Hörenswertes: Coldplay, Lana del Rey, Alt-J, Royksopp & Robyn, Mastodon, Honeyblood, Dexter

Ja ich war faul und habe trotzdem direkt noch eine zweite Ausrede im Gepäck: So richtig große Sachen sind ja in in den letzten Monaten nicht raus gekommen. Jungle wurden mir empfohlen, aber haben einfach nicht überzeugt, La Roux finde ich im zweiten Versuch nach dem nervtötenden Debüt auch nicht besser und überhaupt…ach nee, wir wollen ja nicht meckern, hat sich doch letzten Endes was Altbewährtes Hörenswertes gefunden. Rise Against sind immer noch die Könige unter den Stadion-Punkern, Lana Del Rey zeigt uns die Welt hinter dem schönen Schein, Coldplay sind wieder traurig und zum Ende gibt es sogar Blut, Schweiß und Honig. Wohl bekommt`s!

Lana del Rey – Ultraviolence

(Universal, 13.06.2014)

8dda5e1bSchon der Einstieg in das Album macht klar: Lana del Rey ist keine begnadete Sängerin, die Präsentation und das Arrangement aber stimmen. Sich selber als die dunkle Seite der Rich Kids zu inszenieren passt zu der jungen Dame mit der Depri-Aura perfekt und wenn es jemand schafft, kleine First World Problems als fiese Dramen inszenieren, hat diejenige einiges richtig gemacht. Leider ist Lana del Rey auch  Kind einer Generation, die Photos mit Afterlight oder Instagram bearbeitet und die den Look einer vergangenen Zeit imitieren, aber nicht die Intention dahinter verstehen. Es wäre spannend gewesen zu sehen, wie dieses Album in weniger Überproduktion (und Überlänge) funktioniert hätte, stattdessen mit einem Produzenten, der für mehr Dreck offen gewesen wäre. So bleibt es eben guter dunkler Pop, der sich angenehm vom Over The Top-Sound von Miley Cyrus distanziert, dem aber immer noch die nötige Substanz fehlt, um schon einen auf divenhafte Chanteuse zu machen. Der Weg stimmt aber und es bleibt spannend ob irgendwann der nächste große Schritt gelingt.

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Coldplay – Ghost Stories

(Warner, 16.05.2014)

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In Pop-Gefilden halten sich mittlerweile schon eine ganze Zeit Coldplay auf und man kommt einfach nicht drum herum mit Wehmut auf die vergangenen Zeiten zu schauen, als sich Coldplay noch mit verschlafenen Augen gerade erst die Welt entdeckten und intime Meisterwerke erschufen. Nun lassen sich die Briten von Eno produzieren, machen es nicht unter Kollabros mit Hip Hop Superstars und haben es sich im Pop-Olymp gemütlich gemacht. Die voraus geschickte Single Midnight hätte zwar zu Parachutes-Zeiten nicht mal als B-Seite getaugt, aber ist im Vergleich zu den aktuellen Bombast-Werken dafür so reduziert produziert, dass einige in voreiliger Vorfreude schon auf den Abschied aus dem Mainstream spekulierten. Der chorale Einstieg mit dem typischen Ambient-Sound von Eno lässt noch auf Großes hoffen, Gitarren spielen schon länger keine größere Rolle mehr bei Coldplay und mit ein paar Trap-Beats geht es im Mittelteil ereignislos weiter, so einfach verlässt man den Pop-Kosmos und seine Millionen-Studios eben nicht. Das Album ist eigentlich – bis zum wirklich schönen Oceans mit seinem “Sie können es doch!”-Moment  -leider eine weitere Enttäuschung dieser einst übermenschlich wirkenden Band, die nun endgültig in ihrer Midlife-Crisis angekommen ist und ein typisches Coldplay-Album gemacht hat, aber eben kein überzeugendes. Ja und wer rettet nun Pop?

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Alt-J – Hunger of Pine

alt-j-hunger-of-the-pineVielleicht der neue Song von Alt-J, die ich ehrlich gesagt auf ihrem Debüt noch massiv overrated fand. Der neue Song macht tatsächlich Hunger auf mehr. Er fängt mit einer James Blake Langsamkeit an, fügt dann behutsam Beats zu und wird – und ja ihr lest richtig – endgültig ein großer Pop-Song, wenn ein Sample von Miley Cyrus einsetzt. Das macht nach jedem Hören immer mehr Spaß und vielleicht klappt das ja doch noch mit den Jungs aus HH und mir.

 

Royksopp & Robyn – Do It Again

(Warner, 23.07.2014)

We call it Klopper oder so. Royksopp ist zusammen mit der nicht so tollen Robyn ein wirklich ordentliches Techno-Brett gelungen, das ich leider erst jetzt für mich entdeckt und trotzdem derzeit auf Instant-Repeat habe. Das ist zwar auch nichts anderes als ein härtere Berlin Techno Track anno 2003, aber hey…. es funktioniert immer noch. Fiese Vocoder-Stimmen, treibender Stroposkop-Beat und eine Frauenstimme sind eben im richtigen Verhältnis klassisch und gut, auch nach 2003.

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Mastodon – Once More Around The Sun

(Warner, 20.06.2014)
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Kawumm! Wann ich mal Lust bekomme Metal zu hören greife ich doch sehr gerne zu den – ja und ich meine das ernst – neueren Mastodon-Brettern, die zwar von den truen Fans der Anfangs-Zeit weniger geschätzt werden als die meiner Meinung nach überbewertenden Prog-Alben, aber für mich ohne den verkopften Ballast einfach mehr Dynamik und Kraft entwickeln. Around The Sun ist ein weiterer Schritt weg von den ehemaligen Kritiker-Lieblingen hin zu einem bombastischen Metal-Sound, der sicherlich durch die Produktion von Nick Raskulinecz noch mehr Richtung Stadion geht.

Once More ‘Round The

Rise Against – The Black Market

(Universal, 11.07.2014)

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Was wird mir momentan nicht alles an Namen an den Kopf geschmissen? Jungle (öder Neo-80er-Disco-Sound,btw), Banks und sonstwas, was ich einmal angehört und direkt wieder vergessen habe. Rise Against sind wahrlich keine Innovatoren und Anwärter auf einen Auftritt beim Pitchfork Festival, aber grundsolide und viel mehr erwarte ich nicht von einer altgedienten Melodic Punk-Gruppe, die eben auf jedem Album liefert und zu der ich bei jedem Song die Fäuste in die Luft strecke und die wütenden Parolen gegen alles Böse auf der Welt mitgröhle. Hymen traut sich ja kaum noch einer, schön das es die Kalifornier wollen und im Gegensatz zu den schlimm gewordenen Green Day und den komplett idiotischen Gaslight Anthem auch noch überzeugend können.

The Black Market [Vinyl LP]

Dexter – Palmen & Freunde

(Wortsport Entertaiment, 25.07.2014)
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Hui, das ist ja mal traditionell. Das neue Album von Dexter klingt nach jazzigen Oldschool und ist so glaube ich das smootheste Album seit längerer Zeit. Momentan ist ja so ziemlich alles langweilig – das letzte richtige große Rock-Album, Dubstep? –  außer eben Hip Hop. Da ist zwar der große Hype auch wieder etwas vorbei, aber trotzdem hat sich das Game doch ziemlich gut erholt nach dem Beinahe-Tod durch den kreativen Selbstmord ehemals großer Flaggschiffe. Dexter bringt mir gerade den Jahrgang 99 zurück auf den Bildschirm, die Zeit in der quasi im Monatstakt bahnbrechende Alben rauskamen. Palmen & Freunde klingt nach einer guten Zeit und ist es auch, weil hier keiner Hass auf sein verkorkstes Leben schiebt, sondern mit jazzigen Klängen zu überzeugen weiß. Songtitel wie “Kurz pissen” verraten zwar keine textlichen Meisterwerke, aber alles hat hier seinen richtigen Platz im Universum und der Reim ist fett.

Palmen & Freunde

Honeyblood – Honeyblood

(Alive, 18.07.2014)

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Okay, gerade noch über Rock gerantet… ja die beiden Frauen von Honeyblood machen genau das. Der Bandname passt mal so dermaßen zu dem Stil der beiden, die irgendwie Lo-Fi mit Pop verbinden und einfach supersympathisch sind. Das ist vielleicht der Vorteil gegenüber Savages, die etwas zu angriffslustig ihre Zähne blecken und somit unzugänglicher sind. Das hier rettet nicht so wirklich irgendwas, aber wer Dum Dum Girls oder Warpaint mag findet das hier auch super.

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