Hörenswertes Juni 2012 II: The Smashing Pumpkins, DIIV, Hot Chip, Cro,The Gaslight Anthem, Frank Ocean

Schuldig. Es ist allein meine Schuld das hier gerade in der Hörenswertes-Rubrik kaum noch was läuft. Leute, ich verspreche euch wieder jede Menge Rezis am laufenen Band, sobald ich meinen Jahresurlaub angetreten habe und wieder halbwegs fit in der Birne bin. Bis dahin gibt es das eventuelle Comeback der Smashing Pumpkins, schlaue Sexyiness von Hot Chip, Gutgelauntes von Cro, Geniales von Frank Ocean, Sommerliches von Diiv und für handgeriebenen Käse sind The Gaslight Anthem zuständig.

Diiv – Oshin

(Captured Tracks, 29.06.)

Eigentlich… ja eigentlich müsste dieses Twee Pop Ding doch schon durch sein, oder? Tut es aber nicht und das ist im Falle von den eh großartigen Pains of Being Pure At Hearts und nun Diiv,  Nebenprojekt von Beach Fossils, auch gut so.  Wer schon bei den Drums mitgepfiffen hat, wird dies auch hier tun, denn diese unverschämt mitreißende Mixtur aus Twee-Pop, Surf-Sound und Indie-Pop ist einfach prädestiniert für den Ausweg aus dem trockenen Alltag und den Sprung ins erfrischende Nass. Oshin ist sicherlich keine Revolution im aufwärmen von bekannten Surf Sounds der letzten Jahre aber die perfekte Essenz all derjenigen Bands, die auf dieser Welle schon seit geraumer Zeit ganz oben mit schwimmen. Der meteorologische  Sommer  hat uns ja bisher den Mittelfinger entgegen gestreckt, musikalisch ist er nun aber endgültig angekommen.

The Smashing Pumpkins – Oceania

(EMI, 18.06.2012)

Hey, das wird ja ne richtige Strandparty heute. Der Titel und das Albumcover des Pumpkins-Album zeugen wie bei Diive von einer gewissen Affinität zum großen weiten Ozean, auch wenn man bei einer der nihilistischsten Bands der 90er ansonsten wohl eher an trübsinnige Dramen als fröhliche Sommer-Laune denken muss. Aber naja, eigentlich sind das ohnehin nicht mehr wirklich die The Smashing Pumpkins, sondern nur ein weiteres Projekt von Billy Corgan, dem einzig verbliebenen Gründungsmitglied der einstmals großen Alternative-Band. Der Ruhm der früheren Meisterwerke ist dementsprechend schon ziemlich verblasst und in den 00er Jahren gab es wenig Positives von dem Exzentriker zu berichten, eher musste man sich fortlaufend fragen, was man eigentlich an dieser Band damals so sehr geliebt hat, denn zum schlecht finden gab es unter dem legendären Namengerade im letzten Jahrzehnt genug. Sei es die miese Produktion von Zeitgeist oder Corgans Super-Ego, das um sich herum eine Scheinwelt aufbaute, die nur noch den Meister als alleinigen Herrscher über sein eigenes Königreich zuließ und sogar seinen letzten treuen Gefährten aus frühen Tagen, (Ex-)Drummer Jimmy Chamberlain, verbannte.

Nun ist der Großmeister von eigenen Gnaden also wieder zurück und es dröhnt bei dem ersten Song Quasar wie zu Gish-Zeiten, als Billy noch einen Haufen Haare auf dem Kopf und ein tolles Gespür für knackigen Alternative Rock hatte. Wer jetzt begeistert aufspringen möchte, der sei gewarnt: Auch auf Oceiana bekommt er die Kurve nicht hin und die guten Ansätze verschwinden meist in einem spannungsarmen Soundbrei, der leider nichts mehr mit Back To The Roots-Sound zu tun hat, einen dafür aber direkt wieder in die trostlose Gegenwart zurück wirft, wo Corgan billigste Synthie-Streicher so richtig knorke findet, langweiliger Emo-Pop einen gewichtigen Einfluss hat und er sich selber für einen begnadeten Sänger hält. Wie immer gehen leider deswegen tollen Songs wie Pinwheels unter dem großzügieng Gebrauch von allerhand Badezusätzen verloren und vermitteln nicht den Eindruck von natürlicher Ozean-Frische, sondern unangenehmer chemischer Künstlichkeit. Schade, wenn das Potential für ein großes Comeback dann doch wieder ohne bleibenden Eindruck durch den Abfluss verschwindet.

Hot Chip – In Our Heads

(Domino, 08.07.2012)

So, jetzt aber mal weg von dem Rock-Kram und hin zur ausufernden Analyse ehemaliger Jugendhelden. Hot Chip sind zwar Mit-30er , vom Sound her aber absolut im Hier und Jetzt, oder naja, zumindest in dem letzten hier und jetzt vor der Deadmau5/ Skrillex-Invasion. In Our Heads ist zwar nur ein Update des immer noch fantastischen Debüts, aber noch weiter ausgearbeitet und im Gegensatz zu dem etwas ziellosen Vorgänger wieder mit einer klareren Struktur, die wieder zurück in die Clubs, respektive Disco führt. Die Weißbrote von Hot Chip haben nämlich die Formel von schwarzen 80er Legenden wie Prince entschlüsselt und durch ihr eigenes Programm gejagt. Heraus gekommen ist was wir alle  spätestens seit der TV-Serie The Big Bang Theory schon länger ahnten: Auch Nerds wollen oder haben Sex.

Cro – Raop

(Chimperator, 08.07.2012)

Nach all den ganz harten Jungs aus den Problemviertel nun also der Gegenschlag aus der Mittelschicht. Was passt da besser als ein gut gelaunter Jüngling aus dem brav-biederen Ländle, dessen Heimatstadt Stuttgart schon in den 90ern nicht unbedingt durch subversive Texte oder Street-Credibilty auffiel, sondern primär die poppigste der drei deutschen Hip Hop Epizentren war. Hier wo die Lebensqualität mit die höchste in Deutschland ist, gibt es nun mal keinen größeren Grund sich zu beschweren, außer es wird ein Bahnhof ober- oder unterirdisch gebaut. Man merkt Die haben nicht wirklich Probleme da unten.

Cro weiß dementsprechend auch nichts sonderlich Spannendes zu erzählen: Er ist jung, mag Chicks und findet alles soweit ganz supi, oder wie in dem mittlerweile millionfach geklickten Youtube Hit: “Easy”. Tja, mehr kann man über dieses Album auch nicht sagen und eigentlich will ich das auch gar nicht. Carlo, wie der Maskenträger mit bürgerlichen (Vor-)Namen heißt,  ist ja anscheinend ein sympathischer Kerl und seine musikalische Bandbreite geht von ganz nett über belanglos bis so richtig scheiße. Ich weiß nur ehrlich gesagt schon bei den letzten Tönen des Albums gar nicht mehr, um was es überhaupt genau ging, weil ich mir so ca. aber der Hälfte der Scheibe ein Brot geschmiert, ein Glas Wasser getrunken und gelangweilt aus dem Fenster geschaut habe. Easy, oder? Sollte ich `nen Album draus machen.

The Gaslight Anthem – Handwritten

(Mercury, 20.07.2012)

Sollte irgendjemand in letzter Zeit nach rückwärtsgewandten Springsteen-Kopisten gerufen haben, sämtlichen Innovationen der letzten 40 Jahre aus dem Weg gegangen sein und die Evolutionstheorie für ein Werk des Teufels halten, dem kann ich nur entgegen rufen: Eure Gebete wurden erhört! Irgendwie macht es ja schon Sinn, dass der hemdsärmelige Rock von The Gaslight Anthem sich nicht mit der Idee von Mutation und Weiterentwicklung verträgt. Die “Musik” ist die perfekte Unterhaltung für Leute, die aus irgendeinem Grund eben diese so richtig hassen, sich gerne auf ihre primitivsten Proll-Elemente reduzieren lassen und von Zeiten träumen als Männer noch Männer waren und “ehrliche” Musik breitbeinig dargeboten wurde. The Gaslight Anthem sind eine grottige Band, die Nickelback plötzlich als verkopfte Prog-Rocker darstehen lässt und Daniela Katzenberger als Ikone des neuen deutschen Intellektualismus. Wer gedacht hatte, dass mit den Onkelz die letzte Bastion des tiefer gelegten Stumpfsinn das Zeitliche gesegnet habe, musste sich ja schon bei Frei.Wild verwundert schütteln und darf nun endgültig unter Krämpfen in Richtung Kloschüssel kriechen. In was für einer kleinen Welt muss man leben um so etwas ernsthaft gut zu finden? Mein Hass !! Einself!

(Anmerkung des Redakteurs: Der Inhalt dieser Rezension spiegelt nicht die Meinung der kompletten Redaktion wieder. Kollege Flo findet soviel Abneigung gegenüber einer maximal egalen Band grenzwertig und die pauschale Abwertung der Fans eher mehhh.)

Frank Ocean – Channel Orange

(Island, 17.07.2012)

Au weia, da haben die dem Jungen aber eine richtige große Bürde mit auf seinen Debütanten-Ball gegeben. Höchstwertungen quer durch alle Blogs und Musikzeitschriften, ein kleiner Mini-Skandal um die Sexualität des Sängers und ein Sänger, der schon vor seinem Debüt-Album von Größen wie Coldplay als kommender Star angepriesen wurde. Das selbst in dem überwiegend homophoben Hip Hop Genre der Shitstorm ausblieb und das Album sich in den USA zu einem Megsaseller entwickelt, lässt hoffen das nicht die ganze Welt aus sagen wir mal The Gaslight Anthem Fans besteht und sich Menschen auch auf ein Album einlassen können, das nicht für den schnellen To Go Geschmack für saufselige Events entwickelt wurde, sondern durch reduzierte Beats auffällt, die keinen Autotunes-Porno zulassen. Channel Orange wirkt gerade durch seine emotionale Nacktheit gleichzeitig mutig und doch verletzbar und weiß jederzeit zu berühren. Ich muss lange zurück überlegen, wann ein R&B Album in letzter Zeit so etwas ausgelöst hat und nehme einfach Vodoo von Dangelo, Innervisons von Stevie Wonder als Referenz und bin sogar überzeugt Zeug das Channel Orange das What`s Going On seiner Generation werden könnte, vorausgesetzt diese hört überhaupt noch bei bitterbösen Lyrics von Super Rich Kids oder Bad Religion wirklich genau zu. Ich wiederhole mich gerne: Hip Hop steht 2012 richtig gut da.

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