Happy Birthday, Jack Nicholson

Der Easy Rider Joker, der zwei Mal über Chinatown flog wird heute 75 Jahre alt. Jack Nicholson, das vermutlich berühmteste Grinsen Hollywoods, irgendwie immer so zwischen aalglatt, süffisant böse und beängstigend psychopathisch… Eigentlich scheint es ja fast überflüssig gesagt zu werden, aber ich liebe ihn einfach. Jack Nicholson gehört zu jenen Schauspielern, die doch irgendwie immer primär sich selbst spielen, und keinem anderen von diesen ist es gelungen, dies so konstant grandios und oscarreif zu tun wie Nicholson. Das fiese Grinsen mag immer das selbe sein, ebenso die erhöhte, in Falten gelegte Stirn und die diabolischen Augenblicke, aber dem Exzentriker des New Hollywood – sanft im Mainstreamkino der Gegenwart gelandet – gelingt es eins ums andere Mal, diese klassischen Trademarks in neue Rollenbilder und Charaktere zu transferieren. Nicholson ist immer Nichsolson und doch immer jemand anderes.

Ich kann es nicht mit absoluter Gewissheit sagen, aber ich bin mir fast sicher, dass mein erster Kontakt mit Jack Nicholson Die Hexen von Eastwick (1987) war, den ich ja schon ordentlich bei den besten Fantasyfilmen der 80er Jahre abgefeiert habe. Und ich meine, hey, kann es einen besseren Erstkontakt mit dem charismatischen Darsteller geben? Er spielt in diesem Film den Teufel. The fucking Devil! Nichts weniger als eine Paraderolle. Dieser Auftritt und die bald folgende grandiose Joker-Verkörperung in Tim Burtons Batman (1989) – dass diese außerirdisch gut war, sollte auch in Zeiten von The Dark Knight ruhig noch mal besonders betont werden – sind wohl dafür verantwortlich, dass ich Jack Nicholson erst einmal für lange Zeit mit der Rolle des Bösewichts gleichsetzte. Immerhin kommt er in dieser auch darüber hinaus mehr als oft genug vor: Der psychopathische Autor/Killer in Stanley Kubricks Shining (1980), der fiese Colonel in Eine Frage der Ehre (1992), der zynische Misanthrop in Besser gehts nicht (1997) oder zuletzt der skrupellose Gangsterboss in Departed (2006)… Nicholson beherrscht einfach die bösen, gehässigen, sympathisch unsympathischen Charaktere aus dem Eff-Eff.

Trotzdem fällt an dieser Aufzählung mehr als deutlich auf, dass seine charismatischen Auftritte als Super-Villain primär in der jüngeren Kinogeschichte stattfinden. Denn so fies Nicholson auch grinsen, so gehässig er ätzen und ekeln kann, sein charakteristisches Auftreten prädestiniert ihn keineswegs nur für die “bösen” Charaktere. Dessen wird man sich als Filmfreund mit großer Affinität zum New Hollywood spätestens dann bewusst, wenn man weiter zurückreist und immer wieder auf Spuren Nicholsons in der Filmgeschichte trifft. Sein stärkster Auftritt ist wohl bis heute in dem wunderbaren Drama Einer flog über das Kuckucksnest (1975) von Miloš Forman: Ein Kleinkrimineller von der Straße, ein Rebell gegen das System, ein Lebemann…aber auch ein Mensch, der sich seiner Rolle in der Gesellschaft bewusst wird und bemüht ist, im Rahmen seiner Möglichkeiten das Richtige zu tun. Für diese diffizile, hervorragend gemeisterte Aufgabe gewann Jack Nicholson vollkommen zurecht den Oscar, nachdem er Dank seiner Rolle in Easy Rider (1969) quasi über Nacht zum Star geworden war.

Auch in Jimmy Hoffa (1992), Chinatown (1974), Wenn der Postmann zweimal klingelt (1981) oder Das letzte Kommando (1973) ist Nicholson immer wieder in Rollen zu sehen, die ihn nicht als klassischen Bösewicht präsentieren und ihm trotzdem die Gelegenheit geben, mit seiner ganz eigenen charismatischen Art, diesen Figuren Nicholson’sche Aspekte abzugewinnen. Die Verzweiflung und Abgefucktheit des Privatdetektivs, den kopfverlierenden und verzweifelt verliebten Rumtreiber, den väterlichen, sympathischen Soldaten… Nicht zuletzt auch seine jüngsten Rollen, die des gealterten Menschen, der mit seinem eigenen Leben konfrontiert wird – am besten und prototypischsten wohl in About Schmidt (2002) – stellen unter Beweis, wie vielfältig Nicholson in seiner eigenen Art ist. Vielleicht ist dann auch das treffendste Urteil über diesen Schauspieler, der Hollywood wie nur wenige andere seinen Stempel aufgedrückt hat: Er spielte immer sich selbst und war doch immer jemand anderes.

Happy Birthday Jack Nicholson, vielen Dank für die grandiosen darstellerischen Leistungen, und bewahren sie sich immer ihren gehässigen Blick und ihre charismatische Mimik.

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