Die 80er Jahre: Die besten Horrorfilme des Jahrzehnts V

Bald sind wir durch mit den Horrorfilmen der 80er Jahre… und ich habe wieder festgestellt, dass gerade dieses Genre in diesem Jahrzehnt bestens dazu geeignet ist Lächerlichkeit und Genialität aufeinanderprallen zu lassen. So ganz ohne Albernheiten und Peinlichkeiten kommen auch die nun genannten Filme nicht aus… und bewegen sich dennoch auf hohem bis höchstem Niveau. In Die Hand lässt Oliver Stone den menschlichen Körper Amok laufen, während dieser in Das Tier und Katzenmenschen gleich vollständig zu seinem animalischen Spiegelbild mutiert. Animalische Geschöpfe bilden auch in Wolfen die Hauptbedrohung, wenn auch geschickt durch Mystery und Ökothriller-Momente aufgebrochen. Und in dem B-Movie-Flick From Beyond drehen sowieso alle komplett am Rad: Menschen, Tiere, Dämonen… und feiern ein makaberes, groteskes Festival des Grauens. There will be blood, baby…

Die Hand [Oliver Stone]

(USA, 1981)

Ich glaube, ich habe es schon mal an anderer Stelle gesagt: Ich bin echt nicht der größte Oliver Stone Fan: Die Besserwisserei gepaart mit der aggressiven Inszenierung, die mitunter flache, inhaltsleere Polemik… das alles geht mir in seinen Wirtschafts- und Politthrillern mächtig auf die Nüsse (jaja, Wall Street ist ein verdammtes Meisterwerk). Aber genau jener kaltblütige, offensive Inszenierungsstil eignet sich einfach perfekt für Horrorfilme. Das stellt zumindest der irgendwie ziemlich britisch inszenierte Schocker Die Hand unter Beweis. Die Geschichte um sich verselbständigende Körperteile, alptraumhafte Visionen und unkalkulierbare Affekte ist eine rohe, unterkühlte Farce und Satire auf die amerikanische Upperclass und zugleich ein düsterer, perfekt komponierter Horrortrip. Nicht nur Dank der raffinierten, psychologisch sezierenden Inszenierung eine würdige Weiterführung Hitchcock’scher Ideen in die Post-Hitchcock-Ära.

Das Tier [Joe Dante]

(USA, 1981)

Werwölfe waren in den frühen 80ern das, was Vampire heute darstellen. Neben An American Werewolf in London gehört Joe Dantes Das Tier mit zu den beeindruckendsten Vertretern dieses Horror-Subgenres. Dante versteht sich wie schon in Gremlins darin, geschickt mit den Dispositionen des klassischen Monsterhorrors zu spielen, transferiert Gothic Novel, Pop-Art und B-Movie-Charme in seine ganz eigene Vision einer zeitgemäßen Werwolf-Enklave, die die gesamte Menschheit vernichten will. Dank zahlloser ironischer Brechungen, die allerdings nie die eigentliche Idee des Genres – zu gruseln – verraten, ist The Howling ein eleganter, postmoderner Horror-Schinken, der an die Glanzzeiten des Genres erinnert und dieses gleichsam – ohne Rücksicht auf Verluste – zerstört und wieder neu zusammensetzt.

Wolfen [Michael Wadleigh]

(USA, 1981)

Wie gesagt… Frühe 80er Jahre und Wolfhorror: Gehört einfach zusammen. Während Dante wie viele andere Regisseure der damaligen Zeit auf einen ironischen, postmodernen Umgang mit dem Topos Werwolf setzt, vermengt Michael Wadleigh in Wolfen klassischen Monsterhorror mit den in den 80er Jahren ebenfalls beliebten Tierhorror-Filmen und spinnt geschickt eine ökologische Botschaft in die Geschichte um einen Wolfsrudel, der sich gegen die Verdrängung durch die menschliche Zivilisation zur Wehr setzt. Im Gegensatz zu vielen oberflächlichen Tierhorror-Filmen der damaligen Zeit, gelingt es Wolfen tatsächlich einen Punkt zu setzen, Zivilisationskritik mit mysteriösem Grusel und blutigem Horror zu kreuzen und eben dennoch immer zur wesentlichen Geschichte zurückzufinden. Ein verflucht mutiger Brückenschlag, der in diesem Fall leider nicht belohnt wurde: Wolfen floppte an den Kinokassen und entwickelte sich erst später zu einem Genre-Kultfilm.

Katzenmenschen [Paul Schrader]

(USA, 1982)

Tierhorror der etwas anderen Art bekommt der Zuschauer dagegen in Paul Schraders Katzenmenschen geboten, dem Remake eines gleichnamigen Horrorfilms aus dem Jahre 1942. Hier spielt weniger der Kampf gegen die Zivilisation als viel mehr der Kampf mit der eigenen Sexualität eine entscheidende Rolle beim Mensch/Tier-Konflikt. Die Geschichte von einem Geschwisterpaar, das sich durch Sex mit anderen Menschen (außer den eigenen Familienmitgliedern) in schwarze Panther verwandelt, ist intelligenter, dunkler – oft genug aber auch verdammt unterhaltsamer – Fantasyhorror, der geschickt zwischen Mystery, Erotikthriller und hypnotischem Grusel laviert. Dabei gelingt es dem Film auf immer wieder erstaunlich unangepasste Weise, die Harken zu schlagen, die der Zuschauer am wenigsten erwartet, durch raffinierte Story- und Charakterentwicklungen zu verblüffen und zu begeistern. Horror, Fantastik und Tragik gehen eine harmonische Melange ein und generieren dabei einen spannenden, erotisch aufgeladenen und animalischen Alptraum.

From Beyond [Stuart Gordon]

(USA, 1986)

Und zum Abschluss noch ein wenig Fucked Up Bodyhorror vom Kultfilm-Regisseur Stuart Gordon (Re-Animator). From Beyond handelt – frei nach einer Vorlage des Horrormeisters H.P. Lovecraft – von grauenhaften Experimenten, die Dämonen aus anderen Sphären zum Leben erwecken und Menschen in sexhungrige, zerrissene Wesen verwandeln. Wer Gordons Horror-Flickenschusterei kennt, dürfte ahnen, wo die Reise hingeht: Durch ein vollkommen übersteuertes, Splatter/Horrorszenario, das permanent zwischen Albernheit, Over The Top Gore-Horror, übersinnlichem Hokuspokus und im Grunde genommen ziemlich intelligenten Subtexten pendelt. Dazu gibt es noch surreale Bilderreigen, extreme Farbspielereien und eine ordentliche Brise Bodyhorror-Zwangsenteignung, auf deren Absurdität auch David Cronenberg stolz wäre. And that’s it… alles, was der Fan des 80er Jahre B-Movie-Terrors benötigt. Masterpiece!


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