Die 80er Jahre: Die besten Superheldenfilme und Comicverfilmungen des Jahrzehnts

Wir bleiben weiter im Genre-Kino und unternehmen zumindest den Versuch, der Tradition der Filmretrospektiven vorangegangener Dekaden ebenfalls treu zu bleiben. Diesbezüglich stehen Comicverfilmungen und Superheldenfilme auf dem Programm. In den 00er Jahren war das kein größeres Ding, gab es in dieser Dekade doch unzählige gute Marvel-, DC- whatever Flicks. In den 90ern gestaltete sich die Sache dagegen weitaus schwieriger… und spätestens jetzt, in den 80er Jahren gleicht die Suche nach guten Subgenre-Vertretern der Suche nach der Nadel im Sch… Heuhaufen. Ein wirklich bedingungsloses Meisterwerk hat das Jahrzehnt tatsächlich nicht zu bieten. Stattdessen viel Durchschnitt, viel Mist und alles in allem relativ wenige beachtenswerte Filme. Einige wenige Highlights kristallisieren sich heraus, jedoch halten selbst diese keinem Vergleich mit folgenden Jahrzehnten stand. Am ehesten darf noch Batman das Jahrzehnt meisterhaft abschließen. Superman II bietet immerhin saubere Nonsens-Unterhaltung zu Beginn der Dekade. Und sonst…? Hmmm… Ich hätte noch Popeye (ja, ernsthaft!), den grimmig spaßigen Conan (wirklich!), den trashigen Flash Gordon (ehrlich!) und den noch trashigeren Toxic Avenger (kein Scheiß!) im Angebot. Hand aufs Herz: Auf der Suche nach Superhelden- und cineastischen Comic-Meisterwerken seid ihr in anderen Jahrzehnten besser aufgehoben. Die wenigen, allemal empfehlenswerten Highlights folgen trotzdem. Mit diesen Filmen macht ihr jedenfalls nichts verkehrt.

Superman II – Allein gegen alle [Richard Lester, Richard Donner]

(USA 1980)

Der zweite – und letzte gelungene – Superman-Streifen, der zuerst von Richard Donner inszeniert, später nach Querelen mit den Produzenten an Richard Lester übergeben wurde, leitet die Dekade dann doch recht vielversprechend ein. Direkt anschließend an die Geschehnisse aus Superman der Film (1978) erzählt er zwischen vergnüglicher Selbstironie, pathetischem Mystifizismus und atemberaubender Action von der Invasion der Erde durch drei von Krypton stammende Superbösewichte. Der einzige, der die Welt vor der Versklavung retten kann, ist natürlich Superman himself und so macht sich dieser auf in den Kampf gegen die drei ihm ebenbürtigen Gegner. Superman II pendelt wie schon der Vorgänger geschickt zwischen Action, Humor und Pathos, bleibt dabei stets Popcorn-lastig und findet trotz einer Menge Nonsens genug Zeit ein spannendes Blockbuster-Märchen zu inszenieren. Tricks, Dialoge und naive Inszenierung mögen zwar heutzutage etwas befremdlich anmuten, das ändert aber nichts daran, dass Superman II ein vergnügliches, kurzweiliges Actionabenteuer mit Sci-Fi- und Fantasy-Touch darstellt.

Batman [Tim Burton]

(USA, 1989)

Zusammen mit Superman bildet Tim Burtons Batman-Einstand die große DC-Klammer um das Comicfilm-Jahrzehnt. Unterschiedlicher könnten die beiden Superhelden-Interpretationen indes kaum sein. Im Gegensatz zum Mann aus Stahl ist Burtons Batman ein getriebener, verzweifelter und mysteriöser Held ohne Superkräfte, dafür mit viel Antihelden-Potential. Dass sein Gegenspieler, der Joker, von Jack Nicholson grandios verkörpert wird, darf in Zeiten der Dark Knight Verehrung ruhig noch einmal extra betont werden. Ebenso die Tatsache, dass Michael Keaton verdammt nochmal einfach die beste Verkörperung sowohl des dunklen Ritters als auch Bruce Waynes leistet, die je in einem Batman-Film zu sehen war. Darüber hinaus ist die Story stimmig, die Atmosphäre schön düster, mitunter beinahe deprimierend und auch der Rest des Casts macht – abgesehen von der etwas blassen Kim Basinger – alles richtig. Burtons gotische Batman-Vision ist ein ungemein gelungener Transfer der dunklen Superhelden-Saga in das postmoderne Fantasy-Kino und ein Film der sich mindestens messen kann mit den aktuellen Nolan-Meisterwerken. In einigen Punkten überflügelt er diese sogar…

Popeye [Robert Altman]

(USA, 1980)

Echt jetzt… ernsthaft. Altmans Popeye-Interpretation ist sowas von unterschätzt, sowas von fälschlicherweise abgestraft und sowas von unterhaltsam, bissig und unkonventionell. Altman schert sich bei seinem desorientierten Flick einen Dreck um Konventionen des Erzählkinos und inszeniert stattdessen einen rüden, mit Over the Top Musicals flirtenden Comicstrip-Movie, der den Geist der Vorlage perfekt einfängt, karikiert und pervertiert. Und dieser Geist besteht einfach mal aus Gaga-Situationen, vollkommen überzeichneter Gesichtsakrobatik und einer unzumutbaren Ausgangsidee. Ich meine, hey, ein Matrose, der durch Spinat zum muskelbepackten Berserker wird… Seriously? Popeye macht Spaß, als überzeichnetes, cheesy, lazy, trashy Musical und packt nebenbei noch so dreist sozialkritische, gehässig satirische Züge in sein überzeichnetes Szenario, dass er fast zum subversiven Studio-Albtraum verkommt. Echt jetzt! Schaut euch diesen Family/Hardcore-Bastard an. Er mag zwar spröde, mitunter nervig, neben sich, irgendwie kaputt sein. Andererseits aber ist der Superhelden-Blockbuster der Anarchie nie näher gewesen und nie wieder näher gekommen.

Conan der Barbar [John Milius]

(USA, 1982)

Und noch einmal: Ja, das mein ich ernst.. echt jetzt! Natürlich ist die Verfilmung der Conan-Comics mit Arnold Schwarzenegger rüder, tumber Bullshit, eine Aneinanderreihung von albernen Dialogen, martialischer Fantasy und brutalen Kampfsequenzen, ein Film der irgendwo zwischen 80er B-Movie-Action, versuchtem Fantasy-Epos und chauvinistischer Grütze stolpert. Aber Hölle, macht die ganze Chose dabei Spaß. Conan der Barbar ist ein atavistisches Filmerlebnis, im wahrsten Sinne des Wortes. Nicht nur thematisch, als Barbarenfilm in irgendeiner obskuren Urzeit angesiedelt, sondern mindestens ebenso als rein affektiver Schlag in die Fresse des Publikums, als ungehobelter, politisch unkorrekter Hieb gegen Stil, Eleganz, Form und dramaturgische Stimmigkeit… Stattdessen ein stoizistisches, straightes Gemetzel mit obskurem mythologischen Background. Schlicht schlicht oder so ähnlich, dabei aber die perfekte “Fuck the Mind!” Unterhaltung, die dir den Geist rausprügelt, dich von allen Arthaus-Attitüden heilt und als roughes Actionspektakel lange in Erinnerung bleibt. Subtil geht anders. Intelligent geht anders. Geistreich geht anders. Haudruff-Fantasy Spaß geht im Grunde genommen nur so!

Atomic Hero – The Toxic Avenger [Michael Herz, Lloyd Kaufman]

(USA, 1985)

Ja, ja, ja… echt jetzt, verdammt nochmal. Wenn Conan der Barbar Unterhaltung für die Bodybuilding-Fetischisten auf niedrigstem Niveau ist, dann ist The Toxic Avenger das selbe für die Nerds, Exploitation- und Splatterfreunde. Wenn ein schmächtiger und gehänselter Geek durch den unfreiwilligen Sprung in atomaren Sperrmüll zum Superhelden-Monster Toxic Avenger mutiert und fortan  in Tromaville (Troma, yeah!) aufräumt, kann das einfach nur zum vergnüglichen nerdy Gore-Fest werden. Der satirisch überhöhte, äußerst brutale und slapstickhaft überzeichnete Kampf gegen das Verbrechen ist die perfekte Antithese zum viel zu oft viel zu sauberen Superheldenkino, so etwas wie ein dreckiger Vorbote von Kick-Ass und Super und dabei weitaus konsequenter, ätzender, zynischer und bissiger als diese Anti-Superheldenfilme unserer Zeit. Irgendwie Horror, irgendwie Comedy, irgendwie pure Anarchie und damit fast so was wie der Evil Dead der Comicverfilmungen… ohne Zweifel ein subversives Negativ-Meisterwerk, das seinen Kultstatus mehr als verdient wacker bis in unsere Zeit hält.

Flash Gordon [Mike Hodges]

(USA, 1980)

Und zum letzten Mal, versprochen: Ja, ja, ja… das meine ich ernst! Die Comicverfilmung Flash Gordon ist ebenfalls komplett überspitzt, wenn auch aus ganz anderer Richtung: Wenn Flash im Footballkostüm den galaktischen Imperator Ming aufs Kreuz legt, wenn Falkenmänner zum Angriff blasen und Queen den titelgebenden Helden zum Erlöser des Universums erklären (“Flash! Ahaaaa!”), dann ist das schon mehr als extravagant. Flash Gordon ist ein buntes Fantasy/SciFi-Spektakel, das den B-Movies vergangener Zeiten ordentlich Tribut zollt, sich nie allzu ernst nimmt und dabei dennoch fähig ist, eine fantastische, überzeichnete Geschichte von Weltenrettungen und Spaziergängen auf fremden Planeten zu erzählen. Nebenbei ist der Streifen nicht nur schrill, albern und ekstatisch, sondern geizt auch nicht mit massig Körperlichkeit und zahllosen physischen, anzüglichen, sexuellen Konnotationen und ganz offensiven Ausdeklinierungen… beinahe so etwas wie die Queer Metrosexual Fashion Porn Version einer Space Opera und dabei ein riesiges Vergnügen.


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