Die 90er Jahre: Die besten Indie-Alben des Jahrzehnts II

Willkommen zurück in der charmanten Unfertigkeit und dem genialistischen Unperfektionismus der besten Indie Alben der Neunziger. So schluffig neben der Spur wie The Breeders, The Vaselines, Belle & Sebastian, Spiritualized und Guided By Voices konnten es eben nur wenige Bands. Die genau richtige Musik für gemütliche Slacker, die keinen Bock auf depressive Destruktion, aber auch nichts mit der Karrieregeilheit ihrer Eltern zu tun hatten. Also macht euch doch einfach locker und chillt zu den folgenden Bands.

The Breeders – Last Splash

(4AD,1993)

Natürlich, wer kennt ihn nicht? Diesen Semi-Hit namens Cannonball mit dem Proto-Grunge, den schon Kim Deals andere Band The Pixies entwarf und der auch auf Last Splash ohne Probleme zur Geltung kommt. Sicherlich überwiegt hier die kaputte Lo-Fi-Ästhetik aber auch wunderbare Shoegaze-artige Hymen wie Invisible Man, deren Harmonien von den Beach Boys sein könnten und einfach eine schöne Pop-Nummer im schmuddeligen Noise-Gewand hervorzaubern. Überhaupt geben sich die Pixies Bassistin und ihre Schwester ungewohnt zahm und mitunter fast schon schön verträumt. Ein hervorragendes Album wie aus einem Guss und so ziemlich die Blaupause für viele nachfolgende Schrammelbands mit Pop-Appeal.

The Vaselines -The Way of the Vaselines: A Complete History

(Sub Pop,1992)

Die größte Aufmerksamkeit dürfte die Band aus Schottland durch Kurt Cobains Cover-Version von “Jesus don´t want me for sunbeam” bekommen haben. In den 90ern traten sie sogar als Vorgruppe der Grunge-Helden auf. The Way of The Vaselinesist schöne Compilation, voll mit kaputtem Noise-Pop, der Lo-Fi Punk mit bezaubernden Folk-Melodien verbindet. Die genau richtige Band für eine schmuddelige Studenten-Bude in Edinburgh, bei Pisswetter mit zerrissenen Jeans über die Princess Street zu laufen oder bekifft mit seiner Freundin im Park zu liegen. Europa konnte auch schrammelig und dabei nett sein.

Belle & Sebastian – If you`re feeling sinister

(Jeepster Records,1996)

Nicht ganz so weit von den Vaselines, und zwar im ungleich hässlicheren Glasgow, wurde aus einer grauen Sozialarbeiter-Tristesse ein bis heute wunderschönes Indie-Projekt geboren. Verträumte Indie-Folks Songs mit tollpatschigem Nerd-Charme waren lange genug ein gut gehüteter Geheimtipp, bis endlich Ende der 90er und vor allem in den 00er Jahren die verdiente Ernte für hochwertige Alben eingefahren wurde. Wie schön der Albumtitel sagt: “Wenn du dich schlecht fühlst…” ja , dann hör einfach in dieses Album rein und lass dich von den fragilen Songs aus deinem Schwermut heraus reißen.

Spiritualized – Ladies and Gentlemen, We Are Floating in Space

(Dedicated,1997)

Wer dieses Album bei den Britpop-Alben vermisst hat: Es war nie Britpop und ist auch heute noch seine ganz eigene Liga. Shoegaze-Pop, orchestrale Gospel-Lieder und Psychdelic laden ein zur Fahrt in die Unendlichkeit und weiter. Ein größenwahnsinniges Projekt, das seine Macher enorm viel Aufwand und Arbeit kostete, aber bis heute der Höhepunkt im Schaffen von Spiritualized darstellt. Sämtliche Tracks verschmelzen auf dem Album zu einem gemeinsamen Fluss und pumpenden Groove. Die Kritiker vom NME waren sogar so begeistert, dass sie das Album noch vor dem gehypten Ok Computer auf Platz Eins bei der Wahl des Jahres 1997 setzten.

Guided By Voices – Bee Thousand

(Scat, 1994)

Wer auch immer Lo-Fi mit Lo-Quality gleichsetzt gehört natürlich geschlagen. Hinter einer absichtlich rauen Produktion verstecken sich auch bei Guided By Voices großartige Pop-Nummern, wie der Indie-Hit “I`m a Scientist”. Daneben reihen sich noch 19 andere Songs auf gerade einmal 36 Minuten zu einem Manifest an nerdigen DIY-Rock, dessen rumpeliger Charme immer kleine Querverweise an den 60er-Rock britischer Band und deren Melodienverliebtheit in petto hat. Eindeutig ein Album zum Liebhaben und für die Spätgeborenen hat GBV-Chef Pollard derzeit sogar wieder seine 90er-Mitstreiter an Bord und ist auf Reunion-Tour.

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