re:publica 2013 Nachtrag

Shew… zwischen Magisterarbeit und Job bin ich nach wie vor leider noch im Blogvernachlässigungsmodus. Einen kleinen Nachtrag zur re:publica wollte ich trotzdem noch hier reintackern. Wie schon die Jahre zuvor war ich während des Großteils der Messe an meinen Arbeitsplatz gekettet (siehe Foto oben) und konnte deswegen exakt 0 (in Worten: Null) Reden und Workshops live miterleben. Meine Eindrücke vom Event beschränken sich daher zwangsläufig auf Rundgänge über das Gelände in den Pausen, die Videos von interessanten Vorträgen (die ich mittlerweile ganz gut abgegrast habe) und natürlich die Interviews, die wir zusammen mit Philip gedreht haben, bzw. die Gespräche mit deren Protagonisten davor und danach.

Für einen Überblick über die verschiedenen Sessions hat Michael Kreil (den wir auch für dctp.tv im Interview hatten) einen wirklich großartigen Übersichtsplan gecodet, auf dem ihr Links zu allen Aufzeichnungen der einzelnen Sessions findet. Besonders angetan hat es mir dieses Jahr die Session von Anne Wizorek, die noch einmal sehr detailliert – und empathisch – die Geschehnisse rund um #Aufschrei referiert, inklusive der Frage: Was hat #aufschrei überhaupt gebracht? Sehenswert für alle Netzkulturjunkies ist der Vortrag zur Geschichte der Internet-Meme, die beiden YouTube-Analysen, einmal von Bertram Gugel und einmal mit jungen Stars des Videoportals, sowie die Diskussion zum Thema Netzkultur versus Urheberrecht mit René Walter von Nerdcore und Ronny vom Kraftfuttermischwerk, der passenderweise gegen die hgm-Press diese Woche einen Teilerfolg gegen den Abmahnwahnsinn erzielt hat. Im etwas nerdigeren Bereich hat ich sehr viel Spaß mit der re:Fefe-Analyse, der Algorithmen-Ethik sowie der Robot-Ethik, an der dieses Jahr wohl kein Weg vorbei führte.

Ansonsten hatte ich das Gefühl, dass dieses Jahr zwei Momente besonders im Fokus standen: Das eine war die Familie, das andere war Bildung und Wissenschaft. Gerade ersteres hat sich meiner Meinung nach so stark wie nie zuvor gezeigt. Wenn man einfach mal dem Gedanken folgt, dass die re:publica in den letzten Jahren erwachsen geworden ist, liegt der Schluss nahe, da sie nun 2013 Kinder bekommen und eine Familie gegründet hat. Das zeigt sich zum einen in der Zusammensetzung des Publikums. Klar, die Teilnehmer die vor 6 Jahren in den späten 20ern steckten, sind nun Mitte bis Ende 30, haben geheiratet, Kinder gekriegt – oder wie Johnny und Tanja auch gleich ein Buch zum Thema verfasst. Da ist es nur folgerichtig, dass auf dem Gelände der Station Berlin von Montag bis Mittwoch verdammt viele Kinderwagen und Babys in Tragetüchern, aber auch ältere Kinder mit eigenen Gadgets und Interessen zu sehen waren. Dieses Gefühl “Da wächst eine jüngere Generation heran” verbunden mit dem Gefühl “Und wir gehören zur alten Generation” zog sich dann auch bis hinein in die Vorträge, in denen deutlich wurde, dass die jüngere Generation auch bereits selbst im Netz aktiv ist, und die Blogger-Urgesteine (oder so) ganz schön Probleme haben mitzukommen, bei dem, was bei den Webteens (oder so) von heute abgeht. Stichwort: YouTube. Ehrlich: Ich habe keine Ahnung von den Sachen, die Gronkh und Konsorten bei YouTube veranstalten und unterhaltsam finde ich es meistens auch nicht. Aber es verdient verdammt nochmal Respekt, dass da eine jüngere Generation das Netz noch mal als ganz eigene Spielwiese entdeckt, auf eine Art von der wir alten Säcke noch ne Menge lernen können. Zu dem Komplex kann ich dann auch nur das Interview von Philip mit Christoph Krachten empfehlen, in dem zumindest rudimentär – und verdammt unterhaltsam – die Möglichkeit eröffnet wird, in das Paralleluniversum YouTube einzutauchen.

Von diesem Moment der folgenden Generation ist es dann auch nur ein kleiner Schritt zum großen re:publica-Schwerpunkt Bildung und Wissenschaft. Dass digitale Fähigkeiten bereits in der Schule vermittelt werden sollen, mag vielleicht eine Binsenweishet sein, dass diesbezüglich die Bildungseinrichtungen ganz schön hinterherhinken keine große Überraschung: Trotzdem war es noch einmal interessant – und teilweise auch erschreckend – mitzubekommen, wie gering die Affinität von Schulen zur Netzwelt und zum Digitalen ganz allgemein ist, gerade weil sich in diesem Bereich zahllose Möglichkeiten eröffnen. Sowohl informativ als auch unterhaltsam war zu diesem Thema die Diskussion 21st Century Skills sowie das zur Ergänzung empfohlene Interview mit Schülervertreter Michel Schröder, das beweist, dass die Schulen in dem Fall doch ruhig öfter auf ihre Kundschaft – die Schüler – hören könnten und sollten. Leider nicht als Video verfügbar ist der Rant vom Pädagogen Jöran Muuß-Merholz, der wohl einigen Eindruck beim Publikum hinterlassen hat. Zumindest auf das sehenswerte Interview des selben mit Philip kann ich in diesem Fall uneingeschränkt empfehlen. Zum Thema Wissenschaft seien an dieser Stelle noch schnell das Gespräch Faszination Grundlagenforschung (Teilchenphysik), die Diskussion IN, SIDE, OUT of Science (mit Fischblogger Lars Fischer) sowie den Vortrag Debunking Conspiracy Theories empfehlen.

Falls es kulturwissenschaftlich etwas abgehobener sein soll, unbedingt noch Über das Digitale im Marionettentheater (das auch zumindest partiell mit meiner wissenschaftlichen Arbeit verknüpft ist) anschauen, ebenso die schräge experimentelle Performance Die vierte Wand als Twitterwall, sowie der wundervoll analoge Beitrag von Lothar Müller (von der Süddeutschen) über das Medium des Papiers. Und damit soll es erst einmal genug sein. Wie schon gesagt: Zu sehen gibt es online noch weitaus mehr, am besten gut sortiert im Messeplan von Michael Kreil. Zum Abschluss haue ich dann unten noch pflichtbewusst den Überraschungsvortrag von Sascha Lobo rein, der dieses Jahr mit einigen technischen Schwiergkeiten zu kämpfen hatte, aber dennoch einen launigen Vortrag brachte, der zumindest vom Gefühl her sowohl unterhaltsamer auch als informativer als der letztjährige war. Alles in allem war die re:publica auch 2013 mal wieder großartig, und wie gehabt freue ich mich verdammt aufs nächste Mal. In dem Sinne…


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