Sony PlayStation 4 Event am 20.2.2013
The Good, The Bad And The Ugly…

Ich glaube, ich habe hier schon mal an der ein oder anderen Stelle erwähnt, dass ich die aktuelle Konsolengeneration zumindest als kaufender Konsument konsequent komplett übersprungen habe. Die Gründe dafür sind vielfältig: Der Kauf einer Konsole hat für mich bis dato immer eine besondere Investition bedeutet, gar nicht mal so sehr eine finanzielle als viel mehr eine zeitliche. Sprich, wenn ich mich einer Konsole widmen will, dann richtig. In dem Fall sollen mir die Entwickler und Publisher allerdings auch beweisen, dass ihre Hard- und Software es wert ist, dass ich einen Teil meiner Freizeit für sie opfere. Und das sah in der aktuellen Generation sowohl bei Microsoft als auch Sony als auch Nintendo ziemlich mau aus. Klar, es gab die verführerischen Momente: Ein Red Dead Redemption, ein Super Mario Galaxy, ein Heavy Rain… das schienen auf den ersten Blick durchaus Games zu sein, die eine finanzielle und zeitliche Investition in WiXPs360 lohnenswert zu machen schienen. Wii-Bewegungssteuerung, X-Box-Live, eine Annäherung an filmische Narrationen, das war mitunter schon ziemlich schick, aber doch fehlte mir bei der aktuellen Konsolen-Generation das Aha-Erlebnis, das Moment der kindlichen Begeisterung über etwas wirklich Neues und Originelles, das konsequent durchgezogen wurde. Stattdessen war ich permanent mit Unterwältigung konfrontiert:

Die eigentlich geniale Idee der Wii wurde zur Vorlage für zahllose schnell produzierte Mini-Spiele, das filmische Heavy Rain entpuppte sich als langweiliger Quicktime-Film mit haarsträubender Story und einem Interaktionsgrat, der mitunter unangenehm an die düstere Zeit der interaktiven Filme à la Dragon’s Lair erinnerte, und die geniale Technik der X-Box wurde zur Plattform für 08/15-Shooter, die mich bereits gegen Ende der 90er angeödet hatten. Anyway, es juckt mich wieder in den Fingern, und ich bin mir sicher, dass ich 2013 – spätestens 2014 – zumindest einer Konsole der kommenden Generation meine finanzielle und zeitliche Aufmerksamkeit widmen werde. Ob Box, PS4 oder Wii U steht noch in den Sternen… Genau davon müssen mich jetzt die Hersteller überzeugen. Und nachdem Nintendo bei Ankündigung und Launch der Wii U eher einen Semi-Fail landete – und damit zumindest verschoben, wenn auch nicht komplett vom Radar ist – war gestern Sony an der Reihe mit großem Tamtam die neue Playstation 4 zu präsentieren. Und damit genug der einleitenden Worte. Auf zum Schnellcheck nach dem Prinzip: Was war gut, was war schlecht, was geht gar nicht: Und ist der Kauf einer PS4 dank gestern Abend fest eingeplant?

The Good

8 GB GDDR5 Arbeitsspeicher: Keine Sorge, das bleibt die einzige technische Spezifikation. Immerhin ist das hier ein Kultur- und kein Gadget-Blog. Aber 8 GB klingen schon verdammt lecker, v.a. im Vergleich zum unter 1Gig liegenden Arbeitsspeicher der PS3 und den 2 GB der Wii U. Damit wird die PS4 ingame hoffentlich das ein oder andere Mal ihre Muskeln ordentlich spielen lassen. Ohnehin ist die technische Seite eine, auf die man bei Sony fast grundsätzlich vertrauen kann. Die werden ordentlich investieren, ordentlich entwickeln und am Ende kommt ein feines Stück Hardware dabei heraus. Auch wenn davon gestern noch nicht viel zu sehen war (btw., wenigstens ein Foto der Konsole, ist das denn so schwer?), bekommt Sony diesbezüglich von mir – im Gegensatz zu den beiden Konkurrenten – einen uneingeschränkten Vertrauensvorschuss

Optimiertes DualShock-Design: Gott sei Dank. Ich war nie Fan des Sony-Controllers, stattdessen war der Dualshock immer mehr oder weniger notwendiges Übel, wenn ich PS1- oder PS2-Spiele zocken wollte: Ungriffig, unförmig, das Digikreuz eine einzige Katastrophe, die Schultertasten schwammig, die Analogsticks rutschig. Hier hat Sony zwar nur in Details aber doch entscheidend nachgebessert. Die nicht so weit nach hinten gewölbten, nach vorne gerundeten Griffe lassen auf ein weitaus smootheres In-der-Hand-Liegen des neuen DualShocks hoffen. Die Analogsticks sind nach innen gewölbt und das Teil soll wohl etwas größer sein als sein Vorgänger, was ich angesichts dessen fitzeliger Unhandlichkeit nur begrüßen kann. Außerdem besitzt das ergänzte Touchpad durchaus Potential für kreative Spielideen, wenn auch bei weitem nicht in dem Maße wie Nintendos Wii U Controller.

Größerer Indie-Support: Indie-Entwickler können direkt im Playstation-Netzwerk ihre Games selbständig vertreiben? Und Braid-Macher Jonathan Blow stellt ein neues, fantastisches Rätselspiel vor? Gekauft. Gerade das Indie- und Art-Potential einer Konsole dürfte für meine Kaufentscheidung in dieser Generation äußerst maßgeblich sein. Und hiermit hat Sony mindestens an Nintendo aufgeschlossen, wenn diese nicht sogar übertrumpft. Andererseits ist es noch ein laaaanger Weg bis zum dem Image, das der PC vollkommen zurecht als goldene Indie-Plattform besitzt. Dieses werden Konsolen wohl nie erreichen. Dennoch Kudos, Sony: So nah war bis jetzt noch kein Hardware-Bastler dran.

3rd Party Support: Schmerzhafte Wahrheit für alle Nintendo-Fans. Der 3rd Party Support ist essentiell für eine Konsole. Und da lag Sony schon immer vorne. Wenn die größten Entwicklerstudios und Publisher voll des Lobes für eine neue Hardware sind, dann verspricht das einfach mal rosige Zukunftsaussichten. Die scheinen bei der PS4 voll gegeben zu sein: Ubisoft, Guerilla Games, Activision etc… genau deren bedingungslose (!) Unterstützung braucht eine neue Konsole. Da hinkt Nintendo mit der Wii U wieder mal etwas hinterher, da legt Sony dieses Mal überzeugend vor. Und wenn Capcom dann mit Panta Rhei eine neue Engine und in Deep Down ästhetisch hochwertige Bilder präsentiert (jaja, Techdemo und so…), dann muss das auch jedem Spieler erst einmal ein verzücktes Lächeln auf die Lippen zaubern.

The Bad

Spielszenen, anyone? Wenn die einzigen wirklich grandios überzeugenden Spielszenen aus einem – bereits gesehenen – Multiplattformer, nämlich Watch Dogs, kommen, ist das schlicht und ergreifend zu wenig. Klar, saubere Animationen und multipolygonale, lebensechte Gesichter (Behold the Uncanny Valley) sind nett, aber wenn ich von einer neuen Konsole überzeugt werden soll, will ich verdammt nochmal Ingame-Footage sehen. Von ordentlich gerenderten Videos lasse ich mich nicht verarschen. Bis wirklich überzeugendes Material direkt aus dem Spiel präsentiert wird, bekomme ich keine Grafik-Orgasmen. Und dafür sind ein neues Killzone plus ein bereits bekannter Multiplattformer einfach zu wenig.

Wo sind die spielerischen Innovationen? Wenn wir schon mal bei Killzone sind: Ohhh, ein neuer Shooter. Toll. Da kann die Grafik noch so protzen, ich bin gelangweilt. Vor allem wenn das Ganze eben doch wie Halo in bombastischer und bunter aussieht. Brauch ich nicht, ehrlich. Das selbe gilt für ein neues Rennspiel…. Yippieee! … Ähmmm, ja. Schicke Autos, in First Person Perspektive ins Auto steigen… ganz großartig. Und dann natürlich noch das obligatorische Wii-Music-Rip-Off. Echt jetzt? Wo bleiben neue, frische Spielideen? Nintendo bietet mit Nintendo-Land und Zombie U immerhin kreative Nutzungen des Tablet-Controllers: Asymmetrisches Gameplay, neue Formen der Immersion, neue Interaktions-Features: Egal wie man dazu steht, das ist wenigstens kreativ, wenigstens etwas so noch nicht Gesehenes. Bei der PS4 konnte ich diesbezüglich nichts wirklich Neues ausmachen, was es nicht schon bei anderen Konsolen gäbe.

Wo sind die exklusiven Killerapps? Ich habs ja schon erwähnt. Third Party Support, schön und gut. Aber soll mich jetzt die Umsetzung eines über ein Jahr alten, durchschnittlichen Hack & Slays vom PC (Diablo III) davon überzeugen, Sonys neue Konsole zu kaufen? Soll mich ein Multiplattformer wie Watch Dogs zur Playstation führen? Nope, eine Konsole braucht exklusive Meisterwerke, exklusive Systemseller. Und da liegt Sony nach wie vor meilenweit hinter Nintendo (wenn auch mittlerweile einen kleinen Schritt vor Microsoft). So lange diesbezüglich nichts passiert, so lange nicht wenigstens ein großer Exklusivtitel angekündigt und gezeigt wird, kann ich mir die Vorfreude auf die Konsole auch sparen. Dann vielleicht doch lieber eine von Drittanbietern weniger unterstützte Wii U, die dafür aber mit Spielen wie Metroid, einem neuen 3D-Mario, Zelda und einigen Überraschungen, die Nintendo immer im Gepäck hat, die besten Exklusivtitel anbietet.

Keine Abwärtskompatibilität: Buhhhhh! Soll ich wirklich mehr dazu sagen? Dann ist auch die Cloud-Emulation von – wahrscheinlich überteuerten und mit Sicherheit nicht vollständig vorhandenen – PS1-3-Spielen kein guter Ersatz. Ich will die Möglichkeit haben, auf die Meisterwerke der letzten Generation zurückzugreifen, ohne diese an meinen einen Account auf meiner einen Konsole gefesselt zu sehen. Ich will in einen X-Games-Laden reinmarschieren und mir spontan Heavy Rain günstig kaufen. Ich will mir das Spiel ins Regal stellen, in der Anleitung blättern und die Disc dann schließlich in die Konsole einlegen, um das Spiel zu starten. Nintendo hat die Abwärtskompatibilität bei der Wii U zwar umständlich geregelt, aber zumindest ist sie gegeben.

The Ugly

Der Share-Button: Ist das euer Ernst? Das soll eine Innovation sein? Ich weiß, es ist nur ein Detail, aber wenn dieses mit so viel Stolz präsentiert wird, muss es sich auch Bashing gefallen lassen. Gerade der Share-Button steht für mich für so viel, was derzeit im Konsolenbereich schief läuft, konzentriert auf einen einzelnen Knopf, der nur eine einzige Funktion erfüllt. Ist es denn so umständlich Pause zu drücken und im Menü die Option “Share” zu wählen? Braucht es wirklich einen Extra-Button für Social Media Gedöns? Muss man dafür echt auf einen Standard wie “Select” verzichten? Das will mir einfach nicht in den Kopf gehen, das verursacht mir Magenschmerzen und fast so etwas wie Fremdenscham.

Die Präsentation als solche: Ja, das wird meine Entscheidung für oder gegen die PS4 nicht beeinflussen. Aber warum kriegen die Hardware-Hersteller derzeit allesamt keine vernünftigen Präsentationen auf die Beine gestellt? Nintendos Wii U Präsentation war bereits ein Graus. Und Sony steht dem in nichts nach. Leute, macht es kurz! Macht es knackig! Macht es pointiert! Gebt dem Vortrag eine Dramaturgie, eine vernünftige Spannungskurve! Verliert euch nicht in allgemeinem Blabla sondern bringt auf den Punkt, warum Ich als Spieler von eurer neuen Konsole begeistert sein soll. Diese overhypte Präsi war ein einziger Fail in Design, Rhetorik und Struktur, nicht wert so lange wach zu bleiben und erst recht kein würdiger Einstieg in eine neue Konsolengeneration.

—–

So viel von meinen 2 Cents zu der PS4-Ankündigung gestern abend. Ich bleibe optimistisch bis skeptisch. Euphorie will sich nicht einstellen, aber auch kein “Sony is doomed!”-Pessimismus. Es gilt weiterhin, abzuwarten. Beim aktuellen Stand würde ich mich wohl noch nicht für eine PS4 entscheiden. Gelingt es Nintendo 2013 mit Neuankündigungen ordentlich zuzulegen, könnte es durchaus sein, das Ende des Jahres doch ne Wii U bei mir im Wohnzimmer steht und Sony erst einmal abgehakt ist. Haut mich Microsoft mit der Präsentation der X-Box von den Socken, könnte das auch düstere Aussichten für Sonys neues Baby bedeuten. Die Entscheidung ist noch nicht gefallen und bis 2014 wird noch einige Zeit – und so manche Spielmesse – vergehen. Summa Summarum finde ich die PS4 durchaus ansprechend, aber bei weitem nicht überzeugend genug um ad hoc zum Must-have zu mutieren.

6 Kommentare zu “Sony PlayStation 4 Event am 20.2.2013
The Good, The Bad And The Ugly…

  1. Bin rein von der Hardware auch etwas enttäuscht,aber mal sehen was die Games können. Da hat Sony momentan zumindest bei der PS3 die Nase vorne, weil Microsoft bei Exlusiv-Titel erschreckende Egoshooter-Eintönigkeit bietet…und hey, für die PS4 kommt the Last Guardian.;)

    Die Controller fand ich immer schon unangenehm und der Social Network-Focus ist nervig.

    Nintendo hat sich mit der WiiU endgültig abgeschafft…

  2. Ja… die Games sind immer das Entscheidende. Da sehe ich sowohl bei Sony als auch Microsoft nen klaren Vorteil bei den Drittherstellern, an den Nintendo wohl nie wieder rankommen wird. Diesbezüglich nehmen sich XBox und PS3 auch nicht viel.

    Bei den (potentiellen) Exclusives sehe ich aber nach wie vor Big N meilenweit vorne. Dabei geht es noch nicht mal so sehr (aber auch) um die bekannten Spielserien wie Mario oder Zelda, sondern v.a. auch um die Entwickler mit denen Nintendo zusammenarbeitet. Mal abgesehen davon, dass mit dem Kreis um Miyamoto bei Nintendo selbst verdammt talentierte Kreativdesigner sitzen, auch hat Nintendo immer ein Händchen dafür bewiesen, talentierte Studios an sich zu binden. Waren es in der Vergangenheit Squaresoft & Rare (die erst durch Nintendo groß wurden), in den letzten Jahren die Retro Studios, so wird es in Zukunft vielleicht Platinum Games sein. Und allein wegen diesen Exclusives (sowohl den hauseigenen als auch den geschickt eingekauften/aufgebauten) sollte man Nintendo immer auf dem Schirm haben.

    Die ganzen großen 3rd Party-Games kann man dann immer noch auf PC oder XBox360 spielen, aber ich glaube, wenn man alle großen Meisterwerke mitnehmen will, kommt man um Nintendo-Konsolen (trotz Hardware-Defiziten, miesem 3rd-Party-Support und schlechtem Image) nicht herum.

    Ich glaube auch nicht, dass sich Nintendo mit der Wii U abgeschafft hat. Die machen zwar im Moment – Gott weiß warum – den gleichen Fehler wie beim 3DS-Launch (Halloooo? Spiele!?), diese Konsole hat aber verdammt viel Potential, nicht nur wegen der Exclusives sondern auch wegen dem innovativen “Grunddesign”, asymmetrisches Gameplay etc… Kann natürlich passieren, dass sie das Potential genau so in den Sand setzen wie bei der Wii, wobei das diese Konsole ja auch nicht davon abgehalten hat, Marktführer zu werden.

  3. Was ich noch durch die betonte Existenz des Share Buttons befürchte, ist die garantiert eingebaute Überwachung durch Sony. Die brauchen keine Marktstudien durch externe Anbieter mehr. Und mit Ruhm bekleckert haben die sich noch nie, wenn es um Copyright Rechte und damit einhergehenden Maßnahmen zur Sicherstellung und Verfolgung derer ging. Big Brother is watching you…

  4. Es gibt wohl sogar schon konkrete Aussagen:

    Zitat Spiegel Online:
    “Social” heißt: Die Nutzer werden zu Vermarktungshelfern
    (…)
    Allerdings: Wenn Sony-Manager “social” sagen, meinen sie in etwa das gleiche wie Facebook-Gründer Mark Zuckerberg: Die eigenen Nutzer sollen zu möglichst effizienten Markenbotschaftern im eigenen Freundeskreis werden. Der “Share”-Button ist ein gutes Beispiel für diese Denkweise (…)

    Quelle: http://www.spiegel.de/netzwelt/games/neue-spielkonsole-sonys-playstation-4-in-new-york-vorgestellt-a-884648.html

    Anderen beim Spielen zusehen? Wtf?
    Was ist mit der internen Kamera, der Mimik Erkennung, dem Mikrofon? Der Onlinezwang?

    Da entstehen grad ganz ganz gruselige Szenarien in meinem Kopf… oO

  5. Jepp, das mit dem Tracking zur Marktoptimierung sehe ich auch kommen. Wenigstens wurde der Onlinezwang mittlerweile dementiert. Aber diesbezüglich wird es wohl in den kommenden Generationen immer schlimmer werden. Steam war erst der Anfang…

    Habe dein Zitat mal gekürzt. LSR und so… ;)

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