XBox One und Playstation 4? …Kommen mir nicht ins Haus!

Weihnachtszeit, Geschenkezeit, Konsumzeit… und die neuen Konsolen sind mittlerweile auch auf dem Markt. Und was soll ich sagen? Ich habe gerade nicht die geringste Lust auch nur einen Cent in die XBox oder die Playstation 4 zu investieren. Im Gegenteil: Bei mir ist gerade das Ranting-Fieber ausgebrochen und ich muss an dieser Stelle einfach mal über den gesamten Launch der selbsternannten Next Gen ablästern. Dabei sah es Anfang des Jahres echt gut aus: Ich war heiß auf die neue Videospielgeneration, nachdem ich um die Vertreter der letzten Generation einen großen Bogen gemacht hatte und mittlerweile doch bereue so manches großes Spielerlebnis verpasst zu haben. Ja, ich hatte Bock auf schicke neue Grafiken, auf coole High End Technik, auf tatsächliche HD/3D-whatever Erlebnisse. Ich habe den Erstpräsentationen entgegengefiebert, war leicht ernüchtert bei der Vorstellung der PS4, war geschockt bei der versemmelten Party zur XBox One und ich habe mir das ganze weitere Jahr Gedanken gemacht: Playstation? Vielleicht doch noch die Box, wenn das Software-Lineup stimmt? Vielleicht doch sogar Nintendo? Ach nee, eigentlich will ich High End und nicht so ne Semi Next Gen? Also am ehesten Sony…? Ich war hin- und hergerissen. Und jetzt? Mehr als nur Ernüchterung… geradezu ein GAU für einen alteingesessenen, anspruchsvollen und in der Vergangenheit oft verwöhnten Gamer wie mich.

Da wären als erstes die technischen Hürden. Man kann das meinetwegen bieder oder gar technikfeindlich nennen, aber es gab früher immer einen guten Grund, der für Konsolen gesprochen hat: Spiel einlegen, Power on und loslegen mit dem Gamen. Wenn es einen Vorteil auf der Konsole gegenüber dem technisch überlegenen und offeneren PC gab, dann war es die Tatsache, dass man sich den ganzen Install-Schmuh, den Update-Nervkram und das Betriebssystemgefrickel eines Rechners sparen konnte. Die Konsolen waren nichts anderes als Träger des im Zentrum stehenden Mediums… des gottverdammten Spiels. Mit ihren neuen Betriebssystemen, ihrem Multimediaschnickschnack, Account-Bindung, Social Media Crap und Multimedia-Überangebot sind die neuen Konsolen zu kastrierten HTPCs geworden. Wer will den Scheiß? Ich nicht. Ich will ein Spiel einlegen und losspielen, wenn ich mir schon den Komfort einer Konsole gönne. Wenn ich durch Multimedia-Menüs browsen will, dann nutze ich meinen Rechner oder eben mein Home Theater System… ich brauche das nicht nochmal in einer mangelhaften Ausführung in einer geschlossenen Sony/- oder Microsoftwelt. Ist ja okay, könnte man sagen: Einfach ignorieren und loslegen. Von wegen! Auch auf den Konsolen ist mittlerweile der Installationswahn ausgebrochen, inklusive der charmanten Aussicht sich irgendwann Datenträgererweiterungen kaufen zu müssen, wenn die interne Platte voll ist. Hinzu kommen nervige Update-Routinen, träge Menüs und natürlich die generell höhere Störanfälligkeit, wenn ein Spielzeug mit einem komplexen Betriebssystem vollgepackt ist. Update now? Install now? Share now? Fuck you, nein, ich will jetzt spielen.

Punkt zwei, das Software-Lineup. Während Microsoft- und Sony-Jünger Anfang 2013 noch Spaß hatten, über das miese Line Up der Wii U abzulästern (zurecht, übrigens), scheinen sie nun emsig damit beschäftigt sich gegenseitig vorzuwerfen, wie mies das Angebot des jeweils anderen ist. Recht haben natürlich beide. XBox und Playstation nehmen sich nicht viel: Ein katastrophales Line Up. Auf beiden Konsolen. Nichts was mich auch nur im entferntesten heiß darauf machen würde, mir einen der beiden schwarzen Kästen in die Wohnung zu stellen. Gerade die Exclusives kommen jeweils wie billige Schnellschüsse daher, die zum Launch unbedingt fertig sein mussten. Knack, Ryse, GT, Forza, Killzone… keiner der vielversprechenden Titel scheint auch nur im Ansatz die Erwartungen zu erfüllen. Beim Klick durch die üblich verdächtigen Rezensionsseiten und Videospiel-Blogs nichts als Ernüchterung. Hätten wir alles auch in der letzten Generation haben können, keine originellen Ideen, kein Gespür was neues zu wagen, kein Mut, keine Aufbruchsstimmung, stattdessen 08/15 Stangenware, teilweise spielerisch eher unterdurchschnittlich, teilweise einfach nur Grafikblender oder eben langweilige Shooter, wie man sie schon tausendmal erlebt hat. Und was soll diese Flut an Sportspielen? Soll ein Fifa X oder ein NBA Y einen Kaufanreiz darstellen. Die millionste Neuauflage eines EA Sportspiels, wie man sie schon auf den letzten fünf Generationen immer zum Fraß vorgeworfen bekam? Keine Chance. Ich werde bestimmt die nächsten zehn Jahre kein Geld mehr ausgeben für halbherzige Grafik- und KI-Updates wie sie EA seit Jahren zelebriert (und damit schockierenderweise immer noch ordentlich verdient).

Und zum dritten… Leute, habt ihr den Arsch offen? Mikrotransaktionen? What the Fuck? Wenn ich ein Forza kaufe, will ich keine zusätzliche 70 € für einen Wagen im Spiel hinblättern. Und erst recht, will ich keine 130 € für irgendeine Karre bei Gran Turismo ausgeben. Ich glaube es hackt. Selbst als Option will ich den Scheiß nicht haben. Bei nem Free to Play Game auf Android oder iOS meinetwegen. Aber doch nicht bei einem verdammten Vollpreistitel. Allein die bloße Möglichkeit dezent auf einen E-Shop im Spiel selbst gestoßen zu werden, verleidet mir das gesamte Spielerlebnis. Adieu Immersion, wenn man plötzlich während des Zockens damit konfrontiert wird, dass man ja auch noch ein Real Life Konto hat, von dem jetzt doch bitte ein wenig Geld springen soll. Hat für mich eine weitaus schlimmere Fallhöhe als Product Placement in Filmen: Auch das kann die Immersion komplett zerstören, referiert es doch höchst ungeschickt auf das außerhalb der Leinwand und ganz konkret auf dich als Zuschauer, der als bloßer Konsument betrachtet wird. Und dieser Ingame-Kauf-Rotz geht dann noch eine ganze Spur weiter. Das Pendant im Film wäre wohl, wenn neben dem beworbenen/platzierten Produkt gleich auch noch ein Button zum Klicken aufploppen würde, der einen direkt mit dem nächsten Pizzalieferservice verbände. Es ist eben nicht einfach nur eine Option für den gut betuchten und ungeduldigen Spieler, die hier angeboten wird: Es ist eine Respektlosigkeit gegenüber dem Medium, gegenüber der Cadrage des Spiels, gegenüber der Möglichkeit in eine andere Welt einzutauchen… und damit auch ein Angriff auf meine eigene Rezeption der und Partizipation in der Spielwelt. Dieser Mist allein ist für mich schon ein absolut plausibler, gerechter Grund, diese verdammt neue Konsolengeneration zu boykottieren.

Achja… ergänzend dazu könnte ich noch rumflamen über das bekloppte Verhalten mancher Konsumjünger zu den Black Fridays in den USA  und den Launch-Tagen hierzulande… oder über die absurden Konsolenkriege zwischen Microsoft- und Sony-Fans, die es nicht mehr hinkriegen ihr Spielzeug einfach nur als Spielzeug zu betrachten, sondern daraus gleich eine Religion machen müssen. Aber ist gut jetzt… Diese Konsolengeneration kann mich erst einmal: Nervig überladene Hardware, schlechte Software, fragwürdige Verkaufsstrategien, Respektlosigkeit vor dem Medium. Es muss schon einiges Gutes passieren, bis ich wieder in Erwägung ziehe, vielleicht doch zur Horstbox oder Horststation zu greifen. Bis dahin gilt: Sonymicrosoft ihr könnt mich mal. Und jetzt spiele ich etwas Richtiges!

2 Kommentare zu “XBox One und Playstation 4? …Kommen mir nicht ins Haus!

  1. Hach bei dem Artikel geht mir das Herz auf! :)
    Genau so denkt mein Kopf auch gerade über den Krams…

  2. Wie immer: eine tolle Seite gestaltet Ihr da! Das vorweg.
    Schöne (-r) Artikel zu einem Thema, welches mich als nicht-pc-spiele-Spieler (um das Wort “nicht-Gamer” zu umschiffen!), eigentlich nur peripher interessiert…
    Aber hat jemand von Euch da draussen mitbekommen, was Sony noch so alles in seiner Spielekonsole versteckt hat? Und dazu fällt hier nirgends ein näheres Wort – ist Euch so was egal?
    In dem Artikel wird beweint, dass man als Spieler wohlmöglich nur noch als bloßer Konsument betrachtet wird/werden könnte. Da musste ich dann doch herzlich lachen und habe mich gefragt, wie jung die Macher dieser Seite sein mögen. (Glaubt hier wer, dass z.B. Kinofilme aus lauter Leidenschaft am Publikum gedreht werden)? Ich habe (nach vielen Jahren des glücklich-naiven “herum-lebens”) irgendwann begriffen, dass “Mensch” inzwischen beinahe überall als nichts anderes mehr angesehen wird, als ein (oftmals lästiger) Konsument, Verbraucher, Konsumtrottel, an dessen Erlöse aus Fronarbeit man irgendwie ohne grossen Aufwand, möglichst langfristig herankommen möchte – koste es, was es wolle. Diese durchaus putzige Philosophie der meisten Konzernlenker (und auch Staatsoberhäupter) gipfelt demnächst wohlmöglich im “TTIP”, ohne dass es Mensch groß auffällt.
    Wieso also sollte SONY nicht vorher versuchen, innerhalb eines “immersiven” Spiels die Grenzen für Mikrotransaktionen direkt am Kunden auszuloten und dabei -quasi als Abfallprodukt- das Verhalten sämtlicher Anwesender im Raum gleich dauerhaft mit auszuspähen? Es wird genug “Horsts” geben, die innerhalb eines Spiels Geld für ein schnelleres Fahrzeug, für eine bessere Waffe etc. etc. auszugeben bereit sind.
    Wer jedoch glaubt, mit einer Spielekonsole ein Stück “Spielzeug” zu erwerben, welches im Sinne des Spielenden entwickelt und gebaut wurde, und somit dessen Freude und Wohlergehen zum Ziel haben sollte, dem ist nicht mehr zu helfen.

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