Die 80er Jahre: Die besten Abenteuerfilme des Jahrzehnts I

Neben all den großen und kleinen Genre-Irrungen und Wirrungen steht für die 80er Jahre eins fest: Sie waren die letzte Dekade der wirklich großen Abenteuerfilme des Blockbuster- und Independentkinos. Und was für ein tolles Jahrzehnt waren sie für dieses Subgenre! Schatzjagden, Erkundungen im Dschungel, in Wüsten und auf Meeren, spannende Familienunterhaltungen und düstere Reisen in die Herze der Finsternis. Es erfüllt schon mit Wehmut, dass dieses ausufernde Genre in den folgenden Jahrzehnten kaum noch Berücksichtigung geschweige denn Anerkennung fand. Abenteuerfilme, wie die hier genannten, bewegen sich immer an der Grenze zwischen Action, Spannung und Fantasy. Gerade der letzte Aspekt kann sich auf vielfache  Weise niederschlagen, sei es in mythologischen Bezügen wie im ersten Indiana Jones Jäger des verlorenen Schatzes, in tatsächlich fantastischen Szenarien wie im zweiten Teil der Reihe Der Tempel des Todes oder sei es in fantastischen Wirklichkeitsverklärungen wie in Crocodile Dundee oder Piraten. Näher an der Realität, weiter weg vom Fantastischen – aber alles andere als naturalistisch – sind da schon der vergnügte Comedy Clash of the Cultures Die Götter müssen verrückt sein sowie der spannende Ökothriller Der Smaragdwald. Für ein sehnsüchtiges in die Ferne schweifen, sind sie allesamt geeignet, und großartige Filme noch obendrein.

Jäger des verlorenen Schatzes [Steven Spielberg]

(USA, 1981)

Indiana Jones, Klappe die Erste. Der Action/Fantasy/Abenteuer-Hybrid Jäger des verlorenen Schatzes, der von der Suche des berühmten – unorthodoxen – Archäologen nach der Bundeslade und von seinem Kampf gegen die Nazis erzählt, ist großes Popcorn-Kino, wie es schöner und epischer nicht sein könnte. Mit einem spitzbübigen Augenzwinkern verbeugen sich George Lucas und Steven Spielberg vor den Abenteuer B-Movies der 50er Jahre, mixen all die herrlichen, überdrehten Albernheiten zusammen, die dieses Genre ausmachen, bleiben dabei immer schön selbstironisch und generieren dennoch einen verdammt spannenden, aufregenden und mitreißenden Trip zwischen markantem Eklektizismus und origineller Abenteuer-Achterbahnfahrt. Der perfekte Einstieg für den folgenden Ruhm des charismatischen Henry Jr. “Indiana” Jones und nach wie vor eine der schönsten Hommagen auf das Genre überhaupt.

Indiana Jones und der Tempel des Todes [Steven Spielberg]

(USA, 1984)

Indie, Klappe die Zweite. Ich muss jetzt doch mal eine Lanze für diesen hyperaktiven Abenteuerfilm brechen, der von vielen Indie-Jüngern verschmäht oder sogar offen angefeindet wird. Klar, die Balance des Vorgängers und des Nachfolgers fehlt komplett. Wo diese beiden ausgewogen zwischen Action und Story pendeln, schlägt Der Tempel des Todes in die Vollen: Beginnend mit einer wahnwitzigen Achterbahnfahrt von Shanghai über einen Flugzeugabsturz über einen Wildwassertrip, lässt er sich danach nur kurz Zeit für ein wenig mystisches Brimborium und Storytelling, um gegen Ende des Films noch mal Hals über Kopf zum Rummel zurück zu finden, inklusive atavistischer Gottesdienste, Höhleneroberungen, Lorenfahrten und Kämpfe gegen archaische Sektenkrieger. Die Narration bleibt dabei erwartungsgemäß dünn… So what!? Indiana Jones lebt nicht von dieser, insbesondere der zweite Teil, der Dank – nicht “trotz” verdammt nochmal – der hysterischen, nervigen Sidekicks, der chauvinistischen Attitüde, der launigen Interruptionen (Das Essen, Leute, das Essen!) und der vollkommenen Over-the-Top Action einfach der perfekte B-Movie ist. Hirn aus, Freude an, wenn Dr. Jones sich mit wahnwitzigen Priestern, obskuren Mythen und den Gesetzen der Physik herumschlägt (und gegen alle drei gewinnt). Vielleicht nicht der beste Indy-Vertreter, aber durch und durch ein knalliges Exploitation/Pulp-Meisterwerk, ohne Sinn, ohne Verstand, ohne Rücksicht auf Verluste… Hölle macht dieser Schund Spaß!

Crocodile Dundee [Peter Fairman]

(Australien, 1986)

So etwas wie die australische Version von Indiana Jones stellt Crocodile Dundee dar, zumindest was Kassenerfolg und Charisma des Protagonisten betrifft. Darüber hinaus erzählt der Film in höchst vergnüglicher ethnologischer Umkehr die Geschichte eines toughen australischen Outbacker, der mit den Verlockungen und Gefahren der amerikanischen Großstadt konfrontiert wird. Dabei imnszeniert Crocodile Dundee den Clash of the Cultures mit raffiniertem Blick auf die Dichotomie zwischen Stadt und Land, Australien und USA, zwischen natürlichem Überlebensinstinkt und urbaner Gemütlichkeit mit einer Menge Verve und Esprit, ohne sich dabei jemals allzu ernst zu nehmen. Der perfekte Hybrid aus familienfreundlicher Komödie und invertiertem Abenteuerkino, der sich vollkommen zurecht zum Blockbuster und Kultfilm entwickelt hat. That’s not a knife. This is a knife!

Der Smaragdwald [John Boorman]

(USA, 1985)

Dass Abenteuerunterhaltung auch ernster und mit ökologischem Background funktioniert, beweist John Boorman auf eindrucksvolle Weise in seinem fulminanten Actiondrama Der Smaragdwald: Ein Bauunternehmer verliert bei der Konstruktion eines Staudamms in Brasilien seinen Sohn an das eingeborene Unsichtbare Volk. Erst viele Jahre später, der Sohn ist mittlerweile vollwertiges Mitglied der Gemeinschaft, treffen sie sich wieder. Der daraus entsponnene Konflikt ist nur der Aufhänger für einen spannenden Thriller, in dem mythische Naturverbundenheit und abendländische Ökonomie aufeinanderprallen, in dem die Bedrohung der Natur durch Wirtschaft, Gier und Ignoranz stets greifbar ist und sich zum epischen Konflikt hochschaukelt. Klar, dass das nicht ganz klischeefrei von statten geht, macht in diesem Falle aber nichts: Auch abseits des erhobenen Zeigefingers ist Der Smaragdwald ein spannender, äußerst intensiver Abenteuerfilm, der mit großen, epischen Aufnahmen, einer mitreißenden Atmosphäre und einer geschickt entwickelten, dramaturgisch ausgereiften Narration begeistern kann.

Piraten [Roman Polanski]

(Frankreich, 1986)

Es muss nicht immer die Natur sein. Auch der Rückgriff in eine kontrafaktische, fantastische Historik ist für grandioses Abenteuerkino gut. Lange Zeit bevor die Piraten mit dem Fluch der Karibik wieder die Leinwände eroberten, kreierte Roman Polanski beinahe so etwas wie ein prototypisches Seeräuber-Märchen. Seine epische Piraten-Vision ist ein überbordernder Fantasy-Film, der so ziemlich alle Ingredienzen aufweist, die gehobene Mantel-, Degen, Kostüm- und Augenklappen-Filme ausmachen. Die Suche nach Schätzen, raue Sitten, anarchische Abenteuerlust, der Kampf gegen das System… Piraten ist ein exquisiter Spaß, in seiner eigenen Überabitioniertheit badend, feiernd, schwelgend, ein gigantischer Breitwand-Kostümfilm, der mit einem kräftigen Augenzwinkern all das zusammenführt, was das Genre des Piratenfilms einst so groß machte. Dagegen kann auch Fluch der Karibik nur kielholen und sich verschämt ins Meer zurückziehen. Ein größeres, bunteres, atemberaubenderes Piratenfilm-Vergnügen hat  das Licht der Leinwand seit diesem exzessiven Meisterwerk nicht mehr erblickt.

Die Götter müssen verrückt sein [Jamie Uys]

(Botswana, 1980)

Wie auch Crocodile Dundee steht Die Götter müssen verrückt sein für die Inversion ethnologischer Blickwinkel. Der Gesandte eines eingeborenen Stammes macht sich auf den Weg ein schreckliches Geschenk der Götter – eine Coca Cola Flasche – ans Ende der Welt zu bringen und dort den Göttern zurück zu geben. Seine Reise entwickelt sich zu einer obskuren Odyssee, vorbei an weißen Halbgöttern, Terroristen und zivilisatorischen Errungenschaften. The Gods must be crazy nimmt sich Gott sei Dank selbst nie zu ernst und erzählt mit viel Leichtigkeit und dem Herz am rechten Fleck eine bewegende Geschichte irgendwo zwischen Abenteuerfilm und Tragikomödie, mit viel Empathie für seine Protagonisten und vor allem mit dem richtigen Blick für die Skurrilitäten der westlichen Zivilisation. Das mag mitunter zwar mit etwas zu viel Slapstick und Nonsens aufgeblasen sein, findet aber neben all der hektischen Action immer genug Zeit für die ruhigen Zwischentöne, Romantik und auch die zivilisationskritischen Fragen. Ein netter, angenehm zurückhaltender, im besten Sinne des Wortes lieber Film, der weder mit seinem Sujet noch mit seinen Figuren allzu hart ins Gericht geht und dadurch als universell versöhnliche Abenteuerparabel lange im Gedächtnis bleibt.

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