E3-Nachlese

Um dann doch noch ein paar Worte zur E3 zu verlieren… Immerhin verfolge ich spätestens seit Mitte letzten Jahres die aktuellen Videospielentwicklungen nicht nur recht gerne sondern auch tatsächlich konkret interessiert: Die Next-Gen steht vor der Tür und nachdem ich diese Generation ein wenig pausiert habe, was aktuelle Videogames betrifft, werde ich 2014 dann wohl doch zu einer der neueren (Wii U) oder neuesten (Playstation 4, XBox One) Konsolen greifen. Insofern war diese E3 für mich tatsächlich eine ziemlich relevante Entscheidungshilfe, insbesondere nachdem Nintendo den Start der Wii U so versemmelt hat, Sony mich mit der PS4-Präsentation nicht wirklich kicken konnte und Microsoft mit einigen seiner XBox One “Innovationen” geradezu Kopfschmerzen auslöste. Letzten Endes sind die Spiele entscheidend: Nicht die Mediacenter-Innovationen, nicht das Internetgedöns drumherum (für beides gibt es von GoogleAppleRaspberry weitaus bessere Alternativen) und auch nicht der sonstige Kram, den man sich mit Konsolen ans Bein binden kann. Wenn ich ne Next-Gen-Konsole kaufe, dann will ich zocken… und nichts anderes. Dementsprechend vielversprechend waren die Ankündigungen für die Electronic Entertainment Expo: Spiele, Spiele, Spiele… sowohl Exclusives als auch Multiplattformer und endlich relevante Eckdaten zu den neuen Babies der großen Hardwarehersteller, jenseits von technischen Masturbationsvorlagen wie Terraflops etc. Wie die einzelnen Maschinen Spiele sich schlagen und ob mein wankelndes Gemüt endlich eine Entscheidung getroffen hat, gibts nach dem Klick.

Multiplattformer and the old stuff…

Natürlich sind für den Kauf einer neuen Konsole deren Exklusivtitel sowie die Neuerscheinungen relevant. Da ich aber die letzte Generation wie bereits gesagt – zumindest besitztechnisch – vollkommen verschlafen habe, ist der “veraltete” Backkatalog hier durchaus entscheidungsrelevant. Eine vernünftige PS3-Abwärtskompatibilität (Disc gebraucht für nen 10er kaufen, reinschieben, fertig) wäre geradezu das Totschlagargument für eine PS4 gewesen: The Last of us, Uncharted, die alten GTA-Teile, mit Einschränkungen Heavy Rain, Little Big Planet 2… Leider hat sich Sony in dieser Generation wie Microsoft von der Abwärtskompatibilität verabschiedet und daher geht dieser Punkt erst einmal an Nintendo. Auch wenn die Wii U offensichtlich alles andere als komfortabel eine Wii-Umgebung emuliert, habe ich hier dennoch die Möglichkeit auf ein umfangreiches Repertoire an wirklich großartigen Spielen zurückzugreifen: Mario Galaxy, die beiden Wii-Zeldas, die spaßigen Wario Wares und das ein  oder andere JRPG liefern schon einige Gründe zu Nintendos weißem Flitzer zu greifen. Gerade angesichts der Tatsache, dass mit u.a. Batman: Arkham Origins, Rayman Legends und Killer is Dead einige mehr als spannende This-Gen-Only-Titel auf der E3 präsentiert wurden, scheint mir diese Entscheidung seitens Microsoft und Sony mehr als unverständlich. Darüber kann mich auch ein vages PS3-Streaming-Versprechen Sonys (Preise, Konditionen?) für die PS4 nicht vertrösten. Microsoft hatte zwar letzten Endes in dieser Generation nicht so viele First Class Exclusives wie Sony, aber allein wegen der tollen Multis hätte eine Abwärtskompatibilität der ONE hier für mich punkten können. Aber wie schon zuvor die Konsolenpräsentation hat Microsoft in diesem Punkt einfach eine sich bietende Chance vorbeiziehen lassen. Schade, Nintendo bleibt diesbezüglich Sieger.

Bei Multis sieht die Sache da schon anders aus… ganz anders. Eine Entscheidung für eine neue Hardware wegen erscheinender Multiplattformer bedeutet schon seit GameCube/PS2/XBox-Zeiten weniger eine Entscheidung zwischen drei Konsolen als viel mehr eine Entscheidung zwischen Nintendo und den anderen beiden Herstellern. Nintendo erntet da einfach mal, was sie in den 90ern gesät haben: Wer seine Third Parties schlecht und herablassend behandelt (das ganze lässt sich bis in SNES-Zeiten zurückverfolgen) muss sich nicht wundern, wenn diese irgendwann mit fettem Grinsen zur Konkurrenz überlaufen und die eigene Hardware links liegen lassen. Für die Wii U scheint es mir da noch düsterer auszusehen als bereits für die – nicht wirklich gut unterstützte Wii – oder den sträflich vernachlässigten Cube: Egal ob EA, Activision oder mittlerweile implizit gar Ubisoft; Wii U Besitzer müssen Verzicht üben. Während Sonys und Microsofts neue Konsolen einen ordentlichen Teil vom Multi-Kuchen abbekommen, schauen Big-N-Fans dabei ziemlich in die Röhre.

Und was gab es an Multis für PS4 und XBox One zu sehen? Eine Menge interessantes Zeug: Nachdem die klassischen Horror-Franchises wie Resident Evil in den letzten Jahren mehr und mehr zum Action-Einerlei verkamen, verspricht Survival Horror Urgestein Shinji Mikami (Resident Evil, Shadows of the Damned) mit The Evil Within wieder ein Horrorspiel der alten Schule. Die gezeigten Szenen boten zwar für meinen Geschmack ein wenig zu viel Gore und Action, um tatsächlich Angst auszulösen, aber wenn man dem japanischen Meister Glauben schenkt, wird es im finalen Spiel auch sehr viele ruhige Momente und spannende, nervenzerfetzende Stealth-Szenarien geben. Mit Deep Down präsentierte Capcom bereits bei der PS4-Show fantastische Mittelalter-Grafik, die auf einen würdigen Dark Souls Konkurrenten schließen ließ, Spielszenen fehlen bei diesem Titel aber nach wie vor. Anders sieht es da schon beim direkten Konkurrenten aus dem Hause Namco aus. Dark Souls 2 durfte nicht nur mit dämonischer Grafik protzen, sondern auch mit allerhand Spielszenen auftrumpfen. Und was soll ich sagen? Das Teil sieht einfach fantastisch aus: Düster, elegisch, brutal: Ein Actionrollenspiel der alten Schule, sprich knackig schwer, inklusive düsterem Mittelalter-Ambiente und dem passenden sakralen Flair.

Jedes Mal, wenn ich in den letzten Jahren ein neues Final Fantasy angespielt habe, war ich enttäuscht, wie Square Enix diese einst ehrwürdige Serie hat verkommen lassen. Auch ohne allzu sehr Final Fantasy VI (resp. III) und SNES-Zeiten nachzutrauern (trotz des grandiosen FFVII für die Playstation immer noch die Konsole mit den besten Final Fantasies), hat sich diese Enttäuschung bei dem Videomaterial von Final Fantasy 15 in einen regelrechten Schock verwandelt: Keinerlei Flair, kein intelligent wirkendes Kampfsystem, keinerlei Poesie, stattdessen 08/15-Action und offensichtliches Button-Gemashe. Auch in dieser Generation scheint zu gelten: Bye, bye J-RPG-Klassiker. Dann schon eher Kingdom Hearts 3 vom selben Hersteller, dass wie die neuste Ausgabe des Rollenspielklassikers seine Sony-Exklusivität verliert und wohl nicht nur auf der Playstation 4 sondern auch der XBox One ein zu Hause finden wird. Ein wenig mehr Hoffnung setze ich da schon auf Thief, das bitte bitte bitte wieder zu alten Stealth-Tugenden zurückfinden und nicht wie Metal Gear Solid zum Actionburner degradiert werden soll. Apropos… trotz düsterer Vorahnung meinerseits scheint Konami mit Metal Gear Solid 5 vieles verdammt richtig zu machen: Open World, Grandiose Grafik, düstere Stealth-Atmosphäre… Insbesondere nach den ersten InGame-Videos bin ich jetzt doch ein wenig gehypt, was den neusten Streich von Yoji Shinkawa betrifft, auch wenn die letzten Teile in der Vorschau ebenfalls grandios aussahen und in der Umsetzung dann doch so einige so lala Eindrücke hinterließen. Ein gewisses Hype-Gefühl empfinde ich auch bei Castlevania: Lords of Shadow 2, das einfach mal packend rüberkommt und ein würdiges 3D-Castlevenia darstellen dürfte. Zumindest Ubisoft bedient mit seinen Multis noch alle neuen Konsolen. Und ja, Watchdogs ist für mich nach wie vor mit seiner High-Speed-Hacker-Action und seinem Open World Flair einer der ernsehntesten Titel der kommenden Generation, Freude kommt auch beim neuen Rayman Legends auf, das tatsächlich das beste Rayman bis dato werden könnte; und Assasins Creed 4 dürfte zumindest gut unterhaltend werden. Alle drei Games werden sowohl für die U als auch die PS4 und One erscheinen.

Nintendo

Nintendo hat – man kann es nicht anders sagen – enttäuscht. Während sich Sony und Microsoft kabbeln, wäre es tatsächlich gar nicht soooo schwer gewesen, als lachender Dritter das Rennen zu machen. Gerade der Verzicht auf eine pompöse Pressekonferenz hätte die Möglichkeit gegeben, mit dem wesentlichen – Gottverdammten Spielen – zu trumpfen, um die Wii U aus dem derzeitigen Trauertal herauszuführen. Zu sehen gab es immerhin das sehr interessant wirkende Super Mario 3D World, stark angelehnt an Super Mario 3D Land auf dem 3DS und mit feiner Reminiszenz an den SNES Klassiker Super Mario World. Aber reicht das? Viele Big-N-Fans hätten sich wohl eher ein “richtiges” 3D-Mario mit Open World ähnlich Super Mario 64 oder Super Mario Sunshine gewünscht, stattdessen werden sie wieder mit einem sehr retrolastigen Jump N Run abgespeist, das nichtsdestotrotz vermutlich auch in dieser Generation wieder sehr viel Spaß machen wird. Erfreulicher war da schon die – allerdings erwartbare – Vorstellung von Mario Kart 8, das nicht nur fantastisch aussieht, sondern zusätzlich mit zahllosen Rückgriffen auf die Vorgänger und spannendem Gravity-Feature wirklich so etwas wie das ultimative Fun-Racing-Game werden könnte. Ein neues Donkey Kong Country ist ebenfalls Grund zur Freude, haben die Retro-Studios doch bereits auf der Wii bewiesen, dass sie sich darin verstehen 2D-Klassikern neues Leben einzuhauchen. Auch Bayonetta 2 sieht spannend aus, gehört jetzt aber nicht gerade zu DEN Überraschungen der E3, genau so wenig wie Super Smash Bros U oder Pikmin 3. Irgendwie fehlten auf dieser Nintendo Direct die richtigen Knaller: Ein neues Star Fox, ein neues Metroid, ein neues Kid Ikarus… das wäre was gewesen. Vielleicht sogar der Start einer komplett neuen Franchise. Leider gab es dergleichen nichts zu sehen und so bekommt man schon fast das Gefühl, dass mit The Legend of Zelda: A Link Between Worlds, Yoshi’s New Island und Mario & Luigi: Dream Team Bros der 3DS gerade die spannendere Handheld-Alternative ist als der große stationäre Bruder.

Microsoft

Peng…Peng…Bumm! So ließe sich das AAA-Line-Up der XBox One ganz gut zusammenfassen, wenn es nicht doch tatsächlich einige kleine Überraschungen gegeben hätte, die Microsofts neues Baby fast schon wieder attraktiv erscheinen lassen: In die “muss ich echt nicht haben”-Shooter-Reihe fallen Spiele wie der Mech-Egoshooter Titanfall, der unglaublich bekannt rüberkam, ebenso das sattsam bekannte Halo 5 und das jetzt auch nicht gerade von Originalität gesegnete Zombie-Action-Adventure Dead Rising 3. Quantum Break hinterlässt nach wie vor Fragezeichen (Spielszenen?), scheint mir aber auch Gefahr zu laufen zu einem 08/15-Shooter mit bombastischem vielleicht sogar originellen Rahmen zu werden. Für zumindest ein kleines Lächeln sorgten zwei alte Bekannte: Crimson Dragon, der neuste Ableger der Panzer Dragoon-Reihe dürfte ein Fantasy-Railshooter der Extraklasse werden, inklusive toller Drachen-Ästhetik und warmer Nostalgie für alle alten Saturn- und Dreamcast-Fans. Bei Killer Instinct erfriert mir allerdings ein wenig das Lächeln, erinnert es doch daran, wie die herausragende Spielschmiede Rare bei Microsoft peu à peu versauert. Jungs, wärt ihr doch nur bei Nintendo geblieben! Nicht so viel Geld, dafür aber weitaus mehr Möglichkeiten… Immerhin ist ein neues Killer Instinct, einst der beste 2D-Fighter seiner Generation, immer ein Grund zur Freude, auch wenn die Bilder des herausgeputzten 3D-Actioneers etwas beliebig wirken und nicht den besonderen, dreckigen Charme der Vorgänger versprühen.

In den Bereich positive Überraschung fallen der Fantasy-Sandkasten Project Spark, der Potenzial hat, ein Little Big Planet in besser und fantastischer zu werden, sowie tatsächlich die Kinect-Umsetzung von Disneys Fantasia Music Evolved. Beide Games beweisen, worin der eigentliche Sinn von Videospielen bestehen sollte: Fantastisches und Neues erleben, sich ausprobieren, sich gegenseitig herausfordern, ebenso sportlich wie kreativ sein und dabei noch unglaublich viel Spaß haben. Eben das, was damals schon nur wenigen Spielen wie unter anderem Sim City oder Kirby gelungen ist. Zumindest interessant wirkt zusätzlich das Indie-Game Below von den Machern von Sword & Sworcery. Viel war von diesem jedoch noch nicht zu sehen und ob es sich dabei um ein faszinierendes Erlebnis oder einen bloßen Kunstkunst-Schaukasten handelt, wird sich erst noch herausstellen müssen.

Sony

Also Bahn frei für Sony…? Auch nicht so richtig. Während Microsoft nach der verpatzten One-Präsentation darum bemüht war, die Gamer mit vielen Spielen zu versöhnen, scheint es sich Sony auf seinen ersten – im Grunde genommen ziemlich kleinen – Lorbeeren bequem gemacht zu haben. Auch hier gab es die öden 08/15-Big-Budget Shooter zu sehen, die mich aber auch wirklich so überhaupt nicht interessieren: Was Microsofts Titanfall, das ist Sonys Killzone: Shadow Fall. Mit DriveClub versucht man Microsofts Forza den Rennsimulations-Thron streitig zu machen und der neuste Titel von Quantic Dream (Heavy Rain) Beyond: Two Souls sieht wieder nach extrem eingeschränktem – viel zu einfachen – Schlauch-Gameplay und pseudotiefsinniger Story aus. Gott sei Dank wusste Sony dennoch im Tripple-A Bereich vernünftig aufzutrumpfen: Steampunk-Action mit düsterer, dystopischer Story? Her damit! The Order: 1886 weiß mehr als zu gefallen und gehört zu den Highlights dieser E3. Knack macht als Mischung aus hyperaktivem Jump N Run und Fantasy-Szenario neugierig. Und dann gibt es natürlich noch die Indies, die von Sony in der kommenden Generation besonders viel Liebe erfahren sollen: The Witness von Braid-Macher Jonathan Blow wirkt ebenso interessant wie komplex, und Ray’s the Dead dreht das Zombie-Game-Prinzip einfach mal auf famose Weise um, so dass gar Erinnerungen an glorreiche Dungeon Keeper Zeiten wach werden. Trotzdem… irgendwie war das ein bisschen wenig. Kein Exclusive, der mich wirklich umgehauen hätte, keine große Überraschung, kein absolut origineller Knaller. Spieltechnisch scheint mir Microsoft zumindest auf der E3 doch die Nase vorn gehabt zu haben, ärgerlich insbesondere deswegen, weil mir die PS4 von der Grundstruktur derzeit doch um einiges sympathischer ist.

And the winner is…?

I don’t know. Ehrlich gesagt hinterlässt mich die E3 mit gemischten Gefühlen. Ja, es gab interessante Titel zu sehen, aber echte Innovation sieht anders aus. Sowohl Nintendo als auch Microsoft und Sony baden sich viel zu sehr – auf ihre jeweils eigene Weise – in ihrem eigenen Konservatismus. Bei NextGen denke ich eben auch an wirklich originelle, innovative und progressive Titel. Abgesehen von dem ein oder anderen Indie war davon auf der E3 nichts zu sehen. Quasi das Problem der letzten Generation, fortgesetzt in der Zukunft. Videospiele können mehr… sollen mehr… Und NextGen bedeutet eben nicht nur grafisch zu protzen und episch zu erzählen sondern ebenso mit neuen Konzepten zu experimentieren: So wie eben Square anno dazumal das RPG-Genre revolutionierte, wie Nintendo einst für Jump N Runs ganz neue Wege und Möglichkeiten fand, wie Konami mit MGS das Stealth-Genre neu erfand. Bis ich – wenigstens in Ansätzen – so etwas bei den neuen Konsolen sehe, bleibe ich diesbezüglich skeptisch. Wenn die NextGen wie die Current Game aussieht, nur in schöner, dann kann ich mir auch gleich für weniger Geld ne Playstation 3 kaufen und die dann ebenfalls um einiges günstigeren Games zocken. Für die x-te cineastisch erzählte Shooter-Ware brauche ich keine zukünftige Generation. Dann bleibe ich lieber konservativer Retro-Zocker.

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