Happy Birthday, Naughty Dog

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Die Videospielszene applaudiert gerade ordentlich der Spielschmiede Naughty Dog zum (sehr großzügig gemessenen) 30. Geburtstag… zurecht. Kaum ein anderer Entwickler hat in den letzten 20 Jahren derart konstant gute Qualität in allen möglichen Genres abgeliefert. Nimmt man es genau mit dem Alter des mittlerweile Playstation-exklusiven Softwarelieferanten, kommt man allerdings nicht daran vorbei, auf ihre Anfänge zu sprechen zu kommen. 1984 als Jam Software gegründet, versprühte Naughty Dog in seinen Anfangszeiten nämlich keineswegs den Gaming-Esprit, den man heutzutage von ihnen gewohnt ist. Mit Spielen wie Dream Zone und dem unsäglichen Way of the Warrior waren sie sogar lange Zeit eher ein Garant für durchwachsene Metascores und enttäuschte Spieler, die sich von inspiriert klingenden Game-Beschriebungen und grafischen Extravaganzen täuschen ließen.

Wie viele andere auch hatte ich Naughty Dog bis 1996 als großen Entwickler überhaupt nicht auf dem Schirm… dafür dann aber umso mehr. Mit Crash Bandicoot schuf das Studio unter der Leitung von Andy Gavin und Jason Rubin ein 3D Jump N Run, das sich nicht nur einen festen Platz in meiner Playstation Sammlung sicherte, sondern ebenso einen sicheren Platz in den Annalen der Videospielgeschichte. Als im Grunde genommen traditioneller 90er Jahre Plattformer – mit coolem Helden mit einer Menge “Attitude” – wurde das Spiel unter dem Konzepttitel “Sonic’s Ass Game” entwickelt und das ist es in der Tat. Eine konsequente Polygon-Fortführung des klassischen Sonic-Prinzips, inklusive Wirbelattacke und anspruchsvollen High Speed Passagen, hakeligen Sprungmomenten und einem Schwierigkeitsgrad, der nie zu frustrierend ist. Allerdings musste sich Crash Bandicoot – nachdem Sega mit dem Saturn von der Sony-Konkurrenz abgehängt worden war – nicht mit einem edgy 3D Sonic messen, sondern dem im selben Jahr erschienenen Mario 64. Neben Tomb Raider kam Crash Bandicoot für Sony sehr willkommen, um zwei neue starke Franchises als Mario-Killer zu positionieren und entsprechend wurde das Spiel vermarktet.

Dabei hatte das coole Beuteltier weder atmosphärisch noch spielmechanisch viel mit Mario gemein. Während Nintendo mit dem Schritt in die dritte Dimension auch den Schritt in die offene Welt wagte, blieb Crash Bandicoot dem traditionellen Plattforming treu, in einer Zeit, in der mit Croc und Banjo-Kazooie das Open World Jump N Run seine größte Hochzeit erlebte, wirkte der 2 1/2 D Mix fast schon ein bisschen zu bieder und brav, wenn nicht sogar anachronistisch. Ironischerweise sind gerade die offenen Welten im Plattform-Genre mittlerweile im Jahr 2014 fast gar nicht mehr anzutreffen, stattdessen eben viel eher die Mischungen aus 3D-Grafik und 2D-Mechanik wie in Super Mario 3D World oder Trine. So gesehen war Bandicoot sogar seiner Zeit voraus, ein Avantgardist, der erst 15 Jahre nach seiner Entwicklung zahlreiche Nachahmer nach sich ziehen sollte. Zwei Jump N Run Fortsetzungen sollte das Spiel für die Playstation von Naughty Dog erhalten (es folgten weitere für die PS2 von anderen Entwicklern), außerdem mit Crash Team Racing einen eigenen Funracer, immer ein gutes Zeichen dafür, dass sich eine Marke etabliert hat.

Während die Crash Bandicoot Franchise von Dimps, Vicarious Visions und Polarbit auf folgenden Konsolen, Handhelds und Mobile Phones ordentlich weiter gemolken wurde, blieb Naughty Dog nicht bei dem großen Erfolg stehen. Stattdessen entwarfen sie zu Beginn des 21. Jahrhunderts mit der Jak and Daxter Reihe für die Playstation 2 eine Plattformer Franchise, die sich mühelos mit dem 90er Jump N Run messen konnte; mehr noch, mit seiner furiosen Mischung aus Plattforming, Action und Puzzle-Adventure belebten der Elf und sein Otter/Wiesel-Sidekick ein Genre, das sich zur damaligen Zeit keiner besonderen Beliebtheit erfreute. Während Sega die Sonic-Franchise von Titel zu Titel mehr an die Wand fuhr und Nintendo am Misserfolg des Game Cube zu knabbern hatte, bewiesen Jak und Daxter, dass Jump N Runs auch im Jahre 15 nach Donkey Kong keineswegs bieder, brav und anachronistisch wirken müssen. Der verdiente Erfolg: Zahllose Auszeichnungen, fette Metascores und eine treue Fan-Schar, die die Reihe – insgesamt 6 Titel, inklusive Fun Racer – zu DEM Plattformer des neuen Jahrtausends erhoben.

Satt war Naughty Dog damit aber keineswegs geworden. Dass sie sich wie kaum eine andere Spielschmiede darin verstehen, neue Marken zu etablieren und mit konstant starken Titeln zu füllen, bewiesen sie mit Uncharted, dessen erster Teil 2007 auf der Playstation 3 das Licht der Welt erblickte. Uncharted ist das Action Adventure, das die Tomb Raider Reihe seit Teil 2 stets versuchte zu sein… und nie erreichte: Spannend, cineastisch, actionreich. Ein furioser Hybrid aus Adventure, Plattformer und Shooter, gekonnt in Szene gesetzt und packend erzählt. Im Gegensatz zu vielen anderen Titeln der letzten Generation versuchen die Uncharted Games nicht, sich auf einer bombastischen, an das Medium Film angelehnten, Dramaturgie auszuruhen. Stattdessen kombinieren sie sehr genuin Kino-Look mit spielerischer Herausforderung und einem erstklassigen Balancing: Nie zu viel Film, der den Spielcharakter zerstören könnte (*Wink Richtung Heavy Rain), aber dennoch genug erstklassige Narration, um die Plattforming-Passagen nicht zur unmotivierten Aufgabenerfüllung werden zu lassen (*Wink Richtung Tomb Raider) und mit dem angekündigten vierten Teil für die Playstation 4 wohl auch in der aktuellen Generation eine sichere Bank, wenn es um verflucht gutes Game-Entertainment geht.

Und diese perfekte Mischung aus filmischem und spielerischem Erlebnis führt dann schließlich auch zum letzten großen Naughty Dog Hit: The Last of us, ein Spiel dessen Name wohl jeder kennen dürfte, der das Videospieljahr 2013 auch nur ein wenig verfolgt hat: Von vielen Kritikern zum Spiel des Jahres (wenn nicht sogar Jahrzehnts) geadelt, folgt The Last of us der Mischung aus Kino und Game, erzählt die dystopische Geschichte von einer Welt, die von einer Zombieplage zerstört wurde, den warmherzigen Abenteuerroman zweier ungleicher Wanderer in dieser Zukunft, und findet dazwischen dennoch genug Zeit, den Spieler mit beeindruckenden Action-, Shooter- und Adventure-Herausforderungen zu konfrontieren. Nicht ganz zwei Jahrzehnte, um zwei große Franchises und ein hochgefeiertes Meisterwerk mit Klassikerpotential zu entwickeln? Nicht schlecht, Naughty Dog.

Also… noch einmal: Happy Birthday, Naughty Dog. Danke für die großartigen Spiele, danke für die coolen Charaktere, die spannenden Geschichten, danke für dein mitunter perfekt ausbalanciertes Gameplay. Die hohe Reputation in der Videospielszene hast du dir zweifellos verdient. Bleib weiter so fleißig, bleib weiter so innovativ und lass uns auch in Zukunft viel Spaß mit deinen Entwicklungen haben. Ohne dich würde die aktuelle Videospielwelt weitaus trostloser aussehen.

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