Mark Lombardi – Kunst und Konspiration (Doku auf Arte+7)

So der Titel einer Doku über den Künstler Mark Lombardi, die von der Regisseurin Mareike Wegener realisiert wurde und noch bis kommenden Mittwoch auf Arte+7 zu denken gibt. Lombardi visualisierte Geldströme und stellte so internationale Geflechte von Banken, Ölfirmen, Verbrechern, Mafiosi, der Familien Bush und bin Laden, Mudschaheddin (den späteren Taliban) etc. usw. grafisch dar. Seine Kunst ist auf mehreren Ebenen überaus interessant. In ästhetischer Hinsicht zum Beispiel definierte er eine literarische Institution des 19. Jahrhunderts, das Gesellschaftsgemälde, völlig neu, indem er es auf das wesentliche reduzierte. In seinen Werken gibt es reale Protagonisten, die in realen (zumeist Geschäfts-) Beziehungen zueinander stehen (standen), was reale Folgen zeitigte. Die Beziehungen, in Pfeildiagrammen dargestellt, werden jedoch nicht auserzählt, sondern es wird nur auf diese aufmerksam gemacht. So entzieht er sich dem heiklen Thema der Verschwörungstheorie und weist nur auf Tatsächliches hin. Die Ausdeutung dieser “narrativen Strukturen”, wie er selbst seine Grafiken nannte, wird dem Rezipienten überlassen. Das finde ich besonders interessant: Das Kunstschaffen wird gewissermaßen in den Rezipienten verlegt, wodurch es selbst virtuell wird und eine ungeheure Potenzialität entfaltet. Das Schaffen wird dadurch zu etwas Uneigentlichem, etwas zunächst Verborgenem, welches (nur) durch das Darüber-Sprechen, durch den Diskurs ständig im Entstehen begriffen ist. IMHO deutet das, vor allem im Zusammenhang mit Lombardis mysteriösen Selbstmord, auf das Bestehen, vielleicht sogar einen Tanz, von verborgenen Macht- und Gewaltstrukturen hin. Ich erkenne darin eine entfernte Verwandschaft mit Kafka. Beiden Künstlern ist gemeinsam, dass in ihren (Kunst-) Welten ein leeres transzendentales Signifikat, welches von Rezipienten gefüllt wird, Herrschaft ausübt. Zur weiteren Information und auch weil die Doku bald off sein wird sei hier auf den tollen Artikel von Frank Steinhofer vom Kunstblog DARE verwiesen. Hier der Link zum Video auf Arte+7.

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