Die 90er: Die besten Hip Hop Alben des Jahrzents VI

Geschafft! Der tatsächlich letzte Teil der Hip Hop Retrospektive wurde soeben in die Tasten gehauen und ich höre glaube die nächste Zeit nur noch ukrainischen Post-Rock oder kasachischen Freejazz. Nee, so schlimm war es doch gar nicht, eigentlich sogar richtig großartig und ich hoffe ich konnte dem einen oder anderen die Vielseitigkeit des Genres näher bringen und sein Weltbild vom Goldketten-Träger vor einem schicken Protzkarre zurecht rücken.  Sicherlich gehört auch diese prollige Variante dazu und wurde gerade von Ice-T übertrieben gebraucht um seinen Männlichkeits-Status zu unterstreichen, aber es gab ja auch die jazzige Fraktion wie zum Beispiel die Souls of Mischief, Gang Starr oder A Tribe Called Quest. Das hier einige interessante Undeground-Acts hinten rüber gefallen sind ist zu einem meinem persönlichen Geschmack geschuldet und auch der Unwissenheit darüber, ob DJ XY ein grandioses Mixtape herausbrachte welches nur 50 Leute besitzen und damit vielleicht sogar den Wu Tang Clan zum Hip Hop brachten. Ich finde die hier vorgestellten Alben waren überwiegend zurecht kommerzielle Erfolge, die nicht durch extrem Mainstream-Tauglichkeit so weit nach oben kamen sondern ganz einfach weil sie zeitlose Klassiker sind.  Das Fehlen von Eminem, der meiner Meinung nach erst mit der Marshall Mathers LP zu einem Großen wurde und NWA, die zwar erst 1990 rum durchstarteten aber bereits 1988 ihr Album veröffentlichten bitte ich zu entschuldigen. Word und Tl; Dr!

Raekwon – Only Built 4 Cuban Linx

(Loud,1995)

Es gibt ja die umstrittene These unter Wu Tang Anhängern, dass die Solo-Alben eigentlich stets besser waren als der gemeinsame Output des Clans. Liquid Sword ist ja schon mal ein sehr gutes Pro-Argument und auch der Klassiker Only Built For 4 Cuban Linx unterstreicht sein großes Talent und gilt als großer Einfluss auf das sogenannte Mafia Rap Genre, das den comichaften Gangsta Rap aus dem sonnigen Los Angeles noch mehr in Richtung großes Horro-Kino aus New York  schob, das anscheinend nur aus kaputten Freaks und Crack-Dealer bestand. Die Beats sind Eastcoast typisch spartanisch und Reakwon zeichnet hier einen Noir-Comic, der im Gegensatz zur Westcoast wenig zu Party einlud.

Cypress Hill – Black Sunday

(Ruffhouse,1993)

Hier sind sie. Die Black Sabbath des Hip Hop, die mit grollenden und schweren Beats zumindest in den 90er alles aus dem Weg walzten und zu Kiffer`s Liebling wurden, da sie dem grünem Kraut ganze Songs widmeten und man wohl kaum eine andere Band mit dessen Konsum assoziierte. Dabei ist der Genuss eigentlich gar nicht nötig, da die langsamen Beats und die Düster-Atmo schon nach I Wanna Get High in einen rauschhaften Zustand versetzen. Bei all der wenig abwechslungsreichen Thematik seitens Cypress Hill (Kiffen, Ghetto) ist das hier erstklassiger 90er-Dope. Jazzig, verstörend und stellenweise überraschend funky.

Ice-T – O.G. Original Gangster

(Warner,1991)

Millionen testerongesteuerter Bleichgesichter stehen in der Schuld von Ice-T. Der ewig düster dreinschauende Rapper aus L.A. bot einen Ghetto-Film, gegen den sogar NWA wie französisches Arthouse Kino wirkte. Der Titel sagt schon alles und rein von den Lyrics gab es genau das was man mit 14 Jahren hören wollte: Drogen, Gewalt, Sex. Das alles hatten wir in unseren schönen Ein Familien Haus natürlich wenig bis gar nicht und umso reizvoller war der verboten wirkende Gangsta, der L.A. ein weiteres Mal als apokalyptischen Endzeit-Ort skizzierte, in dem nur die harten Jungs überlebten. So richtig ernst nehmen kann man heute nicht mehr und der ach so böse Copkiller spielte Jahre später in einer T-Serie namens Law & Order genau den bösen Erzfeind des kleines Dealers. Das ändert alles nichts an der Qualität des groovigsten Album aus der Gangsta Hip Hop Era und dem geschmeidigen Flow von Ice-T, der sich hier gerade zu schwindelig rappt.

Wu Tang – Wu Tang Forever

(Loud,1997)

Genau in dem Moment wo man dachte, dass Hip Hop eine einzige BBQ Party an der Westcoast wird, brachte ein Kollektiv aus hoch talentierten Rappern die deren Dominanz zum Wanken und setzen dem G-Funk von der westlichen Seite ein raues Debut-Album entgegen. nachdem man sich wie üblich die Wege in zahlreichen Solo-Ausflügen getrennt hatten kam 1999 das Comeback des wichtigsten Hip Hop Kollektiv. Der spröde Charme von Enter The 36 Chambers bekam zwar etwas mehr Muskeln, aber dafür präsentieren sich Wu-Tang Members gereifter und präsentieren mit Triumph wohl den besten Song, den der Clan jemals heraus gebraucht hat.

LL Cool J- Mama Said Knock Out

(Def Jam,1990)

Bei all den schlecht gelaunten Gangster haben wir doch ein wenig die geschmeidige Ecke des Hip Hop vergessen. LL Cool J als Schmuse-Rapper abtun ist allerdings ein großer Fehler, auch wenn JJ Smith sicherlich mehr für die Party zuständig war und leider gerade gegen Ende der 90er durch zunehmend poppige Produktionen auffiel. Auf seinem fünften Album zeigte er allerdings die Krallen und überraschte Sellout-Kritiker mit einem guten und seine Verhältnisse eher düsteren Album. Das LL Cool J nicht nur lüsternde Checker-Songs produzieren sondern auch Skills entwickeln kann bewies er mit dem überraschend harten Titelsong des Albums, in der seine Hater gleich mit der Ansage “Don`t call it Comeback, I been here for years ” auf die Bretter schickte und von dem Image des Pop-Rappers wegkam. Man muss nicht wirklich viele Album von LL Cool J besitzen, sein fünftes Album gehört allerdings in eine vielseitige Hip Hop Sammlung dazu.

Souls of Mischief – 93`Til Infinity

(Domino,1993)

Wer auf unseren vorangegangen Retrospektiven auf A Tribe Called Quest und Gang Starr  gestoßen ist wird sicherlich auch die Souls Of Mischief lieben, die für die jazzige und anspruchsvolle Seite der 90er standen. 93´Till Infinity ist im Gegensatz zu den lauten und mitunter prolligen Alben der Anfangs-90er ein eher introvertiertes Album, das sich mehr um die Erforschung von Sounds und einen hohen Anspruch konzentriert. Sowas wird nicht mit kommerziellen Erfolg belohnt, aber wir feiern das auch noch Jahrzehnte später ab. Bringt uns den Jazz im Hip Hop wieder.

IAM – L’Ecole Du Micro D’Argent

(EMI,1997)

Warum eigentlich immer über den Teich schauen, wenn wir doch auch hier in Europa dank den Franzosen Weltklasse-Hip Hop vom Feinsten hatten ? Der an die Eastcoast angelehnte Sound hatte vor allem einen massiven Einfluss auf den deutschen Hip Hop der End-90er und das immer noch unerreichte Debüt von IAM war ganz klar das vielleicht beste europäische Hip Hop-Album des Jahrzehnts. Der dunkle, drogengeschwängerte Sound ergänzt sich mit den mit dem nahezu perfekten Reimflow der Crew, die sich hier nicht vor Vorbildern wie dem Wu Tang verstecken sondern auf gleicher Augenhöhe begegnen. Wie nicht anders von den Franzosen zu erwarten: Das hier ist die ganz große Kunst und genialer Abschluss unserer Retrospektive.

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