Ein verstecktes Kinderzimmer in den Schächten der Wiener U-Bahn

3ca1a6693dDas ist so ein Netzfundstück, bei dem man erst einmal nicht weiß, was man dazu schreiben soll, weswegen es in meinem Browser seit mittlerweile einem Monat als offener Tab rumgeistert: Ein (anscheinend anonymer) Künstler hat bereits 2012 in den Schächten der Wiener U-Bahn ein mehr oder weniger bewohnbares Kinderzimmer eingerichtet, inklusive Kuscheltiere und Straßenteppich. Im Interview mit The Gap spricht er über die Intention und Gestaltung des Projekts:

Ein Kinderzimmer unter der Erde ist natürlich ein schwieriges Thema. Das Zimmer einer erwachsenen Person würde ein eindeutigeres Bild abgeben, dies galt es aber zu vermeiden. Gerade die Ambiguität eines unterirdischen Kinderzimmers reizte mich. Es ging neben der Frage nach prekärer Nutzung von Räumen und der Verschiebung der Grenzen des öffentlichen Raums auch darum, Geschehnisse zu bearbeiten, die in Österreich in den vergangenen Jahren aufgedeckt wurden.

Abgesehen davon ist ein unterirdisch gelegenes, fensterloses Kinderzimmer – auch ohne die Assoziationen, die in Österreich vermutlich hervorgerufen werden – ein interessantes Bild. Es muss nicht zwangsläufig als eine Form von Gefangenschaft verstanden werden. Es kann auch als Versteck in einem Endzeit- oder Fluchtszenario interpretiert werden.

Spannend wird das Ganze nicht zuletzt dadurch, dass die künstlerische Installation als sozialkritischer Ansatz sich in diesem Fall bereits durch ihr Konzept selbst demontiert: Als unauffindbare, ergo nicht rezipierbare Installation – ist das Verstecktsein doch bereits in ihr Konzept selbst eingeschrieben – kann sie nicht viel mehr als ein unerhörter Kommentar bleiben, ein stummer Schrei, von dem nur ein mediales Abbild bleibt:

Eine künstlerische Intervention vor Ort hat eine andere Präsenz, als ein medial gefilterter Ansatz wie etwa eine rein filmische Aufarbeitung. An diesem Raum gehen Tag für Tag hunderte Menschen vorbei. Das ist eine real existierende Situation, nur eine Handbreit entfernt vom Alltag der Menschen in Wien – kein Filmstudio. Das Dokumentationsvideo wurde zu einer Art Prothese des Raums, die die Entdeckung dieses Ortes eventuell erst ermöglicht und ihn einem größeren Publikum näher bringt. Die Vergänglichkeit der Installation macht die Videodokumentation unverzichtbar.

Doch auch die Videodokumentation des Projekts bleibt letzten Endes vage, reduziert sich auf die Entdeckung des unspezifisch verorteten Raumes, auf das bloße Abtasten seiner Präsenz, ohne weitere Antworten zu liefern. Das Projekt lebt geradezu davon, dass es seine Existenz in einer Nichtpräsenz offenbart… Ähmmm, ja… schwurbel, schwurbel… Ihr seht schon: Ich weiß immer noch nicht genau, was ich dazu schreiben soll. Eindrucksvoll bleibt es in jedem Fall.

Maulwurf-Kunst im Wiener Untergrund via KFMW

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