Die 80er Jahre: Die besten Teenager-Filme des Jahrzehnts II

Ein zweiter Blick auf die Jugendfilme der 80er Jahre. Ich war ja kurz in Versuchung Revenge of the Nerds (1984) aufzunehmen, habe dann aber doch zurückgezogen, denn der spielt erstens im College-Milieu (ist also trotz Teenie-Zielpublikum eher weniger ein Teenager-Film) und ist zweitens dann doch ein wenig zu trashy, um hier wirklich als Meisterwerk aufgeführt zu werden (ganz zu schweigen vom dämlichen deutschen Titel “Die Rache der Eierköpfe”). Nee, hier soll es hochwertig bleiben und so gibt es statt alberner College-Komödien (von denen die 80er echt mal überfüllt waren) sensible Wohlfühlromantik aus Frankreich in La Boum – Die Fete, schräge Musical-Unterhaltung mit ordentlich Hairspray, den Club der toten Dichter minus Pathos in Heaven Help us und auch zweimal die dunklen Seiten des Teenager-Lebens: Einmal vertreten in der pechschwarzen Killer-Satire Heathers, hierzulande auch als Lethal Attraction bekannt, und einmal in Form des authentischen – und ziemlich pessimistischen – Punk-Teenager-Porträts Das Messer am Ufer. Der Sprung vom angenehmen Feel-Good-Movie über das problembewusste Drama bis hin zur düsteren Komödie sollte klappen, nach dem Klick.

La Boum – Die Fete [Claude Pinoteau]

(Frankreich, 1980)

Moment… hatten wir uns nicht darauf geeinigt, dass das 80er Teenager-Kino in erster Linie eine ziemlich amerikanische Angelegenheit war? Jepp, und um ehrlich zu sein, La Boum ist mit einer der amerikanischsten Filme, die je in Frankreich gedreht wurden. Die Geschichte von wilden Partys, der ersten Liebe und klassischen Teenager-Exzessen erzählt sein Sujet genau mit jener befreiten Lockerheit, die auch aus dem US-Kino bekannt ist. Aber in La Boum hat sich zusätzlich dennoch genug der europäischen Filmsprache eingeschlichen: Die Sorgen und Nöte der jugendlichen Protagonisten werden ernst genommen, neben der spaßigen wie zuckersüßen wie berührenden Hauptgeschichte gibt es noch eine Menge dramatischer und authentischer Subplots und hinter dem charmanten, süßen Augenzwinkern verbirgt sich auch immer ein akribischer Blick auf die Befindlichket der Heranwachsenden. Das beste aus Europa und USA einmal zusammen geworfen… oder so ähnlich; auf jeden Fall aber ein großer, nostalgischer und verdammt unterhaltsamer Teenager-Film.

Hairspray [John Waters]

(USA, 1988)

Mit gar nicht so unähnlichen Dispositionen und ethischer Ausrichtung arbeitend, steht John Waters Musical-Tragikomödie Hairspray doch am komplett anderen Ende des Spektrums: Statt authentischer Milieuschilderung schlägt die konfuse Mischung aus Coming-of-Age und mitunter fast surrealer Nummernrevue in die Vollen, was Lautstärke und Farbenpracht betrifft. Die Geschichte um übergewichtige Teens, Rassismus und den alltäglichen High-School-Wahn ist ein durchgeknallter – und dennoch empathischer – Teenie-Reigen, in dem nostalgischer Charme, subversive Narration und effektgeladene Dramaturgie aufeinander treffen. Irgendwie Hollywood, irgendwie Nerd-Comedy, irgendwie ernstes Drama gelingt Waters hier der Spagat zwischen Blockbuster-Anspruch und Indie-Anarchismus; das Ergebnis bedeutete nicht nur seinen kommerzieller Durchbruch sondern ist darüber hinaus einer seiner schönsten – weil ausgewogensten – Filme. Pure Musical Gold!

Das Messer am Ufer [Tim Hunter]

(USA, 1986)

Und wieder am ganz anderen Ende des Spektrums, sowohl empathisch als auch kritisch distanziert, steht das düster-pessimistische No-Future-Drama River’s Edge. Ausgehend von einem überflüssigen – in seiner Überflüssigkeit unglaublich tragischen – Mordes, entwirft Tim Hunter das Porträt einer verlorenen Jugendgeneration, die vom Leben nichts erwartet und deren Desinteresse am Leben ein harter Schlag in die Magengrube eines jeden Sozialarbeiters ist. Dabei beweist Regisseur Hunter ein gnadenloses Gespür für den Nihilismus, die existenzielle Leere einer Generation, die sich von den Idealen der 68er verabschiedet hat, dem Bürgertum trotzt und dabei doch keinen Weg findet, eigene Ideale zu etablieren. Ein schonungsloses, düsteres und zutiefst deprimierendes Jugendporträt, das wohl wie kein anderer  Film das Dilemma einer spezifischen jugendlichen Subkultur beobachtet und reflektiert. Antworten gibt es keine, dafür aber eine faszinierende Auseinandersetzung mit dem Tod des amerikanischen Traums und der Passivität und Ohnmacht der Generation No Future, die kurz darauf zur Generation X wurde.

Heathers aka Lethal Attraction [Michael Lehmann]

(USA, 1989)

Und noch einmal quer durch den filmischen Raum springen… und bei der bitterbösen Satire Heathers ankommen. Auch hier geht es um Mord, zuerst das Ergebnis von dann das Werkzeug gegen die Konformität des absurden Mikrokosmos US High School. Erzählt wird der gemeinsame – später gegeneinander geführte – Kampf zweier Außenseiter gegen die Sportler und Cheerleader, die Angepassten und die Meinungsmacher auf einer prototypischen, satirisch verzerrten Schule als bissige Karikatur auf gesellschaftliche Erwartungen und Konventionen. Dabei ist Heathers urkomisch, bitterböse, mitunter perfide sadistisch und in seiner Dramaturgie doch auch zutiefst frustrierend und traurig. Ein wundervoll gehässiger, ungemein unterhaltsamer Thriller/Comedy-Bastard, der sowohl als Groteske als auch Horrortravestie höllisch viel Spaß macht.

Die Himmelsstürmer [Michael Dinner]

(USA, 1985)

Nee, eine konsistente Linie kriegen wir in die heutigen Filme nicht mehr rein. Die Himmelsstürmer ist komplett anders als die anderen hier versammelten und dabei wahrscheinlich doch noch der “konventionellste” Teenager-Film. Das an einer katholischen Schule spielende Drama, das immer wieder Richtung Tragikomödie und reiner Komödie springt, erinnert narrativ nicht selten an den Club der toten Dichter und macht dabei doch vieles besser als der vermeintlich große Bruder. So verzichtet Regisseur Dinner angenehmerweise auf allzu großen Pathos, auf die Glorifizierung subversiver Lehrkörper und widmet sich stattdessen vollkommen seinen jugendlichen Protagonisten. Deren Geschichten werden nicht nur charmant erzählt, sondern offenbaren auch immer viel Empathie und ein gutes Gespür für Relevantes und Irrelevantes und werden zudem mit einem ironischen Augenzwinkern präsentiert. Ein schöner, nostalgischer, angenehm zurückhaltender Drama/Komödien-Hybrid, dem weitaus mehr Beachtung zusteht, als er über die Jahre erhalten hat.

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