Hörenswertes: Alt-J, Rustie, Zoot Woman, Interpol, Cymbal Eat Guitars, Cel & Abdi, Thom Yorke und kein U2

Einen wunderschönen Feiertag! Die Einleitung fällt kurz aus, weil ich schnell raus in die Sonne möchte. Rustie hat Pop-ADHS, Zoot Woman immer noch Perfektionswahn, die Cymbal Eat Guitars läuten schon mal den Emo-Herbst ein, Interpol haben den ja irgendwie immer, Celo & Abdi fahren einen düsteren Gangsta-Film und Thom Yorke jammert eh ewig rum. Viel Spaß!

Rustie – Green Language

(Warp / Rough Trade, 22.08.2014)

WARP253_Packshot_480Oh, wie ich hier Glass Swords abgefeiert habe. Immer noch ein electrofunkiger Bas(s)tard von einem Album und eines der besten Alben 2011. Die Mischung aus Hip Hop, Electro und Dubstep war damals noch Avantgarde und gehörte ein paar Jahre später zum Standard-Programm der Dj`s rund um den Globus. 2014 kommen nun Ansätze von Indie-Rock dazu, ansonsten ist dem Wunderkind aus dem Hause Warp ehrlich gesagt nicht allzu viel Neues eingefallen. Es rumpelt nun gewaltiger, alles wirkt hektischer, als auf dem Debütalbum und interessante Ideen kommen zwar in höherer Frequenz, aber zuckeln schnell an einem vorbei bevor sie überhaupt greifbar werden. Klingt alles sehr heutig, aber catcht leider nicht mehr so richtig. Auf den jungen Mann aus Glasgow scheinen extrem viele Eindrücke und Geistesblitze eingeprasselt zu sein, nur ist dabei der Fokus verloren gegangen.

Zoot Woman – Star Climbing

(Warner, 29.08.2014)

zoot1Mit strengem Arbeitsethos und Fokus dürften Zoot Woman weniger Problem haben. Das Projekt von Stuart Price stand noch nie im Ruf chaotische Impro-Kunst zu sein, sondern sauber produzierte Popmusik im Stile der klinischen 80er. Star Climbing ist wieder perfekt produziert Tanzmusik, von jemanden der sein Handwerk im Schlaf beherrscht. Fans von OMD oder Human Leauge haben hier den leibhaftigen Erben des frühen 80er New Wave Sounds gefunden, als Kraftwerk und Disco ihre erste heftige Liebesaffäre eingingen. Nach Spuren von Seele, die immerhin noch auf “Things are what they used to be” etwas durch die Schaltkreise wehte, sollte man nicht suchen, sondern Musik die jederzeit direkt ihren Zweck erfüllt. Was solls, Fischerspooner haben sich überlebt und somit sind Zoot Woman die einsamen König(innen) auf ihrem Floor. Don`t Tear Yourself ist übrigens ein großartiger Song.

Cymbal Eats Guitars – Lose

(Cargo, 29.08.2014)

ceg-loseHm Moment, Drei-Wörter-Band? Da war doch mal was, so Ende der 90er und bis Mitte der 00er. Ja genau, Emo nannte sich die Richtung die anfangs noch großartige Meisterwerke in die hässliche Fresse von Testeron-Deppen spuckte und dann mit Schimpf, Schande und eindeutig zu viel Make Up zurecht aus dem Bewusstsein verschwand. Der Bandname von Cymbal Eat Guitars erinnert auch erstmal an Jimmy Eat World, die einst so große Band, die sich zwar noch als gern gesehene Festivalband über Wasser hält, aber das letzte große Album rausbrachte, als Schweinsteiger noch Schweini hieß. Keine Angst, so zuckrig geht es hier zum Glück nicht zu, eher ist das hier einfach sauguter Emo-Rock, der damals in den Hochzeiten Anfang der 00er wie eine Bombe eingeschlagen wäre. Punk-Geschrubbel trifft auf eine gute Pop-Produktion. Ihnen gelingt etwas, woran Jimmy Eat World schon seit einem Jahrzehnt gnadenlos scheitern, inkl. der fehlenden Substanz die Cymbal Eat Guitars noch besitzen. Keine Ahnung ob das nen Kid von heute noch begeistern kann, mir holt das gerade meine asymetrische Frisur, das Clarity-Poster und die Chucks zurück. Hach!

Interpol – El Pintor

(Rough Trade,05.09.2014)

35103735Apropos 00er. Wer Turn On The Bright Lights oder zumindest Antics von Interpol nicht gehört oder im Besitz hat, muss gerade zarte 15 sein oder hat rein musiktechnisch verdammt viel falsch gemacht. Ein grummelndes Stück Popmusikgeschichte, das Post-Punk neues Blut brachte und zu der Sperrspitze der Joy-Divison-Nachfolger machte. Ja, nun ist das aber alles auch wieder ein paar Jährchen her und irgendwo haben die New Yorker ihre unangreifbare Über-Aura verloren, was an wenig überzeugenden Alben liegt, von denen sich gerade das letzte sehr zäh im Nirgendwo verlor. El Pintor hat das verstanden und kehrt zurück zu den klassischen Wurzeln der ersten Alben, deren Magie hier ins Jahr 2014 übertragen werden soll, wo Rockbands urplötzlich wieder ewiggestrig wirken, vielleicht eigentlich so wie sie schon zu Anfang waren (Strokes anyone?). Aber hey, in Zeiten wo die Arctic Monkeys als coole Rockband gelten sind Interpol immer noch weit vorne, wenn auch weniger spannend.

U2 – Songs of Innocence

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Hm nee, ist echt zu langweilig. Sry dafür, eventuell kann ich euch mit einer Retrospektive versöhnen?

Celo & Abdi – Akupunktur

(Azzlackz, 20.06.2014)

tn2_14039Alde, was ist hier denn los! Die Rückkehr des französischen Gangsta-Rap, in dessen Schuld die ganzen Aggros aus Berlin stehen? Eigentlich schalte ich immer wenig begeistert weg, wenn zwei düster dreinschauende Typen vor einem grauen Blockkulisse alles zerstören wollen und dann doch wieder nur Pop-Raps für Kleingärtner rausspringen. Was Celo & Abdi aus der Azzlack-Crew hier abbrennen muss sich absolut nicht hinter dem Boss Haftebefehl verstecken. Düstere Synthie-Flächen, die mich an die seligen Zeiten von Booba erinnern. Sauer stossen mir nur ein paar dumpf gehaltene politische Parolen in Sachen Nahostkonflikt auf. Sorry Jungs, das ist nicht euer Spielplatz, also lasst es einfach.

Thom Yorke – Tomorrow’s Modern Boxes

(Bit-Torrent, 26.09.2014)

Tomorrows-Modern-BoxesDarf man von dem Sänger der wichtigsten Band des letzten Jahrzehnts enttäuscht sein? Ja, wenn sich dieser nur auf Trademarks ausruht und mit einer zu oft gehörten Mischung aus Clicks, Ambient und einer Stimme, die wohl nur noch Wehleidigkeit interpretieren kann, langweilt. Ja es war großartig als Yorke zum übergroßen “Pyramid-Song” seine düsteren Lyrics sang, aber es wird langsam bedenklich eintönig und man kann nur stark hoffen, dass sich der Rest von Radiohead bei dem nächsten Album davon schnellstmöglich emanzipiert, bevor die mittlerweile enggestrickten Vorgaben des Meisters jeden Freiraum unmöglich machen. Tomorrow`s Boxes ist in seiner Selbstverliebtheit nur für Yorke-Jünger, Nigel Godrich-Fans und Radiohead-Komplettisten interessant. Wer reduzierte Beats und interessante Soundexperimente braucht ist woanders besser aufgehoben als bei diesem mäßig spannenden Hobby-Versuch eines Musikers.

Alt-J – Cooperative / Rough Trade

(Rough Trade, 19.09.2014)

Alt-J_-_This_is_all_yoursSo, nun das große Finale! Ich habe in der letzten Hörenswertes-Ausgabe schon gefragt wer den Pop rettet und dabei Alt-J ins Spiel gebracht. Ok, das neue Album hilft ihm auch nicht komplett aus der Misere, dafür ist es einfach nicht mutig genug, aber es gibt ihm wieder ein Stück Seele zurück. Musikhistoriker werden grummelnd anmerken, dass sich Alt-J mit ihrem mehrstimmigen Gesang auch nicht so anders anhören als Fleet Foxes, die ja wiederum genau Crosby, Stills und Nash studiert haben. Der Sample-Rock klingt auch vertraut nach den kruden Momenten der Eels, so ca. Electro Shock Blues Zeiten, aber die haben sich ja auch durch ein paar Jahrzehnte vor ihnen durchgewühlt. Die hatten interessanterweise auch nicht die besten Momente in den wirren Crossover-Ausbrüchen, sondern wenn sie ganz bei sich waren. Es sind hier die vergleichsweise konventionellen Folk-Pop-Momente wie “Arrival in Nara” oder “Warm Foothills”. Das nächste mal bitte weniger hippe Zeitgeist-Anbiederungen wie das Miley Cyrus-Sample in Everyother Freckle sondern das vertrauen auf das große Songwriter-Potential, was die Jungs unbestritten haben.

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