Hörenswertes Frühling II: Eels, Skrillex, Tycho, Cloud Nothings, Todd Terje, Damon Albarn

flowers

Eine große Einleitung? Nee, diesmal nicht. Der Artikel hier muss schnell raus und ich auch. Blasenentzündung und so. Was die Alben angeht: Der Frühling ist mächtig!

Eels – The cautionary tales of Mark Oliver Everett

(Cooperative / Rough Trade, 18.04.2014)

TheEelsCautionaryTalesHalten wir mal kurz fest: Eine wirklich große Bandbreite gibt es im Schaffen des Mark E. Everett schon länger nicht mehr. In den 90er war der Mann zwar innovativer Grenzgänger der zwischen Samples, Jazz und Songwriter pendelte, aber seitdem bekommt das immer gleiche Gebäude der Eels je nach Lust und Laune des Sängers eine moderate Renovierung verpasst. Die fällt mal lärmig-laut oder ruhig aus. Das neue Album ist wieder eine intime und damit bessere Platte im Schaffen des begnadeten Eigenbrötlers geworden und überhaupt waren es immer die traurig-ruhigen Momente, in denen die Eels erst richtig glänzen konnten. Das bisher beste Album Electro Shock Blues ist die Verarbeitung von Trauer, dessen älterer Alter Ego The cautionary tales of Mark Oliver Everett geworden ist. Nur fehlen wieder einmal die Spinnereien von damals, die Mark E.’s Band immer vom Mainstream abhoben. So ist das Endergebnis eben ein gewohnt gutes Songwriter-Album geworden und nach all dem Wahnsinn in dem Leben des Songwriters – nachzulesen in der großartigen Autobiographie “Glückstage in der Hölle” – darf man ihm vom Herzen alle Ruhe der Welt gönnen, zuhören muss man ihm dabei nicht mehr zwingend.

Skrillex – Recess

(Warner, 14.03.2014)

Skrillex-Recess-Disco-CDZusammen mit seinem Förderer Deadmau5 hat der bleiche Jüngling mit dem markanten Haarschnitt wohl den ersten großen Musiktrend dieses Jahrzehnts initiiert, allerdings auch den mit der größten Fremdschämgarantie. Denn wirklich Nachhaltiges hat Brostep oder EDM dann doch nicht zu bieten und ist primär Fast Food, das einen furchtbar schnell satt macht und aufgrund der ständigen Überreizung schwer im Magen liegt. Wer auch immer das noch in 10 Jahren hochlädt, dürfte schallendes Gelächter wegen der Mickey Mouse-Stimme und den ungelenken Beats, die da irgendwie in 400 Soundspuren reingehämmert wurden, ernten. Das Album selbst hat den eigenen Hype verpennt, kommt überflüssigerweise in der streng riechenden Spätphase des Trends und hat bis auf zwei Überraschungen wenig Neues zur Unterhaltung anzubieten.

Tycho – Awake

(Ghostly, 14.03.2014)

Etycho-awake-564x564urodance und Trance gehören zu den ganz großen Schimpfwörtern, wenn man sich den 90ern musikhistorisch nähert. Ersteres absolut zurecht, zweiteres konnte immerhin ein paar Perlen wie z.B. Saltwater von Chicane abwerfen, passte aber ansonsten wie Arschgeweih auf Eimer. Sich also im neuen Jahrtausend einem Genre zu nähern, das die meisten mit fürchterlichen Delfin-Coverartwork und Großraum-Disco assoziieren, zeugt entweder von Mut oder Wahnsinn. Tycho alias Scott Hansen gelingt das unglaubliche: Trancige Flächen werden entschleunigt, reduziert und in einen perfekten, stilsicheren Minimalismus überführt, der besser in die Bar 25 oder auf Indie-Festivals als auf den Delta Music Park Duisburg passt.

Cloud Nothings – Here and Nowhere Else
(Cooperative / Rough Trade, 28.03.2014)

6bdc5341Was ist eigentlich aus Indie-Rock geworden? Momentan ist von dem prägendsten Genre des letzten Jahrzehnts nicht mehr so wirklich viel zu sehen und auch Shoegaze und Post-Punk zuckt doch schon bedenklich. Ein Glück das es zumindest noch irgendwo einen Slacker-Planeten in diesem Universum geben muss, der so kompromisslose Bands wie die Cloud Nothings ausspuckt. Die können aber nicht nur ambitioniert in die Saiten hauen, sondern dabei immer noch eine Spur catchy sein. So etwas schaffen eigentlich sonst nur Dinosaur Jr. momentan und ich bin heilfroh für eine weitere Option, während Trottel wie Bastille tatsächlich noch als Indie gelten.

Todd Terje – It’s album time

(Rough Trade,04.04.2014)

todd-terje-album-timeAnstatt dem neuerdings so schlimmen Europop-Revival – covern die Seicht-Popper von Bastille da wirklich Snap! und keinen regt es mehr auf? – kann von mir aus die sogenannte Retromania um die 80er und alles andere, was davor so gut war, ewig weiter gehen. Todd Terje kommt auch nicht mehr gehirnerweichenden Dance-Quark um die Ecke, sondern mit einem fast schon zu souveränen Mix aus House, Acid, Easy Listening und einer Lounge-Atmo, die schon fast etwas dekadent wirken könnte, wenn sie nicht so eine Leichtigkeit wie auf dem Cover, inklusive leichter Selbstironie mit sich tragen würde. Das ist schon fast zu erwachsen für den Floor und ich würde gerne Dandy House (passend ja dazu das Duett mit Bryan Ferry) zu der ganzen Sache sagen, aber glaube dann haut mich der eher bodenständige Familienvater mit dem eindrucksvollen Bart. Daher geht lieber schnell auf die Knie vor der meisterhaften Giorgio Moroder-Tribut Delorean Time; und ja vor 14 Jahren hätte man das auch Electroclash genannt, aber das sollte einem bei diesem nicen Sommer-Album nun echt nicht weiter interessieren.

Damon Albarn – Everyday robots

(Parlophone / Warner, 25.04.2014)

damon_albarn_everyday_robots_album_coverTja, doof gelaufen. So lange Damon sein Aufmerksamkeit einfach nicht auf ein Projekt lenken kann wird das leider mal gar nichts mit einem neuen Blur-Album, das sicherlich immer noch das beeindruckenste Ouvre im Schaffen des Pop-Genies hat, aber für Damon Albarn eben auch nur eine Phase von vielen ist. Mit den Gorillaz hat der Anarch ja eh den Mainstream wie kaum zuvor unterwandert, dazwischen kamen aber immer wieder nicht leicht konsumierbare Ausflüge in die Welt der World Music, was sicherlich Die Hard Fans erfreute, aber weitaus weniger Aufmerksamkeit als seine bisher bekannteste Band generierte. Einen sehr lethargischen Eindruck vermittelt Damon auf dem Cover zu seinem neuem Album Everday Robots, auf dem er sich wieder mit seinem smarten Zynismus über den Zustand der britischen Gesellschaft auslässt. Das Gerüst zu seinem Sound bilden wieder Einflüsse aus sämtlichen Kulturen, urbritisches Songwriting und auch neuere Electronica, also wie man sich eben gemeinhin den kulturellen Melting Pot London vorstellt. Die Zutaten für eine scharfe Mixtur sind also vorhanden, nur schafft es Albarn nicht wirklich diese zu einer auf Dauer spannenden Platte zusammen zu rühren. Damon ist ein begnadeter Songwriter, die wahren Sternstunden bleiben trotzdem in seiner Historie mit Blur. So bleibt das Solo-Debüt leider überraschungsarm… ein absolut niederschmetterndes Fazit für den umtriebigen Engländer, der wie kein anderer die Konstante scheut.

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