Hörenswertes Frühling 2013 II: Phoenix, Junip, Frank Turner, Ghost B.C.,!!! (Chk Chk Chk)

Wie angekündigt widmen wir unsere Hörenswertes-Rubrik den ansteigenden Temperaturen und der sich bessernden Laune. Selbst die Okkult-Rocker von Ghost B.C. machen mit und lassen bei allem Düster-Image auch Selbsrironie durchblicken, Phoenix wagen großes Kino, Junip mögens es ruhig und Frank Turner begeistert die Massen. Als klarer Sieger gehen diesmal aber Chk Chk Chk hervor und bringen den Groove in den Frühling.

Phoenix – Entertaiment

(Warner, 19.04.2013)

Die Franzosen mögen es ja irgendwie immer etwas chic, trendy und buchstabieren Pop in Großbuchstaben. Es mag zwar im Filmbereich die New French Extremity geben, aber musikalisch sind unsere Nachbarn immer noch Schöngeister und vom sonnigen Gemüt. Gerade die schwarze Musik der 70er und 80er  scheint es ihnen angetan zu haben und so beliebt Phoenix funky und basslastig zu sein. Phoenix begannen mit einem okayen Album namens United und waren bis auf das Rock-Album Alphabetical immer dem barocken Glam zugetan. Nachdem das letzte Album bei Kritikern gut ankam und auch viele Käufer fand geht die Band dieses Mal ihrer eigenen Meinung nach noch einen Schritt weiter, während sich der Rezensent fragt ob damit nicht eher die Breite gemeint war. Wäre das hier ein Film, hätte sich Michael Bay mal wieder selbst übertroffen, soviel Candy fließt über die zuckersüßen Pop-Nummern. Mag sein, dass es irgendwie ironisch gemeint war, trotzdem ist das hier weder unterhaltend noch irgendwie wirklich gut.

Junip – Junip

(City Slang / Universal, 19.04.2013)

Von hibbeligen Bombast-Pop also zu den ruhigen und eleganten Junip. Die Band von Jose Gonzalez, auch bekannt als der Typ mit der Samt-Stimme, könnte oder sollte eigentlich schon länger den Status von sagen wir mal Mumford & Sons haben. Das sollten ja auch schon Frightened Rabbit, aber vielleicht sind die auch alle zu gut um in den USA Stadien zu füllen. So ganz kann man sich diesen ausgefeilten Folk-Pop, der auch gerne mal in Krautrock-Jams endet, vor einem großen Festival-Publikum nicht vorstellen, außer wir reden hier über das kleine und freundliche Haldern-Gemeinde. In diese Wohlfühl-Atmo im positiven Sinne passt die Band perfekt rein und verleitet dazu, sich von Sonnenstrahlen das Gesicht verbrennen zu lassen, während man wunderbar beschwipst im Gras liegt. Eine weiterhin tolle Band hat ein weiteres tolles Album aufgenommen. Manchmal ist alles wirklich so einfach und mit dieser Musik ist ohnehin alles noch einfacher.

Frank Turner – Tape Deck Heart

(Universal, 19.04.2013)

Ich lehne mich mal einfach weit aus dem Fenster und behaupte: Das hier ist Mädchen-Musik,zumindest für die Mädchen die nicht so viel Wert auf Anspruch legen, sondern einen schnuckeligen Typen auf der Bühne mit seiner Band anhimmeln wollen. Frank Turner sieht schon aus wie Moneybrother, das vorige Role Model für weibliches Publikum in der Zwischenphase von grauenhaften Teenie-Pop und auf dem Weg zu den wirklich großartigen Sachen, die im Verborgenen lauern. Also genau dieses Mittelmaß, auf das sich viele einigen können und so versucht der Mann aus HH auch gar nicht sein Erfolgsrezept zu verändern oder um interessante Facetten zu erweitern. So bleibt gefälliger Radio-Folk-Pop, der irgendwie im Hintergrund läuft, während Turner mit aufknöpftem Hemd in wahrscheinlich bald großen Konzerthallen Menschen glücklich macht. Nicht schlimm, aber gibt es eigentlich schon mehr als genug.

!!! (Chk Chk Chk) – Thr!!!er

(Warp, 26.04.2013)

Wollen !!! die Nachfolger von Hot Chip werden? Keine Ahnung, aber ich glaube ich habe außer dem Debüt von Maximo Park kaum ein derart poppiges Album auf dem Quer- und Freidenker-Label Warp gehört. Thriller ist absoluter Funk und könnte auch auch ein neues Simian Mobile Disco-Album passen, so sehr treibt der Groove auf den Dancefloor. Mit dem Album wird nun der Frühling endgültig eingeläutet und vertreibt die dunkle Jahreszeit bis zum nächsten Herbst. Ach so, das Album-Cover ist natürlich mal wieder genial, aber was anderes erwartet man ja schließlich auch nicht von einem Warp-Act und besser als Daft Punk ist das fünfte Album der New Yorker eh. Da kann man sich sogar nen Blues-Electro-Rocker wie Station zum finalen Schluss gönnen. Sowas von gut!

Ghost B.C – Infestissumam

(Universal,19.04.2013)

Hier hat jemand in Sachen Imagepflege und Marketing seine Hausaufgaben gemacht. Schaut man sich die Facebook-Seite der vermeintlichen Okkult-Rocker an stößt man auf eine Menge Humor und Selbstironie. Sänger Papa Emeritus tritt zudem bei Live-Aufttritten als Anti-Papst auf, inkl Skelelett-Schminke, und lässt damit keinen Zweifel das Ghost B.C. wichtig ist, eine große Rock-Show zu liefern. Die Musik dagegen ist normaler Hardrock,der mal wieder Black Sabbath huldigt und sich direkt neben den Seelenverwandten von  The Devils Blood plaziert, die ihre Wurzeln ebenfalls im härteren 70er-Rock haben. Hier lohnt es sich dann doch eher das Geld für ein Ticket für die Live-Konzerte auszugeben und zu den satanischen Botschaften abzurocken.

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