Musik aus der Heimat I: Messer, Alligatoah, Love A, The Ocean, Feine Sahne Fischfilet, Die höchste Eisenbahn

sfdsd

Schland steht Kopf. Die Onkelz sind wieder zurück und erfreuen uns mit Männergeheule, Patrioten-Geprolle und ausgelutschten Rocker-Fantasien aus der Steinzeit. Ein Glück, dass es in unserer Heimat genug Alternativen und eine Menge großartiger Newcomer gibt, die es allesamt wert angehört zu werden, allein schon weil sie teils mit viel Charme, aber auch mit genügend Wut im Bauch auf sich aufmerksam machen. Hier also nach längerer Pause wieder eine kleine Auswahl wirklich spannender Bands aus der ganzen Republik. Tja, Raab und BuViCo never made it happen…

Die höchste Eisenbahn

Höchste-EisenbahnWer hat gesagt, dass Subversion immer laut und grell sein muss? Die höchste Eisenbahn klingt zwar erstmal nach Indietronic, ist aber feinster Indie-Pop, hat beschwingt-melancholische Texte dabei und ist damit ein angenehmer Kontrast zu dem plärrenden Über-Pathos von Thees Uhlmann, der es wohl nicht mehr unter Weltfrieden und seiner ganzen gottverdammten Lebensgeschichte macht. Das hier sind feine Geschichten zwischen Niemandsland und Großstadt, die kleine Dramen in pure Leichtigkeit verwandeln und einem die trüben Gedanken einfach wegswingen, als ob das plötzlich das Normalste der Welt sei. Ein wunderbares Album, das einfach nicht übersehen werden darf, es gibt ja hierzulande nicht mehr viel davon.

Aktuelles Album: Schau in den Lauf Hase

https://www.youtube.com/watch?v=1vhCySYSQQs

Feine Sahne Fischfilet

AL154FeineSahneFischfFilet_ScheiternUndVerstehenCoverFinal-359x359Da baut man so schöne Städte wie Leipzig auf und versucht seit Jahren das Thema Rechtsextremismus im Osten so gut wie möglich unter den Tisch segeln zu lassen; und was passiert? Ein paar Männer spielen einfach nicht mit und bekommen zum Dank ein Schreiben vom Verfassungsschutz ins Haus gefaxt. Überhaupt, so hört man, sind Jugendliche heute zufriedene CDU-Wähler und schauen derbe optimistisch in die Zukunft. Was kümmert einen auch die Welt mit ihren doofen Problemen, wenn Mutti zuhause den Sonntagsbraten anrichtet. Ein Glück dass es noch irgendwo irgendwie einen Rest von Nonkonformität in dieser benebelten Republik gibt, der tolle Punkrock-Hymnen gegen das Vergessen und Wegschauen schreibt.

Aktuelles Album: Scheitern und Verstehen

https://www.youtube.com/watch?v=LqIVvnDZ4aU

Alligatoah

Alligatoah-Triebwerke-CoverJa, auch ich bin doch nur ein oberflächlicher Musikschreiber. Das blöde Album-Cover hat mich so genervt mit seinen Eitelkeiten, den pubertären Songtiteln wie “Fick ihn doch”, und dass der Mann von nicht gerade wenig Mädchen geliked wird, ließ mich schnell einen weiteren Cro befürchten. Hm nee, hinter dem ungelenken Künstlernamen versteckt sich ein eher verstrahlter Studenten-Typ, der irgendwie klingt, als ob die Ärzte nun ein Rap-Album raus gebracht oder KIZ plötzlich Songwriter-Ambitionen hätten. Herrlich alberne Texte, die sich um das Versagen im Bezug auf Anmache und Frauen drehen… und “Humor ist trotzdem Lachen”, ne?

Aktuelles Album: Triebwerke

https://www.youtube.com/watch?v=gG_HCl2KMQA

Messer

messer_dieunsichtbaren_web_100-500x500Wie ein düsteres Theaterstück führen Messer ihr Album die Unsichtbaren auf. Post-Punk in Deutschland kommt ja eigentlich eh erst gerade wieder ins Rollen; und verdammt! Messer hinterlassen mit ihrem bitteren Abgesang tatsächlich Schnittwunden, die noch lange nach dem Ende des Albums brennen. Man hat bei all dem Yolo und Swag-Kram schon fast vergessen, dass die Probleme noch lange nicht behoben sind, nur immer unsichtbarer werden im Mantel des Merkel-Schweigens. Es ist gut, dass Messer Wunden aufreißen die noch lange nicht geheilt sind und nebenbei ein tolles Post-Punk Album gemacht haben, dass Joy Division (wohlgemerkt nicht Editors)  auch so produziert hätten, wenn sie nicht aus Manchester sondern aus der Republik entsprungen wären.

Aktuelles Album: Die Unsichtbaren

https://www.youtube.com/watch?v=Lqxtw6OsGy0

Love A

LoveA_Irgendwie_FrontCover_2400x2400_aUngefähr die gleiche Stimmungslage trifft man auch bei den den Pfälzern von Love A, die poppigen Postrock spielen und ihren Frust trotzdem auf ganzer Albumlänge förmlich rausbellen. Die großen Geschichten von Turbostaat, die große Fans der Band sind, erreichen sie zwar noch nicht ganz, aber hier steckt so viel Potential für eine nächste große deutsche Band drin, dass es sich nur noch um kurze Zeit handeln kann, bis diesen sympathischen Postrockern der Durchbruch gelingt.

Aktuelles Album: Irgendwie

https://www.youtube.com/watch?v=thGxtQDVO9Y

The Ocean

ITheOcean-Pelagialm Ausland sind wir ja eher für stumpfen Hardrock von Rammstein und Scorpions bekannt, glücklicherweise auch für Kraftwerk, die aber auch nicht wirklich die romantische Seite unseres Landes repräsentieren. The Ocean produzieren schon seit nunmehr acht Alben Schönklang, der immer weiter perfektioniert wird und den Vorbildern von Band wie den legendären Isis immer näher kommt und diese vielleicht sogar  bald einholt. Einzig die theatralische Stimme von Sänger Robin Staps bleibt für mich persönlich ein Streitthema, tut der der Tatsache keinen Abbruch, dass hier Post-Metal auf allerhöchstem Niveau und internationaler Klasse präsentiert wird.

Aktuelles Album: Pelagial

https://www.youtube.com/watch?v=iZ83joKMyUs

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>