Hörenswertes Sommer 2013 III: Gold Panda, Andrew Stockdale, Black Sabbath, Jagwar Ma, Robin Thicke

Was haben wir alle nicht über sibirische Kälte und einen viel zu kalten Frühling gejammert, aber Hitze scheint uns ja dann auch nicht zu bekommen. Dabei steigert die hohe Temperatur das Lustempfinden und nicht gerade wenig aus dieser Hörenswert-Artikel lädt zum Tanz der Moleküle ein. Andrew Stockdale lädt zum heißen Höllen-Ritt durch den Outback ein, Jagwar Ma bringen uns die kosmischen Vibes aus der gleichen Ecke, während Ozzy und seine Jungs mal wieder den altgedienten HArdrock-Glutofen anschmeißen, dafür hinterlässt Robin Thicke mit einem lauwarmen R`n `B – Lüftchen nur einen klebrigen Schmier auf unserer Haut.

Andrew Stockdale – Keep Moving

(Universal, 07.06.2013)

Wolfmother sind tot, Andrew Stockdale dagegen auf seinem Solo-Debut quicklebendig. Den Namen hätte er aber auch gleich behalten können, da sich sein Allein-Ausflug in die Welt von Led Zeppelin, Black Sabbath und AC/DC kaum von den Werken der ehemaligen Band unterscheidet. Wenn man schon das einzig verbliebene Mitglied ist, kann man natürlich auch gleich unter eigenem Namen weiter machen. Stockdale hat sein Handwerk zum Glück nicht verlernt, Ein bisschen sonniger geht es auf keep moving zu und man kann sich so richtig gut vorstellen, neben ihm in einem VW-Bus durch Australien zu brettern, während die Sonne aufs Blechdach und aus den Hintern scheint. Hier hat jemand extrem Spaß und wer nicht gerade eine komplette Allergie gegen 70er- oder Classic Rock hat wird dieses Album auch lieben. Stockdale scheint seinen Frieden mit der Vergangenheit gemacht zu haben und fährt einer großen Zukunft entgegen, wir sind dazu eingeladen.

Black Sabbath – 13

(Vertigo / Universal, 07.06.2013 )

Hui, hatten wir in dieser Rubrik schon mal einen rockigeren Einstieg? Der ehemalige Wolfmother-Sänger war ja nicht mal geplant, als Black Sabbath die Musikwelt mit einem schweren und düsteren Sound, der später mal Heavy Metal heißen sollte, erschütterte und gleich auch mal jedes Klischee mitnahm, was Rock zu bieten hat. Mit einem neuen Album dagegen war gerade jetzt nicht unbedingt  zu rechnen, nachdem sich Ozzy den zu Spät Geborenen als wirrer MTV-Clown präsentierte und sein ehemaliger Kumpel Tommy Iomi mit einer Krebs-Erkrankung sicherlich wichtigere Dinge zu bewältigen hatte, als ein altgedientes Schlachtross des Hardrock zu reaktivieren. Der Zeitpunkt könnte nichtsdestotrotz nicht besser sein, da sich gerade ein Haufen junger Newcomer an bleischweren Erbe der britischen Metal-Legenden versuchen und somit auch eine jüngere Hörerschaft mal wieder die alten Platten für sich entdecken dürfte. Schon God is Dead war kein zu befürchtender Kommerz-Mist, sondern mit den alten Trademarks am Start. Und so sieht es auch hier aus: Düster und grollend sind die Tracks, wenn auch nicht mehr mit dem Biss der frühen Tage zu haben. So wird sich also keiner in seine Jugend zurück versetzt fühlen: Für ein Alterswerk ist 13 dennoch durchaus akzeptabel und viel besser als das grottige letzte Werk Forbidden, das als Abschluss einfach nicht für die Pioniere verdient gewesen wäre.

Gold Panda –  Half of where you live

(Ghostly International / Al!ve, 14.06.2013)

So, nun aber. Wäre ja gelacht wenn der Sommer ohne Beats auskäme und Gold Panda ist ja wirklich eine gute Adresse für die anspruchsvolle Dance-Musik, fernab von Malle. Wieder einmal servieren die eine ganz eigentümliche Mischung aus Minimal, Dubstep und Ambient die auch Half Where You Live ganz in ihren Bann zieht. Trotzdem könnte man zurecht kritisieren, dass der goldene Panda nicht viel in seinem Klang-Kosmos geändert hat und vielleicht hier und da ein gewisser Stillstand zu erkennen ist.Wir reden in diesem Fall aber auch über Dance-Music und die muss eben auch funktionell sein, was dieses Album auch zu vollster Zufriedenheit erfüllt. Es gibt keinen Song, der erst erarbeitet werden muss oder zu abstrakt gedacht ist, zu schnell ist man einfach in dem angenehmen Groove von Gold Panda, zu dem man immer noch die Augen schließen kann und alles herum um sich vergisst.

Robin Thicke – Blurred Lines

(Interscope / Universal, 12.07.2013)

Ich haue das mal direkt raus und sage es wie es ist: Blurred Lines ist ganz fürchterlicher Scheißsong und in meiner Ohrwurm-Welt lasse ich wirklich vieles zu, aber nicht diese wahnsinnig öde Pop-Nummer mit ihren schleimigen Fick-Lyrics und dem plumpen Video, das wirklich mal #aufschrei verdient hätte. Das Album, so wurde mir berichtet soll aber gaaaaanz anders sein und zum Glück habe ich ja Spotify um solche gewagten Aussagen zu überprüfen und folgendes Fazit zu stellen: Nö. Die anderen Songs auf dem Album sind genau so doofe Soulpop-Nummern, die Justin Timberlake, respektive sein damaliger Mentor Pharrel Williams wohl von seinem 2002er Album Justified übrig hatte. Für Robin Thicke, die Massen-Disco und Moden-Shows wird es aber reichen, denn für nichts anderes wurde dieses Album ohne jeglichen Anspruch produziert. Tja, und plötzlich fühlt sich sogar das neue Daft Punk Album viel besser an, angesichts dieses unerfreuliche Fast Food-Mists.

Jagwar Ma – Howlin

(Rough Trade, 14.06.2013)

Pua, nachdem ich mir diesen öligen Schleim stundenlang wegwischen musste dann doch zu einer viel besseren Variante von Tanzmusik, die nicht zwingend voraussetzt nur über den kleinsten Penis-Nenner zu funktionieren. Damit wir uns nicht falsch verstehen Howlin ist kein Kunstprojekt, in dem zu Nietzsche-Zitaten atonale Jazz-Musik läuf,t sondern einfach eine gute Art von Musik, die Django Django schon auf ihrem packenden Debüt zauberten und die aktuell die letzte Chk Chk Chk so spritzig hinbekommen hat. Uncertain wäre auch die treibende Nummer die wirklich jeden packen müsste und mal sehen ob es auf dem nächsten Fifa 14-Soundtrack (der ist wirklich gut, echt jetzt) landet. Der kommt aber erst im September und bis dahin darf hier zu steil gegangen werden, bitte. Es gibt aber auch noch ruhige Nummern wie das finale Backwards Berlin, das sich tatsächlich genau so anhört und wunderbar verträumt vorbei fließt, wie der Titel vermuten lässt. Wirklich schön, das alles.

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