Hörenswertes Winter 2013 III: Karl Bartos, Daughter, Depeche Mode, Devendra Banhart, Kvevertak

Winter? Winter! Mir ist bewusst, dass wir hier Frühlingsanfang haben, aber nachdem mir gerade nach einem Kurztrip in den Supermarkt das Gesicht eingefroren ist  – und ich mich danach am liebsten in den Backofen zum Auftauen gelegt hätte – verzichte ich mal auf das meteorologisch korrekte Frühling in der Headline. So richtig warm ums Herz wird einem bei den wirklich bezaubernden Daughter, Karl Bartos erzählt von früher, Depeche Mode verlieren sich in der Gegenwart, Devendra Banhart macht auf seriös und Kvevertak müssen sich in der Bild-Zeitung nun schon als Hipster-Metal bezeichnen lassen.

Karl Bartos – Off The Record

(Bureau B / Indigo,15.03.2013)

Kraftwerk auf Easy Listening? Bisher konnte ich mir das nicht vorstellen, aber das zweite Solo-Album von dem Ur- und Ex-Kraftwerk-Mitglied Karl Bartos belehrt mich da eines Besseren. Richtig schön spacig und Vintage fangen die Songs an, zu denen Bartos Melodien und Gesangslinien hinzu fügt, die einen irgendwie eher an kitschige 80er-Serien erinnern als an den strengen Takt der Düsseldorfer Legenden oder an den Electroclash-Sound Anfang der 00er Jahre. Jedenfalls interessant zu beobachten, wie auch Electro schon seit einiger Zeit eine eigene Classic-Schiene fährt, auf der sich Bartos sicher bewegt, auch wenn er  dem typischen 80er-Kraftwerk-Sound wenig Neues abringen kann. Aber Rock-Bands wie AC/DC ändern ihren Trademark-Sound ja auch nicht, warum sollte es dann der Mitbegründer des Electro-Sounds tun? Wer also mal wieder so richtig Bock auf knarzende und brummende Synthies und Vocoder hat kann sich hier ein schön-nostalgisches Album einer Legende zu Gemüte führen oder bei den etwas fresheren Enkeln von Stabil Elite vorbei schauen.

Daughter – If you leave

(4AD / Beggars / Indigo,15.03.2013)

Girls, Boy, Father Abraham, Brother Ali…was fehlt eigentlich noch so an familiären Bandnamen? Genau, eine Band namens Daughter, die sich über die Grenzen des Folks hinwegsetzen und Richtung Ambient Ausschau halten. Als ob diese Band aus London gewusst hat, wie sehr uns der Spätwinter dieses Jahr im Griff haben würde und daher doch ab und zu eine Ahnung von Frühling hinein wehen lassen muss. So bricht in die Traurigkeit immer wieder eine Aufbruchstimmung, die aber zu fragil ist, um die feine und intime Stimmung des Album zu stören. Falls Sigur Ros so rein zufällig auf diesem Blog vorbei schauen: Erinnert ihr euch noch wie solche Songs gehen und wie vieles in letzter Zeit bei euch auf der Strecke geblieben ist? Hier ist auf jeden Fall schon mal eines der schönsten Alben des Jahres.

Depeche Mode – Delta Machine

(Columbia / Sony,22.03.2013)

Ich wiederhole mich gerne noch einmal. Alben, auf den es Depeche Mode dreckig geht >>>>>>>> Alben, in denen sie sich aufgeräumt präsentieren. Delta Machine klingt wie das Produkt eines Meetings, in dem sich Dave, Martin und Fletch ein Mindestmaß an Respekt zugestanden haben und alle noch schnell ihren Flieger um 18 Uhr bekommen wollten. Ein lauwarmer Aufguss des eh schon reichlich flüssigen Sounds Of The Universe, was Gores gewachsenes Interesse an der Dekonstruktion von Song-Strukturen präsentiert, aber dafür wenig zwingende Ideen. Wo das Vorgänger-Album schon vorbei gerauscht ist, nimmt man diesmal kaum noch einen Hauch wahr, eine Ahnung von Spannung wird durch Monotonie erfolgreich zur Strecke gebracht. Viele sehen in den 90ern eine Ermüdungs-Phase der Band, nach diesem Album lässt sich ernüchternd feststellen: Die haben sie sich für ihre Alters-Phase aufgehoben.

Devendra Banhart – Mala

(Warner, 15.03.2013)

Hurra, die Metal-Band mit dem unaussprechlichen Namen ist zurück und als erstes fällt natürlich wieder das geniale Artwork von John Baizley auf, für das man sich am Merch-Stand schon prügeln müsste. Zweitens nimmt man schockiert zur Kenntiss das Meir auf Bild.de präsentiert als “Hipster-Metal” als Stream angeboten wird. Nachdem man diese eklige Kröte runtergewürgt hat und sich mehrmals erinnern muss, dass es sich hier um eine Koop mit dem Metal Hammer handelt, der zur gleichen Verlagsgruppe gehört wie die vier großen Buchstaben, kommt man wieder in den Genuss eines irrwitziges Trips durch Crust-Punk, Prog, Bombast-Metal und Hardrock.

2 Kommentare zu “Hörenswertes Winter 2013 III: Karl Bartos, Daughter, Depeche Mode, Devendra Banhart, Kvevertak

  1. Schön das in der Liste auch Depeche Mode dabei sind. Ich habe ihren Auftritt beim Echo gesehen und finde sie immer noch klasse. Ein Konzertbesuch in diesem Jahr steht auf alle Fälle auf dem Programm. Obwohl ich da auch auf einige ältere Hits von ihnen hoffe.

  2. Ich habe ja hier eine Rezension zu Faith and Devotion geschrieben und DM gehören auf jeden Fall zu den ganz wichtigen Bands meiner Jugend.

    Sounds of The Universe und Delta Machine finde ich allerdings leider schwach.

    Ein Konzert würde ich mir bei einem hohen Anteil älterer Songs auf jeden Fall geben! Dave ist sicherlich einer der charismatischsten Sänger überhaupt! :)

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