Hörenswertes Frühling: The Knife, When Nalda Became Punk, Tyler The Creator, James Blake

Endlich! Das erste Mal nach Ewigkeiten wieder vor die Tür gehen und zur Abwechslung keine sibirische Kälte, die einem im Wind um die Nase weht, sondern Grill-Geruch von Nachbars Garten und überall aufhellende Häuser-Fassaden und glückliche Gesichter. Naja, etwas übertrieben, und ich bin eigentlich noch zu sehr im Winter-Modus gefangen, als dass ich einfach so dem sonnigen Sonntags-Braten trauen könnte, aber dafür gibt es ja auch passende Musik, die einen in den Groove bringt. The Knife sind allerdings eher was für halluzinogene Trips, Tyler ist nun doch ein Sunnyboy, James Blake wehklagt weiterhin und When Nalda Becomes Punk haben wohl als einzige wirklich den Wetterwechsel registriert. Nächstes Mal wird es richtig poppig und bis dahin gönnt euch mal ein leckeres Eis, Stracciatella oder Nuss.

The Knife – Shaking The Habitual

( Cooperative,05.04.2013)

Sieben Jahre haben sich The Knife Zeit genommen, um wieder einen Electro-Bastard auf die Menschheit los zu lassen. Afrika-Rhythmen und Shouts, die an LCD Sound System erinnern beginnen den Wahnsinn, der mich immer wieder an die ebenfalls großartigen Leftfield und ihr 90er Meisterwerk Rythm & Stealth denken lässt, wo futuristische Funkiness auf kühle und bedrohliche Beats treffen. The Knife mixen so ziemlich alles, was Klang macht, in dieses Potpourri an schrägen Einfällen, die auch mal in Industrial-Welten wie “A Cherry On Top” abdriften, was den Einstürzenden Neubauten gefährlich nah kommt, oder auch minutenlange Reisen in Ambient-Gefilde unternehmen, die gut in Gaspar Noes Trip Enter The Void gepasst hätten. “Shaking The Habitual” ist ein Album, das einem sicherlich die ein oder anderen vergleichbaren Alpträume beschert und wirkt damit umso intensiver nach. Bitte wieder mehr hier von und weniger Pop-Electro aus der nächsten Handy-Werbung.

Tyler, The Creator – Wolf

(Sony, 05.04.2013)

Abseitigkeit wird auch dem jungen Herrn Tyler Okonma nachgesagt, der vor 2 Jahren ein kompromissloses und sperriges Album aus dem Underground produzierte und damit mit seinen weirden Freunden von dem Kollektiv Wolf Gang Kill Em All dermaßen einschlug, das sich das alles plötzlich als eine Alternative zu den dümmlichen Eurodance-Ausflügen der Mainstream Hip Hopper anbot. Nach dem großen Hype, vor allem um Mitglied Frank Ocean, der mit “Orange Channel” die Charts von hinten aufrollte und sehr viel Pop zuließ, war man nun gespannt wie sich das ehemalige Enfant Terrible auf seinem zweiten Album präsentieren würde. Zumindest musikalisch dürften alle diejenigen geschockt sein, denen es nicht hardcore und sperrig genug sein. Das Intro Wolf ist ein anfangs astreines Soul-Stück, was aber schon mit beeindruckenden viele F-Wörtern reinhaut und danach wird es auch wieder gewohnt gemein und böse. Tyler fährt immer noch die Zähne aus, aber nach der doch etwas arg gewollten Verweigerung auf dem Vorgänger kommt man nun schneller in das Album rein und fast würde man schon das vernichtende Todesurteil “erwachsen” in den Mund nehmen, wenn Tyler auch nicht auf diesem Album kindische Freude daran hätte alles und jedem ans Bein zu pissen. Diesmal umarmt er einen allerdings mit teilweise ungewohnter Souligkeit, bevor er einem das Messer in die Eingeweide rammt.

James Blake – Overgrown

(Universal,05.04.2013)

Die einen polarisieren indem sie wie Tyler extrem viel zu sagen haben, andere wiederum ernten Kopfschütteln und Ablehnung weil sie zu introvertiert wirken. James Blake verlangsamt den Soul auf Slo-Mo und entkernt den Pop bis fast nur der Hauch eines Beats übrig bleibt. Das kann man mögen und zu der wirkliche beeindrucken Coverversion von Feists “Limit To Your Love” dahin schmelzen oder aber auch eine Egal-Stimmung aufkommen lassen, weil die Songs auf dem letzten Output so unaufdringlich waren, dass man sie kaum noch wahrnahm. Bei Overgrown kann man sich auch nicht sicher sein, klinisch perfekten 80er-Soul zu hören, der einen irgendwie unangenehm an Sade oder Simply Red erinnert oder die Zukunft des Pop, wie einem viele Musikzeitschriften weiß machen wollen. Overgrown ist auf jeden fall ein kleiner Schritt raus aus der Anoymität und das Bemühen von Blake diesmal auch Songs zu erschaffen der richtige Weg. Doch trotzdem bleibt die Distanz, die es einem unmöglich macht in die Songs einzutauchen, zu perfektionistisch und ohne Kanten ist Overgrown geraten, nur die Collabo mit RZA lässt etwas digitale Dreckpartikel zu. Hoffentlich nimmt ihn der Wu Tang Mastermind mit auf einen Ausflug in den Schmutz der Straßen, es täte dem immer noch verspannt wirkenden Wunderkind gut.

When Nalda Became Punk – Farewell To Youth

(Shelflife, 05.02.2013)

Irgendwie bisher gar nicht mal viel Musik für den sonnigen Frühling, oder ? Wer es nun nicht verkopft sondern jugendlich euphorisch mag, der  ist dann bei den Spaniern von When Nalda Becomes Punk sehr gut aufgehoben. Die haben gerade das Album gemacht, das The Pains Of Being Pure Heart zwar nicht wirklich vom Twee-Pop-Thron schmeißt aber doch ein hübscher Snack bis zu deren nächsten Album ist. Fröhliche-Melancholische Hits über Spaß, Traurigkeit und Liebe, dazu den Sandstrand bei Sonnenuntergang vor den Augen machen dieses Album zum ersten Begleiter für die schönste Jahreszeit. Mal sehen ob man das am Ende des Sommers auch noch so sieht, aber momentan will man mit diesem Album händchenhaltend durch die Gegend springen.

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