Ich spare mir mal die üblichen Auslassungen über irgendwelche Wetterkapriolen und kann nur mit Freude verkünden, dass dieser April endlich bald vorbei ist. So durcheinander wie das Wetter ist auch unsere Auswahl: Rüder Punk von den Screaming Females, gefühliger Sommer-Pop von Last Days Of April, braver Konsens von Of Monsters And Men und erstaunliche Experimente von Django Django.
Last Days Of April – 79
(Soulfood,30.03.2012)
So, der muss natürlich noch sein. The Last Days Of April sind wieder zurück und das neue Album 79 (direkt mal nach meinem Geburtsjahr benannt, i like) ist hervorragender Schweden-Pop, der die großen Momente von Nada Surf wieder aufleben lässt und einfach großartig produziert wurde. Diese Band ist furchtbar nett und singt darüber, dass die eigene Freundin das süßeste Lächeln besitzt und was man so alles falsch gemacht hat, also all die Dinge die einem normalerweise die Galle zum anschwellen bringen müsste, wenn das nicht so alles so toller und zutiefst angenehmer Sommer-Pop wäre.
Screaming Females – Ugly
(Don Giovanni,03.04.2012)
The Men und Cloud Nothings haben haben schon sehr gute Indie-Alben, und ich meine damit INDIE als Einstellung und nicht Hipster-Modetrend, veröffentlicht. Die Screaming Females gesellen sich nun einfach dazu. Es ist ja schon länger ein Trend zum Noise-Pop zu erkennen, der zwar einen gehörigen Groove hat, aber doch wieder Mut zur Kompromisslosigkeit erkennen lässt. Die Screaming Females könnten zwar, wenn sie wollten, nur Pop sein, aber möchten dann doch garstig und unartig daherkommen und strecken dem Hörer den Mittelfinger entgegen, sobald es zu schunkelig oder tanzbar werden könnte. Damit es so richtig nach übelriechender Proberaum-Atmo klingt, haben sie Steve Albini dazu geholt, der sich schon bei den bereits angesprochenen Cloud Nothings die Finger schmutzig gemacht hat. Man bemerkt also die punkige Unlust an Konformität und vor allem die Sängerin hat wohl hörbar wenig Lust darauf, die niedliche Quotenfrau zu spielen. Die Screaming Females präsentieren sich hier wirklich ugly, vielleicht mitunter zu gewollt, aber wichtiger als die Hitträchtigkeit ist eh die Haltung, und die gefällt.
Of Monsters And Men – My Head Is An Animal
(Universal, 27.04.2012)
Little Talks dürfte wohl bald jeder kennen. Der launige Popsong, mit dem euphorischen Hey!-Ausbruch und so ziemlich alles was man sich noch so von Arcade Fire klauen kann. Nachdem diese in die Stadion-Arenen vorgedrungen sind, scheinen die Plattenfirmen nicht eiligeres zu tun zu haben, als schnell den nächsten Clone unter Vertrag zu nehmen. Wenn man die Pressefotos sieht, könnte man meinen, Of Monsters And Men haben sich gleich noch für die neue H&M Kampagne zu Verfügung gestellt und irgendjemand verwendet eine der Songs für einen neuen Zooey Deschanel Film. Bei My Head Is An Animal ist man auf Nummer sicher gegangen, auch was die Produktion angeht, die in etwa genauso pompös wie bei den Vorbildern aus Montreal ist. Die Songs sind nett, extrem catchy und haben Lalala-Chöre zum fröhlichen Mitschunkeln – und klatschen. Damit die Charts Hörer sich nach Little Talks nicht verloren vorkommen, hat man den Hit einfach nochmal mehrfach auf Albumlänge kopiert und Sängerin Nanna Bryndís Hilmarsdóttir hat wohl mehr als eine Gesangstunde bei Florence & The Machine genommen. Nein, bei aller Nettigkeit und Sympathie für die sicherlich hochsympathische Band, aber “My Head ist einfach An Animal” ist der uneigenständigste Stück Konsens derzeit. Momentan deutet hier jedenfalls nichts auf eine längere Karriere hin, da sich die Band plump an gängigen Trends orientiert und einfallslos vermarkten lässt.
Django Django – Django Django
(Warner, 27.04.2012)
So und zum Schluss das bisher beste Album des Jahres. Der Bandname könnte zwar nicht blöder sein, aber was Django Django aus London hier für ein Psychedelic-Prog-Electro-Sonstwas Feuerwerk abfackeln gibt einem die Hoffnung zurück, dass nicht alles momentan abgelutscher Lahmarsch-Mist der schnarchigsten Sorte ist. Das hier ist kein konstruierter Schluffi-Indie sondern ein extrem gut gelunger Versuch ” The Piper At The Gates Of Dawn” in die Gegenwart zu transportieren. Die Experimentierlust und das Einbinden von freakigen Loops in Verbindung mit einem großartig verdrogten Sixties-Vibe lässt mich gerade Purzelbäume schlagen und immer wieder begeistert aufspringen. Sehr schön und man sieht bei den Alben des Jahres wieder.
