Die 80er Jahre: Die besten Science Fiction Filme des Jahrzehnts II

Genre-Hybriden sind einfach das Beste… Warum auch sich mit nur einer Schublade begnügen, wenn man es sich gleich in einem Dutzend davon gemütlich machen kann? Die folgenden 80er Science Fiction Meisterwerke jedenfalls springen munter zwischen den Stühlen: Von Horror und Science Fiction (Dreamscape) von Drama und Science Fiction (Enemy Mine, Cocoon), von Action und Science Fiction (The Terminator, Aliens), von “Was zur Hölle versuchst du mir zu sagen?” und Science Fiction (Dune – Der Wüstenplanet) und lassen sich dabei dennoch alle wunderbar dem futuristischen, utopischen/dystopischen und prophetischen Genre zuordnen.

Dreamscape – Höllische Träume [Joseph Ruben]

(USA, 1984)

Na, dann legen wir mal los mit einem astreinen Genrehybriden. In Dreamscape geht es um Träume, Alpträume genauer gesagt, die Dank hochmoderner Technologie mögliche Manipulation von Träumen und eine politische Verschwörung, die sich diese zu Nutzen machen will. Folgerichtig pendelt der dunkle, effektgeladene Thriller permanent zwischen klassischem Science Fiction, Utopie (mit dystopischem Vorzeichen), Fantasy und Politthriller mit Verschwörungsattitüde, macht dabei allerdings nicht in allen Gefilden eine ausgezeichnete Figur. Was jedenfalls perfekt funktioniert, ist sein dunkles, ziemlich beängstigendes Sci-Fi-Szenario, das Spiel mit Traum und Wirklichkeit und die Thematisierung der subversiven Macht, die der Traum-Einbrecher in den Händen hält. Jepp, das reicht beinahe, um einen Prototypen von Inception vor sich zu sehen, sorgt aber in erster Linie für saubere und spannende Unterhaltung und ein rundes, actiongeladenes Abenteuerszenario.

Terminator [James Cameron]

(USA, 1984)

Auf der Hitliste der 90er Jahre fiel mir die Einordnung nicht schwer: Das mächtige CGI-Spektakel Terminator 2 konnte einfach nur bei den besten Actionfilmen landen. Sein Vorgänger bietet zwar auch einige atemberaubende Actionszenen, viele schweißtreibende Verfolgungsjagden und mitreißende Kämpfe, bewegt sich aber viel weniger in den Regionen des Spektakel-Kinos, nicht zuletzt Dank seiner düsteren, schmutzigen Inszenierung ist The Terminator (damals noch mit direktem Artikel) alles andere als ein effektgeladener Blockbuster-Hit. Die Jagd des Killerroboters aus der Zukunft bietet sattdessen dunkle Horrormomente, klassische Thriller-Zutaten, Science Fiction Elemente und vor allem… eine ungemein kraftfolle, dystopische Gesamtatmosphäre. Jepp, mit der Vision einer technisierten Menschheit, deren Technik sich final gegen sie wendet, mit Flashbacks aus dem apokalyptischen Krieg und mit einem nur  kleinen, wirklich kleinen Funken Hoffnung ist Terminator eine astreine, düstere Anti-Utopie, in der technologischer und sozialer Pessimismus eine giftige Mischung ergeben und gemeinsam einen rohen Independent Sci-Fi-Bastard generieren. Einer der besten, beklemmendsten und furchteinregendsten Filme des Genres, perfekt in die Dark Science Fiction Ecke passend und tatsächlich durch seine Nachfolger fast ein wenig entehrt, da diese eben doch ein kleines bisschen zu sehr auf Spektakel und Action und zu wenig auf die grimmige, unheilschwangere Atmosphäre dieses Meisterwerks setzten.

Cocoon [Ron Howard]

(USA, 1985)

Das genaue Gegenteil dieser zivilisationskritischen, pessimistischen Dystopie inszeniert Ron Howard mit seinem humanistischen, warmherzigen Science Fiction Drama Cocoon. Ein von Außerirdischen geschaffener Jungbrunnen, eine Gruppe Senioren, die sich diesen zu Nutze macht und ein anstehender Besuch aus dem All sind in dieser kleinen Perle die perfekten Zutaten für eine liebevolle – aber keineswegs plump naive – Abhandlung universeller menschlicher Themen: Leben und Tod, Jugend und Alter, das Hoffen auf Unsterblichkeit und zugleich die Sehnsucht nach den einfachen Dingen, die glücklich machen… All dies zelebriert dieser oftmals unterschätze Fantasy/Science Fiction Hybrid mit viel Liebe zum Detail, Empathie für alle Protagonisten und dem nötigen Schuss Leichtfüßigkeit, um nicht zur pathetisch aufgeladenen Kunstfilm-Parabel zu verkommen. Ein kleiner, großer Filmdiamant, der das Herz am rechten Fleck und den Geist in den richtigen Sphären hat.

Enemy Mine – Geliebter Feind [Wolfgang Petersen]

(Deutschland, USA, 1985)

Wo wir gerade bei Menschlichkeit sind… Ja, ich liebe diesen utopischen Antikriegsfilm, diese sentimentale Science Fiction Parabel, in der mitten im Krieg ein Mensch und ein feindliches Alien aufeinander treffen und sich miteinander anfreunden. Klar, das ist rührselig bis zur Peinlichkeit, bis zum Kitsch, aber gerade in seiner kompromisslosen Emotionalität, in seinem humanistischen Hang zum großen Pathos und in seiner so einfachen Botschaft einfach umwerfend schön. Vielleicht genau die Emotionalität die James Cameron mit Avatar erreichen wollte – und unter einem Berg übertrieben bunter Special Effects begrub – Dank der einfachen Low Budget Atmosphäre perfekt inszeniert, so dass es auch heute noch zu bewegen weiß. Peinlicher Lieblingsfilm? Who cares! Enemy Mine ist ein fantastisches menschliches Drama, das die Welt vielleicht nicht besser macht, aber genau weiß, wo die Tränendrüsen sitzen und diese auch für zwei Stunden perfekt bedienen kann.

Dune – Der Wüstenplanet [David Lynch]

(USA, 1984)

David Lynch macht auf Science Fiction und alle schreien “What the Fuck!?”. Er macht es uns aber auch wirklich nicht einfach mit dieser mystifizistischen, bizarren, symbolisch überladenen und traumwandlerischen Space Opera, in deren Zentrum der Kampf um Macht, Ruhm und Wahrheit steht. Dabei muss man als Zuschauer gar nicht alles verstehen, was die Verfilmung des gleichnamigen Romans Der Wüstenplanet (1965) auffährt, viel wichtiger ist, wie er dabei wirken will. Ganz ähnlich wie Stanley Kubricks Space Odyssey lebt Dune von den fantastischen Bildern, seiner surrealen, vagen Atmosphäre und den großartigen Subtexten, die wie Sandwürmer aus dem irrealen Szenario hervorschnellen, um sich gleich darauf wieder in seltsamen, obskuren Bildern zu vergraben. Dune ist ganz eigenartig, einzigartig, verloren, mäandernd und verzaubernd… Eben genau das, was man erwartet, wenn David Lynch einen Science Fiction Film dreht, inklusive aller “What the Fuck!?”s.

Aliens – Die Rückkehr [James Cameron]

(USA, 1985)

Für die WTF?s sind andere gut, mit Sicherheit nicht James Cameron. So krallt er sich das Szenario von Ridley Scotts Klassiker Alien (1979) und transferiert den düsteren Weltraumhorror in einen Science Fiction Action Kracher. Ganz ähnlich wie Terminator 2 könnte auch diese Fortsetzung Dank ihrer Lautstärke, ihres schnellen Schnitts und ihrer geladenen Kämpfe bei den besten Actionfilmen des Jahrzehnts auftauchen. Fifty, fifty würde ich sagen. Für den Sci-Fi-Touch sorgen die Außerirdischen, die klaustrophobische Atmosphäre der belagerten Weltraumstation sowie der coolste Android ever Bishop, während die Marines, die futuristischen Waffen und die stetig nachrückenden Alien-Horden für den hochexplosiven Thrill verantwortlich sind. Okay, die Atmosphäre von Teil 1 geht dabei ein wenig verloren (und wird im unterbewerteten dritten Teil wiedergefunden), dafür glänzt Aliens mit einer immer noch verdammt toughen Ripley, viel Suspense, cooler High Tech Action und einer ordentlichen Portion Zunder. Blockbuster Kino at its finest.


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