Hörenswertes Winter 2013 II : Pure Love, I am Kloot, Atoms For Peace, Villagers

Uff, Momentan kommt man ja kaum noch hinterher mit den ganzen tollen Veröffentlichungen. Dazu kommen noch viele, viele Tipps die ich in meiner gesundsheitbedingten Abwesenheit nicht mitbekommen habe und nachholen muss, dazu wird (hoffentlich) noch ein Artikel mit den besten/vergessenen Alben 2012 erscheinen. Nun stürzen wir uns aber erstmal in die Gegenwart und präsentieren euch das Projekt von Ex-Gallows-Schreihals Frank Carter der es mit Pure Love wesentlich entspannter angeht, die stets verlässlichen I am Kloot, die erwachsen gewordenen Villagers und last but not least die neue Supergroup um Radiohead-Sänger Thom Yorke.

Pure Love – Anthems

(Universal, 05.02.2013)

Mit den Hardcore-Punkern Gallows hatte Frank Carter das Manifest Grey Britain veröffentlicht indem mit bis daher seltener Konsequenz der Abgesang des britischen Königreichs beschworen wurde. Ein düsteres Meisterwerk, bei dem letztendlich alles gesagt wurde, was gesagt werden musste, was vielleicht auch zum späteren Ausstieg des Sängers führte. Der hat sich mit dem Amerikaner HH einen Nebenmann für Pure Love geholt und wie der Bandname andeutet, geht es hier weitaus weniger rau zur Sache als bei der Ex-Band. Was einen erwarte ist eine gelungene Melange aus Protest-Song Marke Billy Bragg und amerikanischem Pop-Punk Appeal, allerdings mit der nötigen Schuss Rotzigkeit, der die Songs vor der Radio-Beliebigkeit rettet. Wer sich bei bei dem Alkaline Trio nicht mehr wohl fühlt und wem The Gaslight Anthem einfach zu dumm ist, wird hier eine neue Heimat finden. Kompromisslose Hassbrocken sind eben nicht mehr zu erwarten, dafür eine Menge Spaß und…hust..Rock`n Roll.

I am Kloot – Let It All In

(Pias, 18.01.2013)

Die Band aus Manchester sind deine besten Freunde. Immer da, wenn man sie braucht und stets verlässlich. Das kann man nach einiger Zeit auch eher öde finden und Routine schleicht sich ein. So ganz von der Hand ist eben nicht zu weisen, dass I am Kloot nicht gerade viel von Experimenten halten oder ihren geschmeidigen Jazz-Pub-Rock um neue Stilelemente erweitert möchten. Das ist im Falle von Let It All In aber vollkommen in Ordnung, da hier wie immer höchste Qualität abgeliefert wird. Ein guter Whisky verliert eben auch nie seine Qualität und für die Produktion zeichnete sich mal wieder Elbow-Sänger Guy Garvey verantwortlich, der den angenehmen Sound wieder angenehm veredelt. So kommen “Hold Back The Night” oder “These Days Are Mine” ein wenig pompöser als gewohnt daher, aber verraten nie die Folk-Wurzeln der Band, die sich immer noch in kleinen Locations am wohlsten fühlt.

Atoms for Peace – Amok

(Beggars, 22.02.2013)

Thom Yorke von Radiohead, Flea von den Red Hot Chilli Peppers und Nigel Godrich. Das klingt erstmal nach einer Rockband und einer Rückkehr zu den Wurzeln von Radiohead, als man noch dramatischen Rock in den 90ern spielte. Herausgekommen ist aber – und das ist eigentlich mittlerweile zumindest für mich eine leichte Enttäuschung – ein weiteres Yorke-Outtake, der wie immer mit klagender Stimme über Loops und Samples singt. Das sicherlich wieder den eigenen Ansprüchen und denen der jüngeren Radiohead-Fans, die erst mit den elektronisch orientierten Alben eingestiegen sind, genügen und doch stellt sich auch hier genau die Routine ein, die schon auf King of Limbs zu beobachten war. Yorke ist gut beraten sich wieder neue Spielplätze zu suchen, vor allem welche die andere schon längst verlassen haben, welche die gerade daher spannender können. So bleibt ein gutes Album, mit hübsch flirrenden Sounds, die aber lediglich ein weitere Ergänzung für Yorke-Fans sind.

Shout Out Louts – Optica

(Universal,22.02.2013)

Hachja, die Schweden. Die müssen immer so schöne Melodien zum Mitpfeifen haben, leider meist so das es einem schon nach kurzer Zeit extremst auf den Sack geht. Das wäre nun bei den Shout Out Louds etwas übertrieben, aber der Einstieg mit den lupenreinen Pop-Songs ist dann zu gewollt auf Fifa-Soundtrack oder Radio getrimmt. Überhaupt ist alles arg glatt produziert und erinnert unangenehm an seichte 80er-New Romantic, was sehr schade ist, denn als Rock-Songs hätte das weitaus mehr Spaß gemacht. Das Debut Howl Howl Gaff Gaff hatte zur Hochzeit des Retro-Rock jedenfalls um einiges mehr erfreut, doch ist die Party schon lange vorbei und die Shout Out Louds sind gerade erst beim Sound von 2008 angekommen.

Villagers – Awayland

(Domino, 11.01.2013)

Sieht aus wie Conor Oberst und teilt sich sogar den Vornamen mit ihm. Mit dem Vorgängeralbum war Conor  O`Brien der perfekte Bright Eyes-Clone, zumal das Vorbild selber eher selten in letzter Zeit überzeugen konnte, der Ire mit “Becoming A Jackal” dagegen sehr. Mit Awayland geht er diesmal weiter als auf seinem doch etwas konservativen Folk-Debüt und lässt sanft elektronische Einflüsse einfließen. Hier hat jemand Selbstvertrauen getankt und aus dem schüchternen Songwriter-Kid ist ein ein Arrangeur verschiedener Stilmixe geworden. Awayland ist jedenfalls ein großer Schritt weg von den wertkonservativen Alben der amerikanischen Konkurrenz.

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