XBox One Präsentation – XBox go home!

An dieser Stelle dann wie versprochen ein kleiner Kommentar zur gestrigen Präsentation des XBox360-Nachfolgers, der XBox One. Nachdem Sonys Präsentation der neuen Playstation eher zwiespältig ausgefallen ist und Nintendo gerade mit der Wii U unter Beweis stellt, wie man eine im Grunde genommen herausragend und originell konzipierte Konsole mit dem falschen überhaupt keinem Software-Line-Up so richtig derbe an die Wand fahren kann (was sich auch in den derzeit miserablen Verkaufszahlen konsequenterweise widerspiegelt), hatte Microsoft eigentlich alle Trümpfe in der Hand, sich schon mal ordentlich für die künftige Konsolengeneration zu positionieren und gerade unentschlossene Konsolen-Liebäugler wie mich davon zu überzeugen, dass ihr Gerät in dieser Gen die richtige sein wird. Gerüchte im Vorfeld über einen Always-On-Zwang, eine zu starke Fokussierung auf periphere Bereiche wie Mediacenter-Brimborium und Social Network Crap, sowie das angeknackste Image Microsofts, nachdem Skype als als hässliche, kleine Spyware enttarnt wurde, beförderten zwar den Software-Giganten bereits im Vorfeld nicht unbedingt auf das Sympathie-Podest, aber die anständige Präsentation einer anständigen Konsole hätte davon so einiges wegwischen können…

Die XBox One (Symbolfoto)

…Und was soll ich sagen? Microsoft hats verkackt. Aber so richtig! So wie jemand ein Vorstellungsgespräch verkackt, indem er Witze über die Frau des potentiell zukünftigen Chefs gleich zu Beginn des Gesprächs reißt. So wie jemand seine Begnadigung vor Gericht verkackt, indem er auf der Anklagebank eine Todesliste mit allen vor Gericht Anwesenden erstellt und dabei erwischt wird, so wie ein 100m Läufer seinen finalen Lauf verkackt, indem er zwei Fehlstarts hinlegt und danach auf die Startbahn pinkelt. Es ist schon erstaunlich wie Microsoft nichts, aber auch so gar nichts aus den Steilvorlagen von Big N und Sony machen konnte. Das beginnt schon mit dem Grundkonzept der Konsole, die gestern eben nicht als High End Technik zum Spielen sondern als aufgemotztes Mediacenter präsentiert wurde. Schon klar, was Microsoft will, aber sie werden damit keinen Erfolg haben. Eine aufgemotzte Spielkonsole wird nie, nie, niemals, never ever für erwachsene Endkunden als Ersatz für einen HTPC oder ein Mediacenter der Konkurrenz herhalten. Dafür sind Apple, Google sowie die Smart TV Vertreter mittlerweile einfach zu stark aufgestellt – und werden den Vorsprung in Erfahrung und Kundenfreundlichkeit auch dieses, gerade dieses Jahr weitaus stärker ausbauen können. Was soll ich mit einem hässlichen schwarzen Plastikklotz mit hässlichem Controller und Windows8-Rudiment, wenn ich mir stattdessen eine schicke Google TV Box, Boxxee oder Apple TV device ins Wohnzimmer stellen kann, die zudem noch mit meinen anderen Gadgets weitaus besser kommunizieren, als es Microsoft jemals hinbekommen hat? Was soll ich mit einer Konsole Fernsehen schauen, wenn das mein Fernseher besser kann? Was mache ich, wenn mich Sport-Ergebnisse nicht die Bohne interessieren mit tausend Features, die allesamt auf American Sports optimiert sind? Maximal auf dem amerikanischen Markt könnte Microsoft mit diesem Konzept einen kleinen Achtungserfolg erzielen. Aber selbst dafür sehe ich schwarz, wird doch auch dort die Konkurrenz monatlich stärker und stärker… und bis Ende 2013 ist noch ne Menge Zeit.

Okay, okay, hier ist ein richtiges Bild

Aber selbst wenn man diese optionalen Zusatzfeatures – muss man ja nicht nutzen, wenn man keinen Bock drauf hat – außer Acht lässt, sieht bereits das Fundament der neuen XBox One alles andere als rosig aus. Klar, user Interface ist immer so eine Geschmackssache, mMn. hat sich Microsoft mit dem ganzen Kachellook von Windows vergallopiert, die Metro-Oberfläche ist überhaupt nicht mein Ding, und diese rudimentäre Umsetzung auf der XBox One lässt sowohl optisch als auch benutzungstechnisch nichts gutes erahnen. Geschenkt. Die Sony-Interfaces finde ich noch grausamer. Aber was zur Hölle soll dieses schrecklich inkonsequente UI zwischen Gesten-, Sprach und traditioneller Fernbedienung, zu allem Überfluss noch ergänzt durch Smart Glass Funktionen? Sprachsteuerung halte ich per se schon für einen schlechten Witz, überkommt mich doch immer eine gewisse Fremdenscham, wenn irgendwer in der Öffentlichkeit mit seinen Devices redet… aber wenn schon dann bitte konsequent! Dieser merkwürdige Hybrid aus verschiedenen Steuerungen schien mir nichts halbes und nichts ganzes zu sein. War es nicht niedlich, wie Yusuf Mehdi stolz mit seinen Händen das laufende Video griff, es zusammenzog und “XBox go home!” sagte, um kurz darauf ein Smartphone zu greifen, um in den Untermenüs zu blättern? Nein, verdammt, war es nicht! Was bringt eine Gestensteuerung, wenn man für feinere Navigation doch zum Pad oder Phone greifen muss? Was bringt Sprachsteuerung, wenn man zur Navigation doch auf andere Bedienmöglichkeiten umsteigt? Nichts! Aber auch gar nichts! Dann kann man gleich auf den hübsch anzusehenden, vollkommen überflüssigen Schnickschnack verzichten und sich gleich für die traditionelle Bedienung entscheiden.

Die Call of Duty Präsentation punktete v.a. mit realistischen, intelligenten Hunden (Kein Scherz, aber WTF!?)

Achja, Spiele gab es natürlich auch zu sehen. Während der Quantum-Break-Trailer zumindest Lust auf mehr machte – auch wenn das alles andere als Ingame war – dürfte die Enttäuschung der Egoshooter-Freunde umso größer gewesen sein, dass der Titel Halo nun auch noch sein letztes bisschen Interaktion verlieren soll. Ist ja auch irgendwie konsequent: In einer Zeit, in der Spielemacher Quick Time Events für die Höhepunkt der Spielkunst halten, ist der folgerichtige nächste Schritt, das Spiel als Spiel einfach abzuschaffen. Halo wird also zu einer TV-Serie, exklusiv auf XBox (wers glaubt), produziert von Steven Spielberg (gähn) und natürlich ein einmaliges, nie zuvor erlebtes blablabla… Da freut man sich doch fast über ein grafisch aufgehübschtes, zugegeben technisch durchaus beeeindruckendes, neues Call of Duty, NICHT! Mein Gott, der Titel wird sowieso auch auf der Konkurrenzkonsole erscheinen, und ob zusätzlicher, exklusiver Content wirklich die Investition in eine XBox One wert ist, wage ich arg zu bezweifeln. Ohnehin, ist das ganze Spielkonsolen-Thema (sollte es eigentlich nicht darum primär gehen?) von der selben Problematik begleitet wie bei Sony. Die XBox One ist technisch beeindruckend, keine Frage, aber im Grunde genommen von der Architektur nichts anderes als ein fürs Wohnzimmer flott gemachter PC. Und damit geht dann jede Exklusivität flöten. Wenn 90% der Titel ohnehin auch für die Playstation 4 und den PC erscheinen, scheint die Konsole für den Kauf als Konsole jede Existenzberechtigung zu verlieren… Nur, Sony hatte bei seiner Präsentation eben doch den ein oder anderen, vielversprechenden Exklusivtitel auf Lager. Bei Microsoft fehlte davon gestern jede Spur.

Wenn noch erschwerend die Tatsache hinzukommt, dass Kinect dann wohl ab sofort Pflicht ist (Oh ja, Billy, überwache nur meine Couch, stört mich nicht im Geringsten), der XBox-Controller trotz Verbesserungen am Digipad (endlich, endlich, endlich!) immer noch ein klobiges, hässliches Teil ist und man sich mit Microsofts Launen herumschlagen werden muss (Stichwort Onlinezwang, Stichwort Second Hand, Stichwort XBOX Live Preise, Stichwort keine Abwärtskompatibilität) sehe ich im Moment nicht den geringsten Grund mich auf dieses Konsolen/Mediacenter-Monster zu freuen. Das ist umso trauriger, weil mich Sony auch nicht annähernd zu 100% heiß machen konnte auf die Playstation 4, die ebenso besonders unter dem Problem leidet, ein Wohnzimmer-PC ohne eigene Seele zu sein.

Trotzdem freue ich mich auf die E3, wo dann sowohl Microsoft als auch Sony unter Beweis stellen können, dass sie auch abseits von großspurigen Versprechungen die richtigen Spiele – v.a. auch exklusive Titel – auf Lager haben, um sich vom direkten Konkurrenten abzuheben. Wer weiß, einige Killertitel könnten mich sogar wieder mit der XBox One versöhnen, aber auch nur wenn sie sich vom Egoshooter und EA-Einheitsbrei abheben. Bis dahin bleibe ich erst einmal hart und sage: Ein solches Teil kommt mir mit aktuellem – dünnen – Kenntnisstand nicht ins Haus.

Achja, und ich wage mal vorsichtig eine kleine Prognose: Microsoft wird nicht baden gehen, dagegen spricht allein schon die größtenteils positive Aufnahme der Zusatzfeatures durch die Mainstreampresse. Aber die XBox One wird die letzte Konsole des Software-Riesen sein, in der darauf folgenden Generation (XBox Two?) wird Microsoft versuchen sich mit den großen Media-Giganten Google und Apple zu messen und einfach auf das kostspielige Konsolen-Zusatzfeature verzichten. Sony gewinnt wieder die Hardcore-Zocker und wird diese mit einigen fulminanten Spieletiteln erfreuen. ABER, der große Gewinner dieser Konsolen-Generation wird Nintendo sein, sozusagen der lachende Dritte, den gerade im Moment niemand auf dem Schirm hat. Wenn Sony anfängt sich bez. Gebrauchtspielen, Online-Zwang etc. ähnlich in die Nesseln zu setzen wie Microsoft und wenn die beiden Geräte vom Spiele-Lineup praktisch nicht mehr zu unterscheiden sind, könnte tatsächlich Nintendo mit seiner Exclusive Policy, mit seiner “Scheiß auf State of the Art! Spiel einfach!”-Haltung und seinen hervorragenden Haustiteln selbst bei Hardcore-Gamern, die (wie ich) so einiges was bei der Wii schief gelaufen ist noch nicht verziehen haben, wieder Erfolge feiern. Klar, eine wagemutige Prognose angesichts der derzeitigen Verkaufszahlen der Wii U und auch angesichts des mehr als anegknacksten Images Nintendos insbesondere bei den Hardcore-Zockern. Aber ich glaube genau das wird passieren. Die Wii U wird sich urplötzlich so erholen, wie sich der 3DS erholt hat und sowohl Sony als auch Microsoft werden mit ihren NextGen-Monströsitäten. ganz schön Probleme haben Ende 2013 vernünftig auf dem Markt Fuß zu fassen. Die PS4 wird das Dank eines guten LineUps, einer Konzentration auf das Wesentliche (DAS GOTTVERDAMMTE SPIELEN!) gut abkönnen und mit Sicherheit ihr Publikum finden. Der XBox One dagegen prophezeie ich – zumindest auf dem Videospielmarkt – eine geradezu apokalyptische Zukunft. XBox go home!


4 Kommentare zu “XBox One Präsentation – XBox go home!

  1. /sign

    Kleine Anmerkung: Sky sollte Skype heissen, oder?

    Aber ob die WiiU wirklich noch die Kurve gekrazt bekommt? :/
    Iwie sieht es aktuell auf dem Konsolenmarkt sehr düster aus :(

    Lg Chriss

  2. “Kleine Anmerkung: Sky sollte Skype heissen, oder?”

    Jepp, nachdem Microsoft so viel von TV-Experience geschwafelt hat, musste sich dieser Fehler ja einschleichen. ;)

    “Iwie sieht es aktuell auf dem Konsolenmarkt sehr düster aus”

    Ja, finde ich auch. Vielleicht braucht die Industrie auch einfach mal wieder einen großen Crash wie den von 1983. Wenn ich mir anschaue, wie viele neue Konsolen – die alle das selbe machen – 2013 auf den Markt drängen (NVidia, Steam, whatever), ist ein solcher Crash dann auch gar nicht so unwahrscheinlich. Würde ja passen zum 30jährigen Jubiläum. Und irgendwo in der mexikanischen Wüste werden tausend Kopien von Call of Duty vergraben. ;)

  3. Bisher sehe ich die PS4 trotz der etwas zähen Präsentation weit vorne. Die WiiU und Xbox hauen die Konsolen mit Funktionen voll, die kaum ein Core-Gamer wirklich benötigt und die ein Alltags-User einzeln viel besser haben kann.

    Sky gibt es ja übrigens schon länger als To Go Version, ist aber ebenfalls kompletter Quatsch.

    Sony hat immerhin im Adventure-Bereich noch ein paar sehr heiße Sachen auf Lager und ist eh schon seit einiger Zeit breiter aufgestellt, als die Call Of Duty-Konsole.

  4. Naja, vom Design her erinnert sie ja auch schwer an die (alte) Sky/Premiere Receiver Box.

    Und mit etwas Glück platzt die Konsolen-Blase zusammen mit der Mainstream-AAA-Spiele-Blase.. hoffentlich..

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