Die Thomaner – Herz und Mund und Tat und Leben (online auf arte)

Pünktlich zum Fest läuft auf Arte online derzeit einer der meiner Meinung nach spannendsten Dokumentarfilme des Jahres. In Die Thomaner (2012) begleiten Paul Smaczny und Günter Atteln ein Jahr lang die Schüler des Thomanerchores durch Schule, Internat, Chorproben und Alltag. Ein selten intimer Einblick in eine Welt, die sich in vielerlei Dingen von der Erlebniswelt anderer Kinder radikal unterscheidet und doch zugleich in so vielen Dingen ähnelt. Gerade zu Beginn läuft der Film – dem sich Internat und Chor überraschend offen präsentierten – Gefahr etwas zu unkritisch, zu unreflektiert das Geschehen der Thomaner zu beobachten, aber nach einer Weile fallen dem Zuschauer dann doch die leisen, subtilen und berührenden Zwischentöne auf, mit denen Paul Smaczny und Günter Atteln der Spagat zwischen empathischer Beobachtung und kritischer Distanz hervorragend gelingt. Die Thomaner ist sowohl von einer uninspirierten Standard-Dokumentation als auch von effektheischerischer Radikalkritik meilenweit entfernt und stattdessen sowohl berührend als auch faszinierend, neugierig, empathisch und dennoch reflektiert genug, um nicht zur bloßen Exegese des Chorjungen-Daseins zu verkommen. Unbedingt sehenswert.

Pünktlich zum Jahrhundert-Jubiläum ist der Chor nun erstmals in dem abendfüllenden Dokumentarfilm “Die Thomaner – Herz und Mund und Tat und Leben” zu erleben. Die Filmemacher begleiten den Chor und seinen Kantor Georg Christoph Biller – den 43. Thomaskantor nach Bach – über einen Zeitraum von mehr als einem Jahr. Durch ihre persönlichen Geschichten entsteht ein sensibles Porträt dieses einzigartigen Chores, das der Frage nach der Faszination des Traditionsensembles nachgeht.
Der packende und anrührende Film gewährt einen faszinierenden Blick hinter die Kulissen dieses Ausnahmechores und zeigt die Möglichkeiten, die eine intensive Beschäftigung mit Musik für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen leisten kann. Ungewöhnlich offen können die Filmemacher eine einzigartige Welt zwischen Motette, Internat und Fußballplatz zeigen; ein Leben, das geprägt ist von Erfolg und Leistungsdruck, Zweifeln und Stolz, Heimweh und Freundschaft. Und in und über allem: die unsterbliche Musik Johann Sebastian Bachs.

Die Thomaner auf Arte

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