, wie jeder andere. Es lässt sich nur nicht über Gefühle diskutieren, sondern nur über Fakten. Und die stehen fest. Die sehen die meisten nur leider nicht, wegen, wie gesagt, Emotionen und Hysterie. Weil – weil “Die..die arme Frau! Oh gott!”

  6. Na entschuldigen Sie mal, sehr geehrter Herr Schreiber, aber da muss ich doch mal gegen ihre selbstherrliche Ignoranz eingreifen, die Sie da gegen den Kommentator vorbringen.
    Anderen Leuten den Begriff “Feminismus” gegen deren Willen aufzudrücken, ist eine Schweinerei, die mich zum Rasen bringt, und ich bezeichne mich freiwillig als Feministin, trotz schlechter Erfahrungen unter anderem mit Leuten wie Ihnen, wobei das noch die harmlosesten sind.
    Sie sollten vielleicht tatsächlich einige der Links lesen, die der Kommentator gestellt hat, Sie könnten noch etwas dazulernen über den werten Feminismus, über den Sie sich gebildet genug fühlen. Gerade da einige der verlinkten Artikeln von Feministen geschrieben wurden.
    Feminismus ist nun mal ein riesiges Gebiet mit sehr vielen unterschiedlichen Strömungen, Meinungen und In-Fighting, und leider schließt das bloße Selbstbezeichnen als Feminist nicht das Vorhandensein von anderen Vorurteilen, selbst Sexismus, aus.
    Seit Anbeginn des Feminismus gab es erhebliche Probleme innerhalb der Bewegung, die die Leute vergrault hat, und diese Leute haben das gute Recht, den Begriff zu kritisieren und abzulehnen. So gibt es z.B.
    – Unabhängige Transgender Personen, die noch die Auswirkungen der transphoben zweiten Welle des Feminismus (und genug moderener Feministen, den sogenannten “TERFs” (“trans-exclusionary radical feminists”)) zu spüren bekommen,
    – Womanisten, die Anhänger einer antirassistischen pro-Frau und pro-Mann Bewegung sind, die Feminismus für zu weiß befinden (kein Wunder, wenn weiße Feministen “satirischen” Schmarrn wie #killallmen raushauen während schwarze Männer zu Hauf in den USA erschossen und dämonisiert werden)
    – Rape und Abuse Survivors unterschiedlicher Geschlechter, die entweder (im Falle von männlichen Survivors und/oder weiblichen Tätern) ignoriert werden oder ihre Erlebnisse (im Falle von weiblichen Opfern männlicher Täter) für pures Shock-Value trivialisiert bekommen (Ich empfehle diesen Brief der amerikanischen Survivor-Organisation RAINN, die einige negativen Auswirkungen des feministischen “Rape Culture” Glaubens beschreibt: https://rainn.org/images/03-2014/WH-Task-Force-RAINN-Recommendations.pdf Ich kann noch mein Wort als lesbisches Opfer einer anderen Frau drauflegen, was immer das wert sein mag, denn ich offenbare garantiert nicht meine Identität. Was soll ich sagen, dank ignoranter Reaktionen anderer Feministen zu dem Thema an sich habe ich Jahre ohne Hilfe mit Selbsthass verbracht. Ich gebe mein Label nicht auf, aber Gott, kann ich andere Survivors gut verstehen, wenn sie beim puren Wort Feminismus kotzen).
    Dies sind Beispiele, und nicht alle Menschen, die trans, PoC oder Survivors sind, lehnen die Bezeichnung ab und haben positive Erfahrungen, und das ist wunderbar und ich freue mich für sie. Den anderen den Zeigefinger unter die Nase zu halten und über ihr Label zu jaulen oder ihnen unseres aufdrücken zu wollen statt ihre Beschwerden zu Herzen zu nehmen ist jedoch abartig und wirft zu recht ein schlechtes Licht auf uns. Wir haben kein Monopol auf den Kampf gegen Sexismus, man kann gegen Sexismus sein und sich einen Egalitarier oder Womanisten oder gar nichts nennen.
    Ich empfehle sehr wohl die Lektüre der Menungen von Leuten, die keine Feministen sind. Sind neben Misogynisten garantiert auch liberale Antisexisten mit sehr wichtigen Kritikpunkten dabei, das versichere ich Ihnen. Setzen Sie sich und lernen Sie, wie man in den USA zu sagen pflegt. Wenn Sie nur unkritische Feministenstimmen lesen, versumpfen Sie allzusehr in Selbstbeweihräucherung.

  7. “Ja, und vor ~60 Jahren hättest du mir wohl, als in Gegenbewegung zum Nationalsozialismus gesagt, Anti-Rassismus sei elementarer Bestandteil. Nein, du magst Feminismus einfach mehr, was in keinster Weise rechtfertigt, diesen über Humanismus zu stellen, oder ihn damit gleichzusetzen. Feminismus ist eine Subkategorie des Humanismus. Wir sind in erster Linie Menschen, und “Sexismus” betrifft alle, nicht nur Frauen.”

    Wir scheinen uns da gerade echt im Kreis zu drehen. Und ich habe keine Lust mehr, simple Aussagen zu wiederholen, wenn sie permanent ignoriert werden. Humanismus funktioniert nicht ohne Feminismus. Du kannst nur Humanist sein, wenn du auch davon ausgehst, dass Frauen die selben Rechte wie jeder andere Mensch verdienen. Dann bist du aber gleichzeitig auch Feminist.

    “Und ist es nicht irgendwie sexistisch, das Wort “Feminismus” zu verwenden für beide Geschlechter? Da fehlt das männliche.”

    Naja… das ist Begiffs-Nitpicking. Natürlich könnte man auch Antisexismus sagen. “Feminismus” ist einfach mal der historisch gewachsene Begriff. Aber genau so wenig, wie sich der Feminismus exklusiv um Frauen kümmert, faltet ein Zitronenfalter Zitronen.

    “Die Topoi existieren. Keine Frage. Sagte ich ja. Aber wie ich bereits sagte, sind Topoi, und die darstellenden Mittel lediglich ein Instrument des Authors, der eine Geschichte so oder so erzählen kann. So kann man, wie bereits erwähnt, das Klischee, oder das Topos der “Frau als Opfer” dazu verwenden, die Frau zu diskriminieren oder zu bestärken in einer Erzählung.”

    Das Spannende an Topoi ist ja, dass sie als ständig wiederkehrende Motive etwas über tradierte Vorstellungen, die sich in das jeweilige Medium einschreiben, erzählen… und eben auch, wie sie damit Klischees reproduzieren. Wenn es eine bestimmte Häufung des Erzählmusters “Frau wird entführt. Mann zieht los, um sie zu retten!” gibt (und dieses ist in Videospielen als ganzes signifikant höher als andere Erzählmuster, erst recht als das gegensätzliche Narrativ), stellt sich natürlich die Frage, welches kulturelle Bild, welche sozialen Vorstellungen werden dadurch tradiert. Und dass dahinter historisch gewachsene Bilder stehen, die man mit Fug und Recht so deuten kann, dass die Frau als der passive und der Mann als der aktive Part gesehen wird, dass die Frau nur als “Ziel” oder “Motiv” für die Geschichte dient, sollte doch erst einmal ziemlich einleuchtend sein. Und ja, das berechtigt durchaus, diese Topoi als “sexistisch” zu bezeichnen.

    “Kritiker kann sich schließlich jeder nennen, aber akademische Kritik muss fundiert sein auf reputable Quellen.”

    Sarkeesians Quellen sind Primärquellen. Sie untersucht – deshalb habe ich ihre Methode auch als u.a. strukturalistisch bezeichnet – die Texte selbst, in diesem Fall die Spiele. Ich kann mich da nur wiederholen. Ihre Kritiker haben ein Problem mit ihrer Methodik, ohne zu sehen, dass diese Methodik Usus in den Medien- und Kulturwissenschaften ist. Ich habe verwandte Beispiele genannt. Im Prinzip ist ihre Methode eine exemplifizierende. Sie sagt: “Es gibt sexistische Tropes in Videospielen mit einer überproportionalen Häufung. Das sind sie.” und widmet sich dann diesen Tropes, in den Spielen, in denen sie auftauchen. So funktioniert akademische Textkritik in zahllosen Fällen. Wenn du glaubst, wegen dieser Methodik müssten Akademiker ihre Titel und Lehrstühle aufgeben, würde es an den deutschen und amerikanischen Unis in so ziemlich jeder kultur- und medienwissenschaftlichen Fakultät ziemlich einsam aussehen.

    “als sex-negative radikale Feministin…”

    Warum hälst du Sarkeesian für radikal?
    Warum für sex-negative?
    Ich habe das Gefühl, dass sind bloße Claims der Gegenseite, um sie in ein schlechtes Licht zu rücken. Also wenn es schon radikal ist, analytisch Kulturkritik zu betreiben, sind 90% aller Literatur- und Filmwissenschaftler radikale Marxisten, radikale Freudianer und radikale Nihilisten. Also irgendwie kann es das doch auch nicht sein?

  8. “Anderen Leuten den Begriff “Feminismus” gegen deren Willen aufzudrücken, ist eine Schweinerei, die mich zum Rasen bringt”, ja, das wollte ich netter sagen. Danke für den Beitrag. Kann mich dem nur anschließen, ich will nicht als Feminist bezeichnet werden aufgrund persönlicher Erfahrungen und weil es heutzutage irgendwie ein Kampflabel geworden ist, das auf mich einfach kindisch wirkt. Aber, in Respekt: jedem seins!

    Das was Sie mit Feminismus meinen, Herr Mayer (Ja, ich dutze und sieze Sie wie es mir passt! :D ) meine ich mit Humanismus. Insofern meinen wir das gleiche, ich möchte jedoch nicht als Feminist bezeichnet werden, auch wenn es sich ihrer Ansicht nach um identische Sachverhalte handelt. Ich denke, das können wir so stehen lassen.

    “bestimmte Häufung des Erzählmusters “Frau wird entführt. Mann zieht los, um sie zu retten!”
    ” als ganzes signifikant höher”

    Ja, dem kann ich zustimmen. Das liegt jedoch nicht daran, dass Spieleentwickler sexistische Frauenhasser sind, sondern dass es eine einfache Erzählform ist, um die sich Gameplay herum wickeln kann. John Carmack (der Programmierer von Doom) hat mal erwähnt, dass es sich bei Computerspielen und Story ähnlich wie bei Pornografie verhält; die Story sollte da sein, ist aber nebensächlich. Spiele sind schließlich auch zum Spielen da. Deswegen sind die meisten Geschichten eher flach und billig und bedienen sich Klischees, da das Medium Spiel schwerlich wie ein Film funktioniert. Gerade die Mario-Reihe ist ein Paradebeispiel dafür. Wer muss schon wissen, was Prinzessin Peachs Motive sind? Rette sie, sei ein Held, fertig! Hab Spaß am Spielen selbst!

    Wobei es in jüngerer Zeit Anläufe gibt, das zu ändern, was ich gut finde. “Cinematische Spiele” wie Heavy Rain, The Last Of Us und Beyond: Two Souls (und viele andere) haben hier gute Leistungen erzielt. (und ausnahmslos starke weibliche Charaktere in der Geschichte)

    ” erst recht als das gegensätzliche Narrativ), ”

    Allerdings ist das gegensätzliche Narrativ sehr selten. Mir fällt kein Spiel, Film oder Buch ein indem eine Frau einen Prinzen rettet, um danach oder dadurch eine Belohnung zu erhalten. Ihnen etwa? Oder sonstwem?

    Ist wohl nicht sonderlich beliebt. Funktioniert wohl nicht so gut.

    ” Und ja, das berechtigt durchaus, diese Topoi als “sexistisch” zu bezeichnen.” Im kulturell-historischen Hintergrund, ja. Das ist jedoch dann eine kulturell-historische Interpretation eines Werkes, keine Analyse. Oder ist Peach jetzt die Darstellung mittelalterischer Romantikvorstellungen? Nein, es sind funktionierende Klischees, einfacher, simpler Spaß, ohne tiefere Bedeutung. So wie bei den meisten Spielen mit zu vernachlässigender Story.

    Eine Analyse eines Werkes muss anhand jenes Werkes (und eventueller Referenzen zu früheren Werken des selben Autors) eindeutig beweisen können, dass der Autor es so oder so gemeint hat. In diesem Fall sexistisch.

    Sarkeesian pickt jedoch die Topoi aus dem Zusammenhang, und interpretiert diese dann als sexistisch. Gerade das Hitman-Beispiel ist ein Paradebeispiel. Hätte Sie das Gesamtwerk “Hitman Absolution” analysiert, und nicht die einzelne Szene interpretiert, in der sie absichtlich (!) und völlig unnötig eine Stripperin erst tötet, und dann umherschleift, um dann über “Bestrafung von weiblicher Sexualität” zu fantasieren, hätte sie bemerkt, dass es nur eine einzelne Szene mit Stripperinnen gibt, die in der (auch wirklich tiefen, von starken Frauencharakteren besetzten) Story keinerlei Bedeutung hat.

    Dann von Sexismus zu sprechen halte ich für unnötig und und ehrlich gesagt ziemlich blöd. Echter Sexismus wird dadurch auch trivialisiert, was sicherlich nicht im Sinne des Feminismus ist.

    Hätte Sie jedoch anhand des Gesamtwerkes beweisen können, dass Stripperinen töten, umherschleifen, Geschlechtsteile verstümmeln (etc) als wichtiges Element vorkommen, das das Spiel belohnt, wäre ich mit dieser Interpretation absolut hinter ihr gestanden. Passiert aber nicht in Hitman. Passiert nirgends, außer in einigen Nischenbereichen, die für so eine große Diskussion wiederum keine Bedeutung haben.

    Das ist ein Beispiel von vielen, wohlgemerkt.

    “stellt sich natürlich die Frage, welches kulturelle Bild, welche sozialen Vorstellungen werden dadurch tradiert. ” Das streite ich nicht ab. Filme bilden, ich sage mal, kulturelle Trends ab, Frauen- und Männerbilder, die in einem Diskurs behandelt werden müssen, transformiert, etc. Jedoch ist Sarkeesians Vorgehensweise unlauter und sorgt lediglich für mehr Streit wegen ihrer unsauberen Arbeit. Sie polarisiert. Sie sehen, darüber reden kann ich. Ich spiele zudem seit ca 18Jahren Computerspiele, und kann mich an keine Instanz erinnern, indem es aktive weibliche Diskriminierung über das Geschlecht gab, die nicht irgendwie in der Story Sinn ergeben hätte.

    Wie gesagt, hätte sie anhand des Werkes durch eine sachliche Analyse (so wie es die Abiturienten jedes Jahr mit Büchern machen) beweisen können “Hitman MUSS hier Frauen töten, und sie wegen ihrer Sexualität bestrafen”, könnten wir auch eine echte Diskussion darüber führen. Aber so wie sie arbeitet, darstellt und absichtlich missinterpretiert, kann und wird nichts daraus. Zudem sind es wirklich widerliche Unterstellungen. Hitman ist ein AAA-Game, beliebt und von Millionen Menschen gezockt. Und geilen sich alle dran auf, Repräsentationen von weiblicher Sexualität zu bestrafen? (siehe Zitat Sarkeesian oben) Also bitte. Dafür sollte sie sich eigentlich öffentlich entschuldigen.

    “Sarkeesians Quellen sind Primärquellen.”

    Nein, dass sie die Werke selbst interpretiert und an ihnen arbeitet ist ok. Ich verstehe was Sie meinen. Was ich mit Behauptungen meine sind all die Dinge die in einer sachlichen Analyse nichts verloren haben.

    Damit meine ich ihr eingestreutes Sex-negatives Radikalfeministinnen-gut. Einige Beispiele habe ich oben angeführt. Ein Beispiel:

    “The more you think you can’t be affected, the more likely you are to be affected”

    Was hat diese Aussage in einer sachlichen akademischen Analyse verloren, und wie kommt sie zu diesem Schluss? Diese Aussage bezieht sich nicht auf das Werk. Demnach ist es eine Behauptung. Um aus einer Behauptung einen redlichen Fakt zu machen, braucht man in der akademischen Welt Nachweise. Wo genau finden sich unwiderlegte und anerkannte Nachweise darüber dass diese Behauptung stimmt? Nirgends. Sie ist jeden einzelnen Nachweis jeder einzelnen Behauptung schuldig.

    Zudem sagen Akademiker nie “Es ist so”, sondern “Die Untersuchen weisen stark darauf hin, dass..” um dann zu sagen “dadurch scheint es” oder “Das indiziert”

    Und genau dafür würde sie rausfliegen aus dem akademischen Kreis. Eine Marktschreierin unter vorsichtigen Bibliothekaren.

    Wenn sie jedoch sagt, es handelt sich um eine feministische sozialkritische Interpretation einzelner Szenen von Computerspielen, die nicht repräsentativ für das Spiel ist, ist das, was sie macht, völlig ok. Tut sie jedoch nicht.

    Es ist keine Analyse, nicht akademisch, betrachtet nicht das Gesamtwerk, und streut unbewiesene Behauptungen ein. Wofür ist das gut?

    Es polarisiert unnötig und das ist meiner Meinung nach nicht gut.

    “Ich habe das Gefühl, dass sind bloße Claims der Gegenseite,” Ich weise dich zum dritten Mal darauf hin, dass der Artikel auf gamesided erklärt, dass Sarkeesian aus der Schule von Dworkin (ihrerseits radikale Sex-negative feministin, 2te Welle) schöpft. Außerdem kannst du dir gerne einige ihrer Aussagen der letzten Zeit auf Twitter ansehen. Sie spart nicht mit klassischen Aussagen.

    Sie sagt Sexismus gegen Männer existiere nicht, was effektiv bedeutet, dass Sexismus nur von Männern ausgeht. <– radikal-feministisch (außerdem ziemlich sexistisch ihrerseits)

    Sie nennt Bayonetta die von vielen als Empowerment-Symbol gefeiert wird, da sie offen ihre Sexualität zu Schau stellt, ohne selbst ein Sexobjekt für andere zu sein, ein "Fuck Toy" <–Sex-negativ.

    Bittesehr. Schreibe ich auch zum zweiten Mal.

    "radikale Marxisten, radikale Freudianer und radikale Nihilisten." Ich denke du kennst Analysen von diversem politischem und ideologischem Kolorit. Dass man merkt, dass ein Autor jetzt wohl eher auf der sozialistischen, oder eben dieser oder jener Seite steht ist ja ok anhand der Wortwahl, die jedoch immer sachlich bleibt.

    In einer geisteswissenschaftlichen Abhandlung wird ein redlicher Autor jedoch immer versuchen Raum für die Gegenseite und für die Interpretation anderer Ideologien zu lassen, selbst wenn ihn das Thema anwidert. Da es gerade in der Geisteswissenschaft selten etwas Absolutes gibt. Er wertet nicht (wenn es nicht gerade die Aufgabe ist) sondern erforscht das Thema. Er behauptet nicht, sondern berichtet.

    Macht das Sarkeesian auch so?

    "Ich empfehle sehr wohl die Lektüre der Menungen von Leuten, die keine Feministen sind." Achja, an Herrn Mayer! Im Übrigen lese ich gerne Artikel zu anti-Gamergate durch, falls Sie einen lauteren finden mit validen Argumenten. Es gibt sie, jedoch enthalten sie meiner Meinung selten das Wort "Misogynist".

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