Konzertbericht: …And You Will Know Us by the Trail of Dead, Grammatikoff, Duisburg

Man möchte es sich nicht eingestehen, aber Trail of Dead sind älter geworden und mit ihnen wohl auch ihr Publikum. Vor dem Grammatikoff stehen sich  Ü30 jährige, nicht wenige davon bereits deutlich Ü40, die Füsse in den etwas fülliger gewordenen Bauch und warten auf den Einlass in die von außen eigentlich sehr schön ausschauende Location, die direkt neben einem Programmkino und einer Bar liegt.

Duisburg und junges hippes Publikum schließt sich eh schon seit Jahren weitestegehend aus und man ist ja schließlich nicht zur Vorführung der neuen Vintage-Kollektion hier sondern wegen Trail Of Dead, die mal 2004 mit ihrem Opus Magnum  Worlds Apart sowas wie mega-hip waren und komischerweise trotzdem nie den weltweiten Durchbruch schafften. Es gibt aber auch echt mal Wichtigeres als trendy Electro-Pop aus Brooklyn und die Band steht seit Jahren für energetischen Mix aus Alternative, Punk, Prog und Krautrock.

Dieser Tage steht das neue Album “Lost Songs” in den Startlöchern und wie man später während des Konzerts vernimmt, wurde es ausgerechnet in Hannover, wohl eines der biedersten Städte dieser Republik, aufgenommen. Trail Of Dead scheinen Deutschland zu lieben und schaut man sich den recht hohen Chatseinstieg des letztens Albums (Platz 18 in Deutschland) an, beruht das Ganze wohl auf Gegenseitigkeit. Keine große Zuneigung fürs Publikum scheint hingegen der Mensch zu haben, der für die Soundabmischung zuständig ist. Der Sound ist ziemlich matschig und auch die Stimme von Sänger Conrad Keely geht mitunter einfach in einem dröhnenden Brei unter, vor allem im oberen Bereich vernimmt man teilweise nur das Beben des Basses. Die Band selber entschuldigt sich ab und zu für diverse Soundprobleme und weist darauf hin, dass es sich hier immerhin um den ersten Gig ihrer Deutschland-Tour handelt.

Warum dafür eine dröge Niederrhein-Stadt (mit einer zugegebenermaßen schönen Location) als Startpunkt gewählt wurde, bleibt schleierhaft, aber immerhin kann es gerade beim Publikum bei den späteren Konzerten, die unter anderem durch Münster und Hamburg führen, danach nur steil aufwärts gehen. Bizarrer optischer Höhepunkt dürften eh die drei dicken Tanzbärchen sein, die man so eher vom Outfit und Habitus bei “Bauer sucht Frau” vermutet, die sich das ganze Konzert kaum von dem Sofa auf der Empore bewegen, dafür aber umso fröhlicher mitwippen. So sehr man sich auch über die Anteilnahme freut, so sehr fragt man sich was ausgerechnet dieser Typ Konzertgänger bei Trail of Dead verloren hat, deren Sound eigentlich nicht für plumpen Altherren-Rock steht, auch wenn das Outfit sehr vieler Anwesenden darauf schließen lassen könnte. Der Sound von Trail of Dead bleibt eigentlich recht zeitlos und dynamisch, Duisburg hingegen zeigt an dem Abend wieder sein hoffnungslos überaltertes Gesicht, bei dem man sich nicht wundern braucht, wenn vieler der jungen Leute aus dem Umland dann doch eher gleich Richtung Münster abbiegen anstatt sich ein noisiges Konzert mit einem in die Hände klatschenden Onkel Walter und einer schunkelnden Tante Irmtraud anzutun.

Die angenehm unbeeindruckt auftretende Band selbst scheint es nicht so sehr zu stören, doch sorgen kleinere Sound-Probleme immer wieder für Pausen, die dem Fluss nicht gut tun, aber immerhin für einen gesprächigen Conrad Keely sorgen, der tatsächlich Hannover über den grünen Klee lobt und überhaupt nicht mehr viel mit dem Punk zu tun hat, der früher Trail of Dead wahre Zerstörungsorgien auf der Bühne feiern ließ oder sie dazu brachte, auch gleich mal das Hotelzimmer einer damals bekannten deutschen Indie-Band zu zerstören, nur um die Schuld auf selbige abzuwälzen. Die Band schien sowieso auf dem letzten Album ihre Mitte gefunden zu haben, ob das neue Album der Band, das sich kritisch mit der gegenwärtigen Weltsituation auseinandersetzt, gut is, wird abzuwarten sein. An diesem Abend in Duisburg wehte eher ein provinziell-nostalgischer Hauch durch den hohen Konzertsaal des Grammatikoffs, bleibt zu hoffen das sich auf dem Rest daraus noch ein wahrhaftiger Orkan entwickelt.

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