Die 90er Jahre: Die besten Pop-Alben des Jahrzehnts II

die band zu erleben/die ideen die sie mir geben zu leben/mich den liedern hinzugeben/mit postern zu umkleben/die t-shirts gut zu pflegen/die platten aufzulegen/meine eltern überreden/bis sie sagen meinetwegen/wenn sie mich fragen weswegen/dann fällt mir das überlegen nicht schwer/denn sie sind gut und deshalb populär/pop pop populär pop pop pop populär

(Die Fantastischen Vier – Populär)

Nuff said? Eigentlicht nicht, denn heute stellen wir eher die vergessenen und viel zu unpopulären Meisterwerke der 90er-Popmusik vor. Die Pizzicato Five aus Japan waren die Speerspitze des Easy Listenig Revival, Ben Lee down (under) mit den Beastie Boys und die Flaming Lips zwischen Genie und Wahnsinn.Was Doom-Metal bei den besten Pop-Alben der 90er verloren hat erfahrt ihr wenn euch gleich ein Licht aufgeht.

Pizzicato Five – Romantique 96

(Sony, 1995)

Wenn es eine Nation gibt, die Pop wohl in größtmöglicher Konsequenz umsetzt, dann waren und sind es die Japaner. Ähnlich wie die Schweden wurden hier die Einflüsse von außen aufgenommen und noch dreimal durch die grellbunte Pop-Suppe gezogen. Die wohl beste japanische Band der 90er dürften Pizzicato Five sein, die 60er Easy Listening Sound von amerikanischen Künstlern wie Burt Bacharach aufnehmen und auf ihre eigene Weise noch einmal neu interpretieren. Wie es sich für einen wirklich großen Pop-Act gehört wurde das bis in letzte Detail durchgedacht, sei es der Twiggy Style von Sängerin und Über-Diva Nomiya Maki oder seien es die Videos, die wie vergessene Aufnahmen aus einer längst vergessenen Ära scheinen. Der Exoten-Bonus, die geschmackvolle Ironie und das Stil-Bewusstein machten P5 kurz zu der Lieblingsband der Hipster, denn für die breite Masse war und ist das ganze zu subversiv. Die Alben sind bis auf “Happy End Of The World” leider recht schwer zu bekommen und gehen auch mal für Preise bis 200 Euro weg.

Ben Lee– Breathing Tornados

(Grand Royal, 1998)

Der junge Autsralier war eines der Signings für das leider nicht mehr existierende Beastie Boys Label “Grand Royal”. Wer auf Breathing Tornados Hip Hop vermutet liegt aber komplett falsch, eher sind es einfach lauter kleiner Pop-Perlen eines hochtalentierten Songwriters, der einfach zu wenig Aufmerksamkeit bekam. Potentielle Über-Hits wie “Cigarettes Wil Kill You” oder “Nothin Much Happens” gehören einfach auf jedes vernünftige 90er Mixtape und wer dieses Album bis heute nicht gehört hat, verpasst sträflicherweise das grandiose Debüt eines spannenden Künstlers.

The Flaming Lips – The Soft Bulletin

(Warner, 1999)

Merriweather Pavillon von Animal Collective war das Pet Sounds der 00er Jahre, und The Soft Bulletin dürfte diese Ehre für die 90er gebühren. Das hier ist progressiver Pop aber trotzdem nie gewollt anstrengend oder zu experimentell. Wie bei den Flaming Lips komplexe Strukturen auf wunderschöne Melodien treffen, ist einfach beeindruckend und lässt einen immer wieder ratlos zurück, warum sie nicht schon längst zu den größten Bands des Planeten gehören. Vielleicht weil sie nie den bequemen Weg eines Hits gegangen sind und sich lieber die Weiterentwicklung von Pop-Musik kümmerten.

 Ben Folds Five – The Unauthorized Biography Of Reinhold Messner

(550 Music, 1999)

Ben, der II. Doch dieser Ben war schon länger dabei und veröffentlichte mit seinen beiden Mitstreitern Robert Sledge und Darren Jessee das traurig melancholische Meisterwerk “The Unauthorized Biography Of Reinhold Messner”. Wie man es von seinen Solo-Projekten schon kennt, gibt es hier wunderschöne  verspielte Klavierpassagen die auf teils ungestüme Rock-Ausbrüche, Jazz oder pompösen Sixties-Pop treffen. Franz Lizst wären die Tränen runtergelaufen, hätte er eine Zeitmaschine genommen und sich diesen kauzigen aber umso genialeren Pop-Geniestreich angehört. Ein weiteres  großartiges Album, von so vielen sträflich unterschätzen Meisterwerken der 90er.

Faithless – Sunday 8PM

(BMG, 1998)

Ey, kommen hier auch ma bekannte Namen, oder wat? Als ob es nur darum gehen würde… aber ja wenn es um Populär-Musik geht, natürlich auch. Nachdem wir ja im ersten Teil noch die Stars der Pop-Musik aufführten, wird es aber dann doch mal Zeit ein wenig von dem leichten Indie-Touch weg zu kommen und ein altgedientes Schlachtschiff der britischen Dance-Musik zu würdigen. Hat Trance, eine nun wirklich nicht besonders geschätzte Musikrichtung, jemals so gut geklungen wie auf dem zweiten Album von Faithless? Sicherlich war das Kollektiv um Mastermind Rollo nie auf einem Level mit Trip Hop-Größen wie Portishead oder Massive Attack, aber Sunday 8 PM fasst den Electro-Pop der endenden 90er noch einmal gut zusammen und mehr als bei “God Is A Dj” kann man aus Trance-Pop einfach nicht rausholen. Daneben gibt es noch gute Pop-Musik die zwischen schleppenden Hip Hop Beats und soliden Dance oszilliert.

Paradise Lost – Host

(EMI, 1999)

Hä? Eine bekannte Doom- und Gothic-Metal Größe soll Pop sein? Jein, Paradise Lost hatten wie viele Metal-Bands Ende der 90er keine Lust mehr auf ausgetretene Pfade. Die Band aus Halifax/England wagte sogar den ganz großen Stilbruch und verzichtete auf brachiale Gitarrenwände und erfand sich als düstere Alternative-Pop-Band in der Tradition von Depeche Mode komplett neu. Doch hört man genauer hin, ist der Unterschied zu dem schon goth-lastigen Vorgänger gar nicht so groß und ein Gespür für guten und dramatische Pathos hatten Paradise Lost ohnehin schon immer. Es gibt wirklich ganz entsetzliche Versuche von Metal-Band sich an zeitgemäßem Electro zu probieren, Host hingegen ist ein tolles Album, das seinen verschämten Platz in der Discographie der Band nicht verdient hat, aber truen Metalheads wohl zu wenig des handgemachten Rock war. Die konnten nach dem erneut poppigen Nachfolger “Believe In Nothing” aufatmen, denn ab hier ging der Weg wieder zurück zu soliden Metalalben, die bei der Fanbase auf mehr Begeisterung stießen.

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