Hörenswertes März 2012: Bear In Heaven, VCMG, Big K.R.I.T., Dry The River, Rusko

So langsam fängt es wieder an Spaß zu machen. Nach einem mehr als schnarchigen Jahres-Einstieg mit mittelprächtigen bis unspannenden Alben gibt es so langsam wieder was erzählen. Die folgenden Alben geben einem jedenfalls den Glauben daran zurück, dass es noch mehr als langweiligen Chillwave in Dauerwiederholung oder den Retro-Sound vom Retro-Sound gibt. Bear In Heaven wollen nach dem Debut unter Beweis stellen, dass man auch nach dem Brooklyn Hype weiterexistieren kann, VCMG ist Synthie von Synthie Pop-Legenden und möchte an den Techno unserer Zeit anschließen, Big K.R.I.T demonstrieren, wie sehr die Amis derzeit mit hochklassigen TV-Serien und tollen Mixtapes verwöhnt werden, Dry The River verlassen das Lagerfeuer und gehen steil und Rusko mag es schlicht, auch beim Albumtitel, der schlicht “Songs” heißt.

Bear In Heaven – I Love You, It’s Cool

(Secretly Canadian/Cargo, 30.03.2012)

2010, Haldern Pop Open Air, Spiegelzelt. Ich habe mich soeben an die betonte Unaufgeregtheit, die zu dem höchstsympathischen Festival passt, gewöhnt,  aber irgendwas fehlt mir noch… Ein Stunde später weiß ich, was es war: Der Aufritt von Bear In Heaven ist elektrisierend, mitreißend und nach langer Zeit kaufe ich wieder ein Album direkt vom Stand. Die Atmosphäre des Live-Auftritts übertrug sich damals leider nicht 1:1 auf das Album Beast Rest Forth Mouth, aber es war trotzdem guter psychedlischer Indie-Pop, der nicht wie bei den Kollegen der Chillwave im gelangweilten Nirvana endete, sondern eine klare Pop-Song-Struktur besaß. “I Love You, It`s cool” streicht sich mal mehr 80er Jahre Pop ins Gesicht und geht mit Uptempo Beat Richtung Dance, während das Indie-Element, das Avantgardistische in den Hintergrund rückt. Das wäre duchaus ok, wenn Bear in Heaven großartige Songsschreiber wären, aber wie man nun auf I Love You, It’s Cool erkennt können sie es leider nicht 100% und liefern so ein maues Update ihres interessanten Debüts.

VCMG – SSSS

(Mute, 09.03.2012)

Martin Gore und Vince Clarke haben ihre jahrzentlangen Streit beendet und warum und wieso man sich überhaupt getrennt hat weiß auch keiner mehr so wirklich. Wo es gerade so schon läuft, hat man ein Technolbum zusammen produziert und SSSS knarzt und zischt aus irgendwelchen alten Keyboards; jedenfalls klingt der Sound trotz Techno ein wenig oldschool und eher wie Spät-80er Alben der Acid House Bewegung denn irgendwas Hochmodernes. Die Vorgeschichte ist somit interessanter als das Album selbst, das eben wie ein ordentliches Techno-Album im Vintage-Style daher kommt, aber doch hinter zeitgenössischen Bands wie Mouse on Mars oder Künstlern wie Roman Flügel liegt. Das obligatorische Remix-Album, welches hoffentlich noch kommt, könnte dann wirklich spannend werden.

Big K.R.I.T – 4evaNaDay EP

(Free MP 3 Download)

Ohne Scheiß, da gibt es ein 80er Saxophon im Hintergrund und es klingt sogar gut. Big Krit gehört zwar nicht zum Hardcore Underground, hat aber ein paar fine Tunes und anstatt sich dem momentanen Dance-Trend anzubiedern oder durch abstrakte Ryhtmen Crediblity bei Querdenkern zu sammeln, ist das das 4evaNaDay-Mixtape einfach ein gutes Hip Hop Album und das will,  trotz sichtbaren Aufwärtstrends, was heißen. Bleibt zu hoffen, das Krit nicht seine besten Ideen auf diesem Mixtapes verbrät und wie J.Cole ein glattgebügeltes Mainstream-Album hinterher haut.

Dry The River – Shallow Bed

(Sony,02.03.2012)

Mumford & Sons haben wohl den Weg geebnet, den Dry The River nun ebenfalls beschreiten. Dieser führt weg von Wald & Wiesen-Festivals hin zu den großen Konzerthallen. Ok, noch sind das nur Utopien, aber welche, die relativ nahe liegen, denn Shallow Bed baut die Breitwand-Version von Folk und fügt dieser noch Indie-Rock hinzu. Es war auch langsam Zeit dass jemand was in Sachen Folk unternimmt, bevor dieser endgültig in die Heimeligkeit eines katholischen Landschulheimes übergeht. Shallow Bed ist dagegen mehr die Pop-Variante von schottischen Bands wie Frightened Rabbit, die aber auch noch tolle Songs schreiben können und es nicht ganz so eintönig wie Dry The River angehen, die zwar von Postrock Ausflügen bis Coldplay alles unternehmen, um ihren Sound spannend zu halten aber gerade an dem dünnen Stimmchen von Sänger Pter Liddle  scheitern. Dieser weiß keine Whisky- getränkten Dramen zu erzählen, sondern klingt nach zerbrechlichem Jüngling mit erstem Bart-Flaum. So bleibt  es aber immer noch Mädchenmusik für Fortgeschrittene.

Rusko – Songs

(Mad Decent/Downtown Music, 23.03.2012)

Wuaa, ein Ohrwurm ist das! Somebody To Love geht einem nicht mehr aus dem Kopf, obwohl der Song einfach nur direkt für den Tanzflur produziert wurde und nichts außer Party sein möchte. Rusko, aka Christopher Mercer aus Leeds sieht sich selbst auch ganz ehrlich nicht als integeren Künstler, sondern in den Form des DJs, der die Meute unterhalten und zum Tanzen animieren möchte. Da können die Düstermänner aus East London noch so rummeckern wie sie wollen, aber ihr Baby ist gerade in den Staaten eben nicht mehr Dubstep sondern nennt sich Brostep und ist sowas wie der Techno-Sound in good old Europe, der Anfang der 90er als Subkultur-Phänomen in den Mainstream einzog. Auch wenn es Richtung Party geht hat Songs ein paar angenehme Ausreißer in andere Genres, wie z.B den trippigen Dub (diesmal ohne Step) in “Shanker” oder “Love No More”, aber auch verhuschten Trance in “m357″. Das ist dann doch angenehmer als der auf die die Zwölf-Sound von Skrillex. Wohin die Reise für Rusko geht, wird man sehen, aber hoffentlich endet sie nicht bei einer Massentechno-Veranstaltung. Ich muss jedenfalls zugeben, dass ich nach dem trashigen Somebody To Love nicht viel erwartet habe und nach diesen knappen 50 Minuten doch zufrieden bin.

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