Schon allein diskurstheoretisch ist das awesome interessant. Es geht darum: Pornistin Stoya liest aus „Necrophilia Variations“, also wie der Name schon sagt, aus einem Buch in dem es um den Lustgewinn im Zusammenhang mit Leichen und Tod geht. Sie liest und erfreut sich gleichzeitig an einem Vibrator. Das Ganze ist Auftakt zu einer Videoreihe namens “Hysterical Litearture” von Fotograf Clayton Cubbit, der darüber hinaus tolle Bilder macht. Nach dem Klick folgt ein wenig Text.
Die zunächst schleichende Erotik die paradoxerweise entsteht, erinnert mich an Ingmar Bergmanns “Persona”. Da erzählt (ich glaub) die Protagonistin einer anderen weiblichen Figur ein sexuelles Erlebnis, also sie erzählt nur, und das ist so unglaublich sehr viel erotischer als alle anderen möglichen Sexszenen aus sagen wir mal Hollywood-Filmen. Deren Schlechtigkeit (nicht dass ich irgendwie fixiert wäre auf solche Szenen, aber dennoch) findet in Tommy Wiseaus “The Room” (indapendant movie huh) einen einzigartigen äääh Höhepunkt.
Ich finde diesen hergestellten Zusammenhang einerseits kunstvoll und so herrlich menschlich, andererseits längst überfällig: Tod und Porno, gehört ja gewissermaßen von “Natur her” zusammengedacht, würde ich vielleicht sagen wenn ich katholisch wär, so a la “Sodomie ist Gotteslästerung” (ironische Markierung, nicht das jetzt hier einer anfängt rumzuheulen). Auf diese Art und Weise eine Verbindung herzustellen, also Tod als Textinhalt verbunden mit einer pornösen Performance, ist zumindest ein Fingerzeig auf EIN mögliches Verstehen dieser Perfomance. Religiöser Subtext gedacht als immer noch wirksamer kultureller Hintergrund. Immer noch wirksam, sag ich als mehr oder weniger aufgeklärter Westeuropäer. Ich kann mir da sehr gut orthodoxe amerikanische Christen vorstellen, die die Macher am liebsten kreuzigen, orthodoxe Muslime, die sie steinigen oder orthodoxe Juden, die weiß ich was mit ihnen machen würden, vielleicht werden Delinquenten da “getorat”, mit der Schrift erschlagen. Aber das werden sie/ wir ja sowieso. Wir erschlagen uns ja schlimmstenfalls selbst mit Schrift. (Ja ja ich weiß Juden kreuzigten natürlich. Natürlich!)
Warum ist der hergestellte Zusammenhang nun kunstvoll? Weil da mit Ästhetiken gespielt wird und als Spiel sich darstellt. Man könnte es abstrahieren und sich die Perfomance als waberndes, oszillierendes und sich steigerndes Fluidum vorstellen. Eine körperlich-, oder eben physiognomisch-ästhetische Schönheit rezipert etwas ästhetisch Hässliches. Strenggenommen liest sie sogar etwas, wenn es real, strafrechtlich relevant wäre, aber im Mittelpunkt steht hier die rezipierte Ästhetik des Hässlichen. Etwas ästhetisch Hässliches lesend und einen Dildo in sich vibrierend steigert sich ihre Lust zunehmend bis zum Orgasmus. Sodass quasi trotz eines ethisch-moralischen Gebots Nekrophilie zu verabscheuen, man sich dennoch der steigenden Erregung nicht erwehren kann.
Es ist sehr gut vorstellbar, dass die Macher gerade darauf setzen: dieses Unerhörte. Ich feier daran zumindest dieses Menschliche, das Schöne und das Hässliche vereint in Einem. In diesem Sinne ist es sogar klassisch. Außerdem, was ich so noch nicht mal zusammengedacht habe, obwohl ich gehört hab, dass es sowas wie Kunstpornos gibt (ich hab auch mal eine Szene aus einem solchem gesehen, da hat ein Typ in so ner Art Fast-Food-Ketten-Kostüm Gitarre gespielt während neben ihm kopuliert wurde), aber dennoch, ich habe Porno und Kunst einfach nicht zusammengedacht. Das ist ein interessantes Feld. Falls da jemand mehr drüber weiß…
via Nerdcore
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