Die 90er Jahre: Die besten Indie-Alben des Jahrzehnts I

Moment, war Alternative nicht Indie und umgekehrt? Jein, wo Alternative Rock tatsächlich am Anfang noch eine Alternative zum dumpfen Mainstream war wurde schnell alles was irgendwie grungig war oder den Alternative-Style trug in diese Schublade gesteckt. Indie hingegen waren Querdenker oder notorische Mainstream-Verweigerer wie Neutral Milk Hotel, dessen kreativer Kopf Jeff Mangum die Öffentlichkeit scheut wie kein anderer. Travis hingegen schafften mit The Man Who den Durchbruch in den Mainstream, was nicht an Anbiederung lag sondern an einem zeitlosen Meisterwerk, dessen spröder Charme nie vergehen wird.

Travis –  The Man Who

(Independiente,1999)

Zeitlos. 13 Jahre später und auch noch mindestens 100 Jahre später wird The Man Who ein Klassiker bleiben, dessen Hymnen und versponnenen Folk-Songs den Test der Zeit bestehen werden. So klar wie schottisches Felsquellwasser und wärmend wie ein gut gereifter Whiskey kamen Travis aus Glasgow als New Metal die Muskeln zeigte und Britpop anfing schal zu schmecken. Zusammen mit Radiohead-Produzent Nigel Godrich schuf man 10 melancholische Songs für die Ewigkeit und der Satz der Rolling Stone -Rezension aus dem Jahr 1999 hat immer noch bestand: “Verpassen sie um Himmels Willen nicht dieses Album – es gibt nicht mehr viele davon.”

Dinosaur Jr. – Without A Sound

(Blanco y Negro/Sire,1994)

1991 experimentierten Dinosaur Jr noch mit Electro-Einflüssen und spielten straighten Punk… natürlich nicht. Dinosaur Jr. klangen schon damals wie sie eh auf allen später nachfolgenden Alben klangen. Schön-Schauriger Nicht-Gesang und verquere Solis inmitten von Lo-Fi Pop können eben nur die Jungs aus Kalifornien so geil und auf dem 1994er-Album gab es mit Feel The Pain sogar einen kleinen Hit, welcher durch das Video von Spike Jonze absluten Kulstatus erreichte. Eigenbrödler J. Mascis hat es bestimmt mal wieder wenig interessiert und so schraubt er einfach weiter notgedrungen mit seinen Kollegen Lou Barlow und Murph an der ur-eigenen Mixtur aus Punk, Metal und Lo-Fi.

My Bloody Valentine – Loveless

(Creation,1991)

Momentan ist man ja wieder übersättigt von den ganzen Shoegaze-Bands, dabei war es eine zeitlang so still um dieses Genre mit den wabbernden Gitarrenwänden und den viele Effekt-Geräten auf der Bühne. 1991 begaben sich My Blood Valentine mit einem damals für eine Indie-Band nicht gerade geringen Budget von 250.000 Pfund in die Studios und erschufen einen Koloss, der dröhnt und dröhnt und dröhnt und alles gnadenlos unter sich begräbt. Ein Meer aus 1000 Effekten oder mehr und großer Einfluss auf später sehr erfolgreiche Bands wie The Smashing Pumpkins.

The Dismembert Plan – Emergency & I

(DeSoto Records, 1999)

Ihr habt euch gerade duch die gesamte Pavement-Discographie gewühlt und könnt einfach nicht genug von diesem Sound bekommen? Et voila, hier sind  oder eher gesagt waren The Dismembert Plan, die sich 2003 auflösten. Wahnwitzige Rythmus-Wechsel, funky Grooves und trauriger Indie-Pop erwarten den Zuhörer, der gar nicht so gefordert wird wie man bei dieser Mixtur annehmen könnte. Wer eine Band sucht, die das Emotionale aus At The Drive In extrahiert und diese geschmeidig in progressiven Rock führt, hat hier die perfekte Möglichkeit dazu und kann sich das 2011 erschienene Re-Issue (natürlich nur Vinyl-only) zu Gemüte führen. Gänsehaut-Garantie gebe ich gleich mit.

The Beta Band – The Beta Band

(Regal, 1999)

Was ein unsäglicher Hype, den die britische Musikzeitschrift NME um die Band initierte und irgendwann hätte man das Haus seiner Eltern verkauft nur um an die legendäre Three Ep`s ran zu kommen. Sogar eine Erwähnung in der Hollywood-Komödie und Nick Hornby Verfilmung “High Fidelty” schafften die sagenumwobenen Scheiben. Vielleicht war es übertrieben hier ein neues Nevermind und Anarchy In The Uk-Album zu sehen und nach dem Hype stellte sich aufgrund der übermenschlichen Erwartungen eine leichte Enttäuschung und trotzdem spätere Zufriedenheit ein, spätestens dann, wenn man erkennt, was für grandiose Spinner die Beta Band war und wie schön trippige  Samples zusammen mit Folk-Rock passen können. Wie große hätte diese Band aus Edinburgh werden können, hätte man sie in ihre Ideen gedeihen lassen. So muss man auch hier traurigen Herzens ein Auflösung verbuchen und auf die Doppel-DVD “The Best of The Beta Band” verweisen.

Yo La Tengo – I Can Hear the Heart Beating as One

(Matador Records,1997)

Eine absolute Indie-Institution sind Yo La Tengo, die kultisch veehrt werden, einen Auftritt im Abspann der Simspons bekamen, aber eigentlich kaum nennenswert in den Charts auftauchen. Was soll der durchschnittliche Radiohörer auch mit dem versponnen Indie-Pop anfangen, der irgendwie noch eine Spur schräger als Pavement klingt und so schön verdrogt LSD-Wolken aus den Boxen haut, dass Andy Warhol wohl mit ihnen eine Neuflage von Velvet Underground gewagt hätte. Selten hat Lazyness in den 90ern so großartig wie auf diesem Bastard aus Shoegaze, Indie-Pop und Electro geklungen.

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