Die 80er Jahre: Die besten Abenteuerfilme des Jahrzehnts III

So… dann wüten wir also ein letztes Mal durchs Abenteuerkino der Dekade. Das hier ist trotzdem alles andere als eine Resterampe. Auch wenn sich der ein oder andere Film in die Auswahl verirrt haben mag, der bei manchen Lesern Kopfschütteln auslösen dürfte, finden sich auch hier wieder eine Menge Hochkaräter ein… und zwar in einer ziemlich heterogenen Vielfalt: Episches Arthaus-Kino in Werner Herzogs Fitzcarraldo auf der einen, amüsanter Slapstick- und Prügel-Trash mit Bud Spencer und Terrence Hill in Zwei Asse trumpfen auf auf der anderen Seite. Klassische Hollywood-Unterhaltung Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten, realistische Wildnis-Impressionen in Der Bär, überbordernde Komik und Achterbahnfahrten in Die Götter müssen verrückt sein II und ästhetisierte, schweigsame literarische Verarbeitungen in Crusoe. Das Abenteuergenre als Spielwiese für überambitionierte Filmmacher, als Ideenraum für cineastische Poeten und als Steilvorlage für großes Action- und Comedykino. All das kompakt und mit fetter Must-See-Empfehlung nach dem Break.

Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten [Robert Zemeckis]

(USA, 1984)

Dass es sich bei Robert Zemeckis (Zurück in die Zukunft) wilder Jagd nach einem wertvollen Smaragd um ein Indiana Jones Rip-Off handelt…? Geschenkt. Im Gegensatz zum übergroßen Vorbild lebt Romancing the Stone weniger von den B-Movie-Reminiszenzen als viel mehr von dem grandiosen Romance/Action/Comedy-Duell zwischen Kathleen Turner und Michael Douglas. Mit erstaunlich konsequentem Verzicht auf allzu tumbe Gender-Klischees, dafür aber mit viel Wortwitz und großartiger Situationskomik ist dieses Abenteuermärchen beinahe so etwas wie die Screwball-Version des klassischen Abenteuerkinos. Chauvinismus wird fast konsequent ausgeblendet, stattdessen jagen, treiben und frotzeln sich die beiden Protagonisten derart vital durch den Urwald, dass es eine wahre Freude ist, ihnen dabei zuzuschauen. Hollywood-Unterhaltung mit viel Verve, Charme und dem richtigen Gespür für die beiden sympathischen Hauptcharaktere, und damit auch heute noch mehr als sehenswert.

Fitzcarraldo [Werner Herzog]

(Deutschland, 1982)

Werner Herzog und Klaus Kinski, Traumkombination für die Zuschauer, Alptraumpaar für alle hinter der Kamera. In ihrer vierten Zusammenarbeit entwirft Werner Herzog das gewaltige Abenteuergemälde eines fanatischen Musikliebhabers, der Schiffe über Berge hieven und Opern im Urwald aufführen möchte… Natürlich eine Paraderolle für Kinski, der all seine Energie, Leidenschaft und sein großes darstellerisches Talent in diese Rolle steckt und damit den Film beinahe alleine trägt. Aber auch darüber hinaus beeindruckt Fitzcarraldo wie schon der indirekte Vorläufer Aguirre, der Zorn Gottes (1972) mit fantastischen Landschaftsaufnahmen, einer hypnotischen Stimmung zwischen Temperament und Poesie und der epischen Bildverliebtheit, die Werner Herzogs Filme seit jeher auszeichnen. Ein großer, verzweifelter und zugleich berauschender Trip ins Herz der Finsternis und einer der besten Filme des Traumpaars überhaupt.

Der Bär [Jean-Jacques Annaud]

(Frankreich, 1988)

Wo Werner Herzog auf artifizielle und ästhetizistische Landschaftsaufnahmen setzt, um epische beinahe transzendentale Größe zu erzählen, ist Jean-Jacques Annauds Der Bär eine introspektive, zurückhaltende Reise in den Geist der Natur. Der fast vollkommen auf menschliche Dialoge verzichtende Film folgt annähernd sklavisch seinen beiden tierischen Protagonisten, konfrontiert diese mit den Gefahren von Mensch und Natur und findet schließlich doch immer zu ihrer eigenen, kleinen und doch ganz im Fokus stehenden Existenz zurück. Dabei wirken die stillen, langsamen Naturaufnahmen, die das Geschehen einrahmen, weniger malerisch oder expressionistisch als viel mehr ergänzend, still teilhabend am Schicksal der jungen Protagonisten. Der Bär ist ein Tierfilm im wahrsten, besten Sinne des Wortes, ein empathisches animalisches Abenteuer und eine spannende Reise in den Geist und die Mentalität der beeindruckenden Lebewesen.

Zwei Asse trumpfen auf [Sergio Corbucci]

(Italien, 1981)

Okay… sprechen wir über Bud Spencer und Terrence Hill. Entweder man liebt sie oder man hasst sie… oder man findet sie albern, oder man findet sie durchschnittlich, oder ganz nett, oder mag sie aus nostalgischen Gründen, kann sie sich heute dennoch nicht mehr anschauen… Ach, ist doch albern, hier ein großes Fass aufzumachen. Zwei Asse trumpfen auf schickt die beiden Raufbolde in die Karibik, wo sie sich mit Piraten, Japanern und Eingeborenen um große Schätze kloppen können. Klingt platt? Ist es auch, gehört aber mit zu den besten Klamotten des schlagkräftigen Duos. Eine sinnige Geschichte, logische Handlungen oder gar Intelligenz sollte man hier freilich nicht erwarten, stattdessen hagelt es Hiebe ebenso wie Kalauer, da wird gepöbelt, geprügelt, gefrotzelt und gewitzt…und es macht einfach verdammt viel Spaß. Klar, Nostalgie spielt da auch eine nicht zu vernachlässigende Rolle. Aber auch darüber hinaus ist dieser 82er-Flick ein herrlich unkorrektes, trashiges, käsiges, dummdreistes Abenteuervergnügen, für dessen Genuss man sich schämen kann… dies aber keineswegs sollte oder muss.

Die Götter müssen verrückt sein II [Jamie Uys]

(Südafrika, Botswana, 1989)

Nicht ganz so poetisch wie der erste Teil – der neben der Slapstick-Action auch so manche ruhigen Momente zu bieten hatte -, ist Die Götter müssen verrückt sein II immer noch ein großartiges Mashup aus Komödie, Abenteuerfilm, Action und invertiertem ethnologischen Trip von der Natur in die wirre Welt der menschlichen Zivilisation. Dank der episodischen Gestaltung, die zwei eingeborene Kinder als unfreiwillige Blinde Passagiere bei Wilderern, die Suche ihres Vaters, gestrandete Städter und zwei tollpatschige Söldner einschließt, ist der Clash of the Cultures auch hier wieder ein amüsanter Genre-Mix, der zwischenzeitlich zur reinsten Achterbahnfahrt durch die Wildnis mutiert. Wie schon beim Vorgänger mitunter etwas zu Nonsens-fixiert, zu unstet und albern macht auch dieser Film verdammt viel Spaß und sorgt für perfekte Familienunterhaltung, die sich bisweilen herrlich unkonventionell im Genre bewegt. Kein Meisterwerk aber ein treffsicherer Spaß, perfekt geeignet für ein nachmittägiges Sonntags-Filmprogramm.

Crusoe [Caleb Deschanel]

(Großbritannien, 1989)

Im besten Sinne des Wortes konservativ, bildverliebt und episch ist Caleb Deschanels Interpretation von Daniel Defoes berühmtem Roman Robinson Cruseo (1719). Ohne viel Sprache zu benötigen, erzählt der visuell beeindruckende Film die Geschichte eines Sklavenjägers, der auf einer einsamen Insel gestrandet ums Überleben kämpfen muss und sich schließlich mit einem eingeborenen Krieger anfreundet, als artifizierten Selbsterfahrungstrip zwischen Natur und Humanismus, zwischen zivilisatorischen Bedürfnissen und der Erkenntnis des atavistischen Selbst. Dabei konzentriert sich Crusoe voll und ganz auf die Kraft seiner herausragenden Bilder, seine Darsteller und die Faszination des Fremden, die die Atmosphäre des Abenteuerepos tragen und den Film so von allzu geschwätzigen, blassen Vorgängern der 50er Jahre abheben. Ein spannender, eigensinniger Umgang mit dem Stoff, der sich bezahlt macht und somit eine der besten Defoe-Verfilmungen überhaupt kreiert.


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