Tropes vs. Women in Video Games: Damsel in Distress

Anita Sarkeesian aka feministfrequenzy hat endlich ihr erstes Video zu der mehrteiligen Serie Tropes vs. Women in Video Games veröffentlicht (von deren Kickstarter-Kampagne ich an früherer Stelle schon mal berichtet habe) und wie zu erwarten war gab es auch schon die ersten hysterischen Reaktionen aus der Videospielszene. Das Video selbst ist erwartungsgemäß verdammt gut geworden und behandelt das klassische Klischee der “Damsel in Distress”, wie es vor allem in Nintendo-Spielen der 80er und frühen 90er Jahre im Grunde genommen bis heute tausendmal durchgekaut wurde. Und eigentlich könnte es mir auch egal sein, was ein paar pubertierende Gamer – die sich nie mit Feminismus, Gender- und Kulturwissenschaft auseinandergesetzt haben – dazu für geistige Diarrhö absondern müssen, aber dafür liegt mir das Thema “Videospiele als Kulturgut” dann doch irgendwie zu sehr am Herzen, als dass ich dieses großartige Medium den gedankenlosen Zockern überlassen wollte. Anyway, im 4players-Forum ist mir schließlich der Kragen geplatzt und den (etwas längeren) Rant, den ich da abgefeuert habe, will ich euch nicht vorenthalten. Den gibt es nach dem Klick, jetzt erstmal das großartige 20minütige Video und die Bitte an alle Gamer, sich das Teil vorurteilslos anzuschauen und bevor sich der Schaum vorm Mund entwickelt zu bedenken: Niemand will euch euer Hobby kaputt machen, aber zu der Akzeptanz eines Mediums als Kulturgut (und genau dahin sollen mMn. Videospiele kommen) gehört nun mal auch die kritische Auseinandersetzung mit den Inhalten dieses Mediums. Und auch wenn ich Sarkeesian hier zu 100% zustimme, kann ich die ganze Mario- und Zelda-Franchise immer noch mit viel Begeisterung spielen. So viel dazu.

This video explores how the Damsel in Distress became one of the most widely used gendered clichés in the history of gaming and why the trope has been core to the popularization and development of the medium itself.

As a trope the Damsel in Distress is a plot device in which a female character is placed in a perilous situation from which she cannot escape on her own and must then be rescued by a male character, usually providing a core incentive or motivation for the protagonist’s quest.

4players-Rant by me:

Sorry Folks, aber dieser Thread wirft echt kein gutes Licht auf die Videospielszene und dieses Forum im besonderen.

Anita Sarkeesian referiert sachlich und ohne Aufregung über sexistische Stereotype in Videospielen, in dieser Folge über einen Tropus, dessen Klischeehaftigkeit und permanente Nutzung in der Kultur wohl kaum jemand leugnen kann, der sich ein wenig in Kulturgeschichte und Kulturwissenschaft auskennt.

Und wie von der Tarantel gestochen springen hysterische Antifeministen aus ihrer Deckung hervor und kreischen sich was zurecht von wegen Feminazi, Rumgeheule und Gehirnwäsche. Sagt mal, hackts? Es geht hier um einen spannenden, kulturwissenschaftlichen Beitrag zu Klischees in Videospielen und einige Videospieler regen sich auf, als ob jemand ihnen ihr Hobby kaputt machen wollte (v.a. so lächerlich, weil Sarkeesian selbst begeisterte Spielerin ist) . Da sind die Film- und Literaturszene ganz offensichtlich viel weiter als die Videospielszene, gehören doch genau solche kritischen Auseinandersetzungen mit bestimmten Sujets zum klassischen Repertoire eines jeden Cineasten und Bibliophilen (inklusive kritischer Auseinandersetzung mit den großen Ikonen des jeweiligen Mediums). Gerade eine solche hysterische Reaktion (tausendmal hysterischer als jede Feministin nach Aussagen der selbsternannten männlichen Verteidigern der Videospielkultur jemals sein könnte) steht symptomatisch für das Problem der Videospielszene, sich mit ihrem Medium auch als Kulturgut auseinanderzusetzen. Aus vielen Beiträgen hier spricht offensichtlich fehlende Reife, Sexismus, Null Verständnis für kritische Kulturwissenschaften, null Verständnis für den Aufwand so etwas zu recherchieren und zu produzieren, null Verständnis für Genderforschung, Kulturgeschichte und kritische Medienrezeption im allgemeinen. Eigentlich müsste jeder Videospieler, der sich zu dem Medium hingezogen fühlt und sich – abseits vom bloßen Zocken – gerne damit auseinandersetzt (also die wahren Core-Gamer), bei zahllosen Beiträgen hier an den Kopf schlagen oder mit Schamesröte im Gesicht abwenden. Echt jetzt, das ist der im Grunde genommen großartigen Videospielkultur nicht im geringsten würdig… einfach ein peinliches Trauerspiel.

Achso, vielleicht noch als kleines PS. Als dieser grauenhafte TV-Bericht, Videospieler als zurückgebliebene, asexuelle Außenseiter dargestellt hat, war die Empörung im Videospiel-Feuilleton und den entsprechenden Foren (berechtigterweise) groß. Wurden doch auch an dieser Stelle sattsam bekannte, uralte und dämliche Klischees wiedergekaut. Stellt euch mal vor, damals wären hier TV-Macher oder einfach nur TV-Zuschauer vorbei gekommen und hätten euch gesagt, ihr solltet euch nicht so haben, das wäre doch kein Problem, ihr wärt nur Gamer-Nazis und wolltet Gehirnwäsche betreiben? Die Antwort wäre wohl auch – und vollkommen zurecht – “Hackt’s?” gewesen. Gerade als Videospieler müsstet ihr wissen, wie ätzend es ist, in ein bestimmtes Klischee gedrängt zu werden und wie wichtig es ist auf dieses Klischee hinzuweisen und gegen dieses mitunter auch zu kämpfen.

Ein Kommentar zu “Tropes vs. Women in Video Games: Damsel in Distress

  1. Schön wenn jemand mal unaufgeregt und sachlich über dieses Thema berichtet. Allein die Tatsache das die Videos zu einer Hate-Kampagne gegen diese Frau im Internet geführt hat zeigt doch, das Anita Sarkeesian mitten ins Schwarze getroffen hat.

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