Erste Schreibversuche: Chaotische Weihnachten

Mein vor kurzem hier veröffentlichter erster analoger Blogpost ist erschreckend gut angekommen. Die Publikation meiner ungelenken frühkindlichen Schreibversuche kann ich ja für mich selbst noch ganz gut mit Nostalgie rechtfertigen… aber warum zur Hölle haben so viele Leute den Text gelesen? Schlimmer noch, über Facebook geteilt? Naja, mir solls recht sein. Der Text stammt übrigens aus einem kleinen Büchlein, das ich seinerzeit von meiner Grundschullehrerin bekam. Und dieses – auf dem Umschlag mit Herzchen bedruckte – damals komplett leere Büchlein habe ich während meiner gesamten Grundschulzeit gewissenhaft mit Geschichten, Anekdoten, Selbsterfundenem, Geklautem und Inspiriertem gefüllt. In letztere Kategorie fällt die Weihnachtsgeschichte “Chaotische Weihnachten”, die ich dort im ersten oder zweiten Schuljahr niedergeschrieben habe und die geradezu danach schreit, über 20 Jahre später am zweiten Weihnachtstag hier im Blog veröffentlicht zu werden.

Zu meiner Verteidigung: Ich war damals schon ein Filmfreak und natürlich handelt es sich hierbei um ein hoffnungslos offensichtliches Rip-Off diverser amerikanischer Weihnachtsfilme. Die späten 80er waren auch schlicht und ergreifend DIE Zeit der US-Weihnachtskomödien, in denen das Fest permanent von Katastrophen heimgesucht wird und die Protagonisten am Ende lernen, dass es bei all dem Chaos eben doch um den True Christmas Spirit geht, der sich einfach nicht unterkriegen lässt. National Lampoon’s Christmas Vacation (1989) dürfte wohl der Bekannteste aus dem Genre sein und so weit ich mich erinnere, gibt es wirklich unzählige dieser Filme, die alle nach dem gleichen Schema ablaufen: Familie will Weihnachten so richtig genießen, es geht schief, was schief gehen kann, Familie streitet sich, Familie versöhnt sich und am Ende haben alle gelernt worauf es bei Weihnachten wirklich ankommt. Begleitet werden diese 08/15-Geschichten von albernen Zoten und überzeichnetem Slapstick-Humor… im Prinzip alles auch in meiner Geschichte vorhanden. Nur das mit der Dramaturgie, der Fallhöhe und der Moral am Ende hatte ich damals noch nicht so ganz raus. Insofern bleibt “Chaotische Weihnachten” eben doch primär eine Aneinanderreihung von Episoden, Unfällen und Katastrophen, die mal mehr, aber meistens weniger lustig sind. Aber heh, ich war jung, ich habe dazu gelernt und kann jetzt voller Stolz – und mit einer gewissen ironischen Distanz – hier online meinen ersten Versuch einer netten, kleinen Weihnachtsgeschichte präsentieren. Viel Spaß:

Chaotische Weihnachten

Es ist 23. Dezember. Mutter hat endlich die letzten Geschenkeinkäufe gemacht. Da kommt Hans angesprungen und sagt: “Mama, Susi hat den Adventskalender kaputt gemacht!” Mutter geht runter und das erste, was sie sieht, ist die Torte, die auf dem Boden liegt. Dann sieht sie Limo und Scherben auf dem Boden. Die kleine Anna sitzt vor dem Fernseher und schaut einen Horrorfilm. Da kommt Vater rein und sagt zu Hans: “So, Junge, jetzt fällen wir einen Weihnachtsbaum, komm mit!!!” Hans gehorcht und sie sind blitzschnell im Wald. Vater hat schon die Axt in der Hand, da kommt der Förster. Sofort hat Vater einen Schuldschein in der Hand. Er meint: “Am besten kaufen wir uns doch noch einen Baum! Nicht wahr, Hans? Hans, Hans, Hans!” Hans ist einfach verschwunden. Plötzlich hört man “platsch!” und Hans liegt im eiskalten Wasser. Vater bringt ihn heim und fährt dann mit Fritz, der gerade von der Schule gekommen ist, auf den Markt. Leider haben alle Tannenbäume Wucherpreise. Endlich findet Vater einen billigen. Als sie dabei sind, den Baum zu schmücken, fällt Susi eine Kugel runter, Anna auch, Hansi und sogar Fritz fallen jeweils eine Kugel runter. Vater lacht und sagt: “Hahaha ich zeig euch mal, wie man das macht.” Er nimmt die dickste Kugel und hängt sie daran. Weil der Baum so klein ist, fällt er um, und zwar genau auf Vater. Die Mutter (in der Küche) erschrickt so sehr über den Knall, dass ihr der Kochtopf runterfällt und die Suppe über den Boden ausläuft. Vater kommt rein und sagt: “Schatz, weißt du, autsch!!!” Er rutscht auf einer Bananenschale aus und fällt in die Suppe, die auf dem Boden liegt ist. Die Kinder lachen sich halb kaputt. Hans sagt: “Unser Tannenbaum ist kaputt!” Da hat Vater eine Idee: Er nimmt einen Besen und klebt Tannenzweige daran. Es ist immer noch die billigste Art und Weise. Als endlich der heilige Abend gekommen ist, schlafen die Eltern und Kinder vor Erschöpfung.

Okay… ein, zwei Anmerkungen: Wie schon gesagt, eine klassische Aneinanderreihung von albernem Slapstick… Kann man machen. Aber eine Bananenschale? Echt jetzt? War ich derart unkreativ, um auf den ältesten Cartoon-Gag der Welt zurückgreifen zu müssen? Außerdem, was soll diese chauvinistische Betonung der “Mutter (in der Küche)”? Fast so, als wollte ich damit einen sublimen Wunsch ausdrücken. Ansonsten ist die ganze Geschichte zu rough und episodisch geworden. Viele Fragen bleiben unbeantwortet: Was passiert mit Hans nachdem er in den See gefallen ist? Keine Erfrierungen, keine Lungenentzündung? Das hätte durchaus Potential gehabt, etwas Dramatik in die Geschichte zu bringen. Warum gibt es zu Weihnachten eine Torte? Ist es wirklich so schlimm, wenn am 23.12. der Adventskalender kaputt geht? Und überhaupt, wie geht ein Adventskalender einfach so kaputt? Immerhin der Gag mit dem Besen ist recht gut gelungen. Ansonsten naaaajaaaa. Für mein damaliges Alter vielleicht gar nicht so schlecht, aber ich weiß auch, dass ich damals schon weitaus bessere – und vor allem kreativere – Geschichten geschrieben habe. Dazu vielleicht irgendwann später mehr. Bis dahin einen guten zweiten Weihnachtstag und viel Spaß beim Vertilgen der letzten Plätzchen und beim Auskurieren des Weihnachtskaters…

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