Trailerprogramm: Evil Dead, Hansel and Gretel: Witch Hunters, A Good Day to Die Hard, To the Wonder, Ginger & Rosa, The Canyons, Slender

Evil Dead [Fede Alvarez]

Soso, ein Evil Dead Remake also. Im Gegensatz zu manch anderem Fan des Kult-Horrorflicks von 1981 kann ich für das Remake allerdings nicht so große Euphorie entwickeln. Klar, das sieht schon schick aus: Düstere Bilder, nette Jumpscares, offensichtlich ziemlich viel Splatter und Gore… halt so ein klassischer postmoderner Horrorschinken des neuen Jahrtausends. Trotz der berühmten Trademarks – Kettensäge, Falltür-Gefängnis, Baumvergewaltigung – hat das ästhetisch aber so gut wie nichts mit dem Original gemein. Es fehlt einfach diese dreckige, ätzende, schwarzhumorige gritty Note, die Sam Raimis Meisterwerk auszeichnet. Und Ash fehlt natürlich auch. Also versuche ich das ganze nicht als Erfüllung meiner feuchten Nerd-Horrorträume zu betrachten, und dann kann es sich tatsächlich durchaus sehen lassen. Wird bestimmt ein netter Horrorflick, der einen ungemütlichen Kinoabend ordentlich versüßen kann. Nichts für die Ewigkeit, nichts Notwendiges und nichts um den Nerd in mir zu befriedigen. Aber offensichtlich immerhin anständige Horror-Unterhaltung.

Hansel and Gretel: Witch Hunters [Tommy Wirkula]

Yes! Das dagegen befriedigt dagegen durchaus meine nerdy Gelüste: Grimms Märchen einmal durch den Fleischwolf gedreht und praktisch nur als Vorlage für eine schnelle, derbe Hexenjagd herangezogen. Das ist dann auch die Ästhetik, die ich mir für ein Evil Dead Remake gewünscht hätte: Dreckig, ätzend, gehässig… ordentlich auf die Fresse. Verantwortlich für diesen hochschicken Edeltrash ist übrigens Tommy Wirkula, der mit Dead Snow (2009) bereits bewiesen hat, dass er es drauf hat, mainstream-taugliche B-Movie-Ware zu produzieren. An der ein oder anderen Stelle wäre es zwar noch etwas abgeranzter gegangen, aber alles in allem könnte das echt mal ein sauberer, degenerierter Fantasyspaß werden. Ist vorgemerkt.

A Good Day to Die Hard [John Moore]

Remake, Reinterpretation… was fehlt noch in der Riege des Retro-Buffets? Richtig, eine Fortsetzung. A Good Day to Die Hard ist dann mittlerweile schon der fünfte Teil der Actionreihe, deren Fortsetzungen zwar nie an das geniale Original Stirb Langsam (1988) herankamen, aber immer noch ordentliche Action-Unterhaltung boten. Insbesondere der er zweite Teil von 1990 fiel schon ein wenig ab, Teil 3 war aber wiederum richtig großes Kino und auch Teil 4 funktionierte die meiste Zeit über als schön abgefuckter Actiontrip. Und die Fünf? Ja, sieht vielversprechend aus: Das Vater-Sohn-Ding ist cool und passt auch einfach zum mittlerweile nicht mehr ganz so jungen Bruce Willis. Zynische, heruntergekommene Actionhelden sind derzeit irgendwie rar gesät und John McClane ist einfach mal der coolste Hauruck-Actionstar der 80er und 90er Jahre. Hätte zwar – wie bereits beim vierten Teil – unglaublich gerne wieder eine Kollaboration mit Samuel L. Jackson gesehen… aber naja, man kann halt auch nicht alles haben.

To the Wonder [Terrence Malick]

Ach Terrence, ich liebe doch deine ambitionierten Filme, deine exquisite Optik, deine abstrakten Symbolismen und philosophische Gedanken. Aber bei Tree of Life hast du es einfach echt mal übertrieben. 60% des Films waren ein großes Meisterwerk, ein fantastisches soziales Kaleidoskop, dem ich sogar den überambitionierten Ritt durch die Zeit verziehen habe. Aber was zur Hölle sollten die restlichen 40%? Dieser überdimensionierte Eso-Schmuh mit christlichem Kitsch-Symbolismus und Erlösungsfantasmen? Zu viel, einfach viel zu viel! Ich bitte dich, begehe diesen Fehler bei To the Wonder nicht wieder. Denn die Bilder sehen wie schon in deinen vorherigen Filmen einfach nur groß aus: Dramatisch, pathetisch, elegisch. Wie gesagt, ich schätze deinen Pathos, dein Casting, deine Kunstfilm-Ambitionen… aber einen cineastischen Gottesdienst brauche ich nicht. Verzichte einfach auf die Eucharistie… und ich werde diesen Film mit Sicherheit lieben. Hoffnungsvoll, dein dich schätzender Fan.

Ginger & Rosa [Sally Potter]

Was mir von – dem wirklich sehr gelungenen – Super 8 retrospektiv betrachtet tatsächlich am stärksten in Erinnerung geblieben ist, ist die herausragende Schauspielleistung von Elle Fanning (die jüngere Schwester Dakota Fannings). Wir könnten es hier durchaus mit einem der vielversprechendsten Nachwuchstalente des US-Kinos zu tun haben, wenn sie nur rechtzeitig die Chance bekommt dies zu beweisen (und nicht wie zum Beispiel Kristen Stewart in einer albernen Teenie-B-Movie Franchise verheizt wird). Dank Sally Potter könnte Ginger & Rosa genau die richtige Gelegenheit dazu sein. Mit der herausragenden Literaturverfilmung Orlando (1992) hat Potter bereits in den 90ern ihr Gespür für menschliche Konflikte unter Beweis gestellt, und glaubt man den ersten Bildern ihres neuen Dramas, gelingt ihr auch hier perfekt der Spagat zwischen Coming of Age Empathie, Sozialdrama und historischem Sittengemälde: Freundschaft, Liebe, Leidenschaft, Politik und pubertäre Verwirrung, konzentriert im London der 60er Jahre, leise, subtil und nachdenklich erzählt. Und ja, wie erhofft, wirkt Fannings Spiel bereits in diesem Trailer einfach nur gigantisch. Ich bin sehr gespannt.

The Canyons [Paul Schrader]

Namedropping gefällig? Regie: Paul Schrader (Cat People), Drehbuch: Bret Easton Ellis (American Psycho), Darsteller: Die allseits unterschätzte Lindsay Lohan, Indie-Regisseur Gus Van Sant, Pornostar James Deen; Musik: Brendan Canning (Broken Social Scene). Falls das nicht neugierig macht, tut es vielleicht die – noch etwas vage Story: Ein Post Noir/ Neo Noir Erotikthriller über die Gefahren von Begehren und Verlangen, über Gewalt, Gier und Pornographie, die übers Internet vertrieben wird. Und falls das immer noch nicht reicht, tuen es vielleicht die drei Trailer, die auch vollkommen unabhängig vom zu erwartenden Film Kunstwerke für sich darstellen: Einmal nichtssagende Hochglanzoptik aus L.A., einmal schmutziges 70’s B-Movie Flair, einmal herrlich Old School 50’s Noir Parody. Will ich sehen… egal worum es letzten Endes gehen wird.

Slender: The Arrival [Mark J. Hadley]

Die Fortsetzung des Horrorspiels des Jahres: Fuck Resident Evil 6, fuck Zombie-U, fuck die ganzen Silent Hills und Day Zs… dieses Spiel hat nicht nur Spieler das Fürchten gelernt sondern auch deren Zuschauer und deren Zuschauer und deren Zuschauer… Nach dem Erfolg des Indie-Games war eine Fortsetzung nur folgerichtig. Bleibt abzuwarten ob das Spiel nicht derart verschlimmbessert wird, dass von der ursprünglichen, genial minimalistischen Idee kaum noch was wiederzuerkennen ist…

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