Filmabriss (2012er Recap IV): Cabin in the Woods, Looper, Twixt, John dies at the end

Material für den nächsten Filmabend zu Hause… und für die Nerd-Fraktion. Die folgenden Rezensionen kümmern sich ein wenig, wenn auch nicht ausschließlich, um die Direct-to-DVD Ecke des Jahres 2012. Ziemlich frisch reingerauscht ist – zumindest bei uns in der Ecke – John dies at the End, der versucht einen neuen Rekord an verwursteten Genres aufzustellen. Ebenfalls direkt auf DVD ist Copollas 2011er Spuk/Pulp-Drama Twixt gelandet, während sowohl Looper als auch The Cabin in the Woods zwar im Kino liefen, im Grunde genommen aber auch für einen Heimkinoabend weitaus geeigneter sind als für ein großes Lichtspielhaus. Wie die Filme sich auf dem TV, Sofa in Front, bewährt haben, erfahrt ihr nach dem Klick…

Twixt [Francis Ford Coppola]

(USA 2011)

Keine Ahnung, was Francis Ford Coppola (Apocalypse Now) geritten hat, nach einer etwas größerer Durststrecke ausgerechnet diesen direct-to-DVD B-Movie als neustes Werk zu inszenieren. Dass große Regisseure des New Hollywood durchaus ihre Liebe zu Exploitation und kruden Midnight Movies umsetzen und dabei dennoch seriös bleiben können, hat ja in den letzten Jahren unter anderem Martin Scorsese – insbesondere mit dem famosen Shutter Island – unter Beweis gestellt, dieser hatte im Gegensatz zu Veteran Coppola in den 90er Jahren allerdings keinen allzu großen Bockmist verbrochen (Stichwort: Jack). Wie dem auch sei, Coppola versucht sich hier an einem kleinen, dreckigen B-Movie, der Verfilmung seiner eigenen kleinen, dreckigen Pulp-Kurzgeschichte… und legt sich damit voll in die Nesseln. Das geht schon bei der Geschichte los, die mit einem abgehalfterten, alkoholabhängigen Schriftsteller, einem mysteriösen Emo-Teen, Geistern und Vampiren kein Klischee auslässt und wird in der Inszenierung nur konsequent fortgeführt: Warum müssen die Bilder eines 7 Millionen Dollar Films auch ausgerechnet aussehen, als wären sie im Low Budget Bereich gedreht, als hätte das Filmteam gerademal eine bessere DSLR als Equipment zur Verfügung gehabt? Warum muss mit angegrauten Schnitt-Scheusalen wie Splitscreens gearbeitet werden? Warum muss ständig die Nebelmaschine laufen? Und was soll diese fast schon rotzfreche Anbiederung an die Generation 2.0, inklusive Skype-Product-Placement?

Das alles für sich genommen könnte ja noch – vor allem Dank des herrlichen Overactings eines abgefuckten Val Kilmers – ganz unterhaltsam sein, Twixt verliert sich jedoch vollkommen in der selbst aufgebürdeten Langeweile. Allzu selbstverliebt wandelt Coppola durch seine düsteren, pittoresken Traumszenen und vergisst dabei, dass er nichts von Relevanz zu symbolisieren, nichts von Spannung zu erzählen hat. Statt dunkler Mystery erwartet den Zuschauer Spuk-Kitsch, statt einer intelligenten, verzweigten Story Gothic-Klischees, die mehrere Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte zu spät kommen. Immerhin Ellen Page, die wie bereits in Super 8 unter Beweis stellt, dass sie aus noch so eindimensionalen Figuren das beste herausholen kann, schafft es mit ihrer Performance zwischen unsicherem Teen, Femme infantile/fatale und gruseliger Erscheinung ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern. Ansonsten gilt: Trash? Ja, bitte! Nur her damit. Aber nicht, wenn er so öde, berechenbar und einschläfernd ist wie in diesem Fall.

Looper [Rian Johnson]

(USA 2012)

Wie ein direct-to-DVD Kandidat kommt auch Rian Johnsons Science Fiction Thriller Looper ein wenig daher, ist dabei aber ungleich unterhaltsamer als der misslungene Coppola Pulp-Schinken. Die Prämisse ist erst einmal cool: Auftragskiller einer relativ nahen Zukunft erhalten ihre Opfer mittels Zeitreisen aus einer weit entfernten Zukunft von einer obskuren Verbrecherorganisation geschickt. So können sie sich zu einigem Vermögen morden, bis sie dann schließlich ihr zukünftiges Alter-Ego als Kunden erhalten. Nachdem sie diesen umgebracht haben, werden sie in den Ruhestand geschickt und dürfen ihr Leben genießen, bis ihre Zeit zur Zeitreise mit fatalem Ausgang gekommen ist. Bei dem Protagonisten geht das natürlich nicht reibungslos vonstatten und so sieht sich dieser (Joseph Gordon-Levitt) plötzlich damit konfrontiert, dass sein zukünftiges Ich (Bruce Willis) im hier und jetzt rumläuft. Bei dem Versuch diesen zur Strecke zu bringen, muss er sich nicht nur vor seinen eigenen Auftragsgebern in Acht nehmen, sondern sieht sich zusätzlich damit konfrontiert, dass sein Alter-Ego ganz eigene, ziemlich brutale Ziele verfolgt.

Bereits die etwas diversifizierte Besetzung lässt ganz gut erahnen, wohin diese Zeitreise führen soll: Looper oszilliert zwischen ernstzunehmendem Sci-Fi-Vexierspiel in bester Inception- und Source-Code-Tradition und lockerem Pulp-Action-Reißer. Während Gordon-Levitt als verzweifelter Killer sein bestes gibt, in seiner Performance sowohl Mystery-Anspruch als auch seinem Future self gerecht zu werden, stiehlt ihm Bruce Willis dann doch in den meisten Fällen die Show: Als bärbeißiger, von Rache getriebener Zeitreisender kommt er wunderbar abgeklärt und zugleich abgefuckt daher und vermag es immer, einen gewissen Schalk in das ansonsten recht biedere Science Fiction Szenario zu bringen. Looper macht dann auch tatsächlich in den spannenden Anti-Buddy Jagd- und Fluchtmomenten am meisten Spaß, wird immer genau dann am besten, wenn es ordentlich kracht und rummst. Die Story selbst wird in diesen Momenten dankenswerterweise in den Hintergrund gedrängt, entpuppt sie dich doch gerade gegen Ende als ziemlich laues Mystery-Lüftchen. Über Logiklöcher des entworfenen Szenarios müssen dann auch keine weiteren Worte verloren werden: Mit Zeitreise- und Nerd-Nitpicking wird man in diesem Film nicht glücklich und sollte sich schnell Richtung plausibler Erzählungen wie La jetée oder Twelve Monkees verabschieden. Das doofe Eso-Ende außen vorgelassen kann Looper dennoch als dreckiger Science Fiction Actioneer unterhalten. Alles andere als ein Meisterwerk, aber perfekt für den anspruchslosen, unterhaltsamen DVD-Abend mit Bier, Chips und Freunden.

The Cabin in the woods [Drew Goddard]

(USA 2012)

Es hätte DER Nerd-Horrorspaß des Jahres werden können… werden sollen… werden müssen! Ehrlich gesagt, weiß ich auch gar nicht so genau, was mich an The Cabin in the woods so richtig stört. Der Film hat gute Horror- und Schockmomente, ist vollgepackt mit Selbst- und Metareferenzialitäten, kann mit gesundem Zynismus punkten und dreht gegen Ende dann so richtig frei. Aber, bei all diesem verqueren Spaß, die der Film macht, wirkt er doch von Minute zu Minute anbiedernder und ungelenker. Ich stelle mir die Entstehung des Drehbuchs ein wenig so vor wie die geheimnisvolle Organisation, die im Film selbst für die Gestaltung des Horrors verantwortlich ist: Ein chaotischer Haufen von Nerds, die alle ihre Punkte einbringen wollen, hier noch eine klasse Idee, da noch einen tollen Plan haben. Und dann wird es eben irgendwann einfach zu viel. Das mit den Köchen und dem Brei erspare ich mir an dieser Stelle: Ja, doch, ich liebe doch auch vollgepfropfte Filme, und wenn es ordentlich Evil Dead Referenzen und Romero Querverweise hagelt, bin ich echt gerne dabei. Störend wird es einfach, wenn der Film dabei jegliches Filmhafte einbüßt, einfach nur noch zur Aneinanderreihung von Dekonstruktionen und Reminiszenzen wird. So verliert sich Cabin in the woods komplett in seiner geekigen Puzzlehaftigkeit, reflektiert seine Stilmittel nicht sondern reiht sie einfach aneinander. So weh es mir tut, ein bisschen kommt Cabin in the woods dadurch wie eine gehobene Version der grauenhaften Seltzer/Friedberg-Komödien daher. Ganz so schlimm ist es zwar nicht, und von der Untiefe eines Fantastic Movie ist dieses Horror-Potpourri meilenweit entfernt, aber der Spaß am postmodernen Wühlbild leidet ganz schön, wenn nicht einmal eine Idee zu Ende dekliniert, nicht einmal ein Faden vernünftig gehalten werden kann. So ist Cabin alles andere als ein zweiter Scream, nerd-qualitativ weit entfernt von einem Scott Pilgrim und kann es dekonstruktionstechnisch bei weitem nicht mit einem Tarantino oder Coen aufnehmen. Macht Spaß, wird den Erwartungen aber alles in allem nicht im Ansatz gerecht.

John Dies at the End [Don Coscarelli]

(USA 2012)

Erfolgreicher in seinem (inhaltsleeren) Eklektizismus ist dann schon der neuste Streich von Don Coscarelli (Phantasm, Bubba Ho-Tep). Und das liegt einfach mal daran, dass John Dies at the End konsequent dazu steht, totaler Gaga-Mist zu sein. Einen derart unberechenbaren, kaputten Anti-Film habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Und da jede inhaltliche Angabe einem Spoiler gleichkäme, sei an dieser Stelle nur so viel gesagt: Es geht um Drogen, irgendwie lebendige Drogen mit merkwürdigen Auswirkungen, es geht um Geister und Untote, um schleimige Viecher aus Paralleldimensionen, um okkulte Praktiken und ganz realen Bodyhorror, irgendwie auch um diesen ganzen Cthulhu-Kram, um Monster/Maschinen-Hybride, paranormale Fähigkeiten, Schweinemasken und das Ende der Welt. Bloß nicht vom scheinbaren Spoiler-Titel in die Irre führen lassen: John dies at the End ist verquer. Verquerer geht es kaum: Ein wenig David Cronenberg auf Acid,  William S. Burroughs, der sich von H.P. Lovecraft vögeln lässt und danach noch die Zeit findet mit dem jungen Peter Jackson zu kuscheln; Surrealismus der auf Splatter der auf Fantasy der auf Nerdyness trifft… und mit all diesen Zuweisungen wird man dem Film nicht mal ansatzweise gerecht.

Im Grunde genommen ist dieser Fantasy/Beatnik/Horror/Comedy-Bastard großer Mist. Nonsens, der sich nicht einmal um einen Fokus, geschweige denn eine stringente Handlung bemüht. Aber verdammt nochmal macht dieser Mist Spaß. Da bleibt sogar die manchmal anstrengende Lazyness verzeihbar, mit der Coscarelli seine Protagonisten durch das überbordernde WTF-Szenario hetzt. Diese wilde Mixtur will niemals mehr sein, als sie ist, und wenn doch, dann tut sie das mit einem fetten Augenzwinkern und grimmiger Zuschauerverarsche. Konsequent reicht diese unvorhersehbare Achterbahnfahrt dann auch bis zum ziemlich abrupten Ende, das weder einen plausiblen Schlusspunkt setzt, noch irgendwie versöhnlich auf die Zuschauer wirkt. John dies at the End fühlt sich so an, als sei man von einer billigen Geisterbahn überrollt worden (nicht einem einzelnen Wagen, sondern dem ganzen Fahrgeschäft), so als hätte man selbst was von der ominösen Droge aus dem Film genommen: Kopfschmerzen, Unruhe und Hysterie inklusive. So plötzlich und unbefriedigend das Ende daher kommt, so sehr würde ich mir dann auch eine Fortsetzung, am besten gleich eine ganze Serie rund um dieses absurde, trashige, verstörende und bizarre Szenario wünschen. Wie gesagt: Erwartet kein Meisterwerk, aber ein originelles – wenn auch manchmal etwas zu krudes – Filmvergnügen ist euch mit diesem Wüstling gewiss.

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