South Park Season 16 – First Half Recap

Wenn du Donnerstags voller Vorfreude southpark.de aufrufst und enttäuscht feststellen musst, dass immer noch die Episode von letzter Woche als aktuellster und heißester Scheiß präsentiert wird, dann weißt du, dass es wieder einmal so weit ist: South Park geht in die – btw. viel zu lange – Sommerpause und es dürfen erst einmal einige Monate ins Land ziehen, bevor du mit neuen Folgen beglückt wirst. Trauriger Umstand, gute Möglichkeit für einen kurzen Recap. Wie schon im letzten Jahr will ich auch an dieser Stelle auf die bisherigen Folgen der aktuellen Staffel zurückblicken: Themen, Motive, Stärken, Schwächen und der ganze Rest eben. South Park Season 16, was bisher geschah und worauf wir uns noch freuen dürfen…

Dass das Mantra, South Park würde von Staffel zu Staffel besser, spätestens seit den letzten beiden Staffeln nicht mehr ganz so oft wiederholt wird, kann zwei Gründe haben: Entweder ist diese Tatsache mittlerweile so sehr Common Sense geworden, dass sie keiner weiteren Auffrischung bedarf, oder aber sie ist mittlerweile gar nicht mehr soooo bedingungslos gültig, wie viele South Park Fans gerne hätten. Tatsächlich hatte Season 15 nach dem grandiosen Start HumancentiPad- der popkulturelle Referenz und Gesellschaftskritik mal wieder perfekt unter einen Hut brachte – so etwas wie einen mittelschweren Durchhänger. Sprich: Für TV-Verhältnisse immer noch überragend, für South Park Ansprüche aber doch etwas enttäuschend. Erst auf den letzten Metern hatte sich die Staffel mit der fantastischen Occupy-Hystery-Auseinandersetzung 1% und dem Broadway Bro Down erhohlt und präsentierte die schwarzhumorige Trickserie auf gewohnt gekonntem Niveau… Also durchaus erst einmal Grund für Optimismus im Hinblick auf die 16. Staffel.

Diese beginnt jedoch ebenfalls mit einer kleinen Enttäuschung. Dabei macht Folge 1 grundsätzlich alles richtig: Anhand eines bitterbösen, vollkommen überspitzten Diskurses um die richtige Toiletten-Etikette eröffnet Reverse Cowgirl eine großartige Parodie auf die Transportation Security Administration und den unverhältnismäßig extremen Kontrollwahn auf amerikanischen Highways. Ganz nebenbei werden noch Gender-Debatten, Okkultismus und das US-Justizsystem persifliert und diese verschiedenen Topics derart wüst durcheinander gemixt, dass es eine wahre Freude ist. Dem Season-Opener muss man dann aber doch vorwerfen, dass er zu sehr bemüht ist, zahllose gesellschaftliche Diskurse unter einen Hut zu bringen, stürmt, rennt, kämpft und sich dabei in den endlosen Themen verheddert. Spaß macht er trotzdem allemal.

Tatsächlich bleibt auch der Rest der Staffel – im Gegensatz zu Season 15 – dem gesellschaftskritischen, politischen Ansatz konsequent treu. Gab es in der Vorgänger-Staffel noch Auflockerungen durch pure Nonsens-Episoden, zwischenmenschliche Dramen und – beinahe nostalgische – Vulgaritäten, ist South Park Season 16 grundsätzlich darum bemüht mit zynischen und sarkastischen politischen Kommentaren am Puls der Zeit zu arbeiten: Gold-Geschäfte, Internet-Meme, Mobbing, Reality-Shows, Post-Rassismus… jede Folge hat ihren eigenen tagespolitischen Aufhänger, allenfalls Jewpacabra fällt mit seiner klassischen, ohne aktuelle Bezüge arbeitenden Antisemitismus-Thematik ein wenig aus der Reihe. Aber politische und gesellschaftskritische Ansätze sind nicht alles bei South Park, entscheidend ist doch immer, wie die jeweiligen Episoden mit ihren Topics umgehen.

Und hier präsentiert sich Season 16 – ähnlich wie die Vorgängerstaffel – qualitativ schwankend. So gelingt es der zweiten Folge Cash for Gold nicht, ihre im Grunde genommen grandiose Interpretation des Goldhandels spannend und emotional zu erzählen. Wo es früheren South Park Episoden vermutlich gelungen wäre aus der finalen Konklusion eine epische Tragödie zu spinnen, handelt diese Folge ihre Auflösung fast schon gelangweilt mathematisch ab. Ohnehin springt ein merkwürdiger Mangel an Emotionalität in der aktuellen Inszenierung ins Auge. Irgendwie ist es älteren South Park Episoden besser gelungen, neben der Verquickung von Popkultur und Politik auch was fürs Herz zu bieten. Die aktuelle Staffel scheint in dieser Hinsicht mitunter fast schon zu verkopft. Wo sind die großen menschlichen Dramen, wo ist das alltägliche Leid und die Durchbrechung von diesem mit schwarzem Galgenhumor? Der Humor ist nach wie vor da, zweifellos, funktioniert auch noch hervorragend… und doch fällt der fehlende emotionale Kontrast schwer ins Gewicht. So wirkt das Lachen oft nicht böse befreiend sondern einfach nur ätzend, nicht zynisch oder sarkastisch sondern einfach nur dreist.

Wohlgemerkt, wir meckern hier gerade auf höchstem Niveau, denn auch ohne die rührenden, dramatischen, schmerzhaften, bewegenden und mitreißenden Momente bietet die Staffel tolle und auch spannende Geschichten. Faith Hilling mag aus seinem – herrlich netzkritischen – Thema ein bissel zu wenig machen, Butterballs zum Beispiel ist aber eine grandios durchdachte, tragikomische Auseinandersetzung mit Mobbing und vor allem der medialen Verarbeitung des Themas. Spätestens wenn Stan in der Tradition des Kony2012-Regisseurs Jason Russell nackt und masturbierend in San Diego landet referiert die Episode nicht nur auf Anti-Mobbing-Aktionen sondern auf den gesamtem viralen Kampagnen-Wahn, wie er in den letzten Jahren im Netz grassiert ist. Dass dieses Thema dann zum Ende der  Episode I Should Have Never Gone Ziplining wieder aufgegriffen, nur kurz gestreift und fallen gelassen wird, ist nicht nur ein höchst vergnüglicher selbstreferenzieller Akt, sondern schlägt auch eine Brücke von viralen Netz-Videos zum klassischen TV Reality Format… vielleicht einer der stärksten subtextuellen Momente der gesamten Staffel. I Should Have Never Gone Ziplining verdient auch darüber hinaus eine zusätzliche Hervorhebung: Zum ersten Mal in der Geschichte South Parks sehen wir die vier Jungs von Schauspielern verkörpert. In den für die fiktive TV-Sendung – vergleichbar mit dem deutschen 90er Format Notruf – nachgestellten Szenen werden Stan, Kyle, Cartman und Kenny von laienhaften Teenie-Darstellern gespielt… selten dämlich und dadurch umso unterhaltsamer.

Als Highlight der Season kristallisiert sich am ehesten Jewpacabra heraus, wenn Cartmans Bösartigkeit, Verschwörungstheorien und Monsterhysterie – inklusive eines historischen, mythologischen Exkurses – eine wunderbare Melange eingehen. Hier darf es dann sogar eine herzzerreißend emotionale Szene zwischen den Erzfeinden Cartman und Kyle geben, wenn dieser über seinen Schatten springt und das antisemitische Ekel Cartman von seinem Leid erlöst. Mit Cartman finds Love findet die Staffel dann auch zu einem versöhnlichen Abschluss: Eric in seinem (widerwärtigen) konspirativen Element, die Kids in ihrem Alltag und dennoch eine Verarbeitung gesellschaftspolitischer Themen. Vielleicht fehlt bisher trotzdem die ganz und gar herausragende Episode, das Epos, dass die einzelnen Folgen zusammenhält: So wie Imaginationland oder die Coon-Episoden vergangener Seasons. Jewpacabra hätte das Zeug dazu, traut sich aber nicht, ganz so episch zu werden, wie man es sich erhoffen könnte. Potential nach oben ist also da.

Ansonsten Stagnation auf höchstem Niveau, schwankende Qualität und ein kleiner, ganz ganz kleiner Abfall zu den Meisterwerken vergangener Jahre… ganz in der Tradition von Season 15 und damit nichts, worüber man sich wirklich ärgern könnte. In diesem Sinne: Ein ganz klein wenig Wehmut, viel Vorfreude auf die kommenden Episoden und wie immer Ärger über die viel zu lange Pause. Season 16, Part 2 ahead. South Park darf gerne noch viele solcher Staffeln produzieren…

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