RemakeORama: Evil Dead, RoboCop, Oldboy, Maniac

remakes

Es ist kein großes Geheimnis, dass der Traumfabrik in den letzten Jahren doch das eine oder andere Mal die kreativen und originellen Ideen fehlten, wenn es darum ging, Kinohits für die große Leinwand zu produzieren: Fortsetzungen, Remakes, Reboots, Prequels und Sequels wohin das cineastische Auge reicht. Und als ob das nicht schon frustrierend genug wäre, scheint selbst das vermeintliche Outsider- und Independent-Kino mittlerweile große Freude an der Resteverwertung gefunden zu haben. Anders ist es jedenfalls nicht zu erklären, dass mittlerweile nicht nur Kassenschlager von einst durch die Konservationsmaschinerie gedreht werden, sondern ebenso dreckige Trash-Perlen, Splatter-Kultfilme und düstere, groteske Thriller-Dramen mit Exoten-Flair. Remaking ist keineswegs ein Privileg, das nur Hollywood vorbehalten ist und wird durchaus auch jenseits des großen Blockbuster-Kinos für die ganze Familie eingesetzt. Aber Remake ist auch nicht gleich Remake und selbst in der vermeintlichen Ideenlosigkeit lässt sich dann doch manchmal die ein oder andere Perle finden: Fünf aktuelle Remakes von “Indie-Klassikern” auf dem Prüfstand: Was machen sie besser, was machen sie schlechter als das Original. Und sind sie es wert geschaut zu werden?

The Evil Dead [Sam Raimi / Fede Alvarez]

(1981 / 2013)

evildead-postersFünf junge Leute fahren in eine einsame verlassene Hütte im Wald, um dort ihre Ferien zu genießen. In dem Keller dieser Hütte finden sie das mysteriöse Buch der Toten, das Necronomicon und nachdem sie unbedacht einige Zeilen daraus vorgelesen haben, werden die Dämonen des Waldes geweckt. Es beginnt ein Kampf ums nackte Überleben.

Das Original: The Evil Dead ist nicht einfach nur ein Kultfilm und echter Horrorfilm-Klassiker sondern gehört auch heute noch zweifellos zu den besten Filmen des Genres. Mit einem Budget von nicht einmal 400.000 $ drehte Sam Raimi einen dreckigen Bastard aus Horror, Splatter, B-Movie und grotesker, surrealer Komödie. Die Dämonen, die nach und nach Besitz von ihren Opfern ergreifen sind nicht nur böse, sondern haben auch den Schalk im Nacken und tyrannisieren so die Gruppe mit derben Späßen, hysterischen Geräuschen und kreativer Folter. Aber trotz seines schwarzen Humors ist der Tanz der Teufel ein verflucht effektiver Horrorfilm, der weiß, wie er die Nerven seines Publikums zu kitzeln hat, um maximalen Terror zu erzeugen, irgendwo zwischen düsterem Schrecken, nackter Gewalt und derben Splatter-Effekten. Das Meisterwerk wurde in Deutschland mehrfach indiziert und beschlagnahmt und war in den 80ern gern genommenes Beispiel, wenn es darum ging, die Brutalität aktueller Horrorfilme zu belegen.

Was macht das Remake besser? Die Special Effects sind natürlich Up-to-Date. Nichts mehr zu spüren von dem Low Budget Charme des Originals. Stattdessen gibt es wirklich effektive – und glaubwürdige – Ekeleffekte, die auch für den Splatter-Freund von früher organisch genug inszeniert sind, um nicht als lahme CGI zu verschrecken. Auch die Schauspielleistung des Originals – sorry Bruce Campbell – lässt das Remake weit hinter sich. Außerdem überrascht der Film nach hinten hinaus mit einigen mutigen Entscheidungen, die sowohl Narration als auch Dramaturgie weit vom Original weg- und zu fast schon seriösen Mystery-Grusel hintragen. Es spricht für die Macher, dass sie diesbezüglich offensichtlich keine Angst vorm Fanboy-Rage von Fans des Klassikers hatten.

Was macht das Remake schlechter? Humor ist Mangelware in diesem durchgestylten postmodernen Horror-Trip. Mit seiner düsteren Inszenierung der Gewalt spielt sich Evil Dead von 2013 eher in die Hostel-Horrorecke, so fehlt eine Menge roher Charme des Originals, der Terror ist bei weitem nicht so schreiend komisch und zugleich beängstigend und so wirkt alles, trotz hohem Blutfaktor, doch etwas zu glattgebügelt, zu sehr für Horror-Teens von heute zurecht geschliffen.

Lohnt es sich? Ja, durchaus. Man sollte allerdings keine Zeitreise in die “unschuldige” Zeit des Terrorfilms erwarten. Stattdessen sollte man sich auf einen ordentlichen aktuellen Horrorfilm vorbereiten, jede nostalgische Wehmut im Hinblick auf das Original vergessen und einfach blutige, unheimliche und brutale Unterhaltung genießen. Dann macht dieses Remake Spaß, wenn auch auf nicht so hohem Low-Level-Niveau wie der Tanz der Teufel von 1981.

Oldboy [Park Chan-wook / Spike Lee]

(2003 / 2013)

oldboyEin Mann wird mitten auf der Straße gekidnappt und für über ein Jahrzehnt in einem kleinen Hotelzimmer gefangen gehalten: Seine Peiniger füttern ihn, waschen ihn und verarzten ihn sogar nachdem er einen Selbstmordversuch unternommen hat. Sein einziger Freund ist in dieser Zeit ein TV-Gerät über das er auch vom Mord an seiner Frau erfährt, für den er als Verschwundener nun verdächtigt wird. Nachdem er von seinen Entführern ohne erkennbaren Grund freigelassen wurde, hat er nur noch ein Ziel: Rache. Doch die Person, die für seine Entführung und Inhaftierung verantwortlich war ist offensichtlich noch nicht am Ende mit ihm.

Das Original: Park Chan-wooks Oldboy gehört trotz seines noch recht jungen Alters jetzt bereits zu den großen Klassikern des Thriller-Genres. Mit viel Gespür für surreale, groteske aber auch romantische und einfach nur wunderschöne Situationen, inszeniert der Koreaner einen knallharten Rachethriller, der mit gleich mehreren düsteren Wendungen aufwartet und in seinem Strudel von Gewalt genug Zeit findet, ethische, philosophische und sogar medienkritische Sujets zu etablieren.

Was macht das Remake besser? Ähmmm… okay… naja… also… na gut, die medien- und TV-kritische Seite des Originals wird im Remake tatsächlich recht spannend erweitert und gekonnt in den finalen Plot-Twist eingebettet.

Was macht das Remake schlechter? Alles andere. War das Original ein poetischer Rachethriller mit philosophischem Subtext, so kastriert Spike Lee sein Remake um jede interessante moralische Fragestellung, die der Koreaner noch zu bieten hatte. Die Actionszenen sind dreiste Kopien des Original-Films, ohne deren Gehalt verstanden zu haben, geschweige denn deren Intensität zu erreichen. Die Geschichte wird auf brutale Weise entschärft, während die Inszenierung gleichzeitig versucht an Schärfe zu gewinnen. Heraus kommt ein zahnloser Wicht, der damit nervt, den Arm des Zuschauers vollzusabbern, während er versucht an diesem rumzukauen.

Lohnt es sich? Siehe oben. Nein, nein, nein und nochmals nein. Das Oldboy-Remake ist nicht nur eine Enttäuschung sondern darüber hinaus ein Ärgernis für Freunde des Originals. Eine ignorante Verwestlichung mit saurem Weichspüler, ein tölpelhafter Versuch, die Intensität der Vorlage zu erreichen und dadurch einfach nur ein dumpfer Action-Blödian. Ach Spike Lee, was hast du dir dabei gedacht?

RoboCop [Paul Verhoeven / José Padilha]

(1987 / 2014)

RobocoppostersDetroit in einer nahen, nichtsdestotrotz dystopischen Zukunft: Nachdem der Cop Alex Murphy Opfer eines brutalen Attentats durch organisierte Kriminelle mit Kontakt zur korrupten High Society wurde, gelingt es Wissenschaftlern die Überreste seines Körpers in einen gigantischen Metal-Cyborg zu verpflanzen. Der daraus entstandene Hybrid aus Mensch und Maschine wird RoboCop getauft und beginnt in den vom Verbrechen verseuchten Straßen Detroits für Recht und Ordnung zu sorgen. Aber so sehr man auch darauf bedacht war, alles Menschliche aus diesem Cyborg zu tilgen, so hat doch ein Stück des Menschen Alex Murphy überlebt: Dieser ist ängstlich, depressiv, sehnt sich nach seiner zurückgelassenen Familie… und hat eine verdammte Wut auf die Männer, die für seinen “Tod” verantwortlich sind.

Das Original: Paul Verhoevens RoboCop ist ein grandioser Mix aus Action, Science Fiction, 80’s Trash und rotzfrecher Medien- und Gesellschaftssatire. Verhoeven nutzt die Leinwand eines vordergründig brutalen Action-Reißers um eine wirklich derbe Geschichte über verlorene Menschlichkeit, mediale Allmacht, den Zwiespalt zwischen Liberalismus und Law and Order Notwendigkeit sowie Korruption der politischen und ökonomischen Elite zu erzählen. Dazwischen kracht und rummst es gewaltig und der Film scheint sich nie so ganz entscheiden zu wollen, ob RoboCop nun Actionheld, Superhelden-Ikone, tragischer Verlierer oder Ausgeburt eines faschistoiden Systems sein soll. Ein grandioser, dreckiger Genrespagat, weitaus differenzierter und vielschichtiger, als man auf den ersten Blick annehmen würde und einer der besten Sci-Fi/Actionknaller seiner Dekade.

Was macht das Remake besser? Überraschend viel. Ließen die ersten Bilder und Teaser noch einen glattgebügelten Sci-Fi-Actioneer (inklusive grauenhaftem Roboter-Design) vermuten, so entpuppt sich der finale Film als überraschend subtiler Hybrid aus Action, Science Fiction und einem wirklich großen Anteil Cyborg-Philosophie und -Ethik. Wo der Kampf zwischen Mensch und Maschine im Inneren des RoboCop beim Original noch auf simple Fragen reduziert war, so setzt sich das Remake intensiv und dezidiert mit den Konsequenzen eines solchen Mischwesens auseinander. Dabei gelingt es ihm immer wieder emotional bedrückende, tiefgründige und hintersinnige Pointen zu setzen, ohne dabei die Action-Unterhaltung aus den Augen zu verlieren. Das Balancing wirkt dadurch um einiges gekonnter, die Stimmung reifer und der Film erwachsener als sein 80er-Pendant.

Was macht das Remake schlechter? Die satirischen Noten des Originals wurden leider auf eine durchschnittliche allzu durchsichtige Medienkritik reduziert. Eine Menge des dreckigen, anarchischen Charmes ist verloren gegangen. Der ökonomische und kriminalistische Plot wurden auseinander gerissen, wodurch RoboCop weitaus zahmer, weniger subversiv daherkommt. Und ein bisschen Ironie und Umarmung klassischer B-Movie-Momente hätten dem Film auch nicht geschadet.

Lohnt es sich? Ja! Auf jeden Fall. RoboCop ist ein erfreulich eigenständiges Remake, das die Prämissen des Originals aufgreift, um ganz andere, neue Themen zu etablieren. Die Atmosphäre ist stimmig, die Action mitreißend und die philosophischen Gedankengänge hinter der vordergründigen Science Fiction Unterhaltung sind weitaus anspruchsvoller und vielschichtiger als bei der 80er Vorlage.

Maniac [William Lustig / Franck Khalfoun]

(1980 / 2013)

maniac-bothDer aus schlimmen Verhältnissen stammende Frank hat sich in L.A./New York eine düstere Doppelexistenz aufgebaut. Scheinbar nur ein schüchterner und verklemmter Restaurator von Schaufensterpuppen, zieht er los, um fremde Frauen zu entführen, zu töten und anschließend zu skalpieren. Mit den Kleidern und Skalps seiner Opfer verziert er Schaufensterpuppen in seiner Wohnung, um seinen Mutterkomplex auf etwas andere Weise zu verarbeiten. Sein neustes Opfer soll die Fotografin Anna werden, jedoch erwachen bei der Vorbereitung des Verbrechens ungeahnte Gefühle in dem psychopathischen Mörder. Er beginnt, sich in Anna zu verlieben, mit weitreichenden Konsequenzen für seine weitere “Arbeit”.

Das Original: Meiner Meinung nach einer der am meisten überschätzten Filme der 80er Horror-Dekade. Damals vom Großteil der Kritiker verschmäht, posthum praktisch ohne großes eigenes ZuTun zum Klassiker und Kultfilm ernannt. Tatsächlich handelt es sich bei dem Anti-Slasher um eine ziemlich überzeichnete Psycho-Version, in der Psychopathologie mit dem Holzhammer betrieben wird, während die Inszenierung gleichzeitig versucht so etwas wie humanes Mitgefühl für ihren Protagonisten zu entwickeln. Das Ergebnis ist ein allemal verstörendes Oszillieren zwischen Täter- und Opferperspektive, durchaus einzigartig in der Geschichte des Horrorkinos, was durch die teilweise dilettantische Inszenierung und das unpassende Schauspiel allerdings permanent boykottiert wird. Im Grunde genommen ein Film, den man sieht, um ihn auch mal gesehen zu haben, der aber nicht hält, was man sich von einem ungewöhnlichen 80er Low Budget Kultfilm-Schocker verspricht.

Was macht das Remake besser? Es versucht zumindest den Gedanken des Originals konsequent zu Ende zu denken und entführt uns so knallhart direkt in die Ego-Perspektive des Killers. So sauber dies kamera- und inszenierungstechnisch umgesetzt ist, so wenig vermag es der alleinige Perspektivwechsel dem Topos neue Seiten abzugewinnen. Auch auf die dargestellte Gewalt wurde eine Schippe draufgepackt, wodurch Alexandre Ajas Remake um einiges unangenehmer, verstörender und brutaler daherkommt als die Vorlage, die ja bereits ebenfalls zu den eher torturigen Kinoerlebnissen zählt. Der Begriff Terrorfilm wird hier durchaus wörtlich genommen.

Was macht das Remake schlechter? Die Plattheit des Originals wird tatsächlich im Ajaschen Blutrausch noch einmal überboten: Noch mehr Holzhammer-Grausamkeit, noch mehr Psychohorror aus dem infantilen Schreckenskabinett, noch mehr Perspektivgeschredder… das muss man auch erstmal schaffen, das Original wie einen subtilen Intellektuellen-Grusler aussehen zu lassen.

Lohnt es sich? Bedingt. Selbst für Freunde des Originals und des gepflegten Terrorfilms dürfte dieser neumodische Reißer zu platt sein. Aber auch alle anderen Interessierten werden bei den 70er und 80er Kultfilmen des Midnight Movies weitaus potenteren und vor allem intelligenteren Terror für ihre cineastischen Nerven finden. Nur Schmerz und Brutalität reichen eben doch nicht aus, um einen Horror-Meilenstein zu schaffen.

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