Hörenswertes Winter 2013: Foals, Frightened Rabbit, Biffy Clyro, Jim James, Tocotronic, Inc.

So, die wahrscheinlich neben dem Herbst beste Jahreszeit für interessante Veröffentlichungen hat begonnen und beglückt uns mit Alben, die einem die Winterdepression vertreiben und mal zum tanzen, zum nachdenken oder gar zum Kopfschütteln einladen. Die Foals tanzen mal wieder die Wurzel im Quadrat und perfektionieren ihren Math-Rock, Inc. erneuern den R`n B, Frightened Rabbit wärmen uns mit feinem Single Malt Aroma und Tocotronic werden langsam noch komischer, als sie eh schon immer waren.

Foals – Holy Fire

(Transgressive / Warner,08.02.2013)

“Inhaler” ist ein Brett! Der vielleicht bisher beste Song im Jahr 2012 fängt als funky Dance-Nummer an und bricht dann im Mittelteil in ein Biffy Clyro Stück aus, nur um dann in irgendwas wie Postrock zu zerfallen. Das letzte Album haben wir ja schon extremst abgefeiert und mit Holy Fire sollte der Weg von der momentan interessantesten Band Großbritanniens weiter nach oben gehen. Wie  man gleichzeitig so intelligente Nummern wie “My Number” abzieht und trotzdem groovt wie Sau, ist eben was ganz und gar großartiges. Und so lassen Foals schlimme Entgleisungen von Muse, die sich im gleichen Bereich versuchen, zum Glück vergessen machen.

Tocotronic – Wie wie leben wollen

(Vertigo / Universal, 25.01.2013)

Intelligent und trotzdem Punk sein war mal so eine Spezialität von Tocotronic, die in den 90ern ungestümen Lo-Fi Rock spielten und mit Parolen wie “Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein” den Weg in die Herzen der Indie-Kids und Studenten fanden, die gerne so etwas wie ihren eigenen Nirvana suchten und vielleicht zu sehr den eh nie geringen Humor von Tocotronic übersahen. Den braucht man nämlich für das neue Album wirklich, denn von den Lyrics wird es einem oftmals bleich um die Nase. Da singt Dirk von Lotzwow irgendwas von Erdbeer-Geruch und Soft-Boys, um sich ganz und gar von jedem Sexismus der Anderen zu distanzieren. Nur… wann hat man das jemals in Verbindung mit den Tocos gebracht und muss es so krass überzeichnet unter die Nase gerieben bekommen? “Wie wir leben wollen” ist ein nettes Pop-Album geworden, aber nicht mehr das was ich von einer Lieblingsband möchte. Sorry Jungs, hier trennen sich unsere Wege endgültig, nur das gelungene letzte Drittel nehme ich trotzdem mit und füge es den schönen Erinnerungen an das weiße Album hinzu.

Deftones – Koi No Yokan

(Reprise / Warner, 09.11.2012)

Die letzte Deftones ließ die Redaktion gespalten, aber trotzdem überwiegend zufrieden zurück. Überhaupt, kann man sich  mal so langsam drauf einigen das die Band aus Sacramento nie ein schlechtes Album veröffentlicht hat. Dem New Metal Genre haben sie schon 2001 mit ihrem schwer fassbaren Brocken White Pony auf Wiedersehen gesagt und sich längt ihren eigenen Stil aus Avantgarde, Prog, Alternative und Metal geschaffen, den auch 2012 immer noch keiner überzeugend nachzuahmen weiß. Koi No Yokan ist sicherlich kein überraschendes Album oder ein Stilbruch, der Wechsel aus purer Wut und Verzweiflung bereits bekannt und trotzdem entsteht wieder dieser spezielle Sog, der einen wieder vollständig mitreißt. Überhaupt ist die Härte so wenig gegenwärtig wie sonst nur auf Saturday Night Wrist, dessen Schwester Koi No Yokan sein dürfte. Chino Moreno öffnet mal wieder seine Seele, aber selten wirkte es so wenig abgründig wie auf diesem Album, das so sehnsüchtig entrückt wirkt, ohne sich aber aggressiv von einem abzuwenden. Selten seit ihren Anfangstagen mit Adrenaline und Around The Fur hat man wieder das Gefühl das die Band ihre wahren Gefühle offen legt, ohne hinter irgendwas Schutz zu suchen.

Biffy Clyro -Opposites

(14th Floor / Warner,25.01.2013)

Liebe auf den zweiten Blick? Biffy Clyro hatte ich eigentlich ihren Pomp-Rock auf Opposites nicht verziehen, weil das alles zu durchwachsen und nicht richtig durchdacht war. Vielleicht haben die das ja selber gemerkt und so ist Opposites zwar genauso schwelgerisch und weit weg von den frühen Prog-Tagen, aber diesmal hat die Band auch überzeugende Songs und einen roten Faden dabei. Ein Doppel-Album hat es zwar mal wieder nicht benötigt – und wann hat es das jemals? – aber die Schotten zeigen was sie können und Hymnen wie Different People schreien jetzt eben ein paar Tausend Fans mehr an als zu experimentellen Indie-Anfangstagen. Nur muss hier die Schlussgrenze gezogen oder die Qualität gehalten werden, sonst endet es doch noch böse. Bisher wissen Biffy noch was sie tun.

Frightened Rabbit – Pedestrian Verse

(Atlantic / Warner, 08.02.2013)

Ich bin ja ein großer Schottland-Fan. Das liegt einerseits an den sehr freundlichen Menschen und der mystisch unberührten Landschaft, aber natürlich auch andererseits an der fast schon unverschämt großen Mengen an genialen Bands. Frightened Rabbit haben sich mit jedem Album weiter nach oben gearbeitet und man merkt nun das sie auf Pedestrian Verses wissen möchten. FR waren zwar immer eine Rockband im Folk-Kostüm, aber so hoch war der Anteil nie und was eigentlich schnell zu Beliebigkeit führen könnte ist hier genau richtig, weil die Hymnen einfach ihren Platz brauchen. State Hospital arbeitet zwar vielleicht etwas zu sehr auf dieses Ziel zu, ist aber mal wieder ein Hit und reiht sich damit in die beeindruckende Reihe von Übersongs wie Foot Shooter vom letzten Album ein. Diese Band hat man lange genug nachmittags auf Dorf-Festivals oder in kleinen Hallen gesehen.

Jim James – Regions of Light and Sound of God

(Cooperative, 08.02.2013)

Soul für das 21. Jhrdt, oder wie? Ja, zumindest ich stelle mir das so vor. Jim James verbindet tollen Sixties Flair mit unterkühlt elektronischen Klängen und trotzdem kommt ein Album mit viel Seele und Sinnsuche dabei heraus. Wie es sich eben für ein Soul-Album gehört, nur der Sex ist vielleicht etwas auf der Strecke geblieben. Trotzdem ist das hier ein sehr gelungenes Album von dem My Morning Jacket-Frontmann, der sich auf seinem ersten Soloalbum stilsicher zwischen Ambient, Jazz und Soul bewegt. New Life hätte sogar ein I am Kloot Song sein können.

Inc. – No World

(4AD, 14.02.2013)

Uff, irgendwie weiß ich gerade gar nicht wie ich die Musik von Inc. beschreiben soll. R`n B – Grunge trifft auf James Blake klingt ja erstmal total abwegig, aber würde es tatsächlich auf den Punkt bringen. Ein Song wie Black Wings klingt anfangs wie ein 90er-Song aus der Seattle-Ära und vermischt sich ohne Probleme mit dem Soul-Gesang von den Brüder Andrew and Daniel Aged. Eigentlich unfassbar und deswegen so genial. Überhaupt verbinden die Jungs aus Los Angeles Dinge die eigentlich gar nicht so zusammen passen und kreieren damit etwas komplett Eigenständiges. Momentan wird R`n B ja eh von dem heteronormativen Pimp-Image Marke Chris Brown befreit und präsentiert sich plötzlich als offene Plattform für innovativen Pop. Gut so.

2 Kommentare zu “Hörenswertes Winter 2013: Foals, Frightened Rabbit, Biffy Clyro, Jim James, Tocotronic, Inc.

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