Die 80er Jahre: Die besten Science Fiction Filme des Jahrzehnts V

Zurück in die Zukunft… die Letzte. Waren die Vorgänger-Artikel noch alle ziemlich bunt durchmischt, heterogen in ihrer Filmauswahl, so bewegen wir uns nun auf doch relativ homogenen, familienaffinen Parkett. Die großen Independent- und Arthaus-Geschütze werden in der letzten 80er Jahre Science Fiction Retrospektive nicht mehr aufgefahren. Stattdessen gibt es viel Kuschel- und Wohlfühl-Fiction dem nostalgischen Fantasy-Trip Der Flug des Navigators, spannende genreübergreifende Action/Comedy-Unterhaltung in Zurück in die Zukunft 1 und 2, lässigen anachronistischen Disney-Quark in Tron und visionären Sci-Fi-Optimismus in Star Trek II – Der Zorn des Khan. Die einzig düstere Note setzt die pessimistische, Literaturverfilmung 1984… und mit dieser, nach wie vor brandaktuellen Dystopie landen wir wieder sanft in der Gegenwart und können uns anderen Genres widmen.

Star Trek II – Der Zorn des Khan [Nicholas Meyer]

(USA, 1982)

Noch nicht ganz mit der Klasse des vierten Teils der Serienverfilmungs-Franchise gesegnet, aber Lichtjahre vom öden ersten Teil entfernt, gilt Star Trek II – Der Zorn des Khan als Grund dafür, dass wir in den 80ern und darüber hinaus permanent mit – mal mehr mal weniger guten – Star Trek Filmen gesegnet wurden. Die Klasse dieses Films liegt nicht zuletzt im hervorragenden Gegenspieler der Enterprise-Crew: Khan ist böse, hinterhältig, rachsüchtig und alles in allem DER Übercharakter der gesamten Reihe. Darüber hinaus menschelt es ordentlich in der referenzreichen Enterprise-Galaxie, nicht nur wenn Kirk auf eine ehemalige Geliebte und seinen Sohn trifft, sondern auch wenn sich Spock selbstlos für seinen Captain und die gesamte Crew opfert. Der Zorn des Khan ist auch heute noch – trotz gewisser Angestaubtheit – ein mehr als sehenswerter, spannungsreicher, unterhaltsamer und vor allem humanistischer Ableger der Franchise.

1984 [Michael Radford]

(Großbritannien, 1984)

Im Orwell-Jahr 1984 inszenierte Michael Radford endlich eine Verfilmung des dystopischen Romanklassikers, mit dem nicht nur George Orwells Erben mehr als einverstanden waren, sondern der auch den Geist der dunklen, literarischen Vorlage perfekt einfing. Der Überwachungsstaat in Nineteen Eighty-Four ist grau in grau, düster, unheimlich, schmerzt in jeder Einstellung und transportiert damit perfekt den Geist des Kultromans von 1949 in die Gegenwart. Die Dystopie um eine Welt, in der niemand niemandem vertrauen kann, steckt voller Pessimismus, gesellschaftskritischer universeller – nach wie vor aktueller – Bezüge und sadistischen Fallhöhen. Wie die Vorlage ist das Ergebnis in seiner Kargheit und nackten Paranoia alles andere als leichte Kost, aber gerade deswegen so schmerzhaft notwendig, bitter, zynisch und den Geist befreiend. Ein zeitloses, sich selbst in der Rezeption stets aktualisierendes Meisterwerk, das gar nicht ernst genug genommen werden kann.

Der Flug des Navigators [Randal Kleiser]

(USA, 1986)

Science Fiction für Kids… Kann das funktionieren? Oh, ja, es kann! Der spannende, tragikomische Sci-Fi/Fantasy/Abenteuer-Hybrid Der Flug des Navigators ist perfekte Unterhaltung für die ganze Familie, ohne dass das Sujet des Films dabei an Tiefe verlieren würde. Die Zeitreise eines kleinen Jungen in einem intelligenten, humanistischen UFO ist so etwas wie die Independent-Version von Steven Spielbergs Klassiker ET… und erhielt traurigerweise nie die gleiche Aufmerksamkeit wie sein Bruder im Geiste. Dabei gelingt diesem kleinen, unterschätzten Juwel ebenfalls perfekt die Balance zwischen Abenteuer, Humor, Sentimentalitäten und einer größeren, gesellschaftskritischen und universellen Note zu halten. Der Flug des Navigators macht nicht nur Spaß sondern lebt auch voll im Geist des Humanismus, der menschlichen und darüber hinaus gehenden Neugier, in der Vorstellung, dass Vorurteile, Ängste und repressive Positionen abgebaut und zu Gunsten einer kindlich offenen – allerdings nicht naiven – Weltsicht überwunden werden können. Wer den optimistischen, rührseligen und epischen Geist ETs mochte, kommt an dieser unterschätzten Perle des familientauglichen Genre-Kinos nicht vorbei.

Zurück in die Zukunft 1 und 2 [Robert Zemeckis]

(USA, 1985 / 1989)

Habe jetzt doch lange überlegt, ob der hier reinpasst… Denn sowohl Teil 1 als auch – wenn auch weniger – Teil 2 der Back to the Future Trilogie sind astreine Genre-Überflieger. Es gibt nur wenige Filme auf diesem Planeten, denen ein so perfekt ausbalanciertes Genre-Mashup gelingt wie den beiden Kultfilmen: Comedy, Tragikomödie, Abenteuer, Action, nostalgischer 50’s Trip… und ja natürlich auch Science Fiction. Im ersten Teil, wenn Marty in die 50er Jahre und zu seinen Eltern reist, mag der Sci-Fi-Aspekt noch etwas unterrepräsentiert sein, aber spätestens mit der Reise in die Zukunft, dem anschließenden Spiel mit verschiedenen Realitätsebenen und dem herrlich retroaktiven Trip zurück in die 50er (inklusive Rückgriff auf Footage des ersten Teils) befindet sich der wüste Zeitreise-Trip vollständig in den höchsten Sphären des Genre-Kinos. Dabei gehören die beiden Popcorn-Meisterwerke wirklich zu der Sorte Film, die eigentlich jeder mag, mögen muss: Großartige Unterhaltung, ein wenig Romantik und Pathos, schräge, originelle Ideen, die durchaus mehr sind, als von Blockbustern dieser Größenordnung erwartet werden darf, tolle Charaktere, tolle Settings, eine tolle Geschichte, Liebe zum Detail. Phew… ich komme hier gar nicht mehr aus dem Schwärmen heraus. Back to the Future ist eines DER Meisterwerke des Hollywood-Kinos, ein großer Spaß, ein zeitloser Klassiker und zusätzlich sogar noch einer der wenigen Filme, die ebenfalls eine meisterhafte Fortsetzung vorweisen können. Teil 2 fällt im Vergleich zu seinem Vorgänger kaum ab, begeistert ebenso mit schicken Ideen, Warmherzigkeit und genialer Over the Top Action… vielleicht dann auch so etwas wie die Achterbahnversion des Klassikers. Sehenswert sind sie beide, bedingungslos, am besten direkt hintereinander bei einem gemütlichen Filmabend (an den zusätzlich der ebenfalls gelungene, wenn auch nicht ganz so meisterhafte dritte Teil angeschlossen werden kann). Pure Gold!

Tron [Steven Lisberger]

(USA, 1982)

Und auch bei diesem Kultfilm habe ich lange überlegt, ob ich ihn hier aufnehmen will. Allerdings nicht wegen des Genre-Mix – Tron ist dann doch ziemlich reinrassige Science Fiction -, sondern weil er (trotz Star Trek II) an dieser Stelle der Film ist, der am meisten Staub angesetzt hat, am Stärke unter dem Lauf der Zeit leiden muss. Im Grunde genommen war die Story um einen Programmierer, der vom Computer verschluckt wird und sich fortan im Cyberspace behaupten muss, schon damals recht dünn. Die damals awesome wirkenden Special Effects haben viel ihrer Faszination eingebüßt, wirken heutzutage eher cheesy und es gibt zahllose lächerliche Momente und plumpe Disney-Spielereien. Aber Tron ist halt nicht nur nerdkultureller Kult sondern auch ein wunderbar nostalgischer Trip in eine Welt und Zeit, in der High Tech eine komplett andere Bedeutung hatte als heute, beinahe so etwas wie ein kulturhistorischer Exkurs, der es wert ist erlebt zu werden. Vielleicht krame ich auch gleich noch meine Rezension zu dem Film heraus, die ich vor einigen Jahren geschrieben habe und in der ich mit dem Film ziemlich hart ins Gericht gehe. Heute stehe ich ihm (wieder) wohlwollender gegenüber und sei es nur aus nostalgischer Wehmut. Tron gehört zwar nicht zu den besten Filmen des Jahrzehnts, aber allemal zu den sehenswertesten… aus Gründen… und selbst wenn diese nur darin bestehen, sich über die Cyberspace-Rezeption einer längst vergangenen Ära zu wundern, zu amüsieren und noch einmal halb wehmütig halb verschämt an diese grandiose Pionierzeit zurück zu denken.


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