Super Mario Bros with lowest possibles Score…
…and some Speed Run Awesomeness

Wenn ich die Tage auf YouTube rumklicke und nicht genau weiß, auf welche Videoschnipsel ich gerade am meisten Lust habe, zieht es mich immer öfter zu den großartigen Speed Run Aufnahmen von den Awesome Games Done Quick Conventions. Daher haue ich hier gleich noch ein paar Videos mit Kommentaren meinerseits hier rein, wahrscheinlich auch, um mir selbst erstmal klar zu machen, warum es so faszinierend ist, Hardcore-Gamern dabei zuzusehen, wie sie ein Spiel so schnell wie möglich durchzocken. Zum Warmwerden seht ihr oben – via Kotaku – Super Mario Bros, einmal durchgespielt mit der minimal zu erreichenden Punktzahl. Neben dem Ausweichen von Feinden (Murder makes Points), dem Verzicht auf Münzensammeln (Money makes Point) und dem Warten vor der berühmten Exit-Fahne bis die Zeit auf 0 runter ist (Time is Money), gehören dazu auch ein paar echt anspruchsvolle Sprung-Passagen, die einen wie mich – der den ersten Teil der berühmten Reihe gerade so mit Ach und Krack durchspielt – einfach nur beeindruckt zurücklassen. Aber NotEntirelySure hat das einfach mal drauf! Und nach dem Klick geht es weiter mit Awesome Games Done Quick…

Speed Runs are Competition

Wahrscheinlich am besten zu sehen an diesem fantastischen Mario64 16Star-Race zwischen Siglemic und Sicko. Besonders spannend für Leute, die das Spiel in und auswendig kennen, ist die unterschiedliche Herangehensweise der Spieler an die Herausforderung, die extrem kniffeligen Hack- und Glitch-Momente, durch die das Rennen gerade gegen Ende zum spannenden Schlagabtausch wird, und zu guter Letzt ganz generell das im wahrsten Sinne des Wortes akrobatische Ausnutzen bestimmter Spots während des Games. Speed Runner arbeiten hier tatsächlich wie Hochleistungssportler, und ich will nicht wissen, wie viel Trainingszeit da reingeflossen ist, bis die beiden den 3D Jump n Run Klassiker so perfekt beherrschten.

Speed Runs are Game Experience

Ich bleibe kurz bei Mario64 und verbeuge mich vor diesem meisterhaften Speed Run, der btw. auch für Zuschauer sehenswert ist, die Mario64 überhaupt nicht kennen. Siglemic macht hier nämlich einen 120-Star-Run, sprich, er holt sich während des Runs alles, was es in dem Spiel zu holen gibt. Ein kompletter Durchmarsch, bzw. ein 100%-Run, wie er in den Runner-Kreisen genannt wird und damit so etwas wie die gesamte Spielwelt einmal im Schnelldurchlauf (der immer noch fast zwei Stunden dauert, was btw. auch für die Qualität dieses Klassikers spricht).

Speed Runs are Art

Tatsächlich nutzen Speed Runs nicht nur technische Schwachstellen von Spielen aus, mitunter untergraben sie auch bewusst Common Sense Strategien bekannter Games und schaffen damit so etwas wie eine Form von Remix-Kunst, in der das ursprüngliche Kunstwerk bewusst neu- und reinterpretiert wird. Besonders stark kommt dies wohl in Sinister1s pazifistischen Run des – ultraschweren – NES-Klassikers Ninja Gaiden zur Geltung. Völlig konträr zum eigentlichen Spielprinzip verzichtet Sinister1 hier auf jede Form von Gewalt gegen die tausend Sprites, die ihm nach dem Leben trachten. Stattdessen rennt er wie ein Wahnsinniger durch das Game, permanent bemüht niemandem – außer den Endgegnern – zu schaden. Das Ergebnis ist ein großartiges Beispiel an postmoderner Rezeptionsästhetik: Der Rezipient, im Falle eines Videospiels der Spieler, lässt seinen Rezeptionsakt zur produktiven Neuschöpfung werden. Das eigentliche, ursprüngliche Kunstwerk verändert sich in diesem Akt, wird zu etwas neuem, etwas, dass den Stempel des Rezipienten aufgedrückt bekommt.

Speed Runs are Fun


Yeah, Baby! Wenn Zephyrz bei A Boy and His Blob munter das Spiel zum Glitchen bringt, durch von Amok laufenden Pixeln geprägte Landschaften stolpert und schließlich bei den Credits vorbeischaut (inklusive eines im ursprünglichen Spiel verloren gegangenen Satzes), macht das einfach mal verdammt Laune. Das Ausnutzen verschiedener Programmschwächen wird hier nicht nur zum Abenteuer, sondern darüber hinaus zur verdammt unterhaltsamen Game-Dekonstruktion, die uns wunderbar die Fragilität einer Spielwelt vor Augen führt. Ebenfalls unterhaltsam sind die Speed Runner, die einfach nur Spaß daran haben, ihre Games nicht bloß einfach zu schlagen, sondern gleich auch zu “demütigen”, so wie MetaSigma, der mit nacktem Oberkörper, einer *ähmmm speziellen Kopfbedeckung und viel Rumgepose (Huagh!) und giftigen Kommentaren Secret of Evermore in guten 90 Minuten zeigt, wo der Hammer hängt und dabei auch nie den Spaß an kruden Entdeckungen und schrägen Interludes verliert. Da wird Speed Running schnell auch mal zur astreinen Comedy-Performance an der alle Beteiligten schlicht und ergreifend ne Menge Spaß haben.

Speed Runs are incredible Hacks

Okay… davon gibt es bereits in den vorangehenden (und dem letzten) Videos genug zu sehen… ein Musterexemplar an wahnwitzigen Hacks stellen aber die Tool Assisted Speed Runs (kurz TAS) dar, die mit Hilfe von Emulatoren frame-genau nach Schwachstellen in Spielen suchen können und diese gnadenlos ausnutzen… mitunter, um das ganze Spiel umzuschreiben. Im TAS-Block der AGDQ-2014 werden Gradius, Mario Kart und Mario64 bereits ordentlich in die Mangel genommen. Richtig beeindruckend wird es dann aber mit dem Super Mario World Hack ab der 45. Minute. Hier wird – mit bloßem Triggern bestimmter Ereignisse über das Gamepad – der komplette Quellcode von Mario ausgenutzt, um aus dessen Sprites Pong und Snake zu programmieren. Hacking mit einem Steuerkreuz und 8 Buttons bis zur Generierung komplett neuer Games. Jepp, trotz Emulator- und Tool-Unterstützung ist das einfach mal fucking amazing.

Speed Runs are Magic

Cosmo ist ein Magier an der Konsole. Anders als Zauberei kann man das wohl nicht nennen, was dieser Speed Runner mit Zelda – Ocarina of Time anstellt. Da werden großflächige Abschnitte übersprungen, da wird Link zum Moonwalker, da werden innerhalb kürzester Zeit Items uminterpretiert und schließlich findet ein beeindruckender – Mechanismen des Spiels ausnutzender – Warp statt, der einen kleinen Link direkt in die Hölle und zum Endgegner teleportiert. Dieser Nintendo64-Run ist mittlerweile schon legendär (über eine Million Views) und das vollkommen zurecht: Bei so viel Magie, einem derart raffinierten Spiel mit den Möglichkeiten der Realität innerhalb des Games und einem derart atemberaubenden Bruch von Regeln und Konventionen kann einem, selbst wenn man das erste 3D-Zelda sehr gut kennt, nur die Spucke wegbleiben. Verdammt, ich habe das jetzt schon ein paar Mal gesehen, und mir ist immer noch schleierhaft was er da alles innerhalb von gerade mal 20 Minuten anstellt, um das Spiel zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen. Pure Magie.

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