Hörenswertes 2013 – Die besten Alben (Rinko)

Neulich noch ein Gespräch mit Flo geführt, wo wir uns relativ einig waren das 2013 nicht unbedingt als besonders großartiger Musikjahrgang in die Geschichte eingehen wird. Wie sieht es bei Euch aus ? Vorschläge bitte in die Kommentarfunktion. Hier schon mal meine persönlichen Favoriten des Jahres…

Am Ende des Jahres immer noch top:

Foals – Holy Fire

My Gosh, schon das dritte gute Album der momentan wirklich einzig relevanten Indie-Rock-Band aus UK. Noch funkiger, noch ausgefeilter und überhaupt alles mittlerweile so gut, dass die Foals eigentlich schon längst Weltruhm erlangen müssten. Allein My Number ist der Song des Jahres und hat gefälligst alles von Unna bis nach Leipzig zu in entrückte Ekstase zu versetzen. Ich bin auch Am Ende des Jahres total verliebt in diese großartige Wundertüte aus Pop, Prog, Stoner-Rock und Math.

Darkside – Psychic

Psychedelic geht immer, überall und überhaupt. Diese wirklich beste Erfindung für lümmelige Kopfhörer-Musik auf der Couch ist schon seit längerer Zeit auf einem sehr guten Wege zurück in das Gedächtnis der Musik-Nerds, und wenn sich der Electro Gourmet Nicolas Jaar zusammen mit einem Kumpel auch mal in das purpurfarbene LSD-Land abrücken, muss das einfach eine Party für die Sinne sein. Allein der Moment wenn Golden Arrow sich vom ätherischen Prog-Song endgültig in ein alles zerstörendes Groove-Monster verwandelt gehört zu DEN Musik-Momenten 2013. Get yourself high!

Tyler The Creator – The Wolf

So, scheuchen wir nun aber dann doch die Psychdelic Geister aus dem Haus und holen uns den bösen Buben aus dem Block. Nee, nicht der seicht gewordene Sido, sondern den ebenfalls auch etwas milder gewordenen Tyler, dem alles und wirklich jeder immer noch gehörig auf die dicken Eier geht. Doch anstatt einen wüsten Amok-Lauf wie auf dem Vorgänger zu veranstalten, hat der junge Mann wohl zumindest ein paar Anti-Aggressionkurse besucht und weiß seine fiesen Gemeinheiten nun in wirklich griffige Songs zu packen. Doch wer genauer hinschaut merkt, das es sich hinter dem Strauß Blumen wieder Stinkmorcheln verstecken und auch die Blutspritzer auf dem Jacket hat man wohl auch übersehen. Tyler ist also immer noch kein Fall für das feine Gesellschaft und das soll verdammt nochmal auch so bleiben. Erwachsen und bieder waren Jay-Z dieses Jahr schon genug.

Casper – Hinterland

Nachdem Tyler uns auf den Teppich gepisst und das Smartphone geklaut hat, sind wir dann doch über Benjamin Griffith froh. Der ist zwar auch bis zum Arsch tätowiert, aber wird wohl mit 30 auch nicht mehr Dixie-Klos umschmeißen oder krude Porno-Fantasien auf die Menschheit loslassen bzw. der stand auch bei den Ganstern vom Selfmade-Label  im Verdacht ein wirklich Schlimmer zu sein. Dass ihm auf einmal das Etitkett des Emo-Rappers angeklebt und Liebling kleiner kreischender Mädchen zu werden war wohl auch nicht so ganz im Plan inbegriffen, auch wenn Casper eigentlich zu nett ist, um sich von denen zu distanzieren. Tun ja auch keinem weh, aber auf Hinterland geht es endgültig zu erwachsenem Songwriting, Springsteen und Oasis-Zitate, trotzdem immer noch durchaus tanzbar und danke dem ganz eigenen Reibeisen-Timbre eine ganz eigene Note.in ein paar Jahren werden auch die Mädchen das Album in ihrer Studenten-Bude rauf und runter hören. Vieles aus Deutschland war dieses Jahr erschreckend überflüssig, Hinterland hingegen könnte ein Klassiker werden.

Drake – Nothing Was The Same

Bin ich jetzt endgültig raus, wenn für mich Drake irgendwie der amerikanische Casper ist? Der hat mal als Schönling in einer Soap angefangen und als weichgespülter Pop-Rapper ein nicht so dolles Debüt-Album vorzuweisen. Das zweite Album präsentierte den Sunnyboy in schwermütiger und nachdenklicher Form und prägte wohl eine neue Form von emotionalen Rap in den Staaten mit. Das neue Album nimmt dann wieder beide mit, die Styler aus dem Club, aber auch Fans des neuen erwachsenen Drake, der sich aus der krachenden 24/7-Party verabschiedet hat. Das hier ist vielleicht immer noch nicht das beste Hip Hop Album des Jahres, aber vielleicht das anspruchsvollste Pop-Album in einem von Miley Cyrus verseuchten Jahr.

Kanye West – Yeezus

Schon wieder Hip Hop? Ja, da finden zum Glück die immer noch freshesten auch abseits von Pop statt. Ein Kanye West denkt natürlich immer Pop, und zwar groß, größer am allergrößsten. So weit, dass es eigentlich schon kein Pop mehr ist, sondern irgendwas dahinter. GrößenWAHNSINN ist Yeezus auf komplett atemberaubenden, ja ach nervenzerfetzenden 70 Minuten. Da geht nicht nur ein Beat komplett über das Ziel hinaus und überhaupt… gibt es hier überhaupt ein Ziel? Eigentlich ist das ein Musik gewordener ADHS-Youtube-Le rage Meme auf die Hörgewöhnheiten der Hörer, die kaum überraschend das Album des Großmauls mit Nichtachtung straften. Das dieser sich aber trotz Häme und Spott (und das durchaus zurecht) nicht aus der Ruhe bringen lässt und unbeirrt weiter macht, muss allerdings auch mal erkannt und respektiert werden. Da muss Lady Gaga schon auf die Bühne kacken oder die im Grunde genommen erzbiedere Miley einem Esel einen blasen um die Krass-Level dieser Sound-Explosion übertreffen zu können. Fantastic Damage 2013.

Boards of Canada – Tomorow Harvest

Nee, das kann man machen. Einfach so locker 14 Jahre verstreichen lassen und einfach wieder ein Meisterwerk veröffentlichen. Wieder liefern die beiden Schotten Michael Sandison und Marcus Eoin Sandison zu..achtung das Phrasen-Schwein steppt….zu einem nie veröffentlichenden Soundtrack und natürlich holen wir das zu Tode gerittene Kopfkino aus der Schublade der grausamsten Kritiker-Metapher aller Zeiten. Wenn es aber doch auf keine Musik der Welt so sehr passt wie zu den Board Of Candada und haben wir eigentlich nicht seit Hh mit diesem Blödsinn erst angefangen? Na eben ! Mad Max schleichener Untergang wäre als hier die passende Filmvorlage gewesen, oder doch die Selbstzerstörung des Terminator? Ach bastelt es euch doch lieber selbst zusammen und wartet eben wieder Ewigkeiten, wenn wir vielleicht schon in der düsteren Zukunft angelangt sind die hier skizziert wird.

Disclosure – Settle

Da waren die beiden Jungs, urplötzlich und unverhofft. Eher schüchtern, auch wenn der Bastard When The Fire Starts To Burn natürlich den Tanzboden ordentlich zerfickte, wie der Hamburger sagt. Doch dem brennenden Floorfiller folgten erstmal eine erfrischende Dusche voller zurückgelehnter Dance-Momente zwischen Melancholie und  R`n B, die klar und fokussiert die Relevanz in Sachen Dubstep zurück holten. Was Deadmaus in ein paar Jahren zerstörte, können zwar auch die beiden nicht wieder zurecht biegen, aber lassen wir mal besser die Amis ihre Brostep zusammen klöppeln und kaufen lieber den auf den Leib geschneiderten Edel-Beat aus London.

The Knife – Shaking the Habitual

Wie es sich wohl anfühlt, zusammen mit einer Truppe Samba-Tänzer in eine abgelegene und längst vergessene Irrenanstalt eingeschlossen zu werden? Wahrscheinlich so wie Shaking The Habitutal, das mal wieder alles von dem Hörer abfordert, sich nicht um Gewohnheiten schert und Platz macht für allerhand Neues. Was so in den Köpfen der beiden Schweden vor sich geht kann man anhand dieser Verrücktheit nur erahnen, eigentlich möchte man es auch gar nicht genauer wissen, derart verstörend und psychotisch grollt der Beat auf einen zu. Am Ende der Platte steht man mit schweißnassen Händen da und merkt das man noch lebt.

Daughter – If You Leave

Es gibt sie ja doch noch im laut-schrillen Popjahr . Diese ruhigen Kleinode, die sic nicht an einen krallen und um Aufmerksamkeit schreien, sondern still und in sich gekehrt feine Melodien spinnen. Daughter waren pure Schönheit, wie einst Feist auf Reminder-Zeiten, ja selbst der Zyniker lächelte kurz auf und war entzückt von so viel Wärme in einem viel zu langen und kalten Winter. Wo sich Florence & The Machine ihre eigentlich großartigen Songs in Pathos ertränkten, nahm sich Daughter in den richtigen Momenten zurück.  Die wirklich ganz große Entdeckung des Jahres!

2 Kommentare zu “Hörenswertes 2013 – Die besten Alben (Rinko)

  1. Definitiv: Tired Pony, “The Ghost of the Mountain”. Grandios, und eingespielt in ca. 8 Tagen.

  2. Das Projekt von dem Snow Patrol-Sänger, oder? Vielleicht kommt das hier noch die übersehensten Alben des Jahres. Danke für den Tipp!

    The National ist auch ganz knapp gescheitert, aber letztendlich war es dann doch etwas zu getragen.

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