Die Kunst von Jeremy Geddes

Der Körper in der Kunst. Ich hab einfach ein Fable dafür. Zum Beispiel Kafkas physische Metamorphosen, seine Motivik des Verrats des Körpers am Geist, die Gravur der Haut  in der “Strafkolonie” , oder die überall anzutreffende Gestik. Oder Francis Bacons gemalte Deformierung der äußeren Physiognomie, wodurch Gesichter plötzlich aussehen wie Gedärme, das Innere nach außen gekehrt. Ganz zu schweigen von Cronenberg, in dessen Werk das Körperliche und Organische eine zentrale Stellung einnimmt, wenn nicht gar das Hauptmotiv darstellt und der mit Kafka viel gemein hat: die Metamorphose, der Verrat des Körpers, die Vulnerabilität. Auch in Jeremy Geddes Gemälden spielen Körper eine besondere, narrative Rolle.

Der Körper als Projektil, Wände zerberstend, übermenschliche Kraft und Energie. Vulnerabilität scheint hier zunächst fern zu liegen, doch das ist nur auf dem ersten Blick so. Nicht der Körper erscheint als das Verwundbare, sondern die Materie. Doch was zeigt diese in warme Farben getauchte Zerstörung anderes als die Verletzlichkeit des Geistes? Geddes verschiebt die Verwundbarkeit in den Bereich des Psychischen, indem er sie explizit nicht an der physiognomischen Oberfläche erscheinen, sondern als bloße Konnotation des Eigentlichen in den Gedanken des Betrachters aufkommen lässt. Indem er die Erwartungen des Eigentlichen, also die Zerstörung des Körpers, umkehrt, bleibt die Vulnerabilität als bloße Vorstellung im Geist des Betrachters zurück.

Diese Umkehrung des Erwartbaren ist weniger ein Verrat des Körpers am Geist, als vielmehr der Ausdruck einer nicht einholbaren Sehnsucht. Dadurch gewinnen seine Bilder etwas comichaftes, denn auch in den Geschichten von Superhelden und ihren Kräften, gedacht als Umkehrung von menschlichen Schwächen und Unzulänglichkeiten, spielt die Sehnsucht eine treibende Rolle.

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