Die 90er Jahre: Die besten Pop-Alben des Jahrzehnts III

Die große Einleitung entfällt diesmal. Ich wünsche viel Spaß beim Lesen des Artikels.

 

Saint Etienne – The Sound of Water

(Sub Pop, 2000)

Gerade so richtig verliebt und der Partner neben einem im Bett ist trotz Sabber auf dem Kopfkissen der schönste und großartigste Mensch aller Zeiten? Dann dürfte die Musik Saint Etienne genau das Richtige für diesen irrationalen Zustand sein (man merkt: ich bin nicht verliebt), auch wenn man schon fast dazu keine Untermalung braucht, weil eh alles toll ist. Wie alles noch viel toller wird, zeigt das Album der englischen Schöngeister, die fragilen Electro-Pop entwerfen und sowas wie die Blaupause für schreckliche Clone wie 2Raumwohung sind, die sicher für den Wohlfühl-Sound von Saint Etienne mindestens ein Ohr riskiert haben. Wie man das aber dann richtig gut macht kann man auf Sound Of Water nachhören, wo Easy Listening auf Electro und Folk trifft.

Morcheeba – Big Calm

(WEA Records, 1998)

Die Mischung aus Soul, Hip Hop und düsteren Electro war ja eine Zeit lang das Ding der 90er und wurde Trip Hop getauft. Morcheeba bewegten sich zwar anfangs auch in dieser Szene, öffneten sie sich aber im Gegensatz zu grummeligen Verweigeren wie Tricky recht schnell dem Pop. Die Stimme der tonangebenden Sängerin rückte noch mehr in den Vordergrund, das Songwriting stand über halbgaren Experimenten und das Arragement war einfach nur fantastisch. Die Summe daraus ergibt ein majestätisches Pop-Album, das mit einer cleveren Produktion und vor allem vielen guten Songs einen gelungenen Richtungswechsel einschlägt.

Everything But The Girl – Walking Wounded

(EMI, 1996)

Die stets traurige und verletzliche Stimme von Tracy Thorn veredelte viele Produktion der 90er, wie z.B Protection von Massive Attack. Ihre eigene Band Everything But The Girl wäre dagegen fast  ein unbemerkt gebliebenes Jazz-Projekt geblieben, wenn sie es  nicht den Missing in die Hände von House-Produzent Todd Terry übergeben hätte, der aus den anfangs eher unspektakulären Song einen Welthit bastelte. Das Stigma eines One Hit Wonders haftet der Band seitdem an und das sich die Songs auf Walking Wounded eher introvertiert gaben, dürfte nicht gerade ein großer Pluspunkt bei Chartshörern gewesen sein, während die Indies eh gleich abwinkten. Schade um ein Album, das atmosphärisch dicht und höchst emotional zwischen Drum `n Bass, Ambient und Northern Soul pendelt. Walking Wounded ist perfekte Soundtrack für einsame Großstädter, die nach dem Club allein im Taxi nach Hause fahren.

Weezer – Weezer

(DGC, 1994)

1994 war das Jahr, als Kurt Cobain es nicht mehr ertrug und frewillig aus dem Leben schied. Damit war auch endgültig die Unschud des Grunge-Sound aus Seattle verschwunden und nach Jahren des schwermütigen Sounds war der Hörer wieder Bands aufgeschlossen, die nicht die Aussenseiter-Attitüde aufgaben aber auch keine Angst vor tollen Pop-Hymnen hatten. Der Sänger und Weezer-Chef konnte sich eh nie so richtig zwischen Punk, Hardrock und meldieverliebten Beach Boys entscheiden. Gefühl und Härte sind deswegen hier gute Kumpels, die genau wissen das sie keine für den Abschlussball bekommen. Man kann sich deswegen besaufen oder einfach ein grundsympathisches Debüt-Albm schreiben, das überraschenderweise ein Riesenerfolg wurde. Der Punk-Kracher “Buddy Holly”  und das wunderschön traurige “Say It Aint So” übertünchen zudem auch die schon damals gar nicht so wahr genommene Affinität zu Poser-Rock, dem Weezer dann auf späteren Alben in den 00er Jahren ausgiebigst huldigten. Egal, das blaue Album wird immer einen Platz in meinem großen Pop-Herzen haben.

Lisa Loeb & Nine Stories – Tails

(Geffen, 1994)

Warum haben sich River Cuomos und Lisa Loeb eigentlich nie für einander interessiert? Es wäre das Nerd-Traumpaar der 90er geworden und für den nicht augenscheinlich nicht vorhandenen Coolness-Faktor hätte folgende Anektode gesorgt: Lisa Loeb war eine von vielen erfolglosen Songwritterinnen in dem großen Moloch New York und lebte gegenüber von einem aufstrebenden Jung-Schausspieler namens Ethan Hawke, der großen Gefallen an dem Song Stay fand und ihn für seinen Film Reality Bites verwendete. Der Song wurde dann der größe Erfolgs eines Künstlers ohne Plattenvertrag überhaupt in der amerikanischen Geschichte. Sicherlich bewegen sich die Songs auf Tails alle in dem Fahrwasser von dem großen 90er Hit, aber sind trotzdem guter Folk-Pop, für dessen absolut sympathische Naivität man die Frau mit der großen Nerdbille immer noch in die Arme nehmen möchte (aber es dann sein lässt weil mir die Feministinnen schon den Rücken blutig kratzen. Modern Life is War).

Aimee Mann – Magnolia O.S.T.

(Warner, 1999)

Muss man noch was über Magnolia sagen? Über den Film eigentlich nicht mehr, das haben wir schon bei den besten Episodenfilmen der 90er, doch was wäre der Film ohne den genialen Soundtrack von Aimee Mann. Ich kann glaube ich gar nicht oft genug aufzählen, wie oft mir allein beim immer noch unereicht großartigen Wise Up das Wasser in den Augen gestanden hat. Wohl DER Song wenn einen das Gefühl überkommt, alles zu verlieren und man glaubt das die Welt zusammenbricht. Regisseur Paul Thomas Anderson gab nicht zu oft von ungefähr an, dass sein Film eigentlich eine Adaption von Aimee Mann Songs war. Wohl selten gab es so eine perfektere Symbiose aus Ton und Film.

Cibo Matto – Stereo ★ Type A

(Warner, 1999)

Zwei New Yorkerinnen mit japanischen Wurzeln waren Ende der 90er eines der hippsten Bands aus der amerikanischen Metropole. Der Stimix der beiden quirligen Frauen ging von funkigen Hip Hop bis harte Metal-Sounds. Wer schon Freude an Beck gefunden hat wird sich auch in den kunterbunten Stilmix durch alle Genres wohlfühlen und zu keiner Zeit Langweilige bei dem erfrischenden Pop-Zitaten quer durch die vergangenen Jahrzente freuen. Nach dem Spilt 2001 ist nun wieder ein neues Album für 2012 geplant. Seien wir also gespannt ob Yuka Honda und Miho Hatori noch genau so voller Ideen stecken wie auf ihrem zweiten Album Stereotype A.

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