Die 80er Jahre: Die besten Horrorfilme des Jahrzehnts IV

In Teil vier darf es wieder etwas bissiger, gehässiger und auch blutiger zugehen… Für eine ganze Ladung Innereien und blutiger Schockeffekte sorgen der Kultfilm-Zwillingsbastard The Evil Dead sowie seine Fortsetzung Evil Dead 2, die hierzulande wohl am ehesten unter dem Titel Tanz der Teufel bekannt sein dürften. Ebenfalls bizarr und mit ner Menge Blut arbeitet die Gothic Novel Adaption Docteur Jekyll et les femmes, die alles andere ist als bloß eine weitere Schauergeschichte der Düsterromantik. Etwas ruhiger und subtiler hingegen ist John Carpenters Geister-Märchen The Fog – Nebel des Grauens, während Gremlins – Kleine Monster den Horror vergnügt zum Mainstreampublikum führt. And last but not least, An American Werewolf in London, der der eigentlich abgegessenen Werwolf-Thematik nicht nur neue Seiten entlockt, sondern darüber hinaus auch als verflucht guter Horrorschocker zu unterhalten weiß.

Tanz der Teufel – The Evil Dead [Sam Raimi]

(USA, 1981)

Die bescheuerte Titelübersetzung von (dem bescheuerten ) The Evil Dead zu (dem noch bescheuerteren) Tanz der Teufel wollen wir jetzt mal kurz mit Missachtung strafen und uns stattdessen den cineastischen Qualitäten dieses Horror/Splatter-Flick Meisterwerks widmen. Denn nichts anderes als ein Meisterwerk ist diese obskure Mischung aus Grusel-Fantasy, B-Movie, Splatter/Gore-Fest, klassischem Horror und satirischer Ekel-Comedy. Das seltsamste an Evil Dead ist dann doch immer noch, dass er wirkt, dass er trotz seiner Lächerlichkeiten, seiner absurden Gewalt, seinem trashigen Charme, Angst einflößen kann, dass da hinter der ganzen launigen Exploitation-Fassade eben doch was Unheimliches, Grauenerregendes lauert. Er kann Angst machen, Alpträume auslösen, zartbesaitete Zuschauer das Fürchten (oder den Ekel) lehren. Ja, natürlich, man sollte nicht unter den Teppich kehren, dass Tanz der Teufel billig, obskur, flach, mitunter einfach nur schlecht ist… ABER, er ist nicht nur ein für seine Zeit verdammt origineller, verquerer Horrorschocker, sondern kann auch heute noch bestens unterhalten. Völlig zurecht ein Kultfilm, den jeder Mensch mindestens einmal im Leben gesehen haben sollte.

Evil Dead 2 [Sam Raimi]

(USA, 1987)

Der Remake/Sequel-Bastard Tanz der Teufel 2 frühstückt eine Variation der Handlung des ersten Teils gerade mal in einer viertel Stunde ab, um danach zum Wesentlichen überzugehen: Einem einzigartigen Horror-, Gore-, Comedy-, Fantasy- und Splatter-Festival. Die Variation der dämonischen Fluch-Thematik des ersten Teils ist höllisch vulgär, brutal, kompromisslos und dabei sau komisch, irgendwie immer noch verdammt gruselig, gleichzeitig jedoch einen ordentlichen Fetzen selbstironischer, selbstsicherer, geladener, temporeicher, voller, übervoller… einfach die perfekte Fortsetzung zu einem Film, der trotz begrenzten Budgets mehr sein wollte. Evil Dead 2 ist nun mehr, mehr von allem: Mehr Dämonen, mehr Gewalt, mehr Flüche, mehr Selbstauflösung, mehr ironische Brechung… schlicht ein episches Meisterwerk von einem postmodernen Horrorfilm: Nichts für Zimperlischen, aber wie bereits Teil eins eine essentielle cineastische Horror-Erfahrung.

American Werewolf [John Landis]

(USA, 1981)

Selbstironie hat der Monster- und Bodyhorror-Film An American Werewolf in London auch reichlich zu bieten… und dennoch, trotz des schwarzen Humors, der zahllosen makaberen Momente und der absurden Situationen handelt es sich bei John Landis’ Kultflick um eine waschechte Horror-Tragödie. Die Mutation eines jungen Amerikaners zum werwölfigen Monster ist eine tragische Farce, in der der Horror – wie so oft im 80er Jahre Kino – nicht nur von außerhalb sondern vom Inneren des Menschen ausgeht, Motive wie Selbstauflösung und Identitätsverlust auf eine direkte, unmittelbar bedrohliche Genre-Ebene transferiert. Dabei bedient sich der kleine, gehässige Schocker geschickt bei klassischen Gothic Novel Dispositionen und kreiert daraus doch seinen ganz eigenen fiesen, bösartigen Trip zu den animalischen Seiten des Menschen.

The Fog – Nebel des Grauens [John Carpenter]

(USA, 1980)

Und noch einmal B-Movie-König John Carpenter und ebenfalls wie bei “Das Ding aus einer anderen Welt” auf der Höhe seiner Schöpfungskraft. Im Gegensatz zu seinen anderen, oft sehr direkten, unmittelbar aggressiven Horrorschockern arbeitet die Geistergeschichte The Fog mit dem subtilen, nicht zu sehenden Grauen, das in der Dunkelheit, der Vergangenheit und vor allem im titelgebenden Nebel schlummert. Zu sehen gibt es dementsprechend relativ wenig, der Gore-Faktor wird extrem zurückgeschraubt und die Erzählung verlässt sich voll und ganz auf die unheimliche Kraft der abstrakten Bedrohung. Ein Konzept, das aufgeht: Der Nebel des Grauens ist ein für Carpenter-Verhältnisse ungewöhnlich passiver, sublimer Horror-Trip, der mit der vollen Wucht der Imagination daherkommt und letzten Endes doch noch zum realen Grauen und zur unmittelbaren Angst findet. Auch im Horror ist “weniger” oft genug “mehr”, wie diese minimalistische Horror-Installation eindrucksvoll unter Beweis stellt.

Docteur Jekyll et les femmes [Walerian Borowczyk]

(Frankreich, 1981)

Zu den wohl ungewöhnlichsten Horrorfilmen der 80er Jahre zählt definitiv Walerian Borowczyks Interpretation der berühmten Gothic Novel Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde (1886). Der polnische Regisseur krallt sich die Motive der literarischen Vorlage und zaubert aus ihnen einen düsteren, verqueren, alptraumhaften Trip, der zwischen hypnotischem Surrealismus, groteskem Exploitation-Humor und aggressiven Gore-Szenen von einer ganz und gar progressiven Atmosphäre getragen wird. Irgendwo zwischen abstrakter Mär, psychedelischem Trip und sexualisiertem Terror besitzt Docteur Jekyll et les femmes einen ganz eigenen unheimlichen, ästhetizistischen Sog: Horror als Kunst, Horror als verstörende, erotische Erfahrung, Horror als Realitätsverlust… in diesem verzweifelten, stilvollen, bizarren und grotesken Alptraum fließt dies alles zusammen: Berauschend, verstörend, komisch… und einfach nur verdammt gut.

Gremlins – Kleine Monster [Joe Dante]

(USA, 1984)

Phew… dann doch noch ein bisschen Blockbuster-Kost zum Abschluss. Gremlins ist ein fieser, gehässiger Monsterhorror-Bastard, dessen koboldartigen Kreaturen irgendwo zwischen niedlich, bedrohlich und schreiend komisch zu verorten sind. Neben dem wunderbar absurden – ja, auch ziemlich knuddeligen – Horrorszenario, das durch den Terror der kleinen Monster in der Nachbarschaft entsteht, ist Gremlins auch ein grimmiger Abgesang auf Konsum und geheuchelte Harmonie zur Weihnachtszeit, auf das Spießertum amerikanischer Vorstädte und die bigotte, christliche Gesellschaft im Allgemeinen. Dabei vergisst diese verflucht launige Horrorkomödie aber nie Spaß zu machen und zu unterhalten: Gespickt mit zahllosen raffinierten Actionszenen, gewürzt mit einer ordentlichen Brise Humor, geadelt mit einer perfekten Dramaturgie, einer der besten Popcorn-Horrorfilme überhaupt und Dank der tollen Tricks und dichten Atmosphäre durch und durch zeitlos.


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